OT: Neid

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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johannaj84
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Re: OT: Neid

Beitragvon johannaj84 » 02.05.2019, 23:12

Ich wäre gerne nicht behindert.

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Saabina
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Re: OT: Neid

Beitragvon Saabina » 28.05.2019, 08:33

Hallo,
ich finde Neid erst einmal nichts schlimmes. Es bedeutet, dass man etwas haben und erreichen möchte, was andere haben. Neid wird erst schwieirg, wenn man anfängt missgünstig zu werden oder niemals zufrieden sein kann. Missgunst und Neid werden oft zusammen genannt, obwohl sie nicht unbedingt zusammen auftreten.
Ich bin auch manchmal neidisch, aber ich missgönne den Menschen nichts.
Zu der Ausgangsfrage: die Menschen, die Traurigkeit mit Neid verwechseln oder ihn pauschal negativ bewerten, schauen nicht wirklich hin. Zum einen unterschlagen sie die Traurigkeit und andererseits sehen sie nicht, wie verzweifelt ein neidischer Mensch sein kann. Viele denken, dass Neid nur Materielles oder Luxusgüter betrifft. In den Beispielen hier geht es um Elementares und das zu vermissen macht neidisch und traurig und das auch zurecht.

LG Rike

So sehe ich das auch.
Neid nehme ich mittlerweile als "Landkarte" um meine Wünsche und Ziele erkennen und setzen zu können.

Das einzige Thema, dass ich bei den meisten Müttern erfahre, ist das "Das kann es schon" oder " Das konnte mein Kind bereits mit...", am besten schon von Geburt an laufen... :wink:

Bei uns dauert auch alles länger und manches geht gar nicht. Dann fokussiere ich mich wieder auf uns, schaue was wir erreicht haben, wo ich neue Ziele setzen muss und was ich loslassen sollte.

Zu dem gibt es "Qualitäten" und Werte, welche nicht messbar sind bzw. in einer Leistungsgesellschaft gar nicht zählen....das wird gar nicht gesehen, weil es nichts gilt.

Ich habe durch meine Kinder gelernt geduldig, dankbar und wertschätzend zu sein. Natürlich wünsche ich mir auch, dass es leichter werden könnte oder dass es von alleine läuft...Es ist anstrengend und perfekt bin ich auch nicht und tappe in diese "Vergleichsfalle".

Und im Gegensatz zu den "genialen" Kindern, hat meine Grosse (12) z.B. Mitgefühl, Tiefe, Kritikfähigkeit, Verständnis und Akzeptanz.

Das finde ich grossartig und bin dankbar, dass ich ihre Mutter bin/sein darf :-)

Du musst den Neid anders gewichten und auf das schauen, was Deine Kinder mitbringen. In der heutigen Zeit, sind das keine Qualitäten, da orientiert man sich nach dem Entwicklungskalender und "besser, besser, besser"... :icon_pale:

Du als Mama mit besonderen Kindern fällst da raus.
Daher ist es wichtig, dass Du Deine Traurigkeit und "Ent-täuschung" annimmst. Es darf sein, denn es ist so.

Nur dann heisst es für Dich, Dich neu zu orientieren und weiter gehen...Euren Weg. Und für Dich heisst es, Dich mit Menschen zu umgeben, die Dir/Euch gut tun...Euch Kraft da lassen und nicht nur "leer-saugen".

Dir/Euch wünsche ich solche kostbaren Menschen. Falls Du keine finden solltest, schreibe hier. Hier treffen sich anscheinend alle :) :hand: :icon_sunny:

LG Sabina
Sabina mit
der Grossen (13 ),
Moritz (3),
[Sprachentwicklungsstörung (rückläufige Sprachentwicklung - noch keine Diagnose) und
Absencen (ohne Diagnose)]
und
Bobbele (2)

Saabina
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Re: OT: Neid

Beitragvon Saabina » 28.05.2019, 09:47

Entschuldige, ich habe das Thema komplett verfehlt :lol: .

Zudem habe ich gerade gelesen, dass Du selbst betroffen bist und es sich nicht um die Eltern-Kind-Ebene handelt...

Warum traurig sein, oft mit Neid verwechselt wird...Hmmm...
Ich glaube, das liegt am festgestellten Mangel, den Du über das Vergleichen erhälst und daraus negative Schlüsse ziehst...

