100% Aufmerksamkeit

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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BarbaraU
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Re: 100% Aufmerksamkeit

Beitragvon BarbaraU » 10.07.2019, 20:22

Hallo Jonas,
das hört sich auf jeden Fall plausibel an und würde das ganze auch irgendwie erklären.
Aber ich denke, nach so einer langen Zeit, wo wir jetzt Tag und Nacht an ihrer Seite sind, müsste da doch auch eine Besserung auftreten. Die Maus hat so leichte Antennen, sogar wenn ich versuche sie im Schlaf am Tag abzulegen, wacht Sie sofort auf und fängt an zu weinen..
Bin ein wenig ratlos, wie lange das noch so weiter gehen soll.. Wenigstens alleine schlafen wäre schön so toll..
Sie schläft nur unter Körperkontakt ein, wenn ich sie in der Trage habe, klammert sie sich sogar noch an mir fest..
Ich versuche ihr doch schon alle Sicherheiten zu geben..
LG

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Engrid
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Re: 100% Aufmerksamkeit

Beitragvon Engrid » 10.07.2019, 21:03

Hallo,

da können durchaus noch andere Aspekte mitspielen.
Zum Beispiel ist Kontrollverhalten eine Bewältigungsstrategie meines Sohnes gegen Unsicherheit und empfundenes Chaos.
Je weniger er seine Umwelt versteht, desto mehr hat er versucht Kontrolle zu bekommen, und eben auch über Bezugspersonen. Das ist verständlich, aber nicht gesund für die Beziehung. Wir haben also den Kontrollzwängen, wo wir sie erkannt haben, widerstanden. Und gleichzeitig in anderen Bereichen versucht, ihm zu mehr Kontrolle und Selbstwirksamkeitserfahrung zu verhelfen.
Habt Ihr schon mal mit einer UK-Beratungsstelle Kontakt aufgenommen? Egal wie viel oder wenig jemand kann, es gibt immer Möglichkeiten Unterstützter Kommunikation, das verschafft solche Erfahrungen, weil mehr Verstehen da ist.
Das wäre jetz was naheliegendes, was mir einfällt.

Ein anderer Punkt: Kann es sein, dass sie Wahrnehmungsstörungen hat? Sich nicht richtig spürt? Dann hat vielleicht die Ergo Tipps aus der Sensorischen Integration? Mein Sohn zb wird verblüffend gut „zentriert“ in einer Vierpunkthängematte, da spürt er seinen Körper besser durch die minimalen Bewegungen und die Austarierung, und ist viel ruhiger.


Auch wenn da viel von einer Krankenhaustraumatisierung kommen könnte, dann ist es doch wichtig, Wege zu finden, denn der aktuelle Zustand ist ja sowohl für Dich untragbar, als auch für Deine Tochter langfristig nicht gut.

Grüße
Engrid
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Re: 100% Aufmerksamkeit

Beitragvon BarbaraU » 10.07.2019, 21:13

Hallo Engrid,
vielen Dank für deinen Beitrag und deine Info mit Der UK Beratung. Werde das nächste Woche direkt bei unserer Betreuerin von der Frühförderung ansprechen.
Es ist so schwer vieles zu verstehen, oder deuten zu können.
LG
Barbara

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Re: 100% Aufmerksamkeit

Beitragvon Engrid » 10.07.2019, 21:46

Hallo Barbara,

falls die Frühförderin im Thema UK noch nicht so drin ist (kommt vor), dann kannst Du Dir direkt hierüber Deine nächste unabhängige UK-Beratungsstelle suchen:
http://www.gesellschaft-uk.de
Mindestens „basale Kommunikation“ geht immer, und da können Profis viel helfen.
Engrid
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Re: 100% Aufmerksamkeit

Beitragvon BarbaraU » 11.07.2019, 02:19

Hallo Engrid,
vielen lieben Dank!
Es wäre sehr schön, wenn uns darüber evtl. etwas geholfen werden kann.
LG
Barbara

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Re: 100% Aufmerksamkeit

Beitragvon Anjali » 11.07.2019, 07:36

Ergänzend zu Engrids Beitrag fallen mir noch die Aspekte Routinen/Rituale und Vorhersehbarkeit, Orientierung und Ordnung im „Chaos“ ein.
Tag- und Nachtschlafverhalten sind sehr unterschiedlich.
Das könnte ein Indiz für ein stark ritualisiertes Schlafverhalten am Tag sein.

Die drei Personen bei denen deine Tochter nicht fremdelt, sind diejenigen, die sie wohl am besten „lesen“ kann. D.h. deren Reaktionen und Verhalten für sie am besten vorhersehbar und einschätzbar sind. Ihr seid auch diejenigen, von denen sie „erwarten“ kann, ihre Bedürfnisse jederzeit zu erkennen und zu erfüllen. Sobald jemand „Neues“ ins Spiel kommt, ist diese Sicherheit nicht mehr gegeben.

