Nina (spastische diplegische Zerebralparese bei Z. n. Frühgeburt)

Hier könnt ihr euch und euer Kind bzw. eure Kinder vorstellen.

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Nina13
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Nina (spastische diplegische Zerebralparese bei Z. n. Frühgeburt)

Beitragvon Nina13 » 21.04.2019, 13:51

Hallo zusammen!

Nach langem Überlegen stelle ich mich hier auch mal vor:

Mein Name ist Nina, bin 20 Jahre und wohne im schönen Süden Deutschlands. Beruflich habe ich im Sommer 2018 die Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten (Arzthelferin) erfolgreich abgeschlossen und arbeite seit Oktober letzten Jahres als Halbtagskraft in einer hausärztlichen Allgemeinarztpraxis. Es macht mich glücklich, wenn ich Menschen helfen kann. Das erinnert mich immer daran, was die Ärzte damals bei mir alles getan haben, denn ohne Fachpersonal hätte ich wahrscheinlich nicht überlebt ...

Aber nun von Anfang an:

Meine Mutter ging in der 26. Schwangerschaftswoche mit vermeintlichen Bauchschmerzen zum Frauenarzt. Dort stellte sich aber heraus, dass es vorzeitige Wehen waren. Im nächstgelegenen Krankenhaus angekommen, entschieden sich die Ärzte für einen Notkaiserschnitt, in der Hoffnung, dass das die "bessere" Lösung für Mutter und Kind sei.

Um 20:48 Uhr erblickte ich mit nur 800 Gramm und 30 cm das Licht der Welt. Es folgte eine lange Zeit auf der Intensivstation mit Höhen und Tiefen. Ich musste intubiert und mit Sondennahrung versorgt werden. Kurz nach der Geburt bekam ich eine Hirnblutung. Nicht mal die Ärzte und ein Team aus Neonatologen wussten, wie später die Folgen sein werden.

Nach Monaten im Krankenhaus kam ich endlich nach Hause. Durch die Frühgeburt musste ich im Vergleich zu anderen, normal-geborenen Kindern einiges aufholen. Das Laufen lernte ich erst Ende des 2. Lebensjahres. Viele Therapien begleiteten mich bis zum Kindergarten und darüber hinaus:

- Ergotherapie
- Krankengymnastik nach Bobath / Vojta
- Hippotherapie
- Frühförderung

Ich bekam eine Brille, weil ich kurzsichtig bin und einen Nystagmus (Augenzittern) habe. Der Kinderarzt diagnostizierte außerdem eine Gangstörung, aufgrund einer spastischen diplegischen Zerebralparese der Beine und Gleichgewichtsprobleme.

2006 kam ich in eine Regelgrundschule, in der ich mich schnell wohlfühlte. Am Sportunterricht nahm ich trotz der Einschränkung teil. Bei der Benotung wurde aber darauf Rücksicht genommen. Mein Lieblingsfach war es nie. :wink: Ich sah schnell, dass die MitschülerInnen besser waren als ich, was ich damals noch nicht so richtig verstanden hatte. Hänselein gab es in diesem Alter noch nicht. Was ich nicht wusste: Das sollte sich aber später auf der höheren Schule ändern ... In der 2. Klasse wurde ich in den Sommerferien wegen dem Nystagmus am Auge operiert.

Vier Jahre später wechselte ich auf die Mittelschule. Da war nicht nur die Akzeptanz ein Problem, sondern auch räumliches Denken und das Erkennen von dreidimensionalen Formen in Mathematik. Mit einem Attest bekam ich zwei Jahre lang im Sport keine Noten, Kunst und Geometrie wurden jeweils nur zurückhaltend gewertet.

Mit der Hinsicht auf weitere Zeugnisse einigten sich die Lehrer und ich auf eine "Drei". Egal, wie ich mich im Sport anstrengte, ich kam durch die Spastik einfach nicht an die Leistung der anderen ´ran. :( Blöde Sprüche bekam ich auch zu hören, was mich oft sehr traurig machte.