Beim Neid ist es so, dass Du etwas oder jemanden siehst, der etwas besser kann oder mehr hat oder ....da kommt der Wunsch hinzu, das auch haben/sein zu wollen und je nachdem wie Du mit Deinen Erkenntnissen umgehst, kommt Missgunst hinzu oder Ansporn.

Beim Traurig-sein ist es ähnlich. Du vergleichst Dich oder wirst verglichen/gemessen an der Norm, also mit anderen.
Das macht Dich traurig, weil Du anders abschneidest als die grosse Mehrheit. Du wünschst Dir (so wie beim Neid auch) diese andere "Qualitäten" (bei Dir konkret: "gesund" zu sein/nicht-behindert) zu haben.
Du ziehst negative Erkenntnisse daraus, weil Du mit Deinem anderst-sein auffällst/eventuell aneckst.
Und reagierst mit Traurigkeit.
Weitere Schnittstellen zum Neid in Form von Missgunst: Du nimmst eine Wertung vor.

Und anstatt zu handeln, weiter zu gehen, Ziele für sich festzulegen, bleibt man stehen. Man sieht nur, dass was man nicht hat, nicht kann, was einem fehlt und das macht traurig.
Man bleibt bei dieser Erkenntnis stehen und hat durch das Vergleichen eine negative Wertung vorgenommen.

In den Ohren anderer kommt das als Neid an...weil die Mehrheit anscheinend zu Missgunst tendiert und nicht zur Traurigkeit.

Hier kann ich Dir das Buch empfehlen von Friedemann Schulz von Thun "Miteinander reden".
Oder Du googelst das. Da kommst Du ganz schnell auf das Thema "die 4 Seiten einer Nachricht".

An Dich: Du solltest nicht bei Deiner Traurigkeit stehen bleiben. Es ist in Ordnung, dass Du traurig bist. Und das darfst Du auch sein.

Aber: bleib nicht dort stehen.
Du bist auf Deine ganz eigene Weise, etwas ganz besonderes. Und dieses besondere, musst Du suchen und stärken. Du bist ein Mensch wie jeder andere auch. Und jeder hat seine Besonderheiten, ob gesund, krank, "be-hindert", alt, jung...

Das was Du fördern kannst....Stärke es.
Das was Du ändern kannst, ändere.
Das was Du nicht vermagst...akzeptiere es und dann musst Du loslassen.

Wer sagt, dass die massgebliche Norm in unserer (Leistungs-) Gesellschaft das "Non-Plus-Ultra" ist?
Es ist nur eines: Durchschnitt.
Man kann sich daran orientieren....man kann sich aber auch andere Werte suchen.

LG Sabina
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Re: OT: Neid

Beitragvon GretchenM » 28.05.2019, 10:39

Hallo,

für mich besteht ein Unterschied zwischen „sich auch etwas sehr wünschen, dass der andere hat“ und einem „dem anderen nicht gönnen, was der hat“

Ich wünsche mir auch, meinem Kind viele das Leben leichter - und ja, da ruft der Anblick anderer „Überfliegerkinder“ dann schon so ein Gefühl von „warum darf mein Kind es nicht auch leichter haben?“ hervor.

ABER - großes Aber - das hat nichts mit Missgunst zu tun. Ich wünsche ja niemandem, dass sein Kind solche Schwierigkeiten hat!

Insofern ist es für mich wichtig, dass auch für sich selbst klar zu sagen, mir das selbst auch zuzugestehen: ich darf mir das wünschen, aber es den anderen nicht Missgönnen.

LG

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Re: OT: Neid

Beitragvon Regina Regenbogen » 02.06.2019, 14:17

„Überfliegerkinder“
Ist das nicht auch ein Ausdruck von Neid? Was bitte sind Überfliegerkinder?
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

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Re: OT: Neid

Beitragvon Nela.W » 02.06.2019, 16:19

Hallo
ja kenn ich auch ich bin auch oft neidisch wenn ich welche seh mit kindern die so alt sind wie meiner!!das der nicht bei mir sein kann sondern bei fremden ist :-( und ich den nur selten sehen darf!! :evil:
und wenn ich mütter mit ganz kleinen babys seh da kuck ich auch immer neidisch in die kinder wagen rein und wünsch mir das das meins wär

Nela
Ich (geb76)
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schwanger seit juni 2019 :D

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Re: OT: Neid

Beitragvon GretchenM » 02.06.2019, 16:57

Hallo,

genau deshalb ist das „Überfliegerkinder“ in Anführungsstrichen, weil es ein Ausdruck eines irrationalen Gefühls ist - wenn ich mitbekomme wie scheinbar mühelos es anderen Kindern fällt, Sozialkontakte aufzubauen zum Beispiel.

