T shirt mit Autismusaufdruck was meint ihr

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Karina H BS
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Re: T shirt mit Autismusaufdruck was meint ihr

Beitragvon Karina H BS » 29.06.2019, 13:20

Der Zwiespalt ist doch - wo fängt Autismus an und wo entschuldigen wir uns dann für Dinge die eigentlich für uns und unsere Kinder ganz normal sind, nur die anderen haben andere Erwartungen?
Das geht doch schon in Kiga und Schule los- selbst wenn alle Bescheid wissen, ständig wird genörgelt, gemaßregelt, sie müssen da was ändern, er muss an sich noch besser arbeiten... Mir geht das mittlerweile derartig auf den Keks.
T-Shirts mit Aufdruck, ja wenn sie witzig sind- jedoch nicht allgemein- "Entschuldigung ich bin Autist"
Ich wüsste gar nicht wie lang der Zettel sein müsste, um alle Eventualitäten abdecken zu können- mich überrascht es manchmal ja noch selber und im Nachhinein entdecke ich den Fehler den ich in dem Moment gemacht habe- nicht mein Kind hat ein Problem-wir anderen die denken wir sind normal sind das Problem.
Das Potenzial unserer Kinder ist enorm, wenn wir es schaffen dies zu fördern statt sie in Normen zu zwingen und uns genötigt fühlen uns für etwas zu entschuldigen. Ich entschuldige mich nicht mehr für mein Kind, es ist genau wie jedes andere Kind und jeder andere Mensch, er ist er und wem es nicht passt, der kann gehen...
Ich finde alle derartigen Markierungen unnötig- niemand sollte mit einem Blindenzeichen, einem Gehörlosenzeichen, einem Regenbogen oder eben mit einem Autistenzeichen rumlaufen

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Dario
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Re: T shirt mit Autismusaufdruck was meint ihr

Beitragvon Dario » 29.06.2019, 14:49

Karina H BS hat geschrieben:Ich finde alle derartigen Markierungen unnötig- niemand sollte mit einem Blindenzeichen, einem Gehörlosenzeichen, einem Regenbogen oder eben mit einem Autistenzeichen rumlaufen


Hallo Karina,

der Vergleicht mit anderen Behinderungen taugt meines Erachtens nur begrenzt. Gerade bei blinden Menschen finde ich eine sichtbare Markierung (die berühmte Drei-Punkte-Armbinde) durchaus sinnvoll, um sich und Andere vor Gefahren zu schützen, die man sonst gar nicht erkennt. Von einem Blinden kann ich z.B. nicht erwarten, dass er mir auf der Straße instinktiv ausweicht, da muss ich selbst darauf achten, dass ich nicht mit ihm zusammenstoße.

Bei Autismus gibt es um keine konkreten Gefahren, vor denen man warnen müsste. Bei einem Autismus-T-Shirt geht es um gesellschaftspolitische Botschaften (Aufklärung, Akzeptanz, Inklusion usw.), die damit vermittelt werden sollen. Das wiederum bleibt immer eine Ermessensfrage, wie man selbst dazu stehen will.
Heimerziehung ist ein Verbrechen. Kinder gehören in die liebevolle Geborgenheit einer Familie und nicht ins Heim!

violaya
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Re: T shirt mit Autismusaufdruck was meint ihr

Beitragvon violaya » 29.06.2019, 16:30

Letztendlich wirkt sich so ein Aufdruck nur positiv bei jenen aus, die (aus welchem Grund nun auch immer) nicht auf Autismus tippen, aber dafür aufgeschlossen und verständnisvoll sind. Vor einigen Jahren fand ich die Idee noch gut (wenn der Aufdruck nicht zu plakativ ist, sondern einfallsreich oder witzig). Allerdings würde mein Sohn im jetzigen Alter niemals sowas tragen wollen. Er möchte generell eher nicht, dass es jemand erfährt...

@Dario
Zum Thema konkrete Gefahren... "Nicht anfassen/ansprechen" wäre z. B. kein schlechter Tipp. Kleinere Gefahren sind es ja doch. Denn das Kind könnte anders reagieren als angenommen.
Viola (1974, alleinerziehend), Hüftdysplasie, Rosacea
und Sohn (2006), 2010 Diagnose frühkindlicher Autismus "high-functioning", meine Erachtens hyperaktiv, zeitweises Stottern
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Regina Regenbogen
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Re: T shirt mit Autismusaufdruck was meint ihr

Beitragvon Regina Regenbogen » 30.06.2019, 12:03

Karina H BS hat geschrieben:Das Potenzial unserer Kinder ist enorm, wenn wir es schaffen dies zu fördern statt sie in Normen zu zwingen und uns genötigt fühlen uns für etwas zu entschuldigen. Ich entschuldige mich nicht mehr für mein Kind, es ist genau wie jedes andere Kind und jeder andere Mensch, er ist er und wem es nicht passt, der kann gehen...