In der letzten Klasse habe ich es dann aber allen gezeigt und schloss die Schulzeit mit einem Durchschnitt von 2,0 ab! Das lies mein Selbstvertrauen natürlich wachsen. :D

2016 war ich wegen dem Stottern lange in logopädischer Behandlung. Die dort erlernten Techniken kann ich nur leider nicht im Alltag anwenden, sodass ich weiterhin ein "Vermeidungs-Stotterer" bin. Die Angst vor negativen Reaktionen ist groß, da mich nicht mal meine Familie als Stotterer kennt. Letztes Jahr besuchte ich ein Seminar der Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe (Interessenvertretung stotternder Menschen). Dort konnte ich mich mit anderen Betroffenen austauschen und in der Gruppe am Sprechen arbeiten. Das hat mir so gut gefallen, dass ich mich dieses Jahr gleich wieder angemeldet habe.

Seit einigen Jahren leide ich an ständigen Schmerzen der Beine. Gegen Ende meiner Ausbildung ging ich zur Abklärung ambulant in eine Klinik, die auf orthopädische und neurologische Störungen spezialisiert ist und einen sehr guten Ruf hat. Dort wurde mir wieder KG nach Bobath bzw. Vojta verschrieben und Medikamente, diese die erhöhte Muskelspannung mindern sollen. Anfangs half es auch ganz gut und ich konnte endlich die Beine beim Laufen normal strecken. Leider hielt die Euphorie nicht lange an und nach 9 Monaten (!) "experimentieren" beendete ich die Einnahme, ohne langfristigen Erfolg.

Die Physio ist auch sehr schwierig, wenn die Muskeln vor lauter Spannung nicht locker lassen können und jede noch so kleine Dehnung schmerzhaft ist. Kommende Woche habe ich deshalb nochmal einen Termin in der Spezialklinik und hoffe, dass eine dauerhafte Besserung erreicht wird.

Danke an alle, die sich meine Vorstellung bis dahin durchgelesen haben!

Schöne Ostern wünscht Euch

Nina
Ich: Geboren im Februar 1999, ehemaliges Extremfrühchen (26. SSW, 800 g.), Z. n. Hirnblutung und Intubation, spastische diplegische Zerebralparese, Gangstörung (Kauergang), Gleichgewichtsprobleme, pathologischer Nystagmus, Kurzsichtigkeit, schielen, Redeflussstörung (stottern).

Meine Vorstellung: https://www.REHAkids.de/ftopic134719.html

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Callalina
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Re: Nina (spastische diplegische Zerebralparese bei Z. n. Frühgeburt)

Beitragvon Callalina » 21.04.2019, 17:41

Hallo Nina,

mit deiner Geschichte machst du vielen Mut hier :)
Man sieht, dass sich nicht immer alles bewahrheiten muss, was Ärzte sagen.
Glaube auch, dass man richtiger Förderung viel erreichen kann.
Mein Sohn ist auch 20, kommen auch aus dem schönen Bayern.

Finde es traurig, dass es in den Schulen noch immer so ist.
Denke, wenn es in Kindergärten schon gemischt wäre (gesunde und beeinträchtigte Kinder), dann würde es später gar nicht erst zu Hänseleien kommen.

Unserer Tochter merkt man auf Anhieb nichts an. Im Urlaub merken Kinder nach 2-3 Tagen, dass sie ein bisschen anders ist. Sie sprach 3 Jahre gar nicht und andere Kinder konnten überhaupt nicht verstehen warum sie nicht antwortet. Nach Polypen OP und Therapie Umstellung der Logo, sind wir jetzt auf einem sehr guten Weg. Sie quatscht den ganzen Tag, auch Fremde verstehen sie jetzt schon immer mehr.

Kinder können leider grausam sein.

Viel Erfolg nächste Woche in der Spezialklinik.
Das wichtigste ist, dass man zu Ärzten kommt die ihr Fach verstehen.

LG Callalina
7/12, Mikrodeletion 2p25.3, VED, entwicklungsverzögert, bald Prismenbrillen Trägerin, Kiss-Kidd Syndrom behandelt - endlich beschwerdefrei
"Jedes Kind ist etwas besonderes. Kinder sind wie Schmetterlinge im Wind... Manche fliegen höher als andere, doch alle fliegen so gut sie können. Jeder ist etwas besonderes. JEDER IST WUNDERBAR"

Sinale
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Re: Nina (spastische diplegische Zerebralparese bei Z. n. Frühgeburt)

Beitragvon Sinale » 21.04.2019, 19:02

Hallo Nina,

danke für die Vorstellung und willkommen bei REHAkids!

