Open petition für individuelle Impfentscheidungen

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Sheila0505
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Re: Open petition für individuelle Impfentscheidungen

Beitragvon Sheila0505 » 28.04.2019, 09:56

Hi Angela, sicher: es IST ein ethisches Dilemma, keine Frage. Der Spieß lässt sich aber durchaus umdrehen, denn: wieviele betrifft ein Nichtimpfen lassen? Wieviele Leben werden dadurch unnötig mitgefährdet? Noch ist es für viele einfacher sich gegen eine Impfung zu entscheiden, denn schließlich erlebt man die Schattenseite der Masern kaum und sie sind gefühlt "weit weg", da ja der Herdenschutz dafür sorgt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es so manchen Impfverweigerer (Risikobürger ausgenommen) umstimmen würde, wenn Masern sie plötzlich (er-)lebensnah konfrontieren würde und erste Todesfälle die Mortalilitätsrate steigen lassen würde.

Ein Nichtimpfen geht nun mal alle etwas an, es betrifft uns alle nunmal, es betrifft unser aller Herdenschutz. Und jeder der kann, sollte seinen Beitrag dazu leisten.
Die österreichische Bioethikkommission bringt es meines Erachtens super auf den Punkt:

https://www.bundeskanzleramt.gv.at/docu ... a0efddeeca

Auszug, Seite 7:
"...Die Herdenimmunität betrifft nur Erreger, die von Mensch zu Mensch übertragen werden und bedeutet, dass auch diejenigen, die selbst nicht geimpft werden können, durch ein Um-feld geimpfter Personen geschützt sind. Bei Masern gilt dies für alle Personen, die (noch) nicht geimpft werden können bzw. eine Impfkontraindikation haben. Diese Menschen sind für Komplikationen dieser Infektion anfälliger und daher auf den Schutz durch die Impfung der Menschen in ihrer Umgebung angewiesen. Bei Masern ist für eine effektive Herdenimmunität eine Durchimpfungsrate von 95% notwendig."

Und weiter:
"...Im Zusammenhang mit Herdenimmunität ist weiters festzuhalten, dass diese als Nebeneffekt auch zu einer Bevorzugung von Impfverweigerern führt, da diese quasi als Trittbrettfahrer (»free-rider«) von geimpften Personen profitieren.6 Menschen, die Impfungen konsequent ablehnen, finden sich in der Gesellschaft immer wieder. Sie beziehen Informationen zu Impf- und Gesundheitsfragen oft über soziale Kontakte bzw. öffentliche Medien und nehmen wissenschaftliche Erkenntnisse nicht oder sehr selektiv zur Kenntnis.Unterstützt werden sie dabei auch durch impfskeptische MedizinerInnen, die auf ein geringes Infektionsrisiko hinweisen oder Anhänger alternativmedizinischer Therapieformen sind."


Ich persönlich glaube nicht daran, dass es hierzulande soweit kommt und eine Impfpflicht eingeführt wird, solange es nicht tatsächlich große Epidemien gibt . Ich glaube viel eher (siehe Jörg), dass man den Besuch von Einrichtungen in kommunaler Trägerschaft (bspw. Stadt oder Gemeinde), ebenso anderweitig staatlich/öffentlich geförderte Einrichtungen an einen gewissen Impfstatus koppeln wird. Mag wie "anja" schreibt nicht die fairste Lösung sein, aber vertretbarer als eine allgemeine Impfpflicht. Wir werden sehen wie es weiter gehen wird.
Selbstverständlich würde es da auch Ausnahmeregelungen geben, ebenso wie es bei einer tatsächlich Impfpflichteinführung der Fall wäre.

