Erfahrungen mit Schulbegleitung

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Oda.
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Erfahrungen mit Schulbegleitung

Beitragvon Oda. » 28.05.2019, 13:02

Hallo zusammen,
Ich bin Sonderpädagogin und interessiere mich für eure Erfahrungen mit den Schulbgleitungen eurer Kinder! Ich plane eine Studie zur Qualifikation von Schulbegleitungen und habe zur Sammlung meiner ersten Eindrücke Fragen an euch.
Haben die Schulbegleitungen eurer Kinder eine Qualifikation? Wenn ja, welche? Habt ihr das Gefühl, diese Qualifikation ist hilfreich?
Wenn keine Qualifikation vorliegt, würdet ihr euch eine wünschen? Wenn ja, welche und warum? Glaubt ihr, dass eine Qualifikation nötig oder sinnvoll wäre? Seid ihr auch ohne Qualifikation zufrieden?
Vielleicht hat ja der eine oder andere von euch Erfahrungen gemacht und kann mir seine Eindrücke schildern, das würde mich sehr freuen!
Liebe Grüße
Oda

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IlonaN
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Re: Erfahrungen mit Schulbegleitung

Beitragvon IlonaN » 28.05.2019, 13:09

Hallo Oda,
so ganz pauschal kann man das glaube ich nicht an einer Qualifikation fest machen(ich jedenfalls nicht, auch nicht nach 15 Jahren Erfahrung mit verschiedensten SB). Ich hatte ausgebildete Sozialarbeiter die Spitze waren genauso wie "Laien" die Spitze waren, genau wie Leute ohne Beruf oder ebend artfremd, jedoch aus gleichen Gruppen auch totale "unfähige". Mir fällt gerade kein anderer Begriff ein, sorry. Am wichtigsten ist das dieser Job nicht als Notlösung angesehen wird, das absolute Liebe zum Kind da ist und damit Verbunden die Achtung dessen. Das es ein Miteinander mit den Eltern, Ärzten und Therapeuten gibt, leider auch manchmal gegen die ein oder andere Lehrkraft. Immer das Interesse des Kindes auf fachlicher ebene im Auge.
Ich 1961 Ösophagusatresie
Großfamilie mit leibl.Kindern/Ado-Kind und Pflegekindern mit FASD, ADHS, Autismus, Bindungsstörung mit Enthemmung ,Asthma, Neurodermitis u.v.m.

Oda.
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Re: Erfahrungen mit Schulbegleitung

Beitragvon Oda. » 28.05.2019, 13:34

Hallo Ilona,
Das ist ja sehr interessant und in allen sozialen Berufen häufig so zu erkennen: Es hängt nicht alles an der Qualifikation. Oft spielt die Persönlichkeit eine große Rolle. Nun gibt es aber starke Forderungen, was die Qualifikation von Schulbegleitungen angeht. Wenn aber eine Ausbildung häufig auch keine Garantie für gute Arbeit ist, stellt sich die Frage, ob auch vollkommen unqualifizierte Menschen diesen Job angemessen machen können. Gibt es etwas, vielleicht eine Fähigkeit, die man auch erlernen könnte, das unabhängig von der Persönlichkeit für euch ganz wichtig wäre? Fällt dir etwas ein, was du dir gewünscht hättest? Und wie sieht es aus mit medizinischem und pädagogischem Wissen im direkten Bezug auf dein Kind? Reicht es, wenn sowas "nebenbei" und durch die Arbeit mit dem Kind erworben wird?
Bei dir kann ich erkennen, dass du Kinder mit sehr unterschiedlichen und komplexen Vorerfahrungen und Einschränkungen hast. Ich kann mir vorstellen, dass Laien da auch sehr kontraproduktiv arbeiten und einiges "falsch" machen können. Hast du solche Erfahrungen gemacht?

kati543
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Re: Erfahrungen mit Schulbegleitung

