Förderschulplatz einklagen?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Moni2006
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Förderschulplatz einklagen?

Beitragvon Moni2006 » 09.06.2019, 12:53

Hallo zusammen,

ich schreibe für eine Familie die ein Mädchen hat, dass gehörlos ist mit CIs zwar versorgt ist. Auch hören kann, aber mit der Lautsprach leider nichts anfangen kann. Gebärden kann das Kind auch nicht sicher. Nun muss die kleine dieses Jahr eingeschult werden. Die ganze Zeit hieß es, Sie wird dort wo Sie zum Kindergarten geht (Gehörloseneinrichtung) auch eingeschult. Im Januar hieß es dann auf einmal das würde nicht gehen. Das Mädchen lernt zu langsam, kann nicht richtig gebärden und hätte noch andere Probleme. Die Familie hat auch einen Bericht vom Kindergarten, da die Eltern den bericht wollten.

Nun bekommt das Mädchen seit 3 Monaten außerhalb der Einrichtung Ergotherapie und die Ergotherapeutin kann das was im Bericht alles steht nicht bestätigen. Sie hat auch schon mit dem Kindergarten gesprochen, warum das Kind nicht in der gewohnten Umgebung beschult wird. Immer wieder die gleichen Argumente. Auch die Uniklinik hat mit der Einrichtung gesprochen, es wäre gut, wenn das Kind da beschult wird und nicht wo anders, weil die Schule wo empfohlen wurde, sind sich Uniklink und Ergo einig, dass die vorgeschlagene Schule nicht dem IQ des Kindes gut tun würde, sondern sie in Ihrer Entwicklung auch zurückgehen könnte.

Die Ergotherapeutin hat den Eindruck gewonnen, dass die Einrichtung das Mädchen leider nicht will. Den das Kind würde gut in die Einrichtung passen. Die Ergotherpeutin hat mehrere kleine Patienten von der Einrichtung. Viele davon sind Intelligengemindert und besuchen trotzdem die Einrichtung.

Hat jemand von euch schon mal einen Förderschulplatz eingeklagt? Bleibt die Frage, ob es sich überhaupt lohnt zu klagen, wenn die Schule das Kind leider eh nicht möchte und das Kind nicht später darunter leiden wird.

Viele Grüße und Danke

Moni
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Ayala
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Re: Förderschulplatz einklagen?

Beitragvon Ayala » 09.06.2019, 15:51

Hallo Moni,

in welchem Bundesland wohnt das Mädchen denn? Schulen suchen sich in der Regel ihre Schüler nicht aus. Auch Förderschulen haben festgelegte Bildungsgänge, zu denen gewisse Voraussetzungen notwendig sind. Diese werden in einem sonderpädagogischen Gutachten abgeklärt. In diesem Rahmen werden auch Gespräche mit Eltern, Kindergärten geführt, Arzt- und Therapieberichte mit einbezogen. Am Ende steht in RLP die Empfehlung für den Förderbedarf fest, nicht aber die konkrete Schule. Der Förderbedarf muss auch noch von der Schulaufsicht überprüft werden, wenn das Gutachten nicht stimmig ist, kann dieser auch geändert oder abgewiesen werden. Auch die Eltern können Widerspruch einlegen, wenn sie mit dem festgestellten Förderbedarf nicht einverstanden sind. Am Ende dieses Verfahrens steht die Schulwahl unter den Schulen, die den Förderschwerpunkt anbieten können. Allerdings ist es in RLP schon gar nicht mehr so einfach, einen Platz an einer Förderschule zu bekommen, da die Kapazitäten einfach nicht ausreichen.

Du siehst, es ist keine reine Wilkür, sondern ein recht umfangreiches Verfahren. Wie es bei dem Mädchen aussieht, kann ich leider deinen Schilderungen nicht entnehmen.

Viele Grüße
Ayala
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Moni2006
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Re: Förderschulplatz einklagen?

Beitragvon Moni2006 » 09.06.2019, 16:13

Hallo Ayala,

das Mädchen kommt aus Bayern. Soweit mir bekannt ist gibt es nur den SVE Bericht, den ich für die Familie angefordert habe, da Sie der deutschen Sprache noch nicht so mächtig sind um sich diesen komplexen Thema allein zu widmen.

