OT: Neid

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

Moderator: Moderatorengruppe

GretchenM
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 489
Registriert: 26.01.2016, 18:53

Re: OT: Neid

Beitragvon GretchenM » 03.06.2019, 09:16

@ Johanna

Ich glaube, das sind einfach verschiedene Begriffe für dasselbe Gefühl - traurig über etwas zu sein, dass bei einem selbst (oder dem Kind) nicht so ist wie bei den anderen...

Werbung
 
Benutzeravatar
Regina Regenbogen
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 7034
Registriert: 12.07.2008, 18:37
Wohnort: Ostfriesland

Re: OT: Neid

Beitragvon Regina Regenbogen » 03.06.2019, 14:03

aber was mein Kind betrifft bin ich einfach manchmal traurig, einfach weil er selbst auch traurig ist.
Eben deshalb habe ich mir das Vergleichen abgewöhnt. Meine Älteste hat seit frühester Kindheit eine einseitige Körperbehinderung mit vielen Operationen. Wir haben von Anfang an eine sehr starke innere Verbundenheit gehabt und so hat sie auch gespürt, wenn ich traurig war. Und wurde auch traurig. Die Übertragung ging so schnell, dass ich selbst nicht mehr sagen konnte, wer von uns beiden zuerst traurig war.

Außerdem hat meine eigene Mutter mir durch permanente Vergleiche mit anderen Kindern das Gefühl gegeben, nicht gut genug zu sein. Davon konnte ich mich erst mit Anfang 30 frei machen.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

GretchenM
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 489
Registriert: 26.01.2016, 18:53

Re: OT: Neid

Beitragvon GretchenM » 03.06.2019, 15:02

Das sind interessante Gedanken. Darüber denke ich auf jeden Fall noch nach. Danke, Regina :-)

Saabina
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 84
Registriert: 12.02.2019, 21:53
Wohnort: Freiburg

Re: OT: Neid

Beitragvon Saabina » 08.06.2019, 14:43

aber was mein Kind betrifft bin ich einfach manchmal traurig, einfach weil er selbst auch traurig ist.
Eben deshalb habe ich mir das Vergleichen abgewöhnt. Meine Älteste hat seit frühester Kindheit eine einseitige Körperbehinderung mit vielen Operationen. Wir haben von Anfang an eine sehr starke innere Verbundenheit gehabt und so hat sie auch gespürt, wenn ich traurig war. Und wurde auch traurig. Die Übertragung ging so schnell, dass ich selbst nicht mehr sagen konnte, wer von uns beiden zuerst traurig war.

Außerdem hat meine eigene Mutter mir durch permanente Vergleiche mit anderen Kindern das Gefühl gegeben, nicht gut genug zu sein. Davon konnte ich mich erst mit Anfang 30 frei machen.

Das hatte ich auch von Seiten meiner Mutter. Und ich war ein "pflegeleichtes Kind" und habe immer gut gelernt...aber dieser "Ansporn" durch Vergleiche mit anderen Kindern, war für mein Selbstbewusstsein eine einzige Katastrophe.

Ich habe auch gebraucht bis ich zu mir gefunden habe und wenn meine Mutter anfängt meine Kinder zu vergleichen, reagiere ich da sehr allergisch drauf. Da ist es mir auch egal, wenn sie von überempfindlich spricht.. Ich habe die Besuche mittlerweile reduziert aufgrund von Zeitmangel.
Sabina mit
der Grossen (13 ),
Moritz (3),
[Sprachentwicklungsstörung (rückläufige Sprachentwicklung - noch keine Diagnose) und
Absencen (ohne Diagnose)]
und
Bobbele (2)

GretchenM
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 489
Registriert: 26.01.2016, 18:53

Re: OT: Neid

Beitragvon GretchenM » 08.06.2019, 17:25

Ich möchte gerne betonen, dass ich mein Kind nie als „Ansporn“ vergleiche. Das finde ich gruselig zumal völlig kontraproduktiv.

Saabina
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 84
Registriert: 12.02.2019, 21:53
Wohnort: Freiburg

Re: OT: Neid

Beitragvon Saabina » 08.06.2019, 22:28

Ich möchte gerne betonen, dass ich mein Kind nie als „Ansporn“ vergleiche. Das finde ich gruselig zumal völlig kontraproduktiv.

Dich habe ich nicht damit gemeint. Meine Mutter hat das getan...Mir ist kein besseres Wort eingefallen, da sie das in diesem Sinne genutzt hat.

Und ja, das zerstört sehr viel.
Sabina mit
der Grossen (13 ),
Moritz (3),
[Sprachentwicklungsstörung (rückläufige Sprachentwicklung - noch keine Diagnose) und
Absencen (ohne Diagnose)]
und
Bobbele (2)

Benutzeravatar
Regina Regenbogen
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 7034
Registriert: 12.07.2008, 18:37
Wohnort: Ostfriesland

Re: OT: Neid

Beitragvon Regina Regenbogen » 09.06.2019, 09:26

Außerdem ist es für das Kind völlig egal, warum man das macht, das Ergebnis ist dasselbe.

Meine Mutter wollte ihr eigenes Leben mit perfekten Kindern "aufwerten".
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

grace
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 298
Registriert: 16.08.2012, 15:27

Re: OT: Neid

Beitragvon grace » 09.06.2019, 11:02

Meine Mutter wollte ihr eigenes Leben mit perfekten Kindern "aufwerten".
Nicht nur deine Mutter liebe Regina, viele Mütter wollen das, oft unbewusst!

Oft sollen die eigenen Kinder dann im späteren Leben das realisieren was man eigentlich selber machen wollte...erst Kürzlich musste ich einer Kollegin sagen sie solle endlich aufhören zu erzählen das sie hofft ihr vierjähriger (!) Sohn wird mal Medizin studieren...und nein, es ist keine schlechte Mutter, sie will das beste wie wir alle auch, aber sie merkt es halt gar nicht wie dieses Wunschdenken in ihr drin ist: Sie selbst hätte eigentlich Medizin studieren wollen.....sie hat diese Kritik übrigens angenommen und sich korrigiert.

LG

Grace

GretchenM
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 489
Registriert: 26.01.2016, 18:53

Re: OT: Neid

Beitragvon GretchenM » 09.06.2019, 14:03

Hallo,

Jeder wünscht seinem Kind ja nur das Beste, und dann ist es denke ich häufig so, das Eltern denken dass das Beste für sie selbst das Beste für ihr Kind sein muss.

Ich kenne auch den Fall einer Mutter, die eifersüchtig darauf ist, dass ihre erwachsene Tochter das geschafft hat, was sie selbst nicht erreicht hat... wirklich schlimm.

Und harmloser: meine Mutter konnte nie ein Instrument spielen, das war einfach nicht „drin“ - genausowenig wie die Mitgliedschaft in einem Sportverein.

Das führte dazu, dass ich früh Musikunterricht hatte, und ständig vom Glück erzählt bekam, ein Instrument lernen zu dürfen - und mir mit leuchtenden Augen gesagt wurde „Geh doch mal in einen Verein!“ Das klingt so harmlos, aber war so ein Druck..

Das so intensiv und extrem, dass ich sobald ich mich loseisen konnte, nie wieder ein Instrument angefasst habe oder irgendeinen Vereinssport betrieben.

Ich bin daher sehr vorsichtig, versuche , dass mein Kind nicht ich bin - er hat andere Interessen, und findet was ich toll finden würde teilweise echt furchtbar *g*

Schönen Gruß,

GretchenM

Werbung
 
Benutzeravatar
Regina Regenbogen
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 7034
Registriert: 12.07.2008, 18:37
Wohnort: Ostfriesland

Re: OT: Neid

Beitragvon Regina Regenbogen » 09.06.2019, 15:46

Jeder wünscht seinem Kind ja nur das Beste, und dann ist es denke ich häufig so, das Eltern denken dass das Beste für sie selbst das Beste für ihr Kind sein muss.
Ich denke nicht, dass das so häufig ist. Ich konnte das bisher meistens bei den Eltern beobachten, die sogenannte "Überfliegerkinder" haben, diese Eltern stecken selbst voll mit Leistungsdruck und geben den ungefiltert an ihre Kinder weiter.

Nein, die Motivation meiner Mutter war nicht so selbstlos, aber das spielt jetzt auch keine Rolle mehr. Fakt ist, dass ich gelernt habe, diesen Fehler weder bewusst (durch Leistungsdruck) noch unbewusst (durch Traurigkeit) zu machen. Das Beste für meine Kinder ist, dass sie ein glückliches und erfülltes Leben als einzigartiges Individuum haben werden - wie auch immer das aussehen wird. Dabei werde ich sie nach Kräften unterstützen solange ich das kann.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese


Zurück zu „Familienleben“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 14 Gäste