Reitstunden zum Trocken werden?

Hier könnt ihr euch über die unterschiedlichsten Therapiemöglichkeiten (Logopädie, Petö, Cranio Sacrale) für eure Kinder austauschen und Fragen rund ums Thema Krankengymnastik und Frühförderung stellen.

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AnnaFB1985
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Reitstunden zum Trocken werden?

Beitragvon AnnaFB1985 » 23.05.2019, 09:59

Hallo ihr Lieben,

ich bin mir nicht so ganz sicher, ob ich im richtigen Bereich poste...

und zwar hab ich hier irgendwo gelesen, dass manche Kinder enorme Sprünge in der Windelentwöhung gemacht haben, nachdem sie ein paar Mal auf einem Pferd gesessen haben.

Jetzt weiß ich aber die Zusammenhänge nicht mehr so recht. Sollte es eine Reittherapie sein, oder war das mehr Nebeneffekt normaler Reitstunden? Oder vielleicht auch einfach nur des geführt werdens?
Unsere Zwillinge (5) sind ja nach wie vor Windelträger 24/7 und neben dem nicht allzu großen Interesse am Trocken werden hab ich auch noch das Gefühl, dass es aben auch am Körpergefühl hapert und sie es zumindest stellenweise nicht spüren, wenn es kommt.

Therapeutisches Reiten gibt es bei uns im Umkreis leider nicht.
Wir hätten zwei Reitvereine zur Option oder aber auch einen Pferde-Hof, wo man die Ponys quasi "ausborgen" kann und dann als Eltern eben 30min durchs Feld führt zB.
Jetzt würden mich die Erfahrungen anderer Eltern interessieren, was davon vielleicht am meisten Sinn machen oder Aussicht auf Erfolg haben könnte.

Danke & liebe Grüße
Anna
Anna mit 4 Töchtern
*2001 & *2012 normal entwickelt
Zwillinge *10/2013 Extremfrühchen 24+5, entwicklungsverzögert, sozial-emotionale Störung, V.a. AD(H)S

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Sheila0505
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Re: Reitstunden zum Trocken werden?

Beitragvon Sheila0505 » 23.05.2019, 10:19

Hi, ich kann mir das insofern vorstellen, da Reitsport auch das Beckenboden trainieren kann.

Unser Sohn hatte eine Enuresis diurna und bekam zum Beispiel Beckenbodentraining in der Physio.
Das Beckenboden zu unterstützen ist sicherlich gut, aber auf der anderen Seite ist es nicht immer Ursache einer Enuresis.

LG Sheila

AnnalenaO
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Re: Reitstunden zum Trocken werden?

Beitragvon AnnalenaO » 23.05.2019, 10:42

Hallo Anna!

Reiten ist für ganz vieles gut. Auch die 30 Minuten Führen auf einem Pony bringt schon etwas. Während die Kinder auf dem Pony sitzen müssen sie im Prinzip die ganze Zeit etwas Spannung im Körper halten wenn sie nicht wie ein nasser Sack auf dem Pony rumschaukeln wollen. Durch die Bewegung des Ponys wird das Becken des Kindes bewegt und der Oberkörper muss Ausgleichsbewegungen machen. Das passiert ganz automatisch. Reittherapie ist natürlich ganz toll und bringt noch mehr als einfach nur geführt werden, aber nicht überall wird das angeboten und man hat vielleicht auch nicht die Kapazität dafür noch eine regelmäßige Therapie zu stemmen. Ab und zu eine halbe Stunde Pony ist deshalb auch gut. Besser als gar nicht zu reiten auf jeden Fall ;). Allerdings solltest du in Sachen trocken werden da jetzt nicht allzu große Hoffnung reinstecken. Es hilft bestimmt, Garantie dass es dadurch sehr bald klappt ist es aber leider nicht.
Ich bin mit meinen Kindern so ein bis zwei mal im Monat am Wochenende auf so einem Hof der Ponys verleiht. Die Kinder haben jedes Mal eine Menge Spaß, Papa führt ein Pony, Mama das andere und wir haben einen schönen Familienspaziergang mit positivem Nebeneffekt für meinen Sohn.

