2. Pause drin bleiben

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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bellsaskia
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Re: 2. Pause drin bleiben

Beitragvon bellsaskia » 07.06.2019, 20:22

Hallo Regina,

Ich habe meinem Kind nicht zugestimmt, dass es eine Bestrafung ist. Wir haben erklärt, dass das doch eine gute Sache ist. So geht man dem ganzen Stress aus dem weg und kann sich vom anstrengenden unterricht ohne das chaos auf dem schulhof erholen. Aber unser Kind ist da anders gestrickt. Er hat nichts getan und muss drin bleiben. Liegt vielleicht auch an der Erklärung der Lehrerin. Die es nicht wirklich gab.

Ich finde es nicht gut. Weil Bewegung sehr wichtig ist. Bedeutet aber nicht, dass es eine Strafe ist.



Es gab eine Einführung. Da wurde vieles besprochen. Und von der fachlichen leitung immer wieder drauf hingewiesen, dass die SB fürs Kind da ist. Weil es aber in den Pausen gut klappte, würde das, von der SB etwas gelockert und wie aus dem nichts hiess es plötzlich unser Kind benötigt Ruhe in der Pause und verbringt die Pause drin. Die SB hatte nichts dagegen zu setzen.(sagt man das so?) Die Lehrerin hat das gesagt also machen wir das. Ansonsten sollte ich doch bitte mit der Lehrerin sprechen.



Stimmt warum sie nicht mitspielt habe ich nicht gefragt. Aber gerade meinen Sohn. Er sagt sie ist zu schlecht, weil sie nicht gerne spielt. Die Jungs sind echt gut. Ich spiele auch gerne, aber nicht so oft. Ich hab allerdings nur eine Chance, wen ich einen guten Tag habe und die Jungs einen weniger guten.

Ich werde das aber aufgreifen. Das Nächte Gespräch kommt bestimmt.

Lieben Dank!

VG

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Regina Regenbogen
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Re: 2. Pause drin bleiben

Beitragvon Regina Regenbogen » 08.06.2019, 11:01

Ich habe meinem Kind nicht zugestimmt, dass es eine Bestrafung ist. Wir haben erklärt, dass das doch eine gute Sache ist. So geht man dem ganzen Stress aus dem weg und kann sich vom anstrengenden unterricht ohne das chaos auf dem schulhof erholen.
Ein wenig schwach argumentiert, aber gut, ist eben so.
Aber unser Kind ist da anders gestrickt. Er hat nichts getan und muss drin bleiben. Liegt vielleicht auch an der Erklärung der Lehrerin. Die es nicht wirklich gab.
Dein Kind ist ganz normal gestrickt. Er hat insoweit was getan, dass ihn sein Gerechtigkeitssinn (und seine Resignation) auf falsche Wege führt, indem er Mitschüler zum Lügen animiert. Das Gegenteil von gut gemacht ist gut gemeint. Und das muss er wohl erst noch lernen. Die Lehrerin war zu einer (aus ihrer Sicht logischen) Erklärung gezwungen, weil die SB und du keine Lösung des Problems gefunden habt und sie eine Entscheidung treffen musste zum Wohl deines Kindes UND der Mitschüler.

Ich finde es nicht gut. Weil Bewegung sehr wichtig ist. Bedeutet aber nicht, dass es eine Strafe ist.
Ich nehme an, dein Kind merkt sehr wohl, was du davon hältst. Solche Gefühle übertragen sich. Damit das Kind Bewegung hat in seinen Pausen (die müssen nicht gleichzeitig mit den Pausen der Mitschüler sein) MUSS die SB sich was einfallen lassen - das ist ihr Job.

Und von der fachlichen leitung immer wieder drauf hingewiesen, dass die SB fürs Kind da ist. Weil es aber in den Pausen gut klappte, würde das, von der SB etwas gelockert und wie aus dem nichts hiess es plötzlich unser Kind benötigt Ruhe in der Pause und verbringt die Pause drin. Die SB hatte nichts dagegen zu setzen.(sagt man das so?) Die Lehrerin hat das gesagt also machen wir das. Ansonsten sollte ich doch bitte mit der Lehrerin sprechen.
Es geht immer eine Weile gut, wenn man Strukturen aufweicht. Bei Kindern mit Autismus bedeutet das: 2 Schritte vor, 1 Schritt zurück. Da hat die SB gepennt und den richtigen Zeitpunkt verpasst als es aus dem Ruder lief - das geht nunmal sehr schleichend. Die Lehrerin hat es dann gemerkt und war durch die Untätigkeit der SB gezwungen, etwas zu unternehmen, was aus ihrer Sicht richtig erschien.

