Medikamentenentscheidung

Hier könnt ihr euch über ADS und ADHS austauschen.

Moderator: Moderatorengruppe

Forumsregeln
kerstin1976
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 165
Registriert: 18.08.2013, 13:18
Wohnort: Xanten

Medikamentenentscheidung

Beitragvon kerstin1976 » 09.05.2019, 17:17

Hallo,

ich möchte mich gerne zur Medikamentengabe mit euch austauschen.

Zur Situation:
Mein Sohn um den es geht ist 10, im Sommer wird er 11. Er hat eine geistige Behinderung und eine nicht offizielle ADHS Diagnose (wegen der geistigen Behinderung kann es keine offizielle geben, wurde mir erklärt).
Nun bekommt er schon seit Jahren Medikinet, da er lange sehr unruhig war. Seit einiger Zeit ist aber nicht mehr das das Problem sondern seine Impulsivität. Er kann sich anderen gegenüber überhaupt nicht zurücknehmen. Er versteht sich mit keinen Kindern. Er besucht eine Förderschule für geistige Entwicklung. Aber es klappt da auch nicht. Heute wurde ich angerufen ob ich meinen Sohn abholen kann weil er alle Lehrer geschlagen und getreten hat.
Zu Hause funktioniert es - einigermaßen.
Wir waren lange nicht mehr in der KJPP aber nun gehe ich bald wieder hin denn die Situation ist so nicht mehr machbar.
Vor einiger Zeit stand schon mal Risperidon im Raum. Ich würde gerne wissen wie es bei euch ist. Wie reagieren eure Kinder? Mein Sohn ist im Prinzip jetzt schon zu schwer, was mache ich wenn er ungebremst zunimmt?
Unser Kinderarzt, der auch Kinderpsychiater ist, hat Aripiprazol in den Raum gestellt, davon wollte die KJPP aber nichts wissen. Sie empfahl uns erstmal Medikinet.
Jetzt ist die Frage höhere Dosis Medikinet oder anderes Medikament? Ich möchte kein "abgeschaltetes" Kind. Aber es kann auch nicht sein dass er nirgendwo mehr sein kann oder?
Das Problem ist dass ich mich kaum fähig fühle so eine Entscheidung zu treffen.

DANKE für eure Anregungen
Linus (08/08), vorgeburtlich bekannter Hydrocephalus nach Hirnblutung, Hirnschaden, Schädigung des Sprachzentrums, ADHS-Symptomatik, atypischer Autismus, Muskelhypotonie, Weitsichtigkeit, Strabismus, Amblyopie, Asthma und Helena (06/10) fit und gesund

Werbung
 
Benutzeravatar
LasseUndJohannes
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 217
Registriert: 28.03.2015, 11:41
Wohnort: BW

Re: Medikamentenentscheidung

Beitragvon LasseUndJohannes » 09.05.2019, 19:05

Hi,
Gewichtszunahme unter Risperidon ist eine mögliche Nebenwirkung. Unser Großer hat gar nicht zugenommen. Muss also nicht eintreten. Insofern, wie bei allen Nebenwirkungen, absetzen/ausschleichen wenn es nicht tolerierbar ist.

Wenn Linus MPH bekommt wegen ADHS (jetzt mal egal ob inoffiziell oder nicht), haben die Ärtze auch andere ADHS Medikamente in Erwägung gezogen? Ich würde hier einmal in Richtung Elvanse fragen, denn das ist eigentlich, soweit ich weiß, die 2nd line Verordnung, wenn MPH nicht zufriedenstellend funktioniert. Letzlich ist es aber leider immer ein ausprobieren. Oder, wie mir ein Arzt mal sagte, ein "gezieltes" ausprobieren.
Johannes 2008, extremes ADHS, Fehldiagnose (?) Autismus
Benedikt 2014, non verbal, auto aggressiv, ADHS, atypischer Autismus

kerstin1976
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 165
Registriert: 18.08.2013, 13:18
Wohnort: Xanten

Re: Medikamentenentscheidung

Beitragvon kerstin1976 » 09.05.2019, 20:39

Bis jetzt ist es so, dass uns immer nur Medikinet oder Risperidon empfohlen wurde. So als ob es kein anderes Medikament geben würde...

