Fallschule fur sturzgefährdete Behinderte

Hier könnt ihr euch über die unterschiedlichsten Therapiemöglichkeiten (Logopädie, Petö, Cranio Sacrale) für eure Kinder austauschen und Fragen rund ums Thema Krankengymnastik und Frühförderung stellen.

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Lena_K
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Re: Fallschule fur sturzgefährdete Behinderte

Beitragvon Lena_K » 11.06.2019, 22:15

Hallo Stefan,
also ich habe vor Jahren mal Sturzprophylaxekurse im Altenheim gegeben.
dabei ging es zum einen darum die extrinsische Maßnahmen z.B. stolperfallen zu verbessern und zum anderen darum die intrinsischen also körperlichen Bedingungen zu trainieren. Es waren vor allem Übungen zur Bein und Rumpfkräftigung , Gleichgewichtsübungen, Koordinationsschulung, richtige Fallübungen konnte ich mit den Herrschaften in der Gruppe nicht machen...ich könnte mir aber gut vorstellen das man das in einer Einzel Therapie gut üben kann .
Hat dein Sohn denn Physiotherapie? Dann sprich eure Therapeutin doch mal drauf an.
Wie sind denn die Reflexe bei deinem Kind?

Viele Grüße

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Stefan M.
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Re: Fallschule fur sturzgefährdete Behinderte

Beitragvon Stefan M. » 12.06.2019, 08:33

Ich möchte mich ganz herzlich für Eure Beiträge bedanken, ich muss mal schauen, was bei unserem Sohn geht.

In den Sommerferien haben wir eine Reha, da werde ich das Thema mal ansprechen.

Ich denke schon, dass man da was einüben kann, auch wenn eine geistige Behinderung vorliegt.

Vielen dank nochmals

elke.theaterfisch
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Re: Fallschule fur sturzgefährdete Behinderte

Beitragvon elke.theaterfisch » 12.06.2019, 10:04

Hallo, ich würde sagen, Fallen lernt man durch Fallen. Also im geschützten Rahmen das Kind auch mal ohne Gurt und Rollator Erfahrungen machen lassen, z.B. auf einer Matte, auf Rasen, auf dem Spielplatz auf weichen Untergründen. Ohne das Kind bei einem Sturz aufzufangen (bzw es nur leicht beim Fallen zu unterstützen). Das hat unserem Kind geholfen, zu lernen, sich nach vorne zu beugen, wenn es nach hinten zu fallen droht oder die Arme beim Fallen zu benutzen. Oder mal in einen Hallenspielplatz/Indoorspielplatz gehen, da gibt es große mit Matten ausgelegte Bereiche. Vorzugsweise zu Uhrzeiten, wo es dort nicht so voll ist. Eine Matte (Airex oder eine günstige Variante) vor das Bett legen. e
LG Elke
Elke + Mann mit Sohn früh geboren im Mai 2009, 29. Woche, 1200 g. Motorisch entwicklungsverzögert. Muskulär hypoton, schwache Bänder, Knick-Senk-Füße. Erste Schritte mit dreieinhalb Jahren. Trug jahrelang Unterschenkel-Orthesen und Ringorthesen. Seit zwei Jahren ohne Orthesen.

Stefan M.
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Re: Fallschule fur sturzgefährdete Behinderte

Beitragvon Stefan M. » 12.06.2019, 11:42

Hallo Elke, ja ich denke, Fallen lernt man durch Übung.

Danke nochmals für die Tipps.

Nick-o-Las
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Re: Fallschule fur sturzgefährdete Behinderte

Beitragvon Nick-o-Las » 15.06.2019, 22:58

...wenn ihr mit konkreten Fragestellungen an "euren" Physiotherapeuten herantretet ist es erstmal egal, wie ihr die Übungen nennt, entweder traut er sich das zu oder verweist sinnvollerweise an geeignetere Kollegen - die Zielsetung ist, meiner bescheidenen Meinung nach, (a) vermeiden das es überhaupt zum Sturz kommt (wobei da viel davon abhängt, ob euer Sohn den kommenden Sturz überhaupt rechtzeitig wahrnimmt) und (b) Fallstrategien zu erarbeiten mit denen der entstehende Schaden minimiert wird.

Wie mit jeder anderen Bewegung auch bleibt dabei nur üben, üben, üben; in diesem Falle das hinfallen an sich (wie Elke schreibt: im geschützten Rahmen auch in Eigenregie zu realisieren) und, je nachdem wo es dann hapert, auch in einzelnen Bewegungen - z.B. "Arm vor's Gesicht heben bevor das Gesicht den Boden erreicht". Dabei hängt natürlich viel davon ab, ob euer Sohn den kommenden Sturz wahrnimmt und die Fähigkeiten besitzt um rechtzeitig reagieren zu können.

