Zu wenig Personal in den Einrichtungen für Erwachsene

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Stefan M.
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Zu wenig Personal in den Einrichtungen für Erwachsene

Beitragvon Stefan M. » 12.05.2019, 16:27

Hallo, unser Sohn ( 18 Jahre, mehrfachbehindert) wird demnächst die Schule verlassen und in ein Wohnheim mit Förderstätte wechseln.

Jetzt ist es ja so, dass im Jugendlichen und Kinderbereich noch relativ genug Personal verfügbar ist, um zu fördern. Im Erwachsenenbereich ist das Personal schon sehr reduziert, im Förderstättenbereich ist der Betreuungsschlüssel zumindest in Bayern 1:3, im Wohnheimbereich noch viel schlechter.

Der Förderbedarf unseres Sohnes ist in den Bereichen Kommunikation und Mobilisation besonders groß, weil er weder sprechen noch ohne Hilfe laufen kann.

Wenn er zum Beispiel nicht regelmäßig in seinen Stehständer oder in seinen Gehwagen gestellt wird, ist absehbar, dass er bald gar nicht mehr laufen kann und dauerhaft im Rollstuhl landen wird. Mit den entsprechenden Folgen.

Das Problem haben ja viele Eltern, wie seht Ihr das ?

Gibt es Lösungen, die Euch bekannt sind oder habt Ihr Euch damit abgefunden ?

Tipps, Anregungen, Erfahrungen, alles würde ich gerne wissen.

Gibt es Einrichtungen in Deutschland / Bayern wo der Personalschlüssel noch ein bisschen besser ist ?

Wäre sehr dankbar für Tipps- auch und gerne bei pn , kann aber auch offen im Forum sein.

Soll man mal eine politische Lösung anvisieren ?

Danke im voraus

Stefan M.
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Re: Zu wenig Personal in den Einrichtungen für Erwachsene

Beitragvon Stefan M. » 12.05.2019, 16:47

Was mir noch einfällt, hat jemand Erfahrung mit ehrenamtlichen Helfern, die in die entsprechenden Einrichtungen gehen und die Bewohner unterstützen ?

Zum Beispiel mit Ihnen Spazierengehen oder so ?

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Re: Zu wenig Personal in den Einrichtungen für Erwachsene

Beitragvon Inga » 12.05.2019, 17:50

Hier ist es auch nicht besser. Personal fehlt hier in jeder Einrichtung.
Fachkräftemangel ist in Deutschland fast flächendeckend.
Ich finde, am Besten geht es noch, wenn man es "selbst macht" und ein persönliches Budget beantragt. Wenn man ein faires Gehalt ausgehandelt bekommt, findet man gut Personal, da die Arbeitsbedingungen deutlich besser als in einer Einrichtung sind.
Leider haben aber nicht alle Eltern die Kraft, den Mut und die Möglichkeiten so ein persönliches Budget-Modell auf die Beine zu stellen.
Zudem denke ich, dass es auch nicht für jeden Menschen die beste Lösung wäre.

Man kann aber wohl auch ein persönliches Budget in einer Einrichtung beantragen, damit Leistungen, die die Einrichtung nicht leisten kann, darüber abgerechnet werden können.
Vielleicht kann man darüber eine Hilfskraft finanzieren, die täglich kommt um eine Runde mit eurem Sohn zu laufen.

Gruß, Inga
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Re: Zu wenig Personal in den Einrichtungen für Erwachsene

Beitragvon Senem » 12.05.2019, 18:33

Hallo,

auch bei uns gibt es Personalmangel und das ist furchtbar!! Habe mit vielen Menschen darüber gesprochen- leider ohne Erfolg!

Es fehlt einfach an Geld und das ärgert mich ziemlich! Denn da wo das Geld dringend benötigt wird, fehlt es.....

Man hat leider keinen Anspruch auf zusätzliche Betreuungsleistung oder Eingliederungshilfe, wenn man in einer Einrichtung lebt.
Auch da habe ich schon unzählige Telefonate geführt- ohne Erfolg.