Schade, dass du nicht gänzlich vom Schulsport befreit worden bist, so wären dir Hänseleien sicherlich erspart geblieben!
Manche gleichartig Betroffene, die ich kenne, haben während des Sportunterrichtes der Klasse dann in einer anderen Klasse an einem anderen Fach teilgenommen, damit kein Neid der Mitschüler aufkam.
Viele Grüße
Sinale

Diagnose: Tetraspastik
Rollstuhlnutzerin

Nina13
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Re: Nina (spastische diplegische Zerebralparese bei Z. n. Frühgeburt)

Beitragvon Nina13 » 21.04.2019, 19:41

Callalina hat geschrieben:Hallo Nina,

mit deiner Geschichte machst du vielen Mut hier :)
Man sieht, dass sich nicht immer alles bewahrheiten muss, was Ärzte sagen.
Glaube auch, dass man richtiger Förderung viel erreichen kann.
Mein Sohn ist auch 20, kommen auch aus dem schönen Bayern.

Finde es traurig, dass es in den Schulen noch immer so ist.
Denke, wenn es in Kindergärten schon gemischt wäre (gesunde und beeinträchtigte Kinder), dann würde es später gar nicht erst zu Hänseleien kommen.

Unserer Tochter merkt man auf Anhieb nichts an. Im Urlaub merken Kinder nach 2-3 Tagen, dass sie ein bisschen anders ist. Sie sprach 3 Jahre gar nicht und andere Kinder konnten überhaupt nicht verstehen warum sie nicht antwortet. Nach Polypen OP und Therapie Umstellung der Logo, sind wir jetzt auf einem sehr guten Weg. Sie quatscht den ganzen Tag, auch Fremde verstehen sie jetzt schon immer mehr.

Kinder können leider grausam sein.

Viel Erfolg nächste Woche in der Spezialklinik.
Das wichtigste ist, dass man zu Ärzten kommt die ihr Fach verstehen.

LG Callalina


Hallo Callalina!

Ärzte sind manchmal skeptisch, was die spätere Entwicklung von zu früh geborenen Kindern angeht - aber nicht immer zu recht. Gerade, die einen schweren Start ins Leben hatten, überraschen dann mit Fortschritten, an die zuerst niemand glaubte. Sie sind eben vom ersten Tag an eine echte Kämpfernatur! :D Ich bin froh, dass ich damals entsprechend gefördert wurde. Sonst wäre die Abschlussprüfung vielleicht nicht so gut ausgefallen und ich wäre nicht Klassenbeste gewesen. Wer weiß?

Ich bin auch der Meinung, dass man schon ab dem Kindergartenalter gesunde und behinderte Kinder zusammenführen sollte. Dann entstehen in der Schulzeit keine Vorurteile, weil jemand z. B. anders läuft, nicht so schnell rennen kann oder beim Sprechen stottert, weil es einfach als "normal" angesehen wird.

Toll, dass Eure Tochter auf einem guten Weg ist. Ich wünsche Euch weiterhin Alles Gute!

Liebe Grüße

Nina
Ich: Geboren im Februar 1999, ehemaliges Extremfrühchen (26. SSW, 800 g.), Z. n. Hirnblutung und Intubation, spastische diplegische Zerebralparese, Gangstörung (Kauergang), Gleichgewichtsprobleme, pathologischer Nystagmus, Kurzsichtigkeit, schielen, Redeflussstörung (stottern).

Meine Vorstellung: https://www.REHAkids.de/ftopic134719.html

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Re: Nina (spastische diplegische Zerebralparese bei Z. n. Frühgeburt)

Beitragvon Nina13 » 21.04.2019, 19:57

Sinale hat geschrieben:Hallo Nina,

danke für die Vorstellung und willkommen bei REHAkids!

Schade, dass du nicht gänzlich vom Schulsport befreit worden bist, so wären dir Hänseleien sicherlich erspart geblieben!
Manche gleichartig Betroffene, die ich kenne, haben während des Sportunterrichtes der Klasse dann in einer anderen Klasse an einem anderen Fach teilgenommen, damit kein Neid der Mitschüler aufkam.


Hallo Sinale!

Eine komplette Befreiung vom Sport hielt damals meine Kinderärztin nicht für sinnvoll, da Bewegung an sich schon gut ist. Ich wurde ab der 7. Klasse nach meinen körperlichen Möglichkeiten bewertet. Z. B. beim Durchlaufen eines Parcours auf Zeit wurde bei mir gar nicht gestoppt, weil ich die Vorgabe nicht erfüllen konnte und deshalb eine schlechte Note bekommen hätte. Nach der Einigung auf eine Drei fielen der Druck und Frust weg, wenn meine Koordination und die Beine mal wieder nicht so wollten, wie ich und deshalb die Übung nicht funktionierte. Weil ich wusste, dass es immer auf dasselbe, für mich gute Ergebnis, hinauslief, brauchte ich mich nicht mehr so anzustrengen und lies beim Zirkel auch mal gern Hindernisse aus. Davon erzählte ich nicht der ganzen Klasse, sondern nur guten Freunden, bei diesen ich wusste, sie nehmen mich so, wie ich bin und hänseln mich wegen dem "Freibrief" nicht. Ich wollte ja kein Leistungssportler werden ... :wink:

Liebe Grüße

Nina
Ich: Geboren im Februar 1999, ehemaliges Extremfrühchen (26. SSW, 800 g.), Z. n. Hirnblutung und Intubation, spastische diplegische Zerebralparese, Gangstörung (Kauergang), Gleichgewichtsprobleme, pathologischer Nystagmus, Kurzsichtigkeit, schielen, Redeflussstörung (stottern).

Meine Vorstellung: https://www.REHAkids.de/ftopic134719.html

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Re: Nina (spastische diplegische Zerebralparese bei Z. n. Frühgeburt)

Beitragvon Callalina » 21.04.2019, 21:16

Hallo Nina,

mein großer war auch ein Frühchen bei 34/0. Zum Glück alles OK, er musste nur auf der Kinder Intensiv bleiben bis er die 2500g erreicht hatte. Er brauchte auch keinerlei Förderung.
Hätte ihn damals gerne in eine gemischte Gruppe in den Kiga geschickt, damit er es als normal ansieht, jeder ist gut so wie er ist.
Er war und ist schulisch nicht so ehrgeizig wie du. Vielleicht hat dich dein Handicap zu Höchstleistungen angetrieben :)
Neben guten Förderungen ist das wichtigste der eigene starke Wille.

Zum Thema Sport. Der Grundgedanke etwas Bewegung schadet nicht stimmt generell schon, doch wissen Ärzte oft nicht welche Seelen Qualen man dem Kind damit antut. Darum sehe ich es so wie Senale.

Wir wollen unsere Kleine inklusiv beschulen lassen mit abgespecktem Ziellehrplan. Sie macht schon ihr Ding, hat aber ihr eigenes Tempo.
Ab der 3. Klasse wenn der Druck bei den anderen steigt wegen Übertritt, kann das durchaus zu Neid der anderen führen. Lass es jetzt mal auf uns zukommen, wer mit wem in der Klasse ist. Denn wichtig sind einfach die Eltern, die ihren Kids vermitteln warum das so ist und das nicht noch zusätzlich anheizen.

Alles wird irgendwie.... du bist ein sehr gutes Beispiel :)

Wünsche dir auch alles Gute und viel Erfolg nächste Woche in der Spezialklinik.

LG Callalina
7/12, Mikrodeletion 2p25.3, VED, entwicklungsverzögert, bald Prismenbrillen Trägerin, Kiss-Kidd Syndrom behandelt - endlich beschwerdefrei
"Jedes Kind ist etwas besonderes. Kinder sind wie Schmetterlinge im Wind... Manche fliegen höher als andere, doch alle fliegen so gut sie können. Jeder ist etwas besonderes. JEDER IST WUