Panische Angst vor Zahnarzt, was tun?

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LunaBluna
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Panische Angst vor Zahnarzt, was tun?

Beitragvon LunaBluna » 29.05.2019, 11:51

Hallo,

unser Teenie ist sehr sehr schmerz- sowie berührungsempfindlich und hat extreme Angst vor Zahnärzten oder auch vorm Blutabnehmen, obwohl wir einen sehr einfühlsamen Kinderzahnarzt haben.
Leider sind die bleibenden Eckzähne oben im Kiefer verlagert (liegen quer) und demnächst soll geröntgt werden und geschaut werden, was zu machen ist.
Wie kann man da helfen? Was kann man machen bei dieser großen Zahnarztangst/Panik. Er zittert gerade zu vor lauter Angst und bekommt eiskalt, schweißgebadete Hände.
So eine Behandlung mit Schmerzen und Klammer über Jahre würde unser Teenie gar nicht durchstehen können.

Kann man sowas therapeutisch angehen? Es wird immer schlimmer mit der Angst vor Ärzten.

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Engrid
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Re: Panische Angst vor Zahnarzt, was tun?

Beitragvon Engrid » 29.05.2019, 12:24

Hallo Luna,

nimm mal die Suchmaske, gib „Zahnarzt“ ein und verenge aufs Unterforum Autismus.
search.php

Da findest Du Einiges, Du bist nicht alleine...

Wir haben auch ein Arztproblem, Sohnemann verweigert sehr schnell.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

LunaBluna
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Re: Panische Angst vor Zahnarzt, was tun?

Beitragvon LunaBluna » 29.05.2019, 15:46

Hallo Engrid,

vielen Dank, ich lese mich mal durch.

ehemalige Userin

Re: Panische Angst vor Zahnarzt, was tun?

Beitragvon ehemalige Userin » 29.05.2019, 19:01

Hallo Luna,

könnte man den Eingriff notfalls unter Vollnarkose machen? Mit Autismus als besonderer Indikation müsste das ja eigentlich begründbar sein.

Und inwieweit ist der Eingriff medizinisch zwingend notwendig? Vielleicht kann man ihn notfalls noch um ein paar Jahre hinauszögern (unter Umständen bis ins Erwachsenenalter), bis dein Sohn sich vielleicht eher dazu in der Lage sieht?

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Re: Panische Angst vor Zahnarzt, was tun?

Beitragvon Anna-Nina » 29.05.2019, 19:28

Vollnarkose muss glaub ich nicht mal sein, da gibt es auch andere "harmlosere" Methoden.

Meinen Neffen (gesund) hat man auch schon sediert beim Zahnarzt. Das ist nicht unüblich bei Kindern.

Meine Tochter wird zur Blutabnahme sediert. Wir haben das Problem, dass bei ihr meistens das Blut ganz schlecht läuft und es darum mit Festhalten allein nicht getan ist. Sie wird mit ihren Notfallmedi für die Epi sediert. (Midozolam). Sie bekommt davon leider immer Hallozinationen wenn es nachlässt. Der Arzt meint aber trotzdem es wäre besser als, wenn man das Kind schwer Traumatisiert.
Ich finde beides total doof.

Meine Tochter wügt auch ganz arg beim Zahnarzt seit neuesten. Wir wollten neulich die Backenzähne versiegeln. Sie macht prima mit - aber sobald man die Wattebäusche in den Mund steckt würgt es sie so sehr, dass sie fast erbricht. Die Sprechstundenhilfe meinte dann wir sollen es an einem anderen Tag probieren - aber ich erspare ihr das jetzt - ist ja nichts essentielles. Dann putzen wir eben intensiver. Aber leider kann man sich vor den meisten Sachen nicht so gut drücken.

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Re: Panische Angst vor Zahnarzt, was tun?

Beitragvon LunaBluna » 29.05.2019, 21:13

Schon alleine eine Vollnarkose einzuleiten wäre kastastrophal. Es besteht auch eine totale Angst gegen alles, was Spritzen sind.
Danach müsste ja leider die Behandlung mit Klammer etc. weiter gehen, auch das wäre für unseren Teenie wegen extremem Schmerzgefühl unaushaltbar.
Ich weiß auch nicht, wie man das sonst bewerkstelligen könnte.
Theoretisch müssten die beiden verlagerten Eckzähne freigelegt werden, vorher eine Klammer, an denen "Kettchen" befestigt würden um die Eckzähne wenn sie operativ nach draußen verlegt würden in die richtige Position zu bringen.
Im Moment sind die Milcheckzähne noch an ihrer Position, da die bleibenden Eckzähne ja leider nicht von alleine raus kommen würden.