Da bin ich ganz bei dir. Mir würde es im Traum nicht einfallen, mir oder meinem Kind T-Shirts mit aufgedruckten Entschuldigungen anzuziehen oder Kärtchen bzw. Zettelchen mit Erklärungsversuchen zu verteilen. In dem Moment wäre ich voll in die Intoleranzfalle gegangen. Nicht wir oder unsere Kinder müssen uns entschuldigen, wenn die Besonderheiten unserer Kinder zu Tage treten, sondern die Leute, die es stört und die sich auch noch beschweren. Mit T-Shirts oder Zettelchen bekommt niemand Toleranz gegenüber dem Anderssein in bestimmte Hohlbirnen rein. Wer ehrlich interessiert ist und sich nicht nur gestört fühlt, der fragt nach, auf eine anteilnehmende Art und nicht passiv-aggressiv. Und für solche Leute habe ich auch immer noch die Zeit und die Worte übrig, die das Verhalten meines Kindes erklären.

@ Violaya: "Nicht anfassen"?? Ernsthaft? Keines meiner Kinder ist ein Hund, den man ungefragt anzutatschen hat (und selbst bei Hunden macht man das nicht), das war bei mir schon immer so.

Das Tragen solcher T-Shirts befördert unsere Kinder genau da hin, wo sie nicht hingehören - an den Rand unserer Gesellschaft.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
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Re: T shirt mit Autismusaufdruck was meint ihr

Beitragvon mikkajan » 30.06.2019, 12:57

Hallo ,

Die Engrid hat mich gemeint . Viele wissen ja , dass ich immer Ärger mit dem MDK/ der Pflegekasse usw . habe / hatte und mir wurde auch bereits ein Münchhausen by proxy unterstellt.

Eines schönen Tages , habe ich auf Facebook Shirts mit folgenden Aufdruck gefunden , und natürlich bestellt.

Der Teufel flüsterte mir ins Ohr „ du bist nicht stark genug um dem Sturm standzuhalten.“
Heute flüsterte ich dem Teufel ins Ohr
„ ICH BIN DER STURM „
Mutter eines autistischen Kindes

Die Shirts habe ich mir gekauft , wegen eben dieser ganzen Probleme und nicht wegen der Kinder .

Meine Jungs finden die Shirts cool.
Der Aufdruck befindet sich auf dem Rücken , und alles ist in großen Buchstaben geschrieben . Unter dem Text ist eine Schleife mit den bunten Puzzelteilen

Liebe Grüße
Meike
Brandmeister und Psychologen hassen sich :twisted:
Irgendwas ist ja immer :wink:


Sohn 1: Kanner-Syndrom
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Re: T shirt mit Autismusaufdruck was meint ihr

Beitragvon Regina Regenbogen » 30.06.2019, 14:04

mikkajan hat geschrieben:Die Engrid hat mich gemeint .

Und ich meinte eher die T-Shirts aus dem Eingangsbeitrag. Deines finde ich sogar ganz nett in Anbetracht auch unserer nicht sehr friedlichen Vergangenheit mit Ämtern und Ärzten.
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Re: T shirt mit Autismusaufdruck was meint ihr

Beitragvon Engrid » 30.06.2019, 15:51

Hallo Regina,

Mir würde es im Traum nicht einfallen, mir oder meinem Kind T-Shirts mit aufgedruckten Entschuldigungen anzuziehen oder Kärtchen bzw. Zettelchen mit Erklärungsversuchen zu verteilen. In dem Moment wäre ich voll in die Intoleranzfalle gegangen.
Auch wenn beim Junior die Behinderung dahintersteckt: Es gibt durchaus mal Grund hier für Junior bzw mich, sich zu entschuldigen. Und es macht auch manchmal Sinn, etwas zu erklären.
Ich geb Dir mal ein Beispiel: Wir treffen einen Bekannten auf der Straße, der sagt einen freundlichen Smalltalk-Satz zum Junior. Junior findet den Satz doof, und Junior hat keine Perspektivübernahme. Deshalb folgert er, dass der Bekannte weiß, was ihn ärgert (er selber weiß es schließlich auch). Wenn man das so sieht, ist die Annahme logisch, dass man ihn damit ärgern wollte. Also: Junior regt sich auf und beschimpft den Bekannten übel :roll:
Seit ich an die Nachbarn Zettel verteilt habe mit wohlüberlegt (und natürlich wertschätzend!) formulierter Erklärung, ist das für die Leute viel verständlicher, sie nehmen es nicht so persönlich, nehmen das Verhalten weniger krumm. Wenn Junior dabei ist, kann und will ich ihn nicht erklären.

Also, auch bei Shirts: kommt immer auf den Text und den Zusammenhang an. Kann mir durchaus im Einzelfall spezielle Kontexte vorstellen, wo auch bei uns sowas Sinn macht, allgemein würde ich es eher nicht machen.

Und zu Meike und ihren Shirts: Meike IST der Sturm :icon_thumright:

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Re: T shirt mit Autismusaufdruck was meint ihr

Beitragvon grace » 30.06.2019, 16:24

Hallo,

Ich sehe das wie Engrid, es gibt durchaus Situationen und Fälle in denen es sinnvoll ist Erklärungen und Entschuldigungen abzugeben, besonders wenn Beschimpfungen oder Ausraster in der Öffentlichkeit stattfinden, die Idee mit den Zetteln finde ich gut!

Mein Sohn würde nie so ein T-Shirt anziehen, das braucht er aber auch gar nicht denn er fällt in der Öffentlichkeit kaum auf und hat inzwischen gut gelernt sich auch mal alleine zurechtzufinden; er ist aber auch schon 16 und kognitiv fit.

LG

Grace

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 02.07.2019, 08:58

Kaati hat geschrieben:... umschreiben und vor allem mit L. Zusammen gestalten. Er läuft öfter mal mit selbst gestalteten Tshirt rum. Zu aktuellen Spezialinteressen. Mal ist er Musikastitent im Kiga. Oder Vorschulastistent damit er bestimmte Aktionen mit macht wo wir wissen das er Spaß dran hat aber es etwas Überzeugung braucht ;-) Findet er ziemlich lustig.
So kam ich auf die Idee überhaupt.

Denn wo wir letztens gemeinsame mit L. auf einem kleinen Richtfest im Dorf waren und L . allen und jedem zu textete über Bauen und wo für welches Werkzeug gebraucht wird hätte ich mir schon gewünscht das alle wissen ( kurz auf lustige Weise lesen können ) das der kleine nicht anders kann. Und gerade ganz viel Spaß hat. Denn so schnell kam ich mit erklären und Kärtchen garnicht hinter her :lol:
Also, wenn einem da ein gewitzter Text oder Cartoon einfällt, der auf sympathische Weise und eher indirekt klarmacht, dass hier einer ein Spezialinteresse austobt, dann finde ich das nicht schlecht. So a la „Ihr Bauberater vor Ort“. :mrgreen:
Vielleicht findest Du ja Inspiration hier: https://www.aspiecomic.com/

Grüße
Engrid
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GretchenM
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Re: T shirt mit Autismusaufdruck was meint ihr

Beitragvon GretchenM » 02.07.2019, 14:17

Hallo,

insgesamt finde ich, wenn möglich, sollte das jeder selbst entscheiden. Ich hätte zum Beispiel kein Problem mit einem Epilepsie-Aufdruck gehabt - ich war eher provokativ drauf, soll heißen, habe von meiner Epilepsie auch denen erzählt, wo es meine Mutter eventuell nicht nötig fand. Sie meinte das nicht böse, aber in ihrer Generation gibt es viele die von ihrer Epilepsie nichts erzählen, zu tief sitzen da die Erinnerungen an die Kriegszeit.

Sie hat mir damals angeboten, dass zu verheimlichen - und ich wollte nicht, ich hätte mich gefühlt als würde ich etwas das zu mir gehört, peinlich finden.

Mein Sohn würde so ein T-Shirt nie im Leben anziehen. Er will niemals auffallen, mag sogar so schon keine Kleidung auf der etwas steht - es sei denn in ganz bestimmten Ausnahmefällen.

Ob etwas stigmatisiert, hängt für mich davon ab, aus welchem Grund es getragen wird. Ich bin viel gehänselt worden, richtig gemobbt - aber interessanterweise war meine Epilepsie niemals Thema, obwohl jeder davon wusste.

Schönen Gruß

GretchenM


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