Das sind jetzt reine Spekulationen und ausdrücklich als solche zu werten.
Aber wenn man über mögliche Aspekte wie Routinen, Rituale, Struktur, Lesbarkeit, Vorhersehbarkeit, Ordnung, Kontrolle. nachdenkt, ergeben sich vielleicht noch weitere Lösungsansätze.
Routinen/Rituale könnten evtl. nach und nach abgeändert oder durch neue Rituale ersetzt werden, ein evtl. Bedürfnis nach Vorhersehbarkeit und Struktur vielleicht noch auf anderen Wege als bisher oder einfach noch stärker unterstützt werden usw.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

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Re: 100% Aufmerksamkeit

Beitragvon Anjali » 11.07.2019, 08:27

Ich weiß auch nicht, woher diese so große Verlustangst kommt und das massive fremdeln seit dem 4 Monat. Man darf sich mit ihr unterhalten, aber bloß nicht hochnehmen oder auf den Arm nehmen. Dann geht sofort die mega Sirene an.
Dadurch das bei ihr leider auch beide Frontallappen sehr schwer geschädigt sind mit Auflösungen, weiß ich natürlich nicht, ob das auch dafür ein Auslöser ist.

LG
Barbara
Vielleicht könnte man diesen Wunsch, von Fremden nicht hochgenommen zu werden, respektieren?
Bei Fremden kann sie sich -im Gegensatz zu dir- nicht sicher sein, dass sie ihre Bedürfnisse „lesen“ und ihre Grenzen achten können.
Da spielt vielleicht auch der Aspekt der noch relativ eingeschränkten Komminikationsmöglichkieten mit hinein.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

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Re: 100% Aufmerksamkeit

Beitragvon BarbaraU » 11.07.2019, 10:36

Hallo Anja,
vielen Dank für deinen Beitrag.
Ich weiß ja auch, das unsere Maus nicht von Fremden hochgenommen werden möchte, aber um sie an jemanden anderen zu gewöhnen, ist das auch unerlässlich..
was meinst Du mit Ritualen verändern?
Hast Du eine Idee z.B mit dem Schlaf am Tag ( das Sie alleine schläft) ?
Bei unserer Physiotherapie hat es Monate gedauert, bis Greta es zugelassen hat..
LG
Barbara

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Beitragvon Engrid » 11.07.2019, 11:24

Hallo,
aber um sie an jemanden anderen zu gewöhnen, ist das auch unerlässlich..
Wirklich?

Zu den Schlafritualen: Mit meinem Junior hat sich über die Jahre eine ganze Reihe von räumlichen und zeitlichen Strukturen eingebürgert, die ihn quasi nach und nach aufs Bettgehen einstimmen. Da kannst Du Dich bei allen Sinnen „bedienen“: Geschmack (Betthupferl, ...), Geruch (Duftkissen, ...), Gehör (Singen, ...), Tätigkeit (Massieren, Baden ...), vertraute Gegenstände, feste Orte - bei uns haben all so Sachen ihre verlässliche Reihenfolge, und so weiß auch ein Kind, das vielleicht nicht so viel versteht, was nacheinander folgt. Das geht nicht von heute auf morgen, aber bei uns entspannt das die Abende, aber auch den Rest der Zeit seit langer Zeit schon sehr.

Grüße
Engrid
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Re: 100% Aufmerksamkeit

Beitragvon Anjali » 11.07.2019, 15:42

Hallo Anja,
vielen Dank für deinen Beitrag.
Ich weiß ja auch, das unsere Maus nicht von Fremden hochgenommen werden möchte, aber um sie an jemanden anderen zu gewöhnen, ist das auch unerlässlich..


...aber doch nicht generell bzw. in jeder Situation?
Bei der Eingewöhnung an einen Babysitter z.B. würde ich das Hochnehmen bzw. engen Körperkontakt ganz hinten anstellen.
Erst einmal würde ich versuchen, eine (Vertrauens-) Basis zu schaffen (z.B. durch gemeinsames Spielen und Vorlesen), auf der dann -angepasst an das (Entwicklungs-)Tempo deiner Tochter- Schritt für Schritt aufgebaut werden könnte.




was meinst Du mit Ritualen verändern?
Hast Du eine Idee z.B mit dem Schlaf am Tag ( das Sie alleine schläft) ?
Bei unserer Physiotherapie hat es Monate gedauert, bis Greta es zugelassen hat..
LG
Barbara
Ich würde z.B. behutsam, Schritt für Schritt, kleine Veränderungen (der Einschlafposition z.B.) vornehmen,
-und dabei darauf achten, nach jeder kleinen Veränderung eine Zeitlang immer den gleichen
Ablauf beizubehalten.
Mein Ziel wäre zunächst, von der Schlafposition auf deinem Körper zu einer Schlafposition neben deinem Körper zu gelangen.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)


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