Liebe Grüße, AnnalenaO
Sohn 5/2009 Asperger Syndrom
Tochter 10/2012 Topfit

Sheila0505
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Re: Reitstunden zum Trocken werden?

Beitragvon Sheila0505 » 23.05.2019, 10:52

Ich nochmal: sorry wollte meine Antwort nicht so „hinklatschen“.

Was ich damit meinte, dass das nicht immer Ursache ist, war: der erste Schritt wäre für mich vorerst der Kinderarzt. Der kann eine Urinprobe nehmen, die Blase vor und nach dem Wasserlassen schallen und ggf ein Uroflow machen.

Dann - je nach Befund - entweder zur Kinderurologie überweisen oder eben Therapie verordnen.
Reiten/therapeutisches Reiten finde ich immer gut, vor allem wenn es um Wahrnehmung geht. Tiergestützte Therapien sind m.E. unheimlich toll und erreichen das Kind auf ganz anderen Ebenen.
Falls das Beckenboden trainiert werden soll, dann ist Reiten sicherlich förderlich.

Für uns war Physio ideal, die auf Kinder ausgerichteten Beckenbodenübungen und Massagen waren toll.

LG

AnnaFB1985
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Re: Reitstunden zum Trocken werden?

Beitragvon AnnaFB1985 » 23.05.2019, 11:34

Danke euch für die Antworten!

Mein Beitrag war jetzt beim zweiten Lesen auch so "dahingeschlunzt", sorry.

Natürlich erhoffe ich mir nicht, dass sie dreimal auf einem Pferd sitzen und es danach ohne Windel klappt.
Einfach ein positiver Impuls in die Richtung, dass sich vielleicht die körperlichen Voraussetzungen verbessern, sollte die Motivation irgendwann kommen ;)

Der Kinderarzt ist bei den beiden nach wie vor recht entspannt. Grundsätzlich teile ich seine Meinung da oft und bin kein Freund davon nur auf Werte und Stichtage zu gucken, aber manchmal ist er mir doch zu entspannt. Es wird bei den beiden viel gesehen, wie gut sie sich doch trotz der widrigen Umstände ihrer Geburt gemacht haben... das führt dazu ihre Defizite wohlwollend zur Kenntnis zur nehmen und sich zu freuen, dass es nicht schlimmer ist. Jetzt strampeln wir halt doch schon eine Weile, um dieses Defizite eben auch so gut es geht auszugleichen. Ich werde den Doc aber nochmal ansprechen, ob man da nicht auch nochmal nach eventuellen körperlichen Ursachen schauen kann.

Ich glaube schon, dass sie die grundsätzlichen Voraussetzungen haben, irgendwann demnächst, also bis zum Schuleintritt (regulär 2020 oder ggfs. 2021) sicher tagsüber trocken zu werden. Und da würden wir halt gern unterstützend unter die Arme greifen und die Sache mit den Pferden war mir so im Gedächtnis geblieben. Weil mir auch immer das Herz aufgeht, wenn ich sie mit Tieren sehe. Da stimmt einfach die Chemie (naja, zumindest meistens ;) ).

Dann werden wir das wohl demnächst mal in Angriff nehmen.

LIebe Grüße,
Anna
Anna mit 4 Töchtern
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melly210
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Re: Reitstunden zum Trocken werden?