Oder wenn ich hautnah mitbekomme, wie Kinder aus dem Bekanntenkreis in der Schule glücklich sind, nie ein großes Problem zu haben scheinen und Probleme daraus bestehen, zu überlegen, obs im nächsten Schuljahr eine drei statt der zwei auf dem Zeugnis geben könnte

Ja, da ist dieses „Überfliegerkinder“ ein völlig irrationaler und nicht ernstgemeinter Ausdruck. Daher die Anführungsstriche, quasi als Hinweis darauf, dass ich weiß, dass kein Kind ein echter ,„Überflieger“ ist und gar keine Probleme hat.

Außerdem habe ich ja schon gesagt, dass ich dieses „auch gerne wünschen“ durchaus kenne. Nur eben nicht so, dass ich anderen nicht gönnen würde, was sie haben, ganz im Gegenteil!!!

Aber ja, ein gewisses Gefühl von „das würde ich meinem Kind auch so wünschen, dass ihm alles so leicht fällt wie diesen Kindern“ - egal ob man das nun Augenzwinkernd „Überfliegerkinder“ nennt oder nicht - halte ich einfach für normal.

LG

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Re: OT: Neid

Beitragvon Regina Regenbogen » 03.06.2019, 05:56

Ich habe mir schon bei meinem ersten Kind abgewöhnt, meine Kinder mit anderen Kindern zu vergleichen. Von daher haben sich solche "normalen" Gefühle für mich nicht ergeben.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
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Re: OT: Neid

Beitragvon JohannaG » 03.06.2019, 08:24

Hallo Johanna,

ich glaub dir das, dass du gern nicht behindert wärst. Aber ich finde, das ist kein "Neid", sondern ein normaler, nachvollziehbarer Wunsch!

Ich glaube, dass es meiner Tochter ähnlich geht. Die merkt genau, dass sich andere in vielen Dingen wesentlich leichter tun als sie. Gleichaltrige müssen auch keine doofen Schienen tragen, müssen nicht regelmäßig Medikamente nehmen und so weiter... und sie hätte das auch gern so. Versteh ich, würde ich ihr auch wünschen, dass es so wäre. Nur ist es leider nicht so.

Mein Job als Mama ist, dass ich ihr da helfe, das anzunehmen, und mit ihr zusammen etwas zu finden, das sie gern und gut tun kann. Traurig sein über das, was man gern hätte, was aber nicht geht, das gehört aber auch dazu...

LG Johanna
Johanna, *73, Morbus Bechterew;
C., (w), 11/2004, adoptiert, FASD, Bindungsstörung, lernbehindert, juvenile Polyarthritis;
J. (m) 01/2008, adoptiert, ADHS; Depressionen und ???,
M. (w) 01/2012 FG bei 23+6 SSW, Kleinwuchs, GÖR, Nahrungsmittelallergien, leichte ICP, Schielen, Weitsichtigkeit, allg Entwicklungsverzögerung

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Re: OT: Neid

Beitragvon GretchenM » 03.06.2019, 09:14

Hallo,

das fällt mir zugegebenermaßen wirklich schwer, gerade wenn es meinem Kind mal wieder schlecht geht *weil* es anders ist als andere. Dann kann ich nicht anders.

Ich muss auch gestehen, dass ich es nicht schlimm finde. Natürlich helfe ich ihm, sich anzunehmen, aber ich verstehe seine Traurigkeit.

Normalerweise bin ich absolut kein eifersüchtiger Mensch, bestehe in einer Partnerschaft nicht mal auf Monogamie von Seiten meines Partners - aber was mein Kind betrifft bin ich einfach manchmal traurig, einfach weil er selbst auch traurig ist.

Lg

GretchenM


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