Angst vor dem eigenen Kind

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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NataschaSte
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Angst vor dem eigenen Kind

Beitragvon NataschaSte » 09.06.2019, 18:39

Hallo,

Nachdem es jetzt lange Zeit besser war, ist es seit heute wieder ganz schlimm.

Es fing alles gestern Abend an, als er für mich komplett aus dem Nichts, während dem einschlafritual wieder zugetreten.

Als ich diesmal echt heftig geblutet habe war es als wäre er ein Hai und ging dann richtig auf mich los, war kaum zu bremsen.

Das ganze dauerte 30 Minuten, anschließend konnte ich mal das Bett frisch beziehen weil ich nur damit beschäftigt war das er mich nicht nochmal verletzt das alles voll Blut war.

Thaddäus ist nachher total ko gewesen und hat bitterlich untröstlich geweint.

Nach zwei Stunden hat er dann endlich eingeschlafen...

Heute morgen ging es aber weiter, ich hab an der Wand einen blutfleck übersehen und sofort wieder, wie ausgeschaltet, nur auf mich getreten und gebissen.

Seit dem ist er sehr in sich gekehrt und sehr explosiv.

Er sucht sehr viel Körper kontakt.
Hat darauf bestanden das er einen dicken Winter sweater anzieht, schwitzt wie bolle und ja keine Ahnung was da in ihm abgeht.

In zwei Stunden müssen wir wieder ins Bett. Ich hab jetzt schon Panik davor das er wieder so aggressiv wird. Ich hab einfach Angst vor ihm.

Mein Mann ist da leider gar keine Hilfe...

Ich bin doch sicher nicht die einzige die echt Angst hat vor ihrem Kind.

Also wenn solche Ausnahme Situationen sind.

Ich weiß nicht was ich ändern kann.

Ich sitze beim einschlafen, damit er hauptsächlich meine Beine erwischt. Ich bleibe ruhig, verlasse das Zimmer wenn ich merke dass ich aggressiv werde.

Habt ihr noch Ideen?

Grüße
Natascha und Thaddäus, geb 12/15, atypischer Autismus

Ein guter Schulabschluss ist kein Indikator für Intelligenz, sondern von guter Anpassungsfähigkeit. - Gerald Hüther

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Engrid
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Re: Angst vor dem eigenen Kind

Beitragvon Engrid » 09.06.2019, 19:00

Hallo,

darf ich mal nachfragen? Es geht schon länger, dass Du beim Einschlafbegleiten quasi aushalten musst, aber bisher war es weniger krass?
Was passiert, wenn Du abbrichst? Die naheliegende Konsequenz wäre ja, sich zu entziehen, ihn alleine lassen.
Vielleicht auch mal an ein Pflegebett denken?

Bei uns gab es immer Probleme, auch Aggressionen, wenn jemand sich nicht genug bzw zu spät abgrenzt. Also wenn ich etwas auf mich nehme „um des Friedens Willen“, das mich nervt oder mir unangenehm ist. Er spürt das ganz genau, mit feinsten Antennen (versteht es aber null), und dann reitet ihn das Teufelchen.
Meine Interpretation inzwischen:
• Er hält es nicht aus, wenn jemand inkongruent ist, also der Anschein/Fassade nicht mit dessen innerer Befindlichkeit übereinstimmt. Das macht ihn aggressiv.
• Er versucht, wenn es ihm selber schlecht geht, jemand zum „Mitschwingen“ zu kriegen. Wenn er also jemanden „runterzieht“, ist er nicht mehr so alleine „da unten“. Das wird leicht eine üble Negativspirale.
• Angst spürt er natürlich auch, das hält er gar nicht aus. Das hilft einem natürlich nicht, wenn man Angst hat. Trotzdem, er spürt es, und damit wäre die Entgleisung beim Junior vorprogrammiert.

Leider habe ich jetzt keinen konkreten Tipp, kenne auch Eure Situation zu wenig.
Was sagen KJP und Therapeuten?

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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Re: Angst vor dem eigenen Kind

Beitragvon NataschaSte » 09.06.2019, 19:11

Hallo,

Bis vor paar Monaten war es auch schlimm, danach kam ne Wende von 180 Grad, ich hab mich angefangen zu seinen Beinen zu setzen und irgendwann konnte ich jetzt wieder ganz ruhig mit ihm rücken an Rücken liegen.

Die Angst war komplett weg.
Ich hab mir sogar schon Zahnarzt Termin ausgemacht damit die ausgeschlagenen Zähne, also die Wurzelreste entfernt werden und dann ersetzt...

Kjp gibt es keinen und dadurch das es so viel entspannter war, war es jetzt kein Thema mehr mit der Therapeutin, da wäre auch die ergo die einzige Option für mich.