Ich verstehe nicht, dass für dich scheinbar die Lehrkraft den schwarzen Peter bekommt, nur weil die SB die Verantwortung für rechtzeitige Entscheidungen nicht tragen will oder kann.

Als mein Sohn seinen letzten Schulbegleiter bekam, stand er kurz vor der Suspendierung von der Grundschule - weil die vorhergehenden SB alle die Fehler gemacht haben, die eure SB scheinbar gerade macht. Da half es meinem Sohn erstmal, ihn komplett rauszunehmen aus dem Schulgegehen wie Pausen, Sport und Musik sowie von jeglichem Zusammensein mit anderen Schülern, ja auch teilweise zu Unterrichtszeiten - der SB nannte das damals "reseten". Die sehr feste Struktur wurde dann in kleinen, sehr kleinen Schritten Stück für Stück aufgeweicht, immer nur gerade so, wie mein Sohn es schaffen konnte. Diese Grenze kann man aber nur sehen, wenn man das Kind auch lesen kann, es Schritt für Schritt begleitet, nicht nur körperlich anwesend ist.

Der letzte SB, der unseren Sohn 2 Jahre begleitet hat, sagte gleich zu Anfang einmal zu mir: Ich sehe in dem Kind soviel Potenzial und es tut mir weh, dass er es nicht zeigen kann. Er ist ein wundervoller Junge, genau so wie ich immer sein wollte. Ich will, dass er ein glücklicher Schüler wird.

Und genau das hat er auch geschafft, indem er den Spagat geschafft hat mit der Zusammenarbeit Schule - Kind - Elternhaus, immer im Fokus, dass die Begleitung des Kindes nicht nur ein Job ist, sondern eine schwere (wenn auch unterbezahlte) und sehr verantwortungsvolle Aufgabe.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

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Re: 2. Pause drin bleiben

Beitragvon Regina Regenbogen » 08.06.2019, 11:21

Ach ja, vergessen: Meinem Sohn hat damals das völlige Abschotten von dem Schulgeschehen auch nicht gefallen, er hatte schon früh immer das Gefühl, so sein zu MÜSSEN wie alle anderen und wollte entsprechend nicht ausgegrenzt werden. Die Erklärungen, warum dieses Vorgehen nur seinem Schutz und Wohlergehen dient, sind nicht wirklich bei ihm angekommen - zu Anfang. Das änderte sich aber relativ schnell als er dann endlich Vertrauen zu dem SB aufgebaut hatte.
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Re: 2. Pause drin bleiben

Beitragvon Anjali » 08.06.2019, 11:35

Hallo Saskia,

ich sehe das ähnlich wie Regina.
Ich habe den Eindruck, dass die Lehrerin zu dieser Maßnahme greifen musste, um eine „ordentliche“ Betreuung deines Sohnes durch die SB sicherzustellen.
Anscheinend kam diese ja ihrer Aufgabe als Pausenaufsicht und Konflikt“mediatorin“ nicht zufriedenstellend nach.

Dass dein Sohn die Maßnahme als Bestrafung empfindet, ist bedauerlich.
Aber eigentlich wäre es die Aufgabe aller Beteiligter, ihm die neue Pausenregelung so schmackhaft wie möglich zu machen.
Hier wäre m.E. auch die SB in der Pflicht.
Ich weiß nicht, wie intensiv du im Austausch mit Letzterer stehst. Ich würde mich wohl wegen dieser Sache auch persönlich an sie wenden.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

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Re: 2. Pause drin bleiben

Beitragvon GretchenM » 08.06.2019, 12:13

@ Regina

Genauso würde ich es auch sehen, eindeutig! Sehr gut ausgedrückt - auch wenn es mir leid tut, dass dein Kind so etwas ertragen musste. Super, dass der SB ihn offensichtlich gut „lesen“ kann. SB macht wirklich nur so Sinn.

GretchenM
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Re: 2. Pause drin bleiben

Beitragvon GretchenM » 08.06.2019, 12:30

Ergänzung: ich meinte natürlich: Gut, dass der letzte Schulbegleiter deinen Sohn so gut lesen konnte.


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