Einschulung und die losen Enden

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KäthemitA.
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Einschulung und die losen Enden

Beitragvon KäthemitA. » 20.05.2019, 12:00

Hallo zusammen,

gestern Abend habe ich mich hier im Forum vorgestellt.

Unser Sohn A. (Asperger Autist) wird mit knapp 6 Jahren im August in die Regelschule eingeschult.
Neben der Schule haben wir ihn in einem kleinen Hort (nur knapp mehr als 20 Kinder und in unmittelbarer räumlicher Nähe zur Schule) mit Betreuung bis 15:00 Uhr angemeldet.
Er steht dort auf der Warteliste (die Plätze werden erst unmittelbar vor den Sommerferien vergeben), die Chancen, dass wir dort einen Platz bekommen sind aber wohl nicht schlecht. Genommen würde er im Hort nur mit einer Teilhabeassistenz.

Wir haben die Zusage des JA sowohl für eine Assistenz in der Schule als auch für die Hortbetreuung für das 1. Schuljahr erwirken können.
Nun ist es so, dass wir uns hier, wo wir wohnen, selber um die Teilhabeassistenz bemühen müssen. Dem JA teilen wir dann mit, bei welchem Träger wir einen Assistenten gefunden haben.
Wir sind also an alle in Frage kommenden Träger heran getreten und stehen nun dort auf der Liste für einen Assistenten für Schule und Hort.

Soweit so gut, sollte man meinen.
Wir haben uns zunächst beglückwünscht, alles so gut auf den Weg gebracht zu haben, aber dann wurde es kompliziert.

Zunächst fand ein Tag Probeunterricht (das ist hier für alle Kinder verbindlich) in der Schule statt. Ich hatte ehrlich gesagt schon befürchtet, dass wir A. früher würden holen müssen, weil er in Gruppen wirklich schwer zurecht kommt, aber das war zum Glück nicht der Fall.
Im Gegenteil, es wurde erwähnt, wie unglaublich viel unser Sohn doch wisse (vermutlich hatte er Gelegenheit, sich ausführlich auf dem Gebiet seine Spezialinteressen zu äußern :wink: ).
Am nächsten Tag erhielten wir einen Anruf der Schule, unser Sohn sei ja feinmotorisch doch etwas hinterher und daher befürworte die Schule die Einschulung in die Vorklasse. Endgültig darüber entschieden soll im Zuge eines runden Tisches Mitte/Ende Juni werden.
Von der Aussicht A. in der Vorklasse beschulen zu lassen, sind wir nicht begeistert.

Muss unser Sohn in die Vorklasse, bekommt er sicher keinen Hortplatz. Für Vorschulkinder gibt es hier keine Möglichkeiten der Nachmittagsbetreuung.
Natürlich könnten wir unseren Sohn notfalls nachmittags mithilfe der Familie oder bezahlter Kräfte zuhause betreuen (das wäre ein organisatorischer und finanzieller Kraftakt), unser Sohn wünscht sich aber Kontakt mit anderen Kindern und vom Rahmen einer kleinen Einrichtung mit einer qualifizierten 1:1 Assistenz, die in den für A. schwierigen Situationen quasi für ihn dolmetscht und souffliert, könnte er aus meiner Sicht stark profitieren.

Kommt A. nicht in die Vorklasse, wir bekommen aber keinen Platz im Hort oder finden keine Assistenz für den Nachmittag muss A. auch zuhause betreut werden

Nun suchen wir aktuell die passende Teilhabeassistenz. Ein Schulbegleiter, der von 8:00 Uhr bis 15:00 Uhr antritt, tut dies sicher auch um seine finanzielle Existenz zu sichern und wäre nicht mehr am Bord, wenn (im Fall der Beschulung in der Vorklasse, oder in dem Fall, das wir keinen Hortplatz bekommen) die Nachmittagsstunden wegfielen.
Letzte Woche hatten wir bei einem der Träger ein Erstgespräch mit einer sehr sympathischen und hochqualifizierten Dame, die als Assistenz für A. In Frage käme.
Sie kann aber nur vormittags arbeiten.
Für den Nachmittag bräuchten wir (falls sie überhaupt mit unserem Sohn arbeiten wollen sollte) also noch eine zweite Person.