Beitragvon kati543 » 28.05.2019, 13:40

Hallo Oda,
ich habe/hatte Schulbegleitungen mit und ohne Quali. Bei Beiden waren „schwarze Schafe“, Mitläufer und wirklich super engagierte Kräfte dabei. Meiner Meinung nach hat das nichts mit einer Qualifikation zu tun. Eine Qualifikation ist nicht der Garant für eine gute Kraft, jedoch wird die Kraft durch die Quali deutlich besser bezahlt und arbeitet so vielleicht doch mit etwas mehr Freude. Ohne Quali bekomme ich nur eine FSJ oder einen Bufdi...und die bekommen nur eine Aufwandsentschädigung. Dafür würde ich auch nur bedingt den ganzen Tag arbeiten bei bester Laune.
Aber ich stimme Ilona zu: Das wichtigste für eine gute SB ist die Liebe zu dem Kind und die „Chemie“. Die aktuelle SB meines Ältesten hatte mal mein Jüngster - das klappte gar nicht. Ging bis zur Schulverweigerung. Mein Ältester liebt sein SB heiß und innig. Die Beiden passen super zusammen.

Mein Ältester hatte immer jemanden mit Qualifikation. Das JA verlangt das so. Seine aktuelle SB ist aber die erste Person seit der 1. Klasse, die mal wirklich super ist. Die restlichen 4 Jahre dazwischen hat er gelitten.
Der Kleine hatte erst eine FSJ - die war spitze :) und danach 3 Jahre eine Frau mit Quali - auch sie war super. Dieses Jahr hat er einen Bufdi - dieser Junge Mann ist grausam. Keine Ahnung, warum er das Jahr macht. Naja, zum Glück ist das Schuljahr bald rum. Für nächstes Jahr beantrage ich eine Person mit Quali. Nicht etwa, weil ich denke, dass er die Quali braucht, sondern eher weil ich die ständigen Wechsel (Autismus) vermeiden will und die Person ein etwas höheres Alter braucht. Es wäre jemand toll, auf den man sich verlassen kann. So ein junger, Minderjähriger hat nur selten den Weitblick und versteht, dass mein Sohn sterben könnte, wenn er sich nicht korrekt kümmert. Problematisch sehe ich eben, das ein FSJ/Bufdi teilweise erst 17 ist - an unserer Schule geht es bis zum Abitur, da sind die Kinder dann auch 17. Der FSJ/Bufdi hält sich also lieber bei seinen Altersgenossen auf, als bei seinem Schützling.

LG
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Katrin (Epilepsie)
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D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

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Re: Erfahrungen mit Schulbegleitung

Beitragvon Anna-Nina » 28.05.2019, 13:42

Hallo,
unsere SB hatte irgendwas mit Sonderpädagogik o.Ä. studiert. Aber sie war ständig wegen ihrer zwei kleinen Kinder krank. Das war schon sehr ärgerlich und wir haben u. a. deshalb unsere Tochter nach 5 Monaten auf ein SBBZ. Bringt ja nichts wenns theoretisch mit einer SB gehen könnte praktisch sie aber 2/3 der Zeit gefehlt hat.

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 28.05.2019, 13:54

Hallo,

mein Sohn hat nun das achte Schuljahr eine SB (Förderschule).
Fachliche Qualifikation hatte keine der insgesamt fünf Kräfte. 2 waren BuFDis nach dem Abi, davon 1 später ins SoPäd-Studium, 2 ohne Ausbildung, 1 Quereinsteiger*in mit fachfremder Berufsausbildung.
Mehr als auf die Qualifikation kommt es nach meiner Erfahrung auf die Haltung an, und die Persönlichkeit: Offenheit, sich einlassen, gute Beobachtungsgabe, Belastbarkeit, Geduld, Selbstreflexion.
An der Förderschule ist es natürlich zumindest im günstigen Fall so, dass die SB viel Anleitung und Input hat durch die Lehrkraft (SoPäd).
Was ich auch sehr wichtig finde, ist die spezifische Einarbeitung, Fortbildung und Supervision der SB, da hapert es bei uns leider von Schulseite gewaltig.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Re: Erfahrungen mit Schulbegleitung