Ach doof, ich will wieder so schön einschlafen mit ihm...
Natascha und Thaddäus, geb 12/15, atypischer Autismus

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Engrid
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Re: Angst vor dem eigenen Kind

Beitragvon Engrid » 09.06.2019, 19:22

Und das ist nur beim Einschlafen Thema?
Ehrlich gesagt, ausgeschlagene Zähne, und kein Ende in Sicht, das ist nicht tragbar, für Dich sowieso nicht, und fürs Kind auch nicht. Hol Dir bitte Hilfe. Du brauchst mit so einem schwierigen Kind Unterstützung, und zwar mehr als nur die Ergo.
Evtl. stationär (Mutter-Kind-Station)?

Grüße, und gute Nerven
Engrid
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Re: Angst vor dem eigenen Kind

Beitragvon NataschaSte » 09.06.2019, 19:54

Hallo,

Aktuell, geht es tagsüber auch, früher war es nur beim einschlafen Thema.

Jetzt geht es auch gezielt gegen mich. Das ist auch komplett neu. Er hatte mich zwar getreten usw, aber da war ich eher im weg, jetzt geht er mir nach wenn ich ausweiche. Das ist komplett neu

Wir waren ja gerade auf der psychosomatik Station.


Mit dem Effekt, das die ass bezweifeln... Weil er ja Leute anschaut und an anderen Kindern interessiert ist.

Das er dort nix gegessen hat, außer die Erdbeeren die ich ihm besorgt habe, dass er ausgeflippt ist wenn ich ihm die Schuhe ausziehen wollte, absolut brüllt wenn er einen nassen Fleck am Shirt hat, ist dort untergegangen.

Wir wären auch bei jemanden von den Nomaden (ass Spezialisten) aber die Termine sind kaum zu kriegen, aktuell einmal alle zwei Monate. Obwohl wir ausmachen, zeitnah der nächste...

Er ist Wahnsinn wie toll er sich dort angepasst hat, er hat jeglichen Stress dort rausgelaufen.
Was bedeutet hat, er ist sobald er munter war, gelaufen oder war im Bohnenbad.

Die meinten nur Kinder in dem Alter laufen sobald sie Platz haben (hatte ich bzgl umkippen eh auch schon geschrieben).
Was mir danach die ergo gesagt hat, Thaddäus hat in den 1 1/2 Jahren Therapie extrem gut gelernt wie er sich im Therapie setting verhalten muss. Deswegen war er dort relativ unauffällig.

Was ich am traurigsten dort fand, am letzten Tag ist er so explodiert das er wieder mal mit den Kopf auf mich los ist, dass vor allen anderen patiententeenagern (der nächste bzgl alter war 10) und vor einigen Leuten von Personal.
Das wurde weder zur Kenntnis genommen noch sonst etwas.
Das weiß ich weil ich danach noch Gespräch hatte und ich bis dahin gedacht hatte, ok zur Kenntnis genommen, aber nichts gesagt, ist ja auch ok, mein Kind, meine Verantwortung...

Der "beste" Tipp den ich dort bekommen habe war, ich sollte Mir Hilfe bei der familienhilfe holen, die hilft mir dann das ich den Alltag geregelt bekomme.

Heißt, die setzt sich mit mir hin und sagt mir wie ich wann was putzen muss... Haben in den meisten Fällen von ass keinen schimmer.. Außerdem Jemand bei uns daheim macht Stress über Tage danach... Will ich deswegen auch nicht.

Ich werde dienstag die von den Nomaden nochmal kontaktieren. Vielleicht hat sie eine brauchbare Idee.

Liebe Grüße
Natascha und Thaddäus, geb 12/15, atypischer Autismus

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Re: Angst vor dem eigenen Kind

Beitragvon melly210 » 09.06.2019, 21:33

Also ich würde auch sagen, definitiv einen guten KJP mit viel Autismus-Erfahrung suchen. Und, laß nicht zu, daß er dir derart wehtut ! Wenn er dir wehtut, brich die Einschlafbegleitung ab und geh raus. Was ist wenn das dein Mann macht, eskaliert es dann weniger ? Wenn ja, dann laß ihn das für eine Zeit machen, würde ich sagen.

Anna-Nina
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Re: Angst vor dem eigenen Kind

Beitragvon Anna-Nina » 09.06.2019, 21:37

Hallo Natascha,

meine Tochter ist zwar bei Weiten nicht so aggressiv, aber viele Verhaltensweisen die du beschreibst, hatte sie in selben Alter auch. (Das mit dem Pulli bei 30 Grad anlassen müssen z.B. oder wenn was nass war ausrasten, sowieso ist sie bei so vielem restlos ausgeflippt).
Ich hatte lange Zeit auch Angst vor ihr - weil sie so unberechenbar war.