Und bitte um Entschuldigung wenn das jetzt den Rahmen des Threads sprengt, aber ein paar Gedanken zu dem Thema "Masernimfpung" würde ich sehr gerne noch einwerfen.
Argumentiert man mit Zahlen/Statistiken, fühlen sich sehr viele Impfkritiker/-Gegner dadurch nur mehr gestärkt in ihrer Überzeugung, da sie die Zahlen bzgl anerkannter Impfschäden nicht für voll nehmen. Und man muss ihnen zumindest zugestehen, dass es tatsächlich sehr schwierig ist, Impfschäden als solche anerkannt zu bekommen.Jenes entspringt nicht der Phantasie irgendeiner Antiimpfkampagne, es ist sicherlich schwierig. Es ist aber auch schwierig, die tatsächliche Ursache nachzuweisen und ist somit grundsätzlich ein sehr heikles Thema. Und sicherlich kann es gut sein, dass XY Menschen tatsächlich einen Schaden durch Impfungen erlitten haben und es nicht anerkannt wurde. Ebenso wird es XY Menschen geben, welche überzeugt von einem Impfschaden sind, es aber tatsächlich keiner ist und somit auch der Impfung nun mal nicht zugeschrieben werden darf und sollte.

Bspl Masern: Auch vertreten viele von ihnen die Ansicht, dass gerade durch Einführung der Masernimpfung der natürliche Nestschutz „weggeimpft“ wurde und die Argumentation hinsichtlich der schutzlosen 9 Monatsbabies (als Beispiel) schlussendlich durch die Impfungeinführung selbst verursacht/provoziert wurde.

Ich glaube, diese „Argumente“ von Seiten der entschiedenen Impfgegner darf man nicht ignorieren, weil darüber gesprochen werden muss, damit das Thema diskutiert werden kann. Zudem sollten wir, wenn wir über Tatsachen und Fakten sprechen, den Hergang/Herleitung/Ursache der Fakten durchaus auch mit bedenken.

Zu argumentieren, wie es Impfgegner oft nur zu gerne tun, dass die Gesellschaft (u.a. durch die heutzutage vorherrschenden hohen medizinischen Standarts UNSERER Gesellschaft) dem Masernvirus ohne Impfeinführung und daduch verlängertem Nestschutz (durch Übermittlung entsprechender Antikörper bei eigen überstandener Masernerkrankung der Mutter) plus die natürliche Boosterung (welche durch die hohen Impfquoten stetig abgenommen hat/te) schon längst Herr geworden wären, ist halt dann wieder die Absurdität mit welchen falsch geschlussfolgert und argumentiert wird. Denn letztendlich verfolgt die Völkergemeinschaft ein viel-viel höheres Ziel, nämlich die Eliminierung dieses Virus, den Sieg über diesen Virus mithilfe entsprechenden Impfquoten. Leider blieb der Sieg langfristig halt aus, warum wissen wir ja. Und jetzt haben wir das Dilemma, dass wir trotz Imfpung den Virus nicht ausrotten. Gerne folgt dann zudem eine Vorhaltung darüber, dass es „früher“ - vor Impfeinführung - Säuglinge immerhin gar nicht betroffen hatte und erst Kinder ab 2 Jahre zur DER Risikogruppe zählten, weil jüngere Kinder über entsprechenden Nestschutz verfügten.

Aber nicht nur, dass es darüber keinerlei Nachweise gibt und diese Übertreibungen und Behauptungen vielmehr die eigenen Überzeugungen bekräftigen (man könnte sie auch alternative Fakten nennen)- so wird dennoch vollkommen ignoriert, dass unsere Gesellschaft nicht nur nicht der Nabel der Welt ist, sondern es wird auch außer Acht gelassen, dass nicht nur das menschliche Immunsystem dazu lernt, sondern auch Viren fähig sind sich zu entwickeln, zu mutieren und fähig sind sich anzupassen. Es gibt aktuell 24 nachgewiesene Genotypen des Masernvirus und wer weiß wieviele es wären, so wäre die Impfeinführung ausgeblieben.