Beitragvon melly210 » 23.05.2019, 12:32

Hallo :-) Ich denke du beziehst dich auf einen Beitrag von mir :wink: Mein Sohn war im Februar 4 und hat eine deutlich ausgeprägte Wahrnehmungsstörung (Körperwahrnehmung, und eine schlechte visuelle Wahrnehmung). Dazu muskuläre Hypotonie. Er bekommt seit einem Jahr Ergotherapie, bei einer wirklich erstklassigen Ergotherapeutin in einer Ergo-Praxis die darauf spezialisiert ist. Da hat die Ergo schon seit einiger Zeit immer wieder Beckenbodentraining mit ihm gemacht. Und jetzt im Urlaub haben wir ihn binnen einer Woche 2x 30 Min auf einem Pferd geführt. Das war für ihn wohl noch so das Tüpfelchen auf dem i daß ihm zum trocken werden noch gefehlt hat. Ich kann jetzt nicht sagen ob es das intensive Beckenbodentraining war oder ob er sich da einen leichten Muskelkater gefangen hat und die Beckenmuskeln deshalb intensiver gespürt hat. Er hat aber jedenfalls nach dem reiten dann plötzlich gespürt wann er muß und konnte dann auch gezielt und gewollt pinkeln. In Kombi mit einem Anreizsystem (Sticker und dann ab und an ein kleines Spielzeug) ist er dann recht zügig trocken geworden. Ganz 100 % ist es noch nicht, er hat dann nachdem die erste Euphorie nach ein paar Wochen weg war gemerkt, daß das doch noch Etliches an Aufmerksamkeit und Übung von ihm verlangt, und gegen Abend wenn er müde wird will er dann teilweise lieber eine Windel weil es ihm dann grade zu anstrengend ist. Geben wir ihm auch, und ich denke das ist auch normal. Aber sonst ist er echt brav, hatte zb tagsüber im Kindergarten noch keinen einzigen Unfall.

Daß reiten ein Allheilmittel ist glaube ich nicht, weil wie eh schon geschrieben wurde Inkontinenz verschiedene Ursachen haben kann. Aber wenn zu schwache Beckenmuskeln oder eine Wahrnhemungsstörung die Ursache sind, ist reiten, genau wie generell Beckenbodentraining, sicher hilfreich. Daß therapeutische reiten besser ist würde ich jetzt gar nicht unbedingt sagen, ich denke das kommt darauf an welche Ziele man hat und wie das therapeutische reiten umgesetzt ist. Bei uns in der Gegend gibt es das zb schon, allerdings arbeiten da immer 2 Therapeuten und 4 Kinder mit einem Pferd. Da wird viel Sozialkompetenz und Feinmotorik trainiert, aber auf dem Pferd selber drauf ist jedes Kind vielleicht 10 min Minuten pro Stunde. wenn es also rein um die Muskulatur und Wahrnehmung geht, ist da normales reiten besser. Bei therapeutischen Einzelstunden wäre das aber vielleicht anders.

AnnalenaO
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Re: Reitstunden zum Trocken werden?

Beitragvon AnnalenaO » 23.05.2019, 17:49

Hallo Melly!
Das stimmt, es kommt darauf an was für ein therapeutisches Reiten es ist. Wenn die Ziele der Reitgruppe/Reittherapie nicht die Ziele sind die man erreichen möchte macht es keinen Sinn da hinzugehen. Aber wenn die Ziele passen dann ist therapeutisches Reiten schon besser als einfach nur eine Runde auf dem Pony führen. Ich bin Physiotherapeutin und habe während meiner Ausbildung bei einer Reittherapie gejobbt. Dort hatte man für verschiedene Ziele Angebote. Sozialkompetenz, aber auch schwerst behinderte Kinder kamen mit einer Hilfsperson aufs Pferd, viele Kinder mit Spastik, Down Syndrom, blinde Kinder, alles Mögliche. Für jeden sah das Programm etwas anders aus. Da kann man schon ganz viel machen. Wenn "nur" Gruppentherapie angeboten wird die auf Sozialkompetenz ausgerichtet ist dann ist man da mit Zielsetzung Wahrnehmungsverbesserung und Kräftigung Beckenbodenmuskulatur wohl eher fehl am Platz....
Viele Grüße, AnnalenaO
Sohn 5/2009 Asperger Syndrom
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melly210
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Re: Reitstunden zum Trocken werden?

Beitragvon melly210 » 23.05.2019, 19:17

Hallo Melly!
Das stimmt, es kommt darauf an was für ein therapeutisches Reiten es ist. Wenn die Ziele der Reitgruppe/Reittherapie nicht die Ziele sind die man erreichen möchte macht es keinen Sinn da hinzugehen. Aber wenn die Ziele passen dann ist therapeutisches Reiten schon besser als einfach nur eine Runde auf dem Pony führen. Ich bin Physiotherapeutin und habe während meiner Ausbildung bei einer Reittherapie gejobbt. Dort hatte man für verschiedene Ziele Angebote. Sozialkompetenz, aber auch schwerst behinderte Kinder kamen mit einer Hilfsperson aufs Pferd, viele Kinder mit Spastik, Down Syndrom, blinde Kinder, alles Mögliche. Für jeden sah das Programm etwas anders aus. Da kann man schon ganz viel machen. Wenn "nur" Gruppentherapie angeboten wird die auf Sozialkompetenz ausgerichtet ist dann ist man da mit Zielsetzung Wahrnehmungsverbesserung und Kräftigung Beckenbodenmuskulatur wohl eher fehl am Platz....
Viele Grüße, AnnalenaO
Ja, sehe ich auch so. Sie bieten dort schon auch Einzeltherapie an, das wird aber laut ihnen kaum nachgefragt. Bei Kosten von 200 Euro pro Einzelstunde, ohne Kostenzuschuß der Kasse, kein Wunder ;-) Ansonsten gibt es bei uns nur das normale reiten. Aber ja, wenn man es bezahlt bekommt bzw einen günstigeren Anbieter findet, ist therapeutische reiten mit der passenden Zielsetzung sicher am idealsten, da stimme ich dir vollkommen zu :-)

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Re: Reitstunden zum Trocken werden?

Beitragvon AnnalenaO » 23.05.2019, 20:15

Hallo Melly!

200€ pro Einzelsunde? Was ist das denn für ein Laden???
Meine Schwester geht mit ihrer Tochter zu einer Hippotherapie. Da zahlt man für 60 Min 90€. Man kann auch 30 Min für 45€ buchen. Das ist schon viel Zeit, 60 Min intensive Therapie ist sehr viel.
45€ für eine Therapieeinheit ist schon viel aber normal für Hippotherapie.
200€ ist weit über normal, selbst wenn es sich um 60 Min Therapie handelt.
Selbst wenn ein Assistent benötigt wird ist das viel, da werden hier 10€ pro 30 Min dazugerechnet. Das sind dann keine ausgebildeten Therapeuten (so wie ich damals) sondern Helfer die bei schwerbetroffenen benötigt werden. Aber selbst mit Assistent für 60 Min (was jemand so schwer betroffenes kaum schafft) kostet eine Zeitstunde 110€, das ist noch weit entfernt von 200€. Und eine Einheit (30 Min) 55€ (Und das langt in der Regel auch).
Das ist ein sehr dubioser Laden bei euch.

Viele Grüsse, AnnalenaO
Sohn 5/2009 Asperger Syndrom
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Re: Reitstunden zum Trocken werden?

Beitragvon AnnalenaO » 23.05.2019, 20:30

Nachtrag: es ist möglich dass der Anbieter bei meiner Schwester günstig ist. Aber selbst wenn man von einer Zeitstunde mit zusätzlichem Assistent ausgeht ist da noch viel Luft nach oben bis 200€. Lass eine teure Hippotherapie für 30 Min 70€ nehmen, das ist zeitlich ausreichend aber immer noch bezahlbar.
Unter gewissen Umständen kann man auch Zuzahlung bekommen.
Sohn 5/2009 Asperger Syndrom
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