Beitragvon IlonaN » 28.05.2019, 14:49

Hallo Oda, Emphatiefähigkeit und der Wille sich Wissen über das jeweilige "Störungsbild" anzueignen ist das wichtigste was ein SB mitbringen muß
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Re: Erfahrungen mit Schulbegleitung

Beitragvon HeikeLeo » 28.05.2019, 16:15

Liebe Oda,

Engrid hat geschrieben:An der Förderschule ist es natürlich zumindest im günstigen Fall so, dass die SB viel Anleitung und Input hat durch die Lehrkraft (SoPäd).
Was ich auch sehr wichtig finde, ist die spezifische Einarbeitung, Fortbildung und Supervision der SB, da hapert es bei uns leider von Schulseite gewaltig.


Das kann ich auch unterschreiben. Wir hatten sechs verschiedene Schulbegleitungen an zwei Schulen (beides Geistigbehinderten und Körperbehindertenschule). Alle unsere Schulbegleitungen hatten eine fachliche Qualifikation: 3 Kunsttherapeutinnen (FH), eine Sozialpädagogin (FH), eine Ergotherapeutin und eine Heilerziehungspflegerin.
Was die Arbeit am Kind selbst betrifft haben die Kunsttherapeutinnen fabelhafte Arbeit gemacht, leider sehr stark gestört von der Schule. Die anderen waren letztendlich nicht tragbar, obwohl ich sie selbst raussuchen konnte. Ich habe mich leider durch die Qualifikation blenden lassen.

Unsere Schulbegleiterinnen waren formal höher qualifiziert als das Schulpersonal. Trotzdem ist ihnen nicht auf Augenhöhe begegnet worden. Die Umgangsformen waren in der ersten Schule indiskutabel, in der zweiten Schule dann ok.
Für die Bezahlung war eine Qualifikation erforderlich. Trotzdem war die letztlich miserabel und prekär. Die Kunsttherpeutinnen waren zudem noch in überörtlichen Arbeitskreisen aktiv. Und ich habe bei den Stundensätzen mehr herausholen können, als ich es je gehört habe. Trotzdem dürfte die Position deutlich aufgewertet werden.

Liebe Grüße
Heike

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Re: Erfahrungen mit Schulbegleitung

Beitragvon Claudia33 » 28.05.2019, 21:27

Hallo Oda,

auch wir haben unterschiedliche Erfahrungen gesammelt. Dem Kleinen ist für ein gutes Jahr eine fachliche SB zugestanden worden, die Stelle war auf zwei Damen aufgeteilt, die eine gelernte Erzieherin, die andere dann doch ohne beurkundete Vorbildung, dafür aber mit einem Sohn, der Autist ist, somit hatte sie viel Erfahrung mit dem Speziellen. Beide waren prima.
Der Große hat seit Jahren jährlich wechselnde SBs, ohne Quali, bisher, ich glaube vier. Davon ging einer gar nicht, den hat Junior "hinausgeekelt", der war recht labil, mit sich selbst nicht im Reinen, das hat mein Sohn ausgenutzt und den Molli mit ihm gemacht, dass die Lehrerinnen entschieden haben, dass sie ohne SB besser klar kommen. Danach hatten wir tolle junge, sehr engagierte Leute, sehr emphatisch, sehr eifrig, ganz toll. Der aktuelle SB ist ok, aber man kann merken, dass er eher zurückhaltend ist, da ist jetzt nicht "die große Liebe" in dem Jahr entstanden, wie im Schuljahr zuvor, aber meistens alles im grünen Bereich.
Mein Fazit ist, dass es nicht zwingend eine Qualifikation braucht, es kommt eher auf die Persönlichkeit, den Willen, die Einstellung der SB und das sich-Einlassen-Wollen auf das Kind an.
Lieben Gruß,
Claudia
J. & Claudia mit zwei Jungs *03/06 CP, Tetraspastik, spricht nicht, läuft und sitzt nicht, Rollstuhlfahrer
und *06/09 beide FraX

