Angst vor dem eigenen Kind

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 10.06.2019, 22:23

... und wenn das Leben eh grade schon schwer ist, gibt‘s einem noch zusätzlich einen mit, wenn wieder jemand sagt, „kann gar nicht sein, weil ...“ oder „selber schuld“ oder „musst doch nur“ ...
Natascha, das kenne ich leider auch, und könnte auch gerne drauf verzichten ...
Engrid
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Alisa1906
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Re: Angst vor dem eigenen Kind

Beitragvon Alisa1906 » 10.06.2019, 22:24

Huhu,

Puh.. das hört sich wirklich heftig an! Aber teilweise ist es bei meinem Sohn (er wird im September 3) auch so. Er ist mega Aggressiv, auch sich selbst gegenüber, aber auch uns gegenüber.
Unser EEG hat Auffälligkeiten angezeigt, deswegen muss ich am 17.6 mit ihm ins KH zur Medikamentösen Einstellung. Ich habe auch die Hoffnung das es dann besser wird.

Allerdings solltest du auch immer wieder einen Cut machen wenn er gegen dich geht. Ich weiss nur allzu gut wie schwer das ist, aber ich schließe mich da meinen Vorgängern an, jetzt ist dein Sohn noch klein..

Auch das er so Aggressiv nur Abends beim Einschlafen wird kommt mir ziemlich bekannt vor.
Hol dir bitte schleunigst professionelle Hilfe!!!
Allein mit Ergo kann man das nicht Händeln!

Lg
Alisa mit Ben (v.a. ASS und Epilepsie)

AnnalenaO
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Re: Angst vor dem eigenen Kind

Beitragvon AnnalenaO » 10.06.2019, 23:01

@Bianca: mit einem Fusstritt der falsch auf einen schon vorgeschädigten Zahn trifft ist das leider schon möglich.
Trotzdem @ Natascha musst du dich wirklich um Hilfe bemühen und diese auch wirklich wollen.
Ich weiss wie das ist wenn man in so einem blöden Kreislauf steckt. Man findet nur sehr schwer raus.
Und gerade wenn du selber aus der Vergangenheit belastet bist und von Mann oder Oma/Opa keine Unterstützung hast dann kann das fatale Auswirkungen haben.
Ich möchte dich wirklich drängen dir eine adäquate die Hilfe zu suchen!
Evtl wär ein stationärer Aufenthalt hilfreich. Du musst mit den Ärzten und Helfern aber dringend ehrlich sein. Sonst können sie DIR und auch deinem Sohn nicht helfen.
Ich sehe das aus deinen Texten so dass du selber auch Hilfe brauchst. Nicht nur mit deinem Sohn sondern auch für dich! Suche dir bitte dahingehend für DICH einen Psychater auf der dich und im Fortgang dann auch dein Kind versorgen kann, mit sinnvollem zuziehen von KJP. Das eäre das beste für euch denke ich.
Ich bin zum Glück aus diesem Negativkreislauf raus. Da haben mir unter Anderem intensive Gespräche mit einem Psychotherapeut schon sehr geholfen. Alleine hätte ich das nicht so gut hinbekommen!!! Es ging in den Gesprächen nicht nur um meinen Sohn sondern auch um mich! Das war auch sehr wichtig.
Bitte nimm das jetzt ernst und tu etwas. Ich weiss dass es schwer ist so alleine und dass man nur möchte dass es einigermassen geht, gut gehen ist ja nicht mal nötig, man möchte nur überleben. Du musst dir aber unbedingt einen Ruck geben und wirklich Hilfe suchen UND diese auch ANNEHMEN!
Ich wünsche dir von Herzen dass du das schaffst!

Liebe Grüsse
Sohn 5/2009 Asperger Syndrom
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Dario
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Re: Angst vor dem eigenen Kind

Beitragvon Dario » 10.06.2019, 23:07

Ich finde es auch etwas voreilig, Natascha zu unterstellen, die Geschichte wäre eine Fake. Die Erklärung dürfte hier liegen:
Aber ansonsten ja, ich war opfer brutalster Gewalt, das über mehrere Jahrzehnte ging.
Menschen, die schon früher durch Gewalt traumatisiert wurden, können sich auch später oft nicht mehr so wehren, wie man das von anderen Menschen normalerweise erwartet. Weil sie z.B. bei Gewalt jeglicher Art sofort getriggert werden und in Schockstarre verfallen, weil sie gerade bei den eigenen Kindern nichts falsch machen wollen usw. Die Reaktionen von traumatisierten Menschen sind für Außenstehende oft nicht nachvollziehbar und rational nur schwer zu erklären. Das sollte man berücksichtigen, bevor man hier vorschnell über jemanden urteilt.
Heimerziehung ist ein Verbrechen. Kinder gehören in die liebevolle Geborgenheit einer Familie und nicht ins Heim!

