Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Sandra F
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Re: Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Beitragvon Sandra F » 16.06.2019, 17:23

Hallo,

zum Thema Betreuungsrecht gibt es vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz eine Broschüre.
Vielleicht hilft euch diese noch weiter.

https://www.bmjv.de/SharedDocs/Publikat ... recht.html

LG Sandra
Christopher 09/2006 Asperger + ADHS

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Maike_aus_S
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Re: Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Beitragvon Maike_aus_S » 16.06.2019, 18:21

Hallo, Sandra, vielen lieben Dank. Mit dem Teil des rechtlichen kenne ich mich selber auch ziemlich gut aus, daher war ich ja gerade ziemlich verärgert, weil ich eben weiß, wie sehr vieles, von dem was die da machen nicht geht. :?
Hallo Rike, du beschreibst sehr viel eher mich als ihn, das hatte ich gemeint :wink:
Hallo Michaela, wow, tausend Dank! Das könnte echt genau das sein, was wir brauchten :)

Danke an alle nochmal, da war sehr viel guter Rat dabei. Wir melden uns, wie es ausgegangen ist.
LG, Maike :wink:

Rosi vD
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Re: Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Beitragvon Rosi vD » 18.06.2019, 20:18

Hallo,

in einem "intensivpädagogischen Stufenplanheim" wird man nicht einfach mal so untergebracht.
Da müssen vorher alle anderen Unterbringungsmöglichkeiten ausgeschöpft worden sein und nicht effektiv.
Es gibt da nur sehr,sehr wenige Plätze und die Unterbringung ist besonders teuer und meist für nur einige Monate...
wie du beschreibst scheint er da schon 1 Jahr? oder länger zu sein; was eher selten ist.
Wurde da evtl ein gerichtlicher Beschluss zur Unterbringung erwirkt ?
Da müssen vorher ganz erhebliche Vorfälle gewesen sein mit z.B. Eigen-oder Fremdgefährdung etc.
Er scheint ja da im sehr restriktivem Bereich untergebracht zu sein.

Stufenplan bedeutet ja ,dass es auch "offenere" Bereiche in diesem Heim gibt.

Grüsse,
Rosi

Maike_aus_S
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Re: Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Beitragvon Maike_aus_S » 19.06.2019, 11:05

Hallo Rosi,

ja, könnte man alles so denken, aber ist nicht so (er verheimlicht mir was das angeht auch nichts, ich habe mittlerweile genug Kopien seiner Unterlagen, um das zu sehen). Vorfälle, die das rechtfertigen würden, keine Ahnung, er ist eben vor vielen Jahren schon vom Gymnasium geflogen, weil er da eine Weile nicht hingegangen ist und dann war die Sache mit dem Sachschaden im Internat (wills nicht zu genau schreiben, wegen Identifikation, aber stellt euch das nicht zu schlimm vor).
Einen Unterbringungsbeschluss gibt es nicht (da könnte ich wieder sehr gut helfen und dann wäre das rechtlich alles auch klarer, auch das mit den zwangsweisen Medikamenten und dergleichen).
Der Stufenplan bezieht sich auf Ausgang und ob man das Handy behalten darf und so. Er ist auch nicht ganz unten, er hat ja zwei Stunden und das Handy. Er ist ein 3/4 Jahr dort. Offiziell ist die Einrichtung ja offen, deshalb machen sie es ja mit der KJP so. :(
Offenere Bereiche gibt es nicht, nur die sehr viel kleinere Verselbstständigungsgruppe, in die er auch "irgendwann" hin soll. Aber natürlich nicht hin will.

LG, Maike

mariannna
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Re: Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Beitragvon mariannna » 20.06.2019, 22:33


Offenere Bereiche gibt es nicht, nur die sehr viel kleinere Verselbstständigungsgruppe, in die er auch "irgendwann" hin soll. Aber natürlich nicht hin will.

LG, Maike
Aber wäre das nicht schon eine Verbesserung?
Verselbständigung ist doch gut, wenn er in Zukunft mal eigenständig wohnen möchte.

Wenn er allerdings tatsächlich (!) in der Einrichtung misshandelt wird und das nicht nur dir ggü so dargestellt hat, dann sollte er Anzeige erstatten.

Mir kommt es immer noch seltsam vor, dass er mehr mit dir, als mit seinen Eltern redet, die ja -nach deinen/bzw seinen Worten ganz in Ordnung sind. Hat er ihnen etwa nichts von den Misshandlungen erzählt?
Oder hat er es erzählt und sie glauben ihm nicht?
Wenn ja, welchen Grund haben die Eltern, ihm nicht zu glauben? Hat er in der Vergangenheit öfter gelogen?