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Re: Panische Angst vor Zahnarzt, was tun?

Beitragvon Alexandra2014 » 31.05.2019, 11:42

Hallo!

Vielleicht ginge es mit einer Inhalationssedierung mit Lachgas. Sollte das für die Behandlung nicht reichen, könnte man anschließend in eine Vollnarkose überleiten. Das bekommt er dann ja nicht mehr wirklich mit. Man müsste natürlich vorher mit ihm besprechen, was da passiert, dass NICHTS weh tut. Aber er müsste die Maske auf der Nase zumindest erstmal akzeptieren.

https://topdentis-cologne.de/lachgas

Eventuell würde dann auch erstmal eine lose Spange reichen und er könnte sich daran gewöhnen, dass der routinemäßige Gang zum Kieferorthopäden nicht schlimm oder schmerzhaft ist. Die lose Spange kann wesentlich milder eingestellt werden und zu Beginn ohne Schmerz zur Gewöhnung eingesetzt werden. Stellt der Kieferorthopäde sie mal zu straff ein, kann man sie ohne Aufwand auch selbst wieder etwas zurückdrehen und dann langsam steigern. Danach müsste man dann vielleicht schauen, ob und wie lange eine feste Spange überhaupt noch nötig ist.

Bei uns wird das leider auch alles sehr umfangreich, weil der Kiefer viel zu eng ist und Zähne schief stehen. Wir warten aber noch darauf, dass der erste Backenmilchzahn und/oder die Eckzähne mal ausfallen. Da tut sich derzeit gar nichts.
Mein Kind hat zwar keine Angst vorm Zahnarzt direkt und ist auch erstmal kooperativ, aber wehe es tut weh oder er kommt mit einer Spritze... Sie ist dann leider so extrem angespannt, dass anschließend ein epileptischer Anfall kommt.

Gruß
Alex
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Re: Panische Angst vor Zahnarzt, was tun?

Beitragvon LunaBluna » 01.06.2019, 08:18

Danke Alexandra.


Leider ist egal was der Zahnarzt machen würde und alles eine absolute Katastrophe für unseren Teenager.
Eine Maske aufsetzen - Gar keine Chance...
Das schlimmste sind die verlagerten bleibenden Eckzähne, die im Oberkiefer quer liegen und von selbst nicht raus kommen können. Dadurch würde eine Behandlung extrem aufwendig.

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Re: Panische Angst vor Zahnarzt, was tun?

Beitragvon Alexandra2014 » 01.06.2019, 08:54

Hallo!

Würde er einen Saft trinken oder Tabletten schlucken? (wie vor einer OP)
Ansonsten hättet ihr ja keine andere Wahl, als es so zu lassen, wie es ist... vielleicht sprichst du mal mit dem Zahnarzt, was das für Konsequenzen hätte. Nicht, dass es dann noch schlimmer und aufwändiger wird, als es jetzt ist.

Gruß
Alex
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Re: Panische Angst vor Zahnarzt, was tun?

Beitragvon Engrid » 01.06.2019, 09:34

Hallo Luna,

ein paar Sachen fallen mir dazu noch ein:
+ die Arztphobie möglichst angehen, bevor er 18 ist. Später hast Du u.U. keine Handhabe mehr, das ist ungünstig.

+ viele Autisten schwingen extrem feinfühlig mit, da muss man sehr aufpassen, dass man zwar aufs Kind eingeht, aber die Verzweiflungsgefühle nicht überträgt.

+ Ich würde einen mittelfristigen Zeitrahmen setzen, die Phobie kleiner zu kriegen, mich da jetzt nicht unbedingt von den Eckzähnen leiten lassen. Oberstes Ziel ist, dass er merkt, dass die Angst immer mehr kontrollierbar wird. Evtl. Hilfe von einem (autismuskompetenten) Zwangsexperten dazuholen.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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