Abgesehen von den Abertausenden, welche auf dem Weg zu einer ausgereiften Immunität ihr Leben gelassen hätten. (was ich für völlig absurd halte, erste Berichte über Masern sind auf das 7.Jahrhundert zurückzuführen, zumindest aber ab dem 11-12. Jahrhundert zuzuschreiben). Selbstverständlich sank die Mortalitätsrate hinsichtlich der Masern im Laufe des medizinischen Fortschrittes, besserer Sanitäranlagen und Hygienebedingungen etc.pp. Aber jenes darauf zurückzuführen, dass wir immunologisch auf dem Weg zu einer ausreichenden Immunität gewesen sind, sind halt wieder nicht belegbare und haltlose Behauptungen, welche sich lediglich auf damalige Zählungen stützen - nicht mehr und nicht weniger.


Und ganz wichtig: der medizinische Fortschritt erlaubt es auch zunehmend, Babies zu retten, welche zu damaligen Zeiten keinerlei Chancen auf ein Überleben gehabt hätten. Man denke nur mal an die Extremfrühchen. Jedes 10. Baby ist laut Statistik ein Frühchen. Wieviele von Ihnen sind extreme Frühchen ohne Nestschutz? Wieviele von Ihnen mit unzureichendem Nestschutz? Wieviele Babies kommen krank zur Welt oder müssen sich ins Leben kämpfen? Ja diese zahlreichen Babies hätte es damals gar nicht erst gegeben, somit stehen solche Kinder auch nirgends in irgendwelchen FAllzahlen/Zählungen/Statistiken.
Was wäre mit den Abertausenden toten Babies dieser Welt, welche ohne Impfungen/Herdenimmunität kaum eine Chance hätten?
Impfgegner argumentieren sehr gerne damit, dass die Letalitätsraten unmittelbar vor der Impfeinführung so niedrig waren wie nie zuvor und die Impfeinführung somit nachweislich verzichtbar/unnötig gewesen wäre. Hierfür nutzen diverse Seiten nur zu gerne selektierte Zahlen (selektierte Region/Land und selektierter Jahrgang - anderweitige Listen/Zahlen werden schlichtweg ignoriert). Es wird vollkommen ignoriert, dass es stets Wellen/Auf- und Abs hinsichtlich der Letalitätsraten hinsichtlich des Masernvirus gab und zudem der geschichtliche/politische Hintergrund stets großen Einfluss nahm woran die Menschen „offiziell“ verstorben waren. So war der eine Jahrgang mit sehr wenigen Maserntoten (SSPE mal ausgenommen) und der Jahrgang zuvor dafür umso höher und in einer Region/Land zwar niedrig, dafür aber in der Nachbarregion/Land umso höher. UK wird hier bspw sehr gerne aufgelistet. Weltkriege mal außen vor.

Was ich damit sagen möchte: selbst wenn der Mensch tatsächlich (global!!) in der Lage dazu gewesen wäre, langfristig ausreichenden Immunschutz gegen diesen Virus zu entwickeln, so wäre es ein mit Särgen bespickter Weg dorthin gewesen und wäre bis heute nie und nimmer erreicht worden. Der Mensch entwickelte jedoch ein „Mittel“ (versimplifiziert) um genau das zu vermeiden/verhindern und wäre damit schon längst dazu in der Lage, den Virus ein für alle Mal auszurotten.

Die erreichte Eradikation konnte aber nirgends standhalten (=> Bspl USA - Impfquoten!!) zusätzlich erschwert durch die Globalisierung bei einem der hochansteckendsten Infektionskrankheiten (Kontagiositätsindex von 0,98 - nahezu 1) der Menschheit.

Für mich sind diese leidigen Impfdiskussionen mit absoluten Impfgegnern, wie Diskussionen darüber was zuerst da war: das Huhn oder das Ei - ganz nach dem Motto: Hätte-Hätte-Fahrradkette. Denn Fakt ist, dass wir recht zügig dazu in der Lage wären, gemeinsam Masern auszurotten. Wären dazu alle bereit (nichtimpfbare Menschen könnte man hierbei mühelos mittragen - 5%!) um dieses Ziel zu erreichen.