Hatte dein Sohn denn andere Nebenwirkungen? Nimmt er das Risperidon noch?
Linus (08/08), vorgeburtlich bekannter Hydrocephalus nach Hirnblutung, Hirnschaden, Schädigung des Sprachzentrums, ADHS-Symptomatik, atypischer Autismus, Muskelhypotonie, Weitsichtigkeit, Strabismus, Amblyopie, Asthma und Helena (06/10) fit und gesund

IlonaN
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2401
Registriert: 07.01.2015, 10:52
Wohnort: Land Brandenburg

Re: Medikamentenentscheidung

Beitragvon IlonaN » 10.05.2019, 07:15

Hallo,
mein 11er bekommt eine Kombi aus Risperidon und Medikinet, damit fahren wir ganz gut, jedoch muß durch Wachstum und so immer auf eine Dosisanpassung insbesondere beim Medikinet geachtet werden.
Ich 1961 Ösophagusatresie
Großfamilie mit leibl.Kindern/Ado-Kind und Pflegekindern mit FASD, ADHS, Autismus, Bindungsstörung mit Enthemmung ,Asthma, Neurodermitis u.v.m.

JohannaG
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2303
Registriert: 03.07.2013, 21:33
Wohnort: Bayern

Re: Medikamentenentscheidung

Beitragvon JohannaG » 10.05.2019, 08:35

Hallo Kerstin,

mein Sohn nimmt seit ca 6 mon Risperidon, und hat überhaupt nicht zugenommen. Laut unserem KJP ist das Gewicht bei ca 20% der Kinder ein problem. Wenn dein Sohn allerdings weiterhin Mph bekäme, dann könnte es gut sein, dass sich das mehr oder minder ausgleicht.

Mein Sohn bekommt trotz Risperidon weiterhin Methylphenidat für die Konzentration. Das Mph (in verschiedenen Präparaten) hatte auf die Impulskontrolle kaum Auswirkungen; das Risperidon hilft ziemlich gut.

Vorsichtig wäre ich mit Elvanse - das ist bekannt dafür, dass es Aggressionen noch verschärft.

LG Johanna
Johanna, *73, Morbus Bechterew;
C., (w), 11/2004, adoptiert, FASD, Bindungsstörung, lernbehindert, juvenile Polyarthritis;
J. (m) 01/2008, adoptiert, ADHS; Depressionen und ???,
M. (w) 01/2012 FG bei 23+6 SSW, Kleinwuchs, GÖR, Nahrungsmittelallergien, leichte ICP, Schielen, Weitsichtigkeit, allg Entwicklungsverzögerung

Sandra73
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 316
Registriert: 07.11.2008, 20:51
Wohnort: Bremen

Re: Medikamentenentscheidung

Beitragvon Sandra73 » 10.05.2019, 10:11

Auch bei uns gab es jahrelang erst Medikinet und dann auch Risperidon. Auch mein Sohn hatte gar keine Nebenwirkungen vom Risperidon. Auch als das Medikinet raus war, hat er null zugenommen durch das Risperidon. Aber es hat sehr gut seinen Zweck erfüllt.

Lieben Gruß
PS, *99, Gb,ADHS, seit 2017 Diagnose frühkindlicher Autismus,Epilepsie
PT, *02, PTBS

Benutzeravatar
Regina Regenbogen
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 7011
Registriert: 12.07.2008, 18:37
Wohnort: Ostfriesland

Re: Medikamentenentscheidung

Beitragvon Regina Regenbogen » 10.05.2019, 12:24

kerstin1976 hat geschrieben:Jetzt ist die Frage höhere Dosis Medikinet oder anderes Medikament?


