Geschwisterkind im KiGa unglücklich - Sofortmaßnahme?

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Sophie-11
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Re: Geschwisterkind im KiGa unglücklich - Sofortmaßnahme?

Beitrag von Sophie-11 »

Das sind sicherlich interessante Gedanken, Michaela. Die Schwierigkeit sehe ich darin abzuwägen, was wirklich unzumutbar ist und was einfach nur ein "Gehen des (scheinbar) bequemsten Weges". Und wäre es dann für sie nicht unzumutbar schwieriger, mit anderen Kindern zusammenzukommen, wenn sie nächstes Jahr in die Schule muss, wenn sie nicht schon vorher einige soziale Strategien lernen konnte? Letztlich wird sie nicht viel Wahl haben, was für ein Leben sie führen will, sie wird es hier und in dieser Gesellschaft führen müssen, vor allem solange sie schulpflichtig ist. Mein Mann hat z.B. die Erfahrung gemacht, dass er keinen Zugang mehr zu den festen Cliquen gefunden hat, als er später als die anderen in den Kindergarten kam.

Ich kann nicht in ihren Kopf oder in ihr "Herz" schauen und sagen, wie groß der Leidensdruck ist, ich kann nur ihr Verhalten beobachten und es mit meinen eigenen Erfahrungen abgleichen und davon ausgehend interpretieren - und das kann falsch sein. Und von meinen Erfahrungen ausgehend denke ich, dass es mir wohl nicht gut getan hat, die letzten Jahre so extrem zurückgezogen gelebt zu haben (obwohl ich nicht mal das sicher sagen kann :roll: ). Das ist aber alles ziemlich vage Spekulation, zumal keiner von uns beiden eine Autismus-Diagnose hat!

Ich denke nicht, dass eine Tagesmutter eine Alternative wäre, die haben hier in der Regel nur U2. Das wäre eine klare Unterforderung, denn sehr intelligent ist sie, das bekomme ich momentan von allen Seiten zu hören. Dass Hochbegabung ursächliches Problem sein könnte, bezweifelt die Therapeutin allerdings. Auf Dauer wäre sie aber wohl auch hier zu Hause unterfordert, gerade wenn dann mit ca. 6 Jahren der nächste Entwicklungssprung kommt. Das erste Jahr ist sie ja auch sehr gerne gegangen.

Du siehst, viele Rechtfertigungsversuche pro Kindergarten. Danke trotzdem für einen Anstoß in eine ganz andere Richtung. Ich werde es noch weiter wälzen.
fünfköpfige, irgendwie ASS-nahe Familie mit dem Großen *12/2007, dem Mittleren *09/2010 mit Diagnose F84.5 und Vd auf ADHS, und der Kleinen *02/2014

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo,
sie wird es hier und in dieser Gesellschaft führen müssen, vor allem solange sie schulpflichtig ist.
Ich denke, der Kindergarten, wenn er nicht völlig verhasst ist, sie nicht NUR negatives drin sieht, sondern auch positive Aspekte, ist eine gute Gelegenheit (wie viele andere auch), dem Kind zu helfen die richtigen Strategien zu entwickeln. Und zwar NICHT Strategien, so zu sein wie andere, sondern Strategien, sie selber zu sein. Also Rückzug einzufordern, Bedürfnisse zu kommunizieren (und sich selber erstmal drüber klar zu werden), Stress zu vermeiden, sich die Art Sozialkontakt zu suchen, die einem gut tut, aus der „Schusslinie“ zu bleiben, all sowas ...

Diese Strategien entwickeln helfen, das geht oft sehr gut AUSSERHALB der Situation, weniger gut innerhalb. Rollenspiel, Modelling, Bücher, drüber reden, ...

Meine Tochter ist nicht autistisch, aber tat sich im Kiga auch schwer, Freundschaften zu knüpfen. Ich habe gezielt Kinder, mit denen eine beidseitige Sympathie bestand, eingeladen. Privat hat es dann sehr gut geklappt. Meine Tochter konnte gut Kontakt knüpfen und in Beziehung gehen, aber nicht in einer Gruppe von Kindern, sondern 1:1.
Das kennen ja viele Erwachsene auch aus Studium oder Arbeit: Man mag sich, aber man freundet sich oft erst an, wenn man mal zu zweit Kaffee trinken geht oder so ... Erst dann werden Beziehungen verbindlich. Und erst dann können sich zb hochsensible, schüchterne, oder reizoffene Kinder wirklich anfreunden, wirklich Vertrauen aufbauen. Und sich dementsprechend entspannen.


Wenn es REIZMÄSSIG zuviel für sie ist, würde ich sie einfach öfter daheim lassen oder früher holen.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Sophie-11
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Re: Geschwisterkind im KiGa unglücklich - Sofortmaßnahme?

Beitrag von Sophie-11 »

Hallo,

ich buddele das hier mal aus, um zu berichten, wie es weiterging. Wir hatten mehrere spieltherapeutische Termine im SPZ, und sie haben mit ihrer Haupt-Bezugserzieherin gesprochen und ich hatte auch noch zwei weitere Gespräche im Kiga.

Sie geht inzwischen wieder ganz gerne in den KiGa, freut sich zwar noch mehr über zu-Hause-bleib-Tage, aber sie verabschiedet sich fröhlich und bleibt klaglos immerhin bis 15:00 Uhr. Als Vorschulkind genießt sie jetzt auch mehr Privilegien und sie darf sich zurückziehen und auch mal alleine beschäftigen - seit Beendigung des Umbaus ist dafür auch wieder Platz. Sie macht oder bekommt allerdings keine Besuche außerhalb des Kindergartens, äußert momentan allerdings auch kein Bedürfnis dazu. Ich muss aber gestehen, dass ich sie da auch nicht sehr ermutige, weil mir das einfach zu viel ist :oops: :oops: :oops: .

Das SPZ sieht (aktuell) keinen Handlungsbedarf und hat eine "emotionale Störung des Kindesalters" ausgeschlossen. Im Arztbrief sprechen sie von "teilweise autistoid anmutenden Persönlichkeitsvariablen" :lol: und raten dazu, den weiteren Verlauf zu beobachten, im persönlichen Gespräch wurde mir allerdings mitgeteilt, dass Mädchen ja meistens weniger betroffen seien, damit war es für sie abgehakt.

Ja, ich weiß, SPZs sind da nicht unbedingt kompetent - aber sie hatten ja immerhin meinen Mittleren diagnostiziert, der sicher nicht der typische Autist ist. Oben genannte Aussage möchte ich aber doch in Zweifel ziehen - sind Mädchen wirklich so viel weniger betroffen, oder werden sie weniger erkannt? Soviel ich weiß, ist sich da auch die Wissenschaft nicht ganz einig. Unsere Therapeutin ermutigt mich jedenfalls auch, weiterzusuchen, weil sie meint, dass Mädchen viel zu spät diagnostiziert werden.

Leider hatte die Diagnostikstelle, an die ich mich im Dezember 2019 gewandt habe, schon für das ganze Jahr 2020 keine Termine mehr :shock: . Da werde ich wohl demnächst nochmal anfragen, ob wir den einen Termin für 2021 bekommen können :roll: . Dabei läuft es im Moment gut und eigentlich sehe ich jetzt keinen Bedarf - nur im Sommer kommt sie in die Schule, wer weiß, was dann wird? Das ist doch ein Teufelskreis - weil so viele Autismusdiagnostik machen wollen, hat man ewige Wartezeiten, also muss man einen Termin machen, auch wenn es vielleicht gar nicht nötig ist, was wieder die Wartezeiten verlängert... :evil:

Immerhin haben wir das SPZ ja noch als Not-Anlaufstelle, sollte es wirklich akut werden. Insofern - diese Baustelle momentan geschlossen :wink: . Danke für alle Hinweise und liebe Grüße!
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Regina Regenbogen
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Re: Geschwisterkind im KiGa unglücklich - Sofortmaßnahme?

Beitrag von Regina Regenbogen »

Sophie-11 hat geschrieben:
03.02.2020, 22:46
Unsere Therapeutin ermutigt mich jedenfalls auch, weiterzusuchen, weil sie meint, dass Mädchen viel zu spät diagnostiziert werden.
Der beste und richtige Ratschlag! Das können dir hier im Forum sicher so einige Mütter von Töchtern mit Autismus bestätigen.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

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