Schönen Tag noch, Sheila

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Jörg75
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Re: Open petition für individuelle Impfentscheidungen

Beitragvon Jörg75 » 28.04.2019, 12:27

Moin,
* anja * hat geschrieben:
Jörg75 hat geschrieben:
Im übrigen bin ich nicht für eine Impfpflicht - die finde ich zu "platt". Ich halte es da eher mit den Varianten:
- oder noch besser, ich verknüpfe den Bezug von Kindergeld und Kinderfreibetrag mit der Impfung nach StiKo. Wer nicht impfen will, verzichtet dann eben auf Kindergeld und Kinderfreibetrag. Das machen übrigens die Australier so.


Diese Variante wäre mal wieder ein Gesetz für Reiche. Wer es sich leisten kann, "kauft" sich frei, indem er auf das Kindergeld verzichtet, sich eine teure Privatkita leistet, ein Elternteil zu Hause bleibt....
Die Mittelschicht, die es sich nicht leisten kann, muss eben impfen.

nein, mein eigentlicher Ansatz ist dabei ein anderer. Ich gehe davon aus, dass die fanatischen Impfgegner, die impfen um alles in der Welt ablehnen, lieber auf das Kindergeld verzichten als impfen zu lassen, egal, was es sie kostet.
Bisher gehen die meisten Statistiken davon aus, dass ein nicht unwesentlicher Teil der fehlenden Impfungen auf "Vergessen" und "aus dem Blick geraten" beruhen - vor allem bei den Auffrischungen und Wiederholungen. Und genau dort setzt die Verknüpfung zwischen Sozialleistungsbezug und Impfstatus an! Wenn es mir das Kindergeld sichert, dann werde ich die (ohne bösen Willen) sonst vergessenen oder aus dem Blick geratenen Auffrischungen spätestens dann machen, wenn es "ans Geld geht".
Im Australien hat diese Verknüpfung übrigens nach meinen Wissen gerade bei den Auffrischungen zu erheblichen Steigerungsraten geführt.

Gruß
Jörg

PS: Auch bei meinen Modellen würde ich übrigens Ausnahmen aus medizinischen Gründen immer vorsehen! Die wären auch kein großes Problem, weil die über die Herdenimmunität "aufgefangen" werden.
K., *2013, Extremfrühchen (27. +3 SSW), ICP, GdB 100 G aG H B, PS II+/ PG 4
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Re: Open petition für individuelle Impfentscheidungen

Beitragvon Angela77 » 28.04.2019, 22:30

Hallo Jörg,

Jörg75 hat geschrieben:Moin,
* anja * hat geschrieben:
Jörg75 hat geschrieben:
Im übrigen bin ich nicht für eine Impfpflicht - die finde ich zu "platt". Ich halte es da eher mit den Varianten:
- oder noch besser, ich verknüpfe den Bezug von Kindergeld und Kinderfreibetrag mit der Impfung nach StiKo. Wer nicht impfen will, verzichtet dann eben auf Kindergeld und Kinderfreibetrag. Das machen übrigens die Australier so.


Diese Variante wäre mal wieder ein Gesetz für Reiche. Wer es sich leisten kann, "kauft" sich frei, indem er auf das Kindergeld verzichtet, sich eine teure Privatkita leistet, ein Elternteil zu Hause bleibt....
Die Mittelschicht, die es sich nicht leisten kann, muss eben impfen.

nein, mein eigentlicher Ansatz ist dabei ein anderer. Ich gehe davon aus, dass die fanatischen Impfgegner, die impfen um alles in der Welt ablehnen, lieber auf das Kindergeld verzichten als impfen zu lassen, egal, was es sie kostet.
Bisher gehen die meisten Statistiken davon aus, dass ein nicht unwesentlicher Teil der fehlenden Impfungen auf "Vergessen" und "aus dem Blick geraten" beruhen - vor allem bei den Auffrischungen und Wiederholungen. Und genau dort setzt die Verknüpfung zwischen Sozialleistungsbezug und Impfstatus an! Wenn es mir das Kindergeld sichert, dann werde ich die (ohne bösen Willen) sonst vergessenen oder aus dem Blick geratenen Auffrischungen spätestens dann machen, wenn es "ans Geld geht".
Im Australien hat diese Verknüpfung übrigens nach meinen Wissen gerade bei den Auffrischungen zu erheblichen Steigerungsraten geführt.