Unser Jüngster hat jahrelang Medikinet nur wegen der schlechten Impulskontrolle bekommen. Wenn dein Kind MPH grundsätzlich gut verträgt, würde ich es erstmal mit einer Höherdosierung versuchen. Je nachdem wie lange die letzte Dosierungsanpassung schon her ist, kann es sein, dass besonders nach starken Gewichtszunahmen und zu Beginn der Pubertät eine Anpassung der Dosis notwendig ist. "Abgeschaltet" wird er damit bestimmt nicht.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

Benutzeravatar
LasseUndJohannes
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 217
Registriert: 28.03.2015, 11:41
Wohnort: BW

Re: Medikamentenentscheidung

Beitragvon LasseUndJohannes » 10.05.2019, 14:00

Hi Kerstin,
Johannes nimmt das Risperidon nicht mehr, er hat es knapp zwei Jahre bekommen. Irgendwann kam MPH dazu, was ihn "erreichbarer" machte, aber auf seine Impulsivität keinen Einfluss hatte. Dann haben wir das Risperidon ausgeschlichen und kurz darauf das MPH durch Elvanse ersetzt. Das hat viel verbessert, allerdings nur in Kombination mit verhaltenstherapeutischen Massnahmen.

Gleichzeitig kenne ich ein Kind, bei dem MPH super die Agressionen gedämpft hat. Vorherzusagen, wie eins dieser ganzen Medikamente beim jeweiligen Kind wirkt ist wohl unmöglich.

Nebenwirkungen von Risperidon hat Johannes keine gehabt. Er bekam allerdings auch nur 0.5 mg am Tag. Wir hätten, wie ein Therapeut uns nachher sagte, bei ihm auf 2mg gehen müssen für eine vernünftige Wirkung. Haben wir uns nicht getraut. Wir hatten immer Angst vor möglichen Nebenwirkungen.
Johannes 2008, extremes ADHS, Fehldiagnose (?) Autismus
Benedikt 2014, non verbal, auto aggressiv, ADHS, atypischer Autismus

kerstin1976
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 165
Registriert: 18.08.2013, 13:18
Wohnort: Xanten

Re: Medikamentenentscheidung

Beitragvon kerstin1976 » 14.05.2019, 07:19

Vielen Dank für die Antworten!

Ich denke auch dass erstmal eine Höherdosierung des Medikinet empfohlen wird. Allerdings schläft mein Sohn ohne das schon sehr schlecht, ist es ratsam direkt die Gabe von Melatonin anzusprechen? Er ist immer müde morgens und tagsüber.
Im Prinzip bin ich mit der Schule auch unzufrieden zur Zeit.
Beim letzten Ausraster war es so, dass die Kinder auf dem Hof spielen durften und der timer war eingestellt. Die IKraft hat dann aber die Kinder in die Klasse geholt obwohl der timer noch nicht abgelaufen war...
Dazu kommt dass die Kinder in der Pause auf dem Schulhof frei spielen dürfen und da treffen nun mal die Kinder auch aufeinander, die sich nicht gut verstehen, es gibt keine Anleitung miteinander umzugehen und alle haben Bewegungsdrang nach dem Unterricht. Für mich ist es da nur logisch, dass es knallt. Deshalb kann ich aber meinen Sohn nicht vom Unterricht abholen, das ist doch eine Situation die täglich auftritt und für die man sich mal eine Strategie überlegen müsste.
Linus (08/08), vorgeburtlich bekannter Hydrocephalus nach Hirnblutung, Hirnschaden, Schädigung des Sprachzentrums, ADHS-Symptomatik, atypischer Autismus, Muskelhypotonie, Weitsichtigkeit, Strabismus, Amblyopie, Asthma und Helena (06/10) fit und gesund

Werbung
 
kerstin1976
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 165
Registriert: 18.08.2013, 13:18
Wohnort: Xanten

Re: Medikamentenentscheidung

Beitragvon kerstin1976 » 14.05.2019, 07:20

PS: Er ist zweifelsfrei auch vorpubertär. Die körperliche Entwicklung ist in vollem Gange...
Linus (08/08), vorgeburtlich bekannter Hydrocephalus nach Hirnblutung, Hirnschaden, Schädigung des Sprachzentrums, ADHS-Symptomatik, atypischer Autismus, Muskelhypotonie, Weitsichtigkeit, Strabismus, Amblyopie, Asthma und Helena (06/10) fit und gesund


Zurück zu „Krankheitsbilder - ADS/ADHS“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 14 Gäste