2020 soll das BTHG raus kommen. Dadurch soll sich einiges ändern, auch für Menschen in Einrichtungen. Ich glaub es erst, wenn es in Kraft tritt!
Gruß

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Re: Zu wenig Personal in den Einrichtungen für Erwachsene

Beitragvon Inga » 12.05.2019, 19:35

Hallo Senem, ich weiß nicht, ob es Länderrecht ist, aber ich denke eigentlich nicht.
Als Danielo aus der Einrichtung raus ist, hat der Kostenträger gefragt, ob man es nicht erst mit einem zusätzlichen persönlichen Budget in der Einrichtung versuchen könne, bevor Danielo aus zieht.
Ich weiß nicht, wie das läuft, aber uns wurde gesgat, wenn man nachweisen kann, dass ein vorhandener Bedarf von der Einrichtung nicht gedeckt werden kann, kann der Kostenträger dafür ein PB bewilligen.

Gruß, Inga
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Re: Zu wenig Personal in den Einrichtungen für Erwachsene

Beitragvon Elisabeth 512 » 12.05.2019, 20:35

Da wo ich arbeite haben einige Bewohner zusätzliche Stunden in denen sie 1 zu 1 Betreuung haben. Zudem sieht es bei uns so aus, dass im Bereich der Erwachsenen 8 Bewohner Von 3 Mitarbeitern betreut werden. Stehtrainer und ähnliches wird im Förderbereich benutzt. Da sind die Bewohner von 8-16:30 das reicht dann auch. Danach gibt es nur noch Abendessen und Pflege bzw. Freizeit. Alles andere wäre den meisten Bewohner auch zu viel. Die sind am Nachmittag meistens fertig.

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Re: Zu wenig Personal in den Einrichtungen für Erwachsene

Beitragvon Senem » 12.05.2019, 20:42

Hallo,

komisch, das in einigen Einrichtungen das mit den zusätzlichen Leistungen möglich ist und in anderen Einrichtungen nicht.
Gruß

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Re: Zu wenig Personal in den Einrichtungen für Erwachsene

Beitragvon Michaela44 » 12.05.2019, 22:02

Hallo Senem,
manchmal sagen die Ämter auch einfach "XY gibt es nicht zusammen mit Z", um Geld zu sparen. Manche Ämtern bewilligen dann eine Leistung nicht, weil sie intern so entschieden haben. Das bedeutet aber nicht, dass sie im Recht sind. Leider beraten nicht alle Ämter gut.
LG
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Re: Zu wenig Personal in den Einrichtungen für Erwachsene

Beitragvon Stefan M. » 13.05.2019, 08:19

Hallo, Danke für Eure Antworten.

Scheint ja ein kontroverses Thema zu sein.

Ich bräuchte bloss eine konkrete Lösung. Hat jemand schon mal versucht, ein persönliches Budget für jemanden in einer Einrichtung zusätzlich zu beantragen ?

Und wenn ja, wie geht das ?

Danke im voraus

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Re: Zu wenig Personal in den Einrichtungen für Erwachsene

Beitragvon KatjaMausB » 13.05.2019, 11:33

Hallo Stefan,

das Zusatzpersonal in WfbM, wovon Elisabeth schreibt, kann immer für die Zeit in der WfbM beantragt werden. Das setzt voraus, dass mit dem vorhandenen Personalschlüssel von 1:12 die Betreuung nicht gewährleistet ist.

In NRW gibt es für Wohneinrichtungen keinen Betreuungsschlüssel. Ab 2020, wie Senem das angesprochen hat, tritt das BTHG bei der Trennung der Leistungen in Kraft. D.h. die Kosten der Unterkunft (Wohnungsmiete, Nebenkosten und existenzsichernde Maßnahmen wie Verpflegung) übernimmt der örtliche Sozialhilfeträger, die Kosten der Eingliederungshilfe der zuständige Rehabilitationsträger. Der Bedarf jedes einzelnen Leistungsberechtigten muss festgestellt werden, danach richtet sich der benötigte Personalschlüssel in der Eingliederungshilfe. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass es Übergangsregelungen in den einzelnen Bundesländern geben wird (nicht für die Kosten der Unterkunft, sondern für die Eingliederungshilfeleistungen). D.h. dass es sein kann, dass sich für den Einzelnen Auswirkungen erst 2022 oder 2023 ergeben könnten. Das ist aber von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich und wird in den diversen Landesrahmenverträgen geregelt.

Herzliche Grüße
Katja


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