NataschaSte
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Re: Angst vor dem eigenen Kind

Beitragvon NataschaSte » 10.06.2019, 23:47

Hallo,

Also ich mache seit 3 Jahren wöchentlich Psychotherapie. Davor auch schon 10 Jahre am Stück, dazwischen lange Pause. die jetzige ist Traumatherapeutin und somit geht langsam aber sicher was weiter. Ebenso bin ich verpflichtet zum Psychiater zu gehen, da ich rehageld beziehe. Die hat mir auch mitgeteilt, dass es in Österreich kein stationäres Angebot gibt wo ich Hilfe bekomme und Thaddäus mit kann.

Bzgl dem kleinen waren wir ja wie gesagt gerade stationär. Ich denke fehlschläge gibt es immer wieder und auch Entscheidungen für die falschen Fachleute.

Aufgrund meiner Vergangenheit habe ich total bammel Thaddäus richtig fest zu halten, eben aus der Angst heraus ihn zu traumatisieren.

Ich rede diese Woche eh noch einmal mit der Psychologin vom stationären aufenthalt. Bin gespannt was die so meint. Hat vielleicht auch eine Idee an wen ich mich wenden kann.

Grüße


PS das einschlafen heute war wieder entspannter...
Natascha und Thaddäus, geb 12/15, atypischer Autismus

Ein guter Schulabschluss ist kein Indikator für Intelligenz, sondern von guter Anpassungsfähigkeit. - Gerald Hüther

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Re:

Beitragvon NataschaSte » 10.06.2019, 23:48

... und wenn das Leben eh grade schon schwer ist, gibt‘s einem noch zusätzlich einen mit, wenn wieder jemand sagt, „kann gar nicht sein, weil ...“ oder „selber schuld“ oder „musst doch nur“ ...
Natascha, das kenne ich leider auch, und könnte auch gerne drauf verzichten ...
Danke
Natascha und Thaddäus, geb 12/15, atypischer Autismus

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Re:

Beitragvon Biancamit2 » 11.06.2019, 09:05

... und wenn das Leben eh grade schon schwer ist, gibt‘s einem noch zusätzlich einen mit, wenn wieder jemand sagt, „kann gar nicht sein, weil ...“ oder „selber schuld“ oder „musst doch nur“ ...
Natascha, das kenne ich leider auch, und könnte auch gerne drauf verzichten ...
Wenn man ihr so auch noch suggeriert dass es vollkommen normal und in Ordnung ist, dann ist das auch ne super Hilfe.
Irgendjemand muss ihr doch klar machen, dass es absolut nicht normal und ok ist wenn sie sich von nem 3 jährigen verprügeln lässt. Der Psychologe, der Psychiater, und der eigene Ehemann schauen dabei zu und greifen nicht ein.
Und du vermittelst ihr noch, dass es normal ist, weil du es auch so kennst.
TOP!
Bianca mit Sohn (2004, Skoliose, LRS) und Tochter (02.2009 Frühchen 29+0, ICP, PVL, spastische Diparese, und manch anderes) und zwei Sternchen *2003 *2008 fest im Herzen

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Re: Re:

Beitragvon Regina Regenbogen » 11.06.2019, 09:11

Wenn man ihr so auch noch suggeriert dass es vollkommen normal und in Ordnung ist
Die TE weiß genau, dass das alles nicht vollkommen normal und in Ordnung ist!

Aber Menschen wie du schaffen es problemlos, dass Menschen wie die TE ganz schnell wieder dicht machen, wenn sie es gerade mal geschafft haben, aus ihrem Trauma-Schneckenhaus rauszugucken um sich Hilfe zu suchen. Du mischt dich gerne in Dinge in, von denen du keine Ahnung hast, richtig?
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

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Re: Angst vor dem eigenen Kind