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GretchenM
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Re: Erfahrungen mit Schulbegleitung

Beitragvon GretchenM » 29.05.2019, 00:03

Hallo,

Hoffentlich nimmt es mir hier keiner übel, wenn ich auch antworte - obwohl mein Sohn im Moment noch keine SB hat (die aber durchaus eventuell nötig werden wird) - sondern aus der Warte einer sogenannt „nicht qualifierten“ SB.

Ich habe den Eindruck, dass oft Erfahrung mit besonderen Kindern und eine Art innere Ruhe und Gelassenheit das A und O sind. Interesse daran, sich auf genau ein Kind, dieses Kind genauso einzulassen wie es ist - sich dabei immer auch weiterzubilden, das ist klar - aber vor allem auch eine Bereitschaft und Fähigkeit mit den Erwartungen vieler umzugehen: der Eltern, des Kindes (das muss nicht dasselbe sein!), der Schule und dem Träger, bei dem man beschäftigt ist.

Das bedeutet auch, sich deutlich unterzuordnen - und nicht zu vergessen, in welcher Rolle man dort ist.

Insgesamt ist vor allem sehr große Geduld gefragt, und eben die Bereitschaft sich einzufühlen, auch in Dinge, die man so nie gekannt hat. Ich habe durch mein autistisches Kind und durch viel ehrenamtliche Arbeit einiges an Erfahrungen auch mit besonderen Kindern gesammelt und hatte selbst keine Bilderbuchschulzeit - da fällt mir das Verständnis oft leichter als jemandem, der zwar Pädagogik studiert hat, aber kaum reale Erfahrung. Um ehrlich zu sein ist mir leider schon öfter begegnet, dass Menschen mit und ohne Qualifikation daran scheiterten, dass sie einfach mit vielem nicht umgehen konnten, dass bei vielen Kindern eben Grund der SB ist (wie etwa mangelnde Fähigkeit zur Selbstorganisation, herausforderndes Verhalten usw.)

Was mir als Schulbegleitung hilft ist, dass ich eine wirklich tolle Rückendeckung durch meinen Vorgesetzten habe, supergute Beratung, ständig neue Möglichkeiten mich zu informieren (Fortbildungen, Literarturtipps usw) und Reflexionsgespräche.

Wichtig ist auch dass zwischen Eltern, Schule und Schulbegleitung immer wieder justiert wird, was die jeweiligen Erwartungen sind und ob djese realistisch sind. Oft scheitert es auch daran, oder auch daran, dass einfach die Chemie zwischen den Beteiligten nicht passt.

Generell finde ich persönlich es wichtig, dass eine SB gut eingearbeitet wird, sichergestellt wird, dass sie Informationen zum Thema bekommt (also angesichts eines bindungsgestörten Kindes eben über Bindungsstörungen, bei einem frühkindlich autistischen Kind darüber, angesichts einer Epilepsie darüber usw - und dass daran Interesse ist). Schulbegleitung ist für mich etwas, dass man nicht als „Job“ ansehen sollte sondern es ist eine echte Verpflichtung, sich mitverantwortlich zu fühlen dafür dass es einem Kind gut geht (und das kann auch mal bedeuten festzustellen, dass man nicht geeignet ist für dieses Kind)

Insgesamt muss man sich als SB vor allem immer sagen, dass es nicht „nur ein Job„ ist. Das kann es nicht sein, man muss sich auf Menschen einlassen - viele Menschen.

LG

GretchenM


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