Wir hatten auch ASS im Sinn - das war/ist aber auch ziemlich ausgeschlossen, wenn auch noch nicht wirklich überprüft, weil sie zu kontaktfreudig ist.

Aber sie hat eine ganz seltene Form der Epilepsie im Frontallappen. Das macht aggressives Verhalten. Ihr EEG haben drei Ärzte erstmal falsch gedeutet. Keiner glaubte an die Frontallappenepielsie - nur ich war überzeugt.
Mittlerweile ist es vom Epielsiezentrum Vogtareuth bestätigt und sie ist nach 1,5 Jahr medikamentös so gut eingestellt, dass all diese extremen Verhaltensweisen nicht mehr da sind. Auch die nervige Zwanhaftigkeit geht immer mehr zurück.

Habt ihr ein sauberes EEG? Wenn nicht würde ich dahingehend nochmal genauer schauen lassen.

Dir alle Kraft der Welt. Schau, dass du Hilfe holst/suchst.

LG
Anna

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Re: Angst vor dem eigenen Kind

Beitragvon Anjali » 09.06.2019, 21:42

Hallo Natascha,

entschuldige, dass ich dir das so direkt schreibe: Warum lässt du doch von deinem 3,5 Sohn verschlagen? Warum setzt du dem nichts entgegen? Du lässt dich -mit Unterbrechungen- schon mindestens seit einem Jahr blutig schlagen. Ich nehme an, dass du auch weiterhin -wie schon vor einem Jahr, dich jede Nacht von deinem Sohn ans Bett „fesseln“ lässt.
Dein Sohn „macht“ das eigentlich nicht. Du „machst“ das.
Dein Sohn kann sich keine Hilfe organisieren, kann sich keine
Grenzen setzen. Das ist deine Aufgabe als Erwachsene.

Ich verstehe deine Passivität nicht. Ich verstehe nicht, warum du vor diesem
Hintergrund meintest, auf die
Hilfe „der Therapeutin verzichten zu können und warum es dir -trotz kürzlicher Gelegenheit- irgendwie nicht gelingen wollte, auf das Problem aufmerksam zu machen und dir Hilfen zu holen.

Du musst wirklich aktiv werden. Das kann dir keiner abnehmen. Tu es Dir und deinem Sohn zuliebe.
Mit aktiv werden, meine ich nicht nur, auf die (in ungewisser Zukunft verfügbaren) Hilfen von ASS - Spezialisten zu warten.
Mit aktiv werden meine ich, dich nicht von deinem Kind führen zu lassen, sondern dein Kind zu führen und deinem Kind nicht weiterhin quasi die Verantwortung für das Geschehen zu übertragen.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (17 Jahre / Asperger-Autist)

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Re: Angst vor dem eigenen Kind

Beitragvon toto35 » 09.06.2019, 21:56

Hallo Natascha,
dein Kind ist 3,5 Jahre - wie soll das werden wenn es älter und stärker wird????
LG

____________________________________
Sohn (17 Jahre): ADHS/ADS (Mischform), Fructoseintoleranz, v.a. Migräne, Kiss-Kind (Therapie endlich erfolgreich beendet!)

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Manuela1304
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Re: Angst vor dem eigenen Kind

Beitragvon Manuela1304 » 09.06.2019, 22:04

Hallo

Ich würde komplett aus der Situation raus gehen, Pflegebett mit Polsterung besorgen und dann kann er sich gerne abreagieren warum auch immer er so aggressiv ist.
Verhauen würde ich mich definitiv nicht lassen !
Er ist erst ein Kleinkind, so kann das nicht weitergehen, wenn diese Verhaltensweise weiter geht hast du einen 10 jährigen der zuschlägt und das ist dann nochmal heftiger.
Da muss jetzt was gemacht werden.
Filme es, dann kanns du es dem Arzt unter die Nase halten, da ist dann nix mehr mit angepassten Verhalten wenn er beim Arzt ist.

Ich würde ihn ins Bett legen und sobald ich merke das er loslegt sagen, ok du wirst jetzt böse zu Mama, dann geht Mama jetzt.
Ob das hilft kann man aus der Ferne nicht sagen aber versuch ist es wert.
Auch Autisten können lernen, nicht alle und in jeder Situation aber auch sie brauchen ihre Grenzen gerade wenn sie einem Schaden.
Manchmal dauert es bei ihnen länger bis es greift aber aussichtslos ist es oft nicht.
Autismus ist soooo weit gefächert das du dich wirklich nochmal um Profi Hilfe kümmern musst.

Ganz liebe Grüsse
Manu


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