Insgesamt habe ich momentan das Gefühl wir strampeln uns ab, um alles möglichst gut zu vorzubereiten, aber es bleiben immer lose Enden, die uns daran hindern, das „Drumherum“ für den Schulbesuch zufriedenstellend und abschließend zu organisieren.

Wie realistisch ist es, eine separate Person für den Nachmittag zu finden?

Sperren wir uns zu sehr gegen die Vorklasse?

Welche Erfahrungen habt Ihr mit Hortbetreuung Eurer Autisten, Teilhabeassistenz bis 15:00 Uhr oder der Vorklasse gemacht?

Danke an alle, die meinen Roman bis hier gelesen haben.
Ich bin dankbar für jeden Denkanstoß und hoffe, ich konnte die Zusammenhänge halbwegs verständlich darstellen.
Käthe mit A. *06.13 Asperger Autist

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Regina Regenbogen
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Re: Einschulung und die losen Enden

Beitragvon Regina Regenbogen » 20.05.2019, 12:05

In dem Alter wäre unser Jüngster auf keinen Fall für die Hortbetreuung geeignet gewesen, weder mit noch ohne Teilhabeassistenz. Er musste Stück für Stück an lange Ausserhauszeiten gewöhnt werden, so dass er erst nach der Grundschulzeit mit Schulbegleiter ab dem 5. Schuljahr (dann ohne Schulbegleiter) die langen Tage geschafft hat.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

KäthemitA.
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Re: Einschulung und die losen Enden

Beitragvon KäthemitA. » 20.05.2019, 12:14

Liebe Regina,

A. geht aktuell als I-Kind ganztags in die Integrationsgruppe eines Regelkindergartens. Das klappt mal besser, mal schlechter.
Die Ausserhauszeiten ist er also grundsätzlich gewöhnt.
Die Möglichkeit, dass wir einen Hortplatz bekommen, eine Teilhabeassistenz finden und er den Hort (oder gar den Schultag!) trotzdem nicht schafft, ist natürlich gegeben; das haben wir auf dem Schirm. Das ist auch eines der losen Enden.
Insgesamt finde ich es schwierig, dass wir uns als Eltern bemühen, den besten Weg für unser Kind zu finden, aber oft erst hinterher wissen, ob unserer Entscheidung richtig, die bestmögliche, nur irgendwie okay oder totaler Mist war.
Woher wusstest Du, was Dein Sohn schaffen würde und was nicht?
Käthe mit A. *06.13 Asperger Autist

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Re: Einschulung und die losen Enden

Beitragvon Kerstin74 » 20.05.2019, 12:50

Käthe,
mein Junior ist ja auch ein Überraschungspaket mit ASS-Tendenzen, ggf. sogar noch etwas mehr als nur Tendenz. Die einen oder anderen Therapeuten meinten schon zu KiGa-Zeiten ganztags sei zu viel. Aber der Kleine bevorzugte den Umgang mit anderen Kindern, mal schickte er mich nochmal nach Hause beim Abholen, mal war er froh, dass ich eeeeendlich kam.

Schule ist ein anderes Kaliber. Auch wir haben Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um alles zeitlich zu überbrücken, um den richtigen Förderschwerpunkt zu finden, dann die passende Schule,....Am Ende ist man tatsächlich erst im Nachhinein schlauer und sollte dann recht fix die Notbremse ziehen, wenn sich herausstellt, dass es schlicht nicht passt.

Die losen Enden zusammen zu bekommen ist ein Gewaltakt. Eigentlich kann man nur versuchen sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten. Vorschulklasse? Assistenz für den Vormittag und Betreuung für den Nachmittag organisieren. Schule? Assistenz für Schule und Hort organisieren. Sollte sich nach Einschulung herausstellen, dass doch alles Käse ist - umorganisieren inkl. ggf. umschulen. Das ist für uns Eltern eine heftige Rennerei und ein Hoffen und Bangen und für die Kinder auch alles andere als schön (kaum haben sie sich halbwegs an das eine gewöhnt wird es wieder ganz anders), aber zumindest bei uns war es schlussendlich nicht anders machbar und die Rennerei hat sich im Nachhinein gelohnt. Der Kleine hat wider Erwarten alles Umorganisieren recht gut weg gesteckt und ich hoffe, dass bei uns nun endlich das Schulische runder läuft - der Schulstart war mehr als holperig...