Lt. Inklusionsberater von Landratsamt können sich die Förderschulen sehr wohl mittlerweile die Schüler aussuchen, die Regelschulen dagegen nicht. Soweit mir bekannt ist, gibt es kein sonderpädagogischen Gutachten. Was steht den so alles drin in einem sonderpädagogischen Gutachten und wer erstellt dieses?

Liebe Grüße und Danke

Moni
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kati543
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Re: Förderschulplatz einklagen?

Beitragvon kati543 » 09.06.2019, 16:18

Hallo,
die Eltern haben das Recht (und darauf dürfen sie klagen) die Beschulung in IGRENDEINER Förderschule zu wählen. Aber das Schulamt entscheidet grundsätzlich immer, welche Förderschule das sein wird.
Das Wunsch- und Wahlrecht der Eltern beschränkt sich auf die Wahl zwischen Inklusion oder Förderschule.
LG
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O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
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Re: Förderschulplatz einklagen?

Beitragvon NinaP » 09.06.2019, 17:25

Hallo Moni,

für Bayern habe ich das gefunden:

Allgemeine Übersicht über Schullaufbahnberatung für Schüler mit Beeinträchtigungen (auf den Seiten des Bayerischen Kultusministeriums):
https://www.km.bayern.de/ministerium/in ... ungen.html

Flyer "Der beste Bildungsweg für mein Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf" (Herausgeber Bayerisches Kultusministerium)
https://bc.pressmatrix.com/de/profiles/ ... ba18/pages
Daraus Zitat (S. 10):
Für eine bestmögliche Förderung in der Schule ist es wichtig zu wissen, worin Ihr Kind welche Unterstützung benötigt. Lehrkräfte für Sonderpädagogik, insbesondere der Mobile Sonderpädagogische Dienst (MSD) eines Förderzentrums, diagnostizieren den Förderbedarf bzw. den sonderpädagogischen Förderbedarf Ihres Kindes und erstellen ggf. einen Förderdiagnostischen Bericht oder ein Sonderpädagogisches Gutachten.
Vielleicht hilft Dir/Euch das weiter?

Ansonsten im Kindergarten/SVE mal die MSH (=MSD für Kindergärten) einschalten. Die helfen bestimmt ganz gut weiter und sollten auch einen guten Überblick haben über die entsprechenden Schulen und Möglichkeiten.

Viel Erfolg für die richtige Schulwahl!

Viele Grüße
NinaP

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Re: Förderschulplatz einklagen?

Beitragvon mel1220 » 09.06.2019, 19:02

Hallo,

wie aber weiter oben schon geschrieben wurde, muss zuerst der sonderpädagogische Förderbedarf festgestellt sein um überhaupt bei einer Förderschule unterzukommen. Dies ist ein recht grosses und aufwendiges Verfahren. Wenn in der Richtung noch nichts geschehen ist sollte zuerst der Antrag auf Überprüfung des Förderbedarfs gestellt werden.

Liebe Grüße
Mel

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Re: Förderschulplatz einklagen?

Beitragvon Ayala » 09.06.2019, 19:18

Hallo Moni,

du hast ja nun viele wichtige Informationen bekommen. Allerdings will ich noch mal klarstellen, dass sich Förderschulen ihre Schüler nicht aussuchen können. Das trifft lediglich auf Privatschulen zu. Im sonderpädagogischen Gutachten wird festgestellt, welchen Förderbedarf ein Kind hat. Wenn das durch das Schulamt bestätigt wurde, wählen die Eltern, ob ihr Kind mit diesem Förderbedarf die entsprechende Förderschule (also die Förderschule, die genau den ausgewiesenen Förderschwerpunkt hat und keine andere) oder die inklusive Regelschule (nicht alle Regelschulen dürfen die Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf aufnehmen) wählen. Wenn die Förderschulen voll sind, ist es keine Willkür, wenn die später gemeldeten Kinder abgewiesen werden müssen. Es gibt nun mal nur eine bestimmte Anzahl an Plätzen.

VG
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Re: Förderschulplatz einklagen?

Beitragvon marion mo » 09.06.2019, 21:36

Hallo zusammen !
Ohne AOSF-Verfahren gibt es keinen Förderschulplatz und dafür ist es schon spät im Jahr. Hier in NRW können nur private Förderschulen Kinder ablehnen .
Und wenn wie bei uns nur eine Förderschule pro Förderschwerpunkt im Kreis existiert,muss diese alle Kinder nehmen ,egal ,wie viele sie schon hat. In unserer Schule werden in diesem Jahr 7 Eingangsklassen gebildet und es werden insgesamt voraussichtlich 261 Kinder die Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung besuchen. Alle Klassen sind zu mehr als 100% ausgelastet und es sind noch lange nicht alle Lehrer - und Helferstellen besetzt....
LG Marion
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Re: Förderschulplatz einklagen?