Beitragvon Anne_mit_2 » 11.06.2019, 09:45

Hallo Natascha,

sprich bitte mit der Theratpeutin auch über Angebote für Deinen Mann. Sein Part wäre es in der Situation einer traumatisierten Mutter, die sich in Therapie befindet, eben gerade, dem Kind den Halt und die emotionale Sicherheit zu geben, die es zum Großwerden braucht. Ich kenne leider zu viele Fälle, in denen Kinder von alleinerziehenden Müttern während deren Therapie nicht adäquat begleitet wurden und daher durch die Therapie der Mutter (=Belastung und Veränderung der Mutter) traumatisiert wurde. Über solche Fälle wird nur selbst in Fachkreisen kaum gesprochen, da die Therapeuten von Erwachsenen und die KJP nur schwer gemeinsame Interessen finden. Durch seinen körperlichen Zustand ist Dein Mann nur mit Hilfe in der Lage Euer Kind aufzufangen -- sowohl körperlich als auch seelisch (in einer chronischen Schmerzsituation brauchen schon unbelastete Nicht-Eltern oft psychologische Hilfe!). Mit anderen Worten auch er braucht dringend Hilfe und Begleitung, da Euer Sohn ihn jetzt absolut braucht. Den Vater auszuschliessen wäre der größte Fehler, den man machen kann. Stattdessen muss ihm ermöglicht werden, seinen Teil (eben mit Hilfe) zu erfüllen und dem Kind den notwendigen Halt zu geben.

Ein gangbarer Weg könnte sein, dass Du in der nächsten Zeit 'krank' bist und Dein Mann den Jungen in der nächsten Zeit mit Hilfe von aussen (Assistenz durch Oma/Opa oder festen Babysitter für die körperlichen Verrichtungen) zu Bett bringt und dazu ein neues Ritual mit 'der Mutter gute Nacht sagen und dann vom Papa versorgt werden' etabliert. Das erfordert gerade bei einem Autisten sehr viel Kraft und Fingerspitzengefühl, kann aber langfristig für die ganze Familie Erfolge bringen, da es Euch beide, Dich und Deinen Sohn, etwas stärker entkoppelt und Dir damit gezieltere (und momentan belastendere) Arbeit in der Therapie ermöglicht, ohne auf Deinen Sohn durchzuschlagen. Du bist im Moment nicht in der Lage, Deinen Sohn ins Bett zu bringen, da Du in ein altes Verhaltensmuster zurückgefallen bist und deswegen erst Behandlung brauchst. Du darfst Deinem Sohn Nähe geben (natürlich!!!!), aber nur, wenn Du Dich gut dabei fühlst. Wenn Du dabei irgendwelche Zweifel oder Unsicherheiten hast, dann merkt das jedes Kind und ein Autist kann es noch schlechter einordnen als ein NT-Kind.

Was ich immer wieder in Gesprächen als sehr nachteilig wahrgenommen habe, ist der Mangel an therapeutischen Angeboten für komplette Familien mit Familienmitgliedern in stark belastender Therapie. Genau in dieser Falle seid Ihr gerade gefangen und Deine Therapeutin (nicht Deine Rolle! sondern IHRE!) muss Euch helfen, einen Ausweg für die GANZE Familie zu finden ggf. gemeinsam mit KJP, Schmerztherapeut und anderen Fachleuten.

Viele Grüße,
Anne

P.S.: An alle, die eine schwere Verletzung durch ein 3-jähriges Kind für absurd halten: Ich kenne einen Fall, wo beim Anlegen einer Lagerungsschiene einer Mutter unbeabsichtigt (!) die Nase gebrochen wurde. Gerade die Beine eines Kindes haben schon Kraft und ein Knie ist hart.

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Biancamit2
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Re: Angst vor dem eigenen Kind

Beitragvon Biancamit2 » 11.06.2019, 12:32


P.S.: An alle, die eine schwere Verletzung durch ein 3-jähriges Kind für absurd halten: Ich kenne einen Fall, wo beim Anlegen einer Lagerungsschiene einer Mutter unbeabsichtigt (!) die Nase gebrochen wurde. Gerade die Beine eines Kindes haben schon Kraft und ein Knie ist hart.
Na klar ist das möglich. Das passiert häufig. Aber das ist unabsichtlich, versehentlich, einmalig.
Wir sprechen hier aber von monatelanger, vorsätzlicher Mißhandlung durch einen 3 jährigen. Und davon dass ein Ehemann und Vater, ein Psychologe und ein Psychiater (mindestens) Kenntnis davon haben und das einfach hinnehmen.

Das ist nochmal was ganz anderes....
Bianca mit Sohn (2004, Skoliose, LRS) und Tochter (02.2009 Frühchen 29+0, ICP, PVL, spastische Diparese, und manch anderes) und zwei Sternchen *2003 *2008 fest im Herzen


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