Gruß
Jörg

PS: Auch bei meinen Modellen würde ich übrigens Ausnahmen aus medizinischen Gründen immer vorsehen! Die wären auch kein großes Problem, weil die über die Herdenimmunität "aufgefangen" werden.


Mit diesem Modell könnte ich super leben, sofern die "Ausgleichzahlungen" sozial so gestaffelt sind, dass sie zwar "weh tun", aber nicht existenzgefährdend sind, wenn es keine (sehr offensichtliche!) medizinische Ausnahme gibt! Warum sollte man, wenn man aus individuellen Bedenken heraus schon nicht impft, nicht wenigstens einen finanziellen Beitrag leisten, dass gesamtgesellschaftlich- z.B. durch ein kostenintensives Impfregister - die Impfquote steigt? Eine solche Petition hätte ich sogar wesentlich lieber unterschrieben als die oben genannte - und nein, wir sind alles andere als Großverdiener ;)

Danke für deine Erklärungen zum Trolley-Effekt. Und dass man auf "getarnte" Impfgegner in der eigenen Familie - erst recht, wenn man ein Extremfühchen ohne Nestschutz hat - sehr allergisch reagiert, kann ich ich VÖLLIG nachvollziehen. Wahrscheinlich hätte ich mir "die ganz Bande" so lange vom Hals gehalten, bis mein Kind "sicher" gewesen wäre!

Warum hältst du es eigentlich für so abwegig, dass der Richter wirklich nicht wollte, das der Fall in die Stastik kommt? Vielleicht war er in dem moralischen Dilemma, klar zu erkennen, dass mir eine Entschädigung zusteht, aber auch zu wissen, das solche Urteile ein "gefundenes Fressen" für Impfgegner sind? Andere Aspekte (Entmutigung andere Anspruchsberechtiger) waren ihm hingegen vielleicht gar nicht bewusst, da er ja die Perspektive des Impfopfers nicht kennen kann?

@Sheila: Auch deine Gedankengänge kann ich völlig nachvollziehen! Ich würde mir allerdings von den "Impfeuphorikern" auch wünschen, dass Risiken und Nebenwirkungen der Impfungen wirklich besser erforscht würden. Jedes Medikament hat Risiken und Nebenwirkungen - und dennoch mnehmen die meisten Menschen immer wieder Medikamente. Dennoch funktioniert eine individuelle Nutzen-Risiko-Abschätzung nur, wenn die Risiken möglichst genau bekannt sind. Und da gibt es tatsächlich bei Impfungen auch noch Nachholbedarf. In der Summe würde ich dir aber durchaus zustimmen, dass die "Argumente" bzw. die Verkürzungen der Realität der harten "Impfgegner" die WEITAUS größeren Risiken bergen.

@all: Ich hoffe jetzt einfach mal, dass die Probleme, die ICH mit Ärzte bezüglich der Anerkennung meines Impfschadens hatte, hauptsächlich deswegen aufgetreten sind, weil der Schaden ja schon da war. Sprich: Man wollten vielleicht nicht, dass der Kollege dann hinterher eventuell noch einen Arthaftungsprozess an den Hals kriegt oder fühlte sich unbewusst auf der psychologischen Ebene in seiner Sicherheitsillusion ( Wenn es wirklich Impfschäden gibt, dann kann es ja auch mich,meine Patienten oder meine Kinder unverhofft treffen. Also darf es so was nicht geben.) bedroht. Dieses "Blaming the victim" kennt man ja auch aus anderen Zusammenhängen, z.B. wenn an Stammmtischen argumentiert wird, dass Frauen an einer Vergewaltigung selbst schuld sind, weil der Rock zu kurz war oder was auch immer .... (Dieses Blaming the Victim setzt übrigens oft ein zweites Trauma. Man hat schon einen irreperablen Schaden (der mit Geld nicht aufzuwiegen ist - und dann ist man aus Sicht des Umfeldes auch noch selbst schuld!)