Die Idee mit dem Judotrainer finde ich klasse; sofern der lokale Judoverein aufgeschlossen ist und euer Sohn halbwegs in der Lage ist an Gruppenaktivitäten teilzunehmen könnte (Konjunktiv!) er sogar vom allgemeinen Training profitieren: "die Judoka" wollen/sollen aus allen möglichen und unmöglichen Positionen heraus ihren Kontrahenten kontrolliert zu Fall bringen und die Bewegung jederzeit stoppen/unterbrechen können - auch wenn "der andere" dabei nicht mitmacht bzw. nicht mitmachen kann. Sofern die persönlichen Gegebenheiten eures Juniors eine Teilnahme am Training hergeben sehe ich dabei eine Win-Win-Win-Situation [vielleicht erstmal einen Vier-Augen-Termin mit dem Trainer vereinbaren bevor ihr zum Schnuppertermin aufschlagt ;)]

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Re: Fallschule fur sturzgefährdete Behinderte

Beitragvon r.bircher » 25.06.2019, 14:54

Hallo

Ich machte ja während meiner aktiven Sportzeit immer mal wieder Falltraining. Wichtig ist, dabei erst mal die Stürze zu analysieren. Was passiert genau. Wann reagiert ehr auf den drohenden Sturz, wie reagiert er, reagiert er überhaupt. Es gibt grundsätzlich verschiedene Strategien einen Sturz abzufangen. Die beste ist sicher in Sturzrichtung mit einer Rollbewegung abrollen. Diese Technik hat zwei Nachteile. Sie braucht Platz, und sie ist nicht einfach umzusetzen. Man schafft es aber so, relativ schwere Stürze nahezu verletzungsfrei abzufangen. Ich hatte mal ein Sturz mit dem Fahrrad mit 30 km/h auf Glatteis, und bin mit ein paar Schürfwunden davongekommen. Der Vorteil, das Abrollen brauch kaum Kraft, da man mit dem Sturz mitgeht.

Die zweite Technik beim nach vorne fliegen ist: Hände nach vorne. Ist relativ einfach, und kann man trainieren. (auf einer Matte, erst aus dem Kniestand nach vorne fallen lassen und dann aus dem Stand) Erfordert allerdings einiges an Kraft in den Armen und natürlich auch eine gewisse Rumpf- Rücken Nacken Stabilität. Die Technik ist auch nicht so gut für die Handgelenke.

Eine der besten Techniken für langsames Tempo ist aber meines Erachtens das Einsacken. So bald man merkt, dass man umkippt, lässt man sich einfach zusammensacken. Ein Teil der Energie wird durch die Beine aufgefangen, und der andere Teil durch die Hände. Der Kopf bleibt dabei meist weit vom Boden entfernt. Ein weiterer Vorteil ist, dass man mit dieser Technik einen viel kleineren Fallradius hat. Man fällt quasi auf engstem Raum. Das verringert die Gefahr, sich an irgend welchen Möbel zu stossen immens. Der Nachteil an der Sache, es geht aller relativ schnell. Da man den Fallweg verkürzt geht alles ein bisschen schneller von statten, und das braucht etwas Mut. Im Alltag verwende ich heute fast ausschliesslich das Zusammensacken. Es sei denn, es ist Tempo mit im Spiel, dann rolle ich natürlich ab. Wenn immer möglich seitlich über die Schulter.

Ich hoffe, ich konnte mit dem Beitrag helfen.

Gruss Raphael
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Re: Fallschule fur sturzgefährdete Behinderte

Beitragvon elke.theaterfisch » 03.07.2019, 11:27

Lieber Raphael, das ist eine tolle und informative Beschreibung von Falltechniken, geeignet auch für Menschen mit Einschränkung. Vielen Dank! Ich finde das macht Mut, das auch eingeschränkten Kindern beizubringen. Dann kann der Mensch selbst aktiv sein. Und nicht nur passiv Stolperfallen beseitigen und anschallen etc. Ich hoffe, dem Fragesteller hilft Dein Post hier ebenfalls. Viele Grüße Elke
Elke + Mann mit Sohn früh geboren im Mai 2009, 29. Woche, 1200 g. Motorisch entwicklungsverzögert. Muskulär hypoton, schwache Bänder, Knick-Senk-Füße. Erste Schritte mit dreieinhalb Jahren. Trug jahrelang Unterschenkel-Orthesen und Ringorthesen. Seit zwei Jahren ohne Orthesen.


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