LG und viel Erfolg
Kerstin
der Große (10/06) mit ADS, LRS und senso-/graphomotorischer Schwäche

der Kleine (10/11) mit pFAS, ADHS, SIS, Hyperakusis, Hypermobilität, Beckenschiefstand mit skoliotischer Fehlhaltung, Vorhofseptumdefekt (ASD II), Fruktoseintoleranz, globale Entwicklungsverzögerung, Hypomotilität des Ösophagus, V.a. ASS => PG 3, GdB 70%

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Re: Einschulung und die losen Enden

Beitragvon Regina Regenbogen » 20.05.2019, 13:20

KäthemitA. hat geschrieben:Woher wusstest Du, was Dein Sohn schaffen würde und was nicht?


Er war die ersten 2 Schuljahre auf einer KB-Schule mit Ganztagsbetreuung inkl. Fahrdienst. Unser Sohn war bereits nach dem 1. Schuljahr dermaßen überfordert mit der Ganztagsbetreuung, dass er in eine Verweigerungshaltung abrutschte, die weder wir Eltern noch die Lehrkräfte als solche erkannten, geschweige denn die Ursache dafür sahen. Entsprechend falsch reagierte die Schule und machte unseren Sohn damit fast unbeschulbar. Erst als wir beim Schulamt die Rückführung an die Regelschule durchbekommen haben (was schon ein halbes Jahr dauerte) und wir dann noch den Schulbegleiter genehmigt bekommen haben, ging es für unseren Sohn aufwärts. Kleinschrittige Anforderungsstufen waren für unseren Sohn schon immer geeigneter als ein Sprung ins kalte Wasser. Heute, mit 16 Jahren, ist das alles kein Thema mehr - solange man ihm das Wochenende lässt. :wink:
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)



Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS

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Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

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Re: Einschulung und die losen Enden

Beitragvon KäthemitA. » 20.05.2019, 15:28

Liebe Kerstin, liebe Regina,
(ich hatte eben schon mal geschrieben, jetzt ist es weg...)
danke für Eure Antworten.
Es hilft schon zu wissen, dass andere ähnliche Gedanken und Probleme haben oder hatten.
Ihr habt mit Euren Kids, was die Schule angeht, offenbar schon Einiges erlebt.

Ein "Gewaltakt" ist es, dass alles zu organisieren. Danke Kerstin, das Wort trifft es genau.
Käthe mit A. *06.13 Asperger Autist

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Re: Einschulung und die losen Enden

Beitragvon GretchenM » 20.05.2019, 16:49

Hallo,

bei meinem Sohn (nach Aussage des KjP „grätscht“ er leicht ins AutismusSpektrum rein) war es so, dass ich ihn ohne Probleme ganztags in der Kita lassen konnte, es war sogar so, dass ich ihn anfänglich früher abgeholt habe, er dann aber länger bleiben wollte, was die Erzieher auch befürworteten.

In der Grundschule dagegen musste ich ihn schon nach wenigen Monaten ganz aus der OGS nehmen, und er hatte sogar zeitweise verkürzten Unterricht, weil er den normalen Unterricht nicht durchhielt. Das war damals ein echter Schreck für uns weil in seiner Kita wohl so ideale Bedingungen für ihn geherrscht hatten, dass er nicht besonders auffiel (außer mit Dingen wie der Tatsache, dass er Kopfbedeckungen liebte und alles was er malte symmetrisch war). Das war wirklich die heftigste Zeit seit er geboren wurde.

Was ich sagen will: leider ist Schule wirklich etwas ganz anderes als Kita und wir haben das leider auf die extrem harte Tour lernen müssen.