Möglicherweise tun sich Ärzte ja psychologisch leichter, ein Kind von der Impfung frei zu stellen. Das ist schließlich ja noch nichts passiert und wenn das Kind eine Infektion bekommt, dann sind die Eltern "selbst" schuld - sie haben ja um die Freistellung gebeten!

Liebe Grüße und danke nochmal für Eure und auch die Beiträge der anderen User! Perspektivenerweiterung ist ja niemals schlecht!
LG
Angie, mal wieder zu müde zum Korrigieren
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grace
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Re: Open petition für individuelle Impfentscheidungen

Beitragvon grace » 29.04.2019, 00:04

Hallo,

Ich habe mal zufällig gelesen das es anscheinend Test gibt die man vor dem impfen machen kann um zu sehen ob das Kind schlecht oder allergisch auf den Impfstoff reagiert. Wisst ihr da Näheres, oder war das nur ein Fake?

Könnte man denn eventuell solche Tests entwickeln damit Impfschäden immer unwahrscheinlicher werden?

LG

Grace

MarinaH
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Re: Open petition für individuelle Impfentscheidungen

Beitragvon MarinaH » 29.04.2019, 09:57

Hallo!

Impfschäden vorherzusagen halte ich für unmöglich, dazu sind sie zu komplex. Es gibt gewisse Risiken, die man kennt und abschätzen kann- so wird z.B. ein Allergiker möglichst nicht mit Impfstoffen geimpft, die Hühnerweiweiß enthalten- andere sind nicht bekannt.
Generell muss man unterscheiden zwischen einer Wirkung des Impfstoffes selbst und indirekten Wirkungen. Ein direkter Schaden wäre z.B. eine Vergiftung durch Inhaltsstoffe oder eine Erkrankung durch das Impfvirus. Indirekt sind z.B. Autoimmunerkrankungen, die durch eine Impfung getriggert werden. Hierbei schädigt nicht der Impfstoff selbst- der war nur der Auslöser- sondern das Immunsystem des Patienten. Ob man dann die Autoimmunerkrankung als Impfschaden bezeichnen kann ist sehr schwer zu entscheiden, schließlich hätte sie genausogut durch etwas anderes, wie eine Infektionskrankheit, Stress oder Hormone ausgelöst werden können. Man weiß auch nicht, ob der Impfling eine Veranlagung für solche Krankheiten hat.
Impfschäden- auch der Verdacht darauf- müssen gemeldet werden. Sind viele Nebenwirkungen bekannt, wird auch mal etwas unternommen. Der Pertussisimpfstoff ist überarbeitet worden, auch die Polio- Schluckimpfung wurde inzwischen verlassen. Immer wieder wird auch ein impfstoff kurzfristig vom Markt genommen, weil Nebenwirkungen beobachtet wurden- meist war es falscher Alarm und die Impfstoffe werden wieder eingesetzt. Impfstoffe werden also regelmäßig geprüft. Hundertprozentige Sicherheit gibt es allerdings nie, leider.
Ich finde es sehr schwer für Eltern, eine Entscheidung für oder gegen das Impfen zu treffen. Verläßliche Informationen zu finden ist schwer, und man glaubt auch meist dem, was einem gefällt. Letzlich muss der Staat (irgendwo auch wieder wir) eine Entscheidung treffen, die das Risiko eines Impfschadens und einer Erkrankung gegeneinander abwägt. Ganz schön schwer, denn bei guter Durchimpfung geht das Krankheitsrisiko gegen null! Es besteht jetzt schon ein öffentliches Interesse an Impfungen, weswegen der Staat auch für Impfschäden aufkommt (das ist nämlich sonst bei medizinischen Maßnahmen nicht der Fall).
Interessant wäre noch die Frage, wer ein Kind von der Impfpflicht befreien könnte- der Kinderarzt hat sicher wenig Lust, von Impfgegnern diesbezüglich unter Druck gesetzt zu werden. Momentan reicht es ja noch, aufzuklären und dann den Eltern die Entscheidung zu überlassen.