Beitragvon Jojo111 » 09.06.2019, 21:48

In Bayern gibt es kein AOSF Verfahren o.ä.

Dort entscheiden in der Tat die Förderschulen selbst über die Aufnahme eines Kindes anhand eigener Beobachtungen und Tests. Die Schule selbst bestimmt, ob der Förderbedarf des Kindes dem Profil der Schule entspricht. Wenn nicht, wird sie das Kind ablehnen und an andere Schulen verweisen.
Das Schulamt hat damit gar nichts zu tun. Auch das sonderpädagogische Gutachten erstellt die aufnehmende Schule selbst (bei Grundschulen macht das der MSD).

Das aus anderen BL bekannte übergeordnete Verfahren ist in BY also unbekannt. Das ist teilweise von Vorteil (weil man freiere Wahl hat), teilweise von Nachteil (weil manche Kinder dann an 3 oder 4 Schulen umfangreich getestet werden).
Teilweise gibt es dann noch so Sachen wie Sprengel für Schulen bestimmter sonderpädagogischer Fachrichtungen und Schulen in privater Trägerschaft, aber im Prinzip läuft es so wie oben beschrieben, auch an staatlichen Förderschulen.

Sollte es sich zufällig um die Schule mit Förderschwerpunkt Hören in München handeln, sehe ich leider keine Chance. Die Schule nimmt explizit nur Schüler auf, die dem Grundschullehrplan folgen können. Bei vermuteter Intelligenzminderung wird sie das Kind leider ablehnen.
Als gute Alternative kann ich Hohenwart empfehlen.
LG, Jojo
mit dem bezaubernden Trio (Mademoiselle 2006, JIA, sehbehindert, SH rechts mit HG versorgt, ADHS --- Monsieur 2006, Asperger, ADHS, LRS, AVWS --- kleiner Charmeur 2010, HFA, SEV, VED, V.a. Tourette)

"Be who you are. And say what you feel. Because those who mind don't matter. And those who matter don't mind." Dr. Seuss

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Re: Förderschulplatz einklagen?

Beitragvon Moni2006 » 30.06.2019, 01:08

Hallo zusammen,

danke für eure Antworten. @ Jojo111 es handelt sich um die Gehörlosenschule in Würzburg. Mittlerweile haben wir auch den Bericht der Entwicklungsdiagnostik. Das Mädchen hat ein IQ von 93 steht so in den Bericht drin. Manche Aufgaben hat sie wie der Durchschnitt geschafft manche unter dem Durchschnitt so im Bericht. Vieles was in dem Bericht steht, entspricht jedoch nicht der Wahrheit. Genauso wie in dem SVE Bericht. Kann man dagegen irgendwie vor gehen? Auf jedenfall möchte die Familie ein Gespräch mit der Direktorin. Sicher, dass Mädchen hat ihre Defizite, aber dafür sind doch solche Schulen da und lt. einer Therapeutin die auch Kinder von der Schule in Ihrer Behandlung hat sagt, dass diese Kinder zum Teil Intelligenzgemindert sind.

Da das Mädchen nicht spricht und vieles/kaum der Sprache nicht versteht, wird das gleichgesetzt mit jemanden der Intelligenzgemindert ist. Aber in den Arztbriefen steht ja, warum ihr Sprache nicht bekannt ist. Hat also nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun sonder mit einer Erkrankung die nichts mit der Intelligenz zu tun hat.

Wahrscheinlich ist das Mädchen der Einrichtung zu unbequem, weil wenn das Kind was nicht möchte oder nicht mehr möchte, dann macht Sie nicht weiter und unter Druck geht dann noch weniger und Sie blockt immer mehr ab.

Die Ergotherapeutin die das Mädchen seit 3 Monaten bei sich in der Therapie hat, kann das überhaupt nicht verstehen, warum die Schule sie nicht nehmen will. Sie sagt zwar auch, Sie hat die ein oder anderen Probleme, aber nicht die die dargelegt werden und es ist kein Grund, dass Kind nicht in der Schule für Gehörlose aufzunehmen.

Viele Grüße

Moni
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