Generell finde ich, sind Eltern schon gute Ansprechpartner, wenn es darum geht, wie man die Wünsche/Bedürfnisse ihres Sohnes/Tochter in Zukunft umsetzen kann (wenn es nicht total desinteressierte oder misshandelnde Eltern sind).
Was spricht denn dagegen, die Eltern miteinzubeziehen?

MfG, Marianna

HeikeLeo
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Re: Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Beitragvon HeikeLeo » 21.06.2019, 11:06

Liebe Marianna,
Was spricht denn dagegen, die Eltern miteinzubeziehen?
Eltern glauben gerne Fachleuten. Viele Eltern können sich auch gar nicht vorstellen, dass formal glaubwürdige Fachleute lügen.

Und Eltern sind ihrerseits auch in einer Notlage. Aus der heraus zu helfen ist nochmal besonders schwer. Vor allem, wenn die Wucht fachlicher Expertise sie umgarnt. Nicht jeder kann erkennen, dass gerade im pädagogisch-therapeutischen Bereich teilweise eine große Schere zwischen Werbung/Versprechungen und Umsetzung ist. Und abhängig von der eigenen emotionalen Not will man das eventuell auch nicht erkennen. Man lügt sich mit Hilfe der Experten die Welt dann selbst schön und relativiert die Aussagen des Sohnes.

Liebe Grüße
Heike

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Re: Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Beitragvon Maike_aus_S » 23.06.2019, 13:32

Hallo marianna,

ob das mit dem körperlichen Übergriff stimmt, weiß ich doch gar nicht. Er hat von einem Vorkommnis erzählt, es ist auch möglich, dass er sich einfach nicht richtig erinnert. Für das mit der illegalen Zwangseinweisung habe ich eben schriftliche Beweise, selber, daher hat mich das so geschockt.
Ich fände es auch sinnvoller, mit den Eltern Klartext zu reden, aber das möchte er nicht, er hat auch Schwierigkeiten, sich gegenüber ihnen durchzusetzen, glaube ich. Das wird vermute ich sowieso noch explodieren, sobald die von der Anwältin erfahren.
Er sagt, die Eltern seien eben absolut überzeugt davon, dass er den Abschluss schaffen muss, sonst käme er für den Rest seines Lebens in eine "Behinderteneinrichtung", und er das in einer weniger strengen Einrichtung nicht tun würde, deshalb ließen sie keine anderen Alternativen zu.

Michaela44
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Re: Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Beitragvon Michaela44 » 23.06.2019, 21:09


Er sagt, die Eltern seien eben absolut überzeugt davon, dass er den Abschluss schaffen muss, sonst käme er für den Rest seines Lebens in eine "Behinderteneinrichtung", und er das in einer weniger strengen Einrichtung nicht tun würde, deshalb ließen sie keine anderen Alternativen zu.
Wenn das der Grund für diese Art der Unterbringung ist, fände ich das schlimm. Überforderung/Hilflosigkeit/falsche Beratung/mangelnde ambulante Unterstützung - solche Gründe kann ich auf Elternseite noch nachvollziehen. Aber nicht Drill.


Eine derart unmenschliche Unterbringung richtet psychischen Schaden an.

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Aber erst nach dem Schulabschluss?!
Asperger Autistin
mit neurodiverser Familie

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Re: Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Beitragvon Maike_aus_S » 27.07.2019, 13:36

Hi,

mit solchen Anträgen haben doch vermutlich genug hier Erfahrung. Also kann ich nochmal fragen, ob das hier hinhauen würde? Weil ich habe keine Ahnung.

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An die
Kreisverwaltung ABC
-Jugendamt-

Sehr geehrte Damen und Herren vom Jugendamt ABC,

ich, XYZ, geboren am XX.7.2001, derzeit wohnhaft im [Heim]. widerrufe hiermit den Antrag meiner Eltern vom XX.6. auf Weiterfinanzierung des [Heim] nach §41 SGB VIII über meinen 18. Geburtstag hinaus.
Stattdessen mache ich von meinem Wunsch- und Wahlrecht nach §5 SGB VIII gebrauch und beantrage die Gewährung einer stationären Wohnform nach §41 SGB VIII, durch einen anderen Träger als den des [Heim].

Mit freundlichen Grüßen
----------------

Danke euch!

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HeikeLeo
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Re: Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Beitragvon HeikeLeo » 27.07.2019, 15:42

Liebe Maike,
durch einen anderen Träger als den des [Heim].
der Antrag hätte noch mehr Substanz, wenn Ihr konkret ein alternatives Heim und einen alternativen Träger benennen würdet.

Am Besten, wenn die Alternative auch noch Plätze frei hätte.

Liebe Grüße
Heike


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