Jetzt ist mein Sohn in der fünften, dieses Jahr hat er noch keinen Nachmittagsunterricht aber in der sechsten dann dreimal die Woche bis 14:45 - und obwohl er früher schon mit 5 Jahren bis 16:30 in der Kita war, habe ich dann mit bald 12 immer noch arge Befüchtungen was den Schul-Ganztag betrifft.

Vorschule wäre eventuell wirklich etwas gewesen, die gibt es bei uns einfach nicht mehr.

Schönen Gruß,

GretchenM

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Re: Einschulung und die losen Enden

Beitragvon Bärbel99 » 20.05.2019, 17:38

Unser Sohn war auf einer OGS und hatte an drei Nachmittagen Freizeitangebote. Bereits nach kurzer Zeit war klar, er schafft es nicht, wir haben dann auf einen Nachmittag reduziert, aber selbst das war zu viel und die Lehrer dankbar, dass wir auch das gecancelt haben, normal ist ein halbes Jahr verpflichtend. Damals hatten wir noch keine ASS und ADHS Diagnose.
Die Rektorin sagte mal in einem Randgespräch ihr täten die meisten Kinder leid, wenn sie auch nachmittags noch bleiben müssen. Manche sind so fertig, die schlafen sogar ein, während der Freizeitangebote und diese Kinder haben kein zusätzliches Päckchen.

Ich glaube viele unterschätzen die Schule, so wie wir auch und ich würde heute nie wieder ein Grundschulkind mehr als unbedingt nötig beschulen lassen und ein autistisches schon gar nicht.
VG, Bärbel
(Pflege) Sohn *2011 ASS und ADHS
(Pflege) Tochter*2013 ASS

GretchenM
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Re: Einschulung und die losen Enden

Beitragvon GretchenM » 20.05.2019, 21:01

@ Bärbel

Genauso sehe ich es auch. Und ich habe immer noch mich selbst in Erinnerung - ich bin noch als Teenager in der Oberschule regelmäßig nach der sechsten Stunde zuhause bei meiner Mutter auf dem Sofa eingeschlafen, so fertig war ich schon ohne Ganztag noch mit 16....

Wenn es hier noch Oberschulen als Halbtagsschulen gäbe - mein Kind wäre auf einer, selbst wenn dass dann eventuell den verpönten Samstagsunterricht bedeuten würde.

Leider gibt es das hier einfach nicht mehr, ich empfinde das als Wahnsinn. Zumal sich echt kein Kind mehr auf Mathe in der achten Stunde konzentrieren kann und kein Lehrer in diesen Stunden ernsthaft erwartet in den Nachmittagsstunden mit der Wissensvermittlung noch sonderlich erfolgreich zu sein. (Jedenfalls ist mir noch kein Lehrer begegnet der von diesen Stunden nicht selbst völlig frustriert war)

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Re: Einschulung und die losen Enden

Beitragvon JasminsMama » 21.05.2019, 09:14

Hallo Käthe,
meine Tochter wurde in der Vorschulklasse unterrichtet und es war super für sie, um sich an die Schule, die neuen Anforderungen und die vielen Kinder zu gewöhnen.

Hortbetreuung ging in diesem ersten Schuljahr nicht, sie war einfach zu groggy nach dem Unterricht, hat oft zu Hause sogar geschlafen.

Schule ist, auch wenn die Kinder die lange Außerhausbetreuung gewohnt sind, etwas ganz anderes und oftmals viel anstrengender.

Die Nachmittagsbetreuung im Hort (bis 15Uhr) hat dann, weil sie schon in der Vorschulklasse war, ab der 1. Klasse super funktioniert, sie hatte eben 1 Jahr Vorschule Zeit, um sich einzugewöhnen.

LG
Sandra
Sandra 06/76
Jasmin Marie 05/02 globale Entwicklungsverzögerung, vis. Wahrnehmungsstörung, Lernbehinderung, starke Hyperopie rechts, hochpathologisches EEG (Besserung seit Jan. 12),
PG 3, SBA 80% B, G, H
***Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht***


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