LG Marina
Kinderärztin im SPZ

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Re: Open petition für individuelle Impfentscheidungen

Beitragvon Angela77 » 29.04.2019, 11:45

Hallo Marina,

ganz kurz, weil in Eile. Die Anlage zu Automimmnerkrankungen/Epilepsie muss natürlich da sein, aber die meisten Menschen nehmen diese Veranlagung mit ins Grab, ohne dass die Autoimmunerkrankung ausbricht. Eine genetische Dispostion ist auch KEIN Problem, die einer juristischen Anerkennung entgegenstünde!
Die Hepatitis B Infekiton ist dafür bekannt, in seltenen Fällen Autoimmunreaktionen auszulösen. Ergo muss das auch die Impfung können. Und wer weiß, vielleicht wäre ich nie mit HBV in Kontakt gekommen? Als noch mit Lebendimpfstoff gegen Polio geimpft wurde, gab es gan selten den gelähmten Arm als Impfkomplikation, was problemlos anerkannt wurde. Da war selbst dem Laien "auf den ersten Blick klar" was passiert ist. In meiner Impfschadensgruppe hatte ältere Frauen schon alle möglichen SLE-Risken wie Schwangerschaft, Pille, Sonnenurlaube überstanden, POHNE dass etwas passiert wäre.
Dann kamm der Trigger Hepatitis B- Impfung und innerhalb von 10 bis 14 Tage entsteht eine Autoimmunerkrankung. Da finde ich es zynisch zu sagen: Vielleicht wäre ja ein anderer Virus um die Ecke gekommen, der die Autoimmunerkrankung ausgelöst hätte. Zumal ein banaler Infekt (den esbei mir gar nicht gab) weniger Potenzial, eine Autoimmunreaktion auszulösen als HBV. Oder die zynische Reaktion eines Amtsarztes: Warum haben Sie sich denn auch impfen lassen? (Weil es öffentlich empfohlen war, was ein Amtsarzt ja wohl wissen wollten!. Und ich bleibe dabei, es könnte bessere Studien zu Impfschäden geben.
Marina, ich kann verstehen, dass du Gedanken machst, ob ein Kinderarzt von Impfgegner unter Druck gesetzt werden könnte. Aber der Kinderarzt kann NEIN sagen und es hat keine Konsequenz für ihn, außer dass er vielleicht einen Patienten verliert. Wenn ich aber an Ärzte gerate, die argumenieren, ich hätte meine Autoimmunerkrankung auch ohne Impfung bekommen und den Weg für eine Zwangsimpfung räumen, kann es für meine Kinder fatal werden. Mir ist schon bewusst, dass wenn mein Kind auf das Masern-Virus reagiert, dass sowohl auf die Impfung als auch auf die Infektion tut, das aber nicht unbedingt milder als bei einer Impfung. Aber ich meine Kinder haben die (große) Chance, die Masern nicht zu bekommen, v.a. wenn jetzt vermehrt geimpft wird.
Liebe Grüße
Angie
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Re: Open petition für individuelle Impfentscheidungen

Beitragvon Jörg75 » 29.04.2019, 13:16

Hallo Angela,
Angela77 hat geschrieben: Aber ich meine Kinder haben die (große) Chance, die Masern nicht zu bekommen, v.a. wenn jetzt vermehrt geimpft wird.

ja, das geht aber nur über die Herden-Immunität - also darüber, dass die anderen Kindern geimpft werden. Es kann nicht funktionieren, wenn zu wenig geimpft wird. Und genau DAS ist eines der Probleem, die ich mit dem habe, was unter "individueller Impfentscheidung" verhackstückt wird. Unter dem Schlagwort treffen sich viel zu viele Hardcore-Impfgegner.

Gruß
Jörg
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Re: Open petition für individuelle Impfentscheidungen

Beitragvon Angela77 » 29.04.2019, 14:07

Da stimme ich völlig zu, Jörg! Deswegen wäre mir dein Weg auch erheblich lieber, aber dafür gab es leider noch keine Petition. Studien sagen übrigens, dass es nur 1 bis 2% Hardcore Impfgegner gibt und gerade die würden vielleicht auch so weit gehen, Impfpässe zu fälschen, weil sie sich im Recht fühlen :icon_pale: :twisted: ...
LG
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Re: Open petition für individuelle Impfentscheidungen

Beitragvon * anja * » 29.04.2019, 14:59

[/quote]
nein, mein eigentlicher Ansatz ist dabei ein anderer. Ich gehe davon aus, dass die fanatischen Impfgegner, die impfen um alles in der Welt ablehnen, lieber auf das Kindergeld verzichten als impfen zu lassen, egal, was es sie kostet.
Bisher gehen die meisten Statistiken davon aus, dass ein nicht unwesentlicher Teil der fehlenden Impfungen auf "Vergessen" und "aus dem Blick geraten" beruhen - vor allem bei den Auffrischungen und Wiederholungen. Und genau dort setzt die Verknüpfung zwischen Sozialleistungsbezug und Impfstatus an! Wenn es mir das Kindergeld sichert, dann werde ich die (ohne bösen Willen) sonst vergessenen oder aus dem Blick geratenen Auffrischungen spätestens dann machen, wenn es "ans Geld geht".
Im Australien hat diese Verknüpfung übrigens nach meinen Wissen gerade bei den Auffrischungen zu erheblichen Steigerungsraten geführt.

Gruß
Jörg

PS: Auch bei meinen Modellen würde ich übrigens Ausnahmen aus medizinischen Gründen immer vorsehen! Die wären auch kein großes Problem, weil die über die Herdenimmunität "aufgefangen" werden.[/quote]

Hallo Jörg,

Ja diese Leute könnte man damit sicher erreichen. Wobei ich dann auch den Ansatz nicht schlecht finde das in der Schule angeboten wird zu impfen. Bei uns war das noch ganz normal und die gesamte Klasse wurde an diesen Tagen geimpft. Und wenn jemand an diesem Tag krank war so wurde es den Eltern zumindest bewusst, dass eine Impfung ansteht. Heute muss man ja schon auf Zack sein um bei seinen älteren Kindern an die Impfungen zu denken, man wird ja hauptsächlich bei den U- Untersuchungen darauf angesprochen.
Viele Grüße

Anja

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Re: Open petition für individuelle Impfentscheidungen

Beitragvon Angela77 » 31.05.2019, 17:21

Hallo zusammen,
da ich damals die Petiton verlinkt habe, verlinke ich nun auch nochmal die heutige Stellungnahme der Ärzte für individuelle Impfentscheidungen zum aktuellen Gesetzesentwurf von Jens Spahn:
https://www.individuelle-impfentscheidu ... leiner.pdf
Fall es jemand lesen mag, würde ich mich dessen ehrliche Wahrnehmung dazu interessieren,welche Argumentation Ihr - frei von jeglichen "Eigeninteressen" bezüglich des Eintretens bzw. der Vermeidung einer Impfpflicht - inhaltlich schlüssiger findet Das Gesetzesvorhaben von Jens Spahn oder die Erwiderung der Ärztegemeinschaft?
Interessierte Grüße
Angie
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