Zu wenig Personal in den Einrichtungen für Erwachsene

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Re: Zu wenig Personal in den Einrichtungen für Erwachsene

Beitragvon Silvia & Iris » 23.05.2019, 08:04

Lieber Stefan,

also ich darf mich über Ehrenamtliche nicht beschweren - es gibt da durchaus wirklich engagierte Kräfte - habe das in einem Kinderhospiz gesehen... - allerdings, das muss ich zugeben, ist da schon eine ziemliche Fluktuation… nur wenige sind da lange Zeit dabei, die meisten machen das 1 - 2 Jahre...
Liebe Grüße
Silvia
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Re: Zu wenig Personal in den Einrichtungen für Erwachsene

Beitragvon Inga » 23.05.2019, 08:59

neue_Eva hat geschrieben:Hallo zusammen,

nach all den Erfahrungen, die ich die letzten Jahren als Selbstbetroffene machen konnte (Ärzte, Kostenträger, etc.) Wäre die Gründung einer Stiftung und der Aufbau eigener WGs die beste Option.

Gruß Birgit


Ja, das sehe ich auch so - aber nicht erst in jüngster Zeit, sondern schon seid 25 Jahren.
Ich habe vor vielen Jahren im Kinderheim für beh. Kinder aufgehört, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe, nur noch Grundversorgung zu leisten.
Somit habe ich das bessere Modell gewählt und bin Pflegefamilie geworden.
Nun ist das Problem, dass unsere Pflegekinder langsam aus der Familie raus wachsen.
Wir haben dutzende Einrichtungen angeschaut, Danielo hat 2x je 2 Jahre in einer Einrichtung gewohnt, die erste war echt nicht toll, die 2x war okay, sie waren da durchweg sehr nett und für ihre (personellen) Möglichkeiten auch sehr bemüht / engagiert den Bewohnern was zu bieten.
Uns hat es nicht gereicht, zudem gab es nicht die Möglichkeit, dass unsere anderen Kinder später auch dort hin gekonnt hätten. Das war uns aber wichtig. Ich will später nicht eine Deutschland-Rundreise machen müssen um all meine Kinder besuchen zu können.
Also machen wir es jetzt selbst.
Wir haben ein Haus gekauft und unsere Kinder ziehen nun nach und nach dort ein. Betreut werden sie von Assistenzkräften über das persönliche Budget.
Bisher wohnt nur Danielo dort, er genießt seine Freiheit und die Möglichkeiten seine Freizeit so zu verbringen wie er möchte total! Zudem genießt er es, dass er nun in Laufnähe zu uns wohnt und so auch einfach mal zwischendurch kurz zu Besuch kommen kann. Er möchte nie wieder in eine Einrichtung.
Aktuell machen wir noch die komplette Logistik, die dahinter steckt.
Unser Ziel ist es aber, dass wir in den nächsten Jahren einen Verein o.ä. gründen werden, der sich dann um alles was das Haus und die Bewohner angeht kümmert.

Gruß, Inga
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Stefan M.
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Re: Zu wenig Personal in den Einrichtungen für Erwachsene

Beitragvon Stefan M. » 23.05.2019, 09:20

Ja das mit dem PTB ist schon ok. Allerdings kann man da Alles selbst machen und organisieren. Aber es kann doch in einem angeblich so reichen Land wie der BRD nicht sein, dass es für behinderte Menschen keine wirklich befriedigende Versorgung gibt, unabhängig von den Angehörigen.

Bin da schon ziemlich enttäuscht.

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Re: Zu wenig Personal in den Einrichtungen für Erwachsene

Beitragvon Silvia & Iris » 23.05.2019, 09:26

Hallo Inga,

das liest sich nun bei dir so, dass Danielo sich bewegen kann und auch etwas äußern... wie geht es dann mit immobilen nonverbalen Betroffenen?? - Wie möchte man denn da in ihrem Willen und ihrem Sinn gut und immer den aktuellen Wünschen der Betroffenen entsprechend, agieren? … ich denke da z. B. auch an so sichtbare Wünsche wie Kontakt zum anderen Geschlecht (auch ohne sexuelle Aktionen) - Sie zeigen ja auch durchwegs, wer oder was ihnen gefällt... aber meist ergibt sich dann doch nicht die Möglichkeit - und auch das Gegenüber muss ja wollen - dass hier Interaktionen statt finden... Wenn es nach meiner Tochter ginge, wäre wohl ihr Glück zumindest einmal in der Wochen ein Schwimmbad zu besuchen...

LG
Silvia
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Re: Zu wenig Personal in den Einrichtungen für Erwachsene

Beitragvon Inga » 23.05.2019, 09:42

Hallo Silvia,

Ja das Thema "Kontakt zum anderen Geschlecht" ist da noch mal ein extra schwieriges Thema, aber ehrlich, da hat ein Mensch halt manchmal einfach nur Pech. :? Auch nicht behinderte Menschen suchen oft eine Beziehung und finden keine.
Aber auch so kann man natürlich nicht alle Wünsche erfüllen, bei keinem Menschen ist dies möglich, es sind in der Regel immer zumindest finanzielle und zeitliche Grenzen gesetzt.
Mit Grundsicherung kann man keine großen Sprünge machen und natürlich wird auch geschaut, dass Danielo z.B. morgens aufsteht und zur Arbeit geht, auch wenn er meistens gerne noch liegen bleiben würde. :lol:
Danielo möchte auch gerne Schwimmen gehen, macht er nun auch regelmäßig. Aber er möchte eigentlich in einer Gruppe mit Gleichgesinnten schwimmen. Das hatte er vor Jahren schon mal, leider ist diese Gruppe so weit weg, dass es logistisch kaum möglich ist, dies jetzt weiter zu betreiben. Da muß er aktuell halt Abstriche machen, aber ich arbeite dran, dass es irgendwann wieder klappt.
Bei uns auf dem Land ist die Infrasturktur leider nicht so gut, also machen wir viel selbst. z.b. 1x / Monat ein Kegeltreff für Jugendliche / junge Erwachsene. So wie es aussieht, wird das Treffen wohl demnächst 2x / Monat stattfinden "müssen" da den Besuchern 1x / Monat zu wenig ist. :D

Ja, Danielo kann laufen und sprechen, aber nicht alle meine Kinder können das.
Das Problem haben wir jetzt ja also auch schon, dass wir "raten müssen" was für das Kind gut ist, später müssen dies halt andere Leute anstatt uns machen. Ja, es ist schwierig, unser Kinder Fremden zu überlassen und zu vertrauen, dass sie es gut machen, das ist aber so, egal ob Einrichtung oder PB. Loslassen muß man leider immer irgendwann. :?

Gruß, Inga
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Re: Zu wenig Personal in den Einrichtungen für Erwachsene

Beitragvon Inga » 23.05.2019, 09:55

Stefan M. hat geschrieben:Ja das mit dem PTB ist schon ok. Allerdings kann man da Alles selbst machen und organisieren. Aber es kann doch in einem angeblich so reichen Land wie der BRD nicht sein, dass es für behinderte Menschen keine wirklich befriedigende Versorgung gibt, unabhängig von den Angehörigen.

Bin da schon ziemlich enttäuscht.


Naja, das ist ja relativ, was ist befriedigend, jeder sieht da was anderes darunter.
Fakt ist, in einer Einrichtung, wo 6-15 Menschen zusammen in einer Gruppe leben, wird man immer Abstriche machen müssen, das ist einfach so. Ist ja auch in einer Familie so, um so größer eine Familei ist, um so unflexibler wird man. Um so mehr Menschen, um so mehr verschiedene Wünsche und Meinungen gibt es. In einer Familie kann an einem Tag auch nicht Fußball spielen, Schwimmen und Bummeln untergebracht werden, außer man trennt sich ständig.
Oder anderes Beispiel, es gäbe in einer Familie ein großes Chaos wenn jeder Essen würde, wann er will, dann seht der eine am Herd und kocht sich Mittagessen, während der andere gerade am Frühstück sitzt,...
Nein, da muß es schon halbwegs verbindliche Zeiten geben, so auch in Einrichtungen.
Wenn ich das nicht möchte, bleibt mir nur der Weg mit dem PB.
Ja, wir machen das Drumherum alles selbst, aber das kann man auch einem Assistenzdienst übergeben, die machen dann die Verhandlung mit dem Kostenträger, Personalsuche, Dienstabrechnungen, Dienstpläne, Teamgespräche usw.
Somit hat man, wenn man möchte, auch mit dem PB nicht so viel Arbeit.

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