Dyspraxie

In dieser Rubrik könnt ihr euch über diverse Krankheitsbilder austauschen - z. B. Skoliose, Kyphose, Cerebralparese usw.

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JuliaPetra
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Dyspraxie

Beitragvon JuliaPetra » 15.05.2019, 14:26

Hallo, unser Sohn hat vielleicht Dyspraxie. Gibt es dafür eine Pflegestufe.? Er hat Logopädie, Physiotherapie und Ergotherapie momentan. Ich denke, dass es gut ist so. Müssen wir noch mehr beachten? Für mich ist das ganz neu und ich versuche mich zu informieren damit er eine gute Unterstützung hat. Danke für Infos vorab. Grüße Julia

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AnnalenaO
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Re: Dyspraxie

Beitragvon AnnalenaO » 15.05.2019, 16:48

Hallo Julia!
Einen Pflegegrad bekommt man ja nicht wegen einer Diagnose sondern dann, wenn mehr Zeit für die Pflege aufgewendet werden muss auf Grund der Behinderung als bei gleichaltrigen gesunden Kindern.
Mein Sohn ist Asperger Autist und er hat auch eine Dyspraxie. Er ist jetzt 10 Jahre alt. Er kann vieles nicht so wie gleichaltrige Kinder. Zb kann er kein Brot schmieren, kein Schnitzel schneiden, er kann sich nicht selber die Haare waschen und ich muss ihn nach dem Einseifen abduschen weil er wenn er das selber macht hinterher noch total seifig ist. Das sind mal ein paar Beispiele die denke ich für einen Pflegegrad relevant wären denn der normale Durchschnitts 10 Jährige kann sowas selber (das erzählen mir zumindest Mütter aus Sohns Klasse wenn ich die mal frage). Für ein Dreijähriges Kind wär das aber zum Beispiel nicht relevant weil alle Dreijährigen noch von Mama nachgeduscht werden und ihr Schnitzel geschnitten bekommen.
Was auch relevant ist sind Fahrten zu Therapien denn die hat man mit einem gesunden Kind nicht, egal in welchem Alter.
Wie alt ist denn dein Kind? Und wo bemerkst du die Dyspraxie im Alltag?
Liebe Grüsse, AnnalenaO
Sohn 5/2009 Asperger Syndrom
Tochter 10/2012 Topfit

Dorit79
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Re: Dyspraxie

Beitragvon Dorit79 » 15.05.2019, 16:55

Liebe Julia,

Ich kann mir vorstellen, wie es dir geht. Meine Tochter hat (u.a.) auch eine verbale Entwicklungsdyspraxie. Leider haben wir die Diagnose erst sehr spät bekommen, da war sie schon 5 1/2 Jahre.

Meines Wissens nach gibt es eine Dyspraxie im verbalen Bereich (also Sprechen) und eine im motorischen Breich (betrifft wohl Handlungsplanung etc.). Zu letzterem kann ich Dir nicht weiterhelfen. Aber zum sprachlichen Bereich kann ich Dir einige Dinge weitergeben, die uns geholfen haben.

Zum einen habe ich mir über Amazon das Buch VED verbale Entwicklungsdyspraxie von Anne Schulte–Mäter besorgt. (Gibts sicher auch woanders) das erklärt das ganze Thema sehr einleuchtend und zeigt auch auf, wie eine Therapie aussieht. Darüber hinaus ist es wichtig, dass du einen Logopäden hast, der sich damit auch auskennt. Denn es handelt sich dabei weder um Sprachfehler noch darum, dass das Kind nicht sprechen will. Dann kann ich Dir empfehlen, eine Sprachreha zu machen. Wir waren in 2017 in Thalheim und fahren dieses Jahr wieder. Ich kann es wirklich empfehlen. Meine Tochter hat durch diese Reha einen Riesensprung gemacht. Es gibt noch Werscherberg, die auch Sprachrehas anbieten, aber dazu kann ich Dir nichts sagen. Vielleicht findest du im Forum noch was zu Werscherrberg. Thalheim kann ich auf jeden Fall empfehlen!
Bei der vED handelt es sich ja um eine nicht vollständige Ausbildung des Sprachzentrums. Wichtig ist, bestimmte Bewegungsmuster zu üben. Es gibt Kartenspiele, wo Kinder bestimmte Mundbewegungen machen (z.B. Grimasse schneiden). Das Kind soll es nachmachen. Meine Tochter hat an sowas Spaß. Nicht verzweifeln, bestimmte Bewegungen dauern, bei manchen habe ich das Gefühl, es klappt wohl nie. Aber abgerechnet wird ja bekanntlich zum Schluss ;-)

Meine Tochter ist jetzt 7 Jahre alt. Sie kann mittlerweile acht Worte sprechen, was ein Riesenerfolg ist.

Ach ja, und auch wichtig: dein Sohn sollte einen anderen (zusätzlichen) Weg aufgezeigt bekommen, wie er sich ausdrücken kann. Zum Beispiel über Gebärden, über einen Talker oder über Karten. Das ist wichtig. Wir haben uns zunächst für Gebärden entschieden. Zum einen, weil sie es selbst so wollte, aber auch, weil ich mir dachte, so ein Talker ist zwar schön und gut. Aber wenn sie ihn nicht hat, weil die Batterie leer ist oder weil sie mir was sagen will, während sie zum Beispiel gebadet wird, dann hat sie die Händchen immer dabei. Sie kommt im August zur Schule und mir schwebt vor, dass wir dann auch einen Talker einführen. Aber sowohl Gebärden als auch Talker bedeutet, dass du dich damit beschäftigst. Die Gebärden musst du immer wieder zeigen. Wenn dein Sohn motorisch Schwierigkeiten hat, kannst du ihm beispielsweise die Hände führen. Du stellst dich hinter ihn und nimmst seine Hände so wie er die Gebärde ausführen sollen. Aber wie gesagt, es gibt andere Möglichkeiten. Das Stichwort ist hier „unterstützte Kommunikation“. Wir wohnen in Berlin. Wir hatten hier die Möglichkeit im Spastikerzentrum eine Beratung dazu zu erhalten.

Das sind die Dinge, die mir jetzt auf Anhieb einfallen. Ich hoffe, das hilft dir ein bisschen.

Liebe Grüße
Dorit

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Re: Dyspraxie

Beitragvon JuliaPetra » 15.05.2019, 19:52

Hallo Dorit, die Logopädin geht von Dyspraxie aus. Diagnose müsste noch gemacht werden. Es ist ein Verdacht. Mein Sohn ist 4. Er hat motorische, kognitive und sprachl. Einschränkungen. Er ist entwicklungsverzögert. Ca. 1.5 Jahre zurück lt. Einschätzung der Ärzte. Momentan holt er viel auf fängt an drei wort Sätze zu reden. Bewegung geht besser. Klettern etc. Er versteht viel mehr. Essen, Zähne putzen anziehen kann er zwar nicht gut, aber versucht es. Wer stellt den Diagnose dyspraxie? Wir sind in einem SPZ in Hannover. Beim pädaudiologen. Kinderarzt. Hno usw. Er bekommt momentan Logopädie, psychotherapie, ergotherapie. Danke für deine Infos. Grüße Julia

Dorit79
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Re: Dyspraxie

Beitragvon Dorit79 » 16.05.2019, 08:33

Hallo Julia,
Typisch für eine verbale Entwicklungsdyspraxie ist u.a., dass der passive Wortschatz den aktiven deutlich übersteigt. Ich denke, wenn die Logopädin den Verdacht äußert, dann wird es aller Wahrscheinlichkeit nach auch so sein. Bei uns war es zunächst die Reha, die den Verdacht äußerte. Unsere Logopädin geht ebenfalls von einer vED aus. Ich glaube, die offizielle Diagnose lautet Sprachentwicklungsstörung. wir sind in zwei Wochen in der Pädaudiologie. Kann da ja mal nachfragen und Dir berichten.
Liebe Grüße
Dorit

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Re: Dyspraxie

Beitragvon JuliaPetra » 16.05.2019, 10:11

Hallo Dorit, gerne. Ich freue mich, wenn wir in Kontakt bleiben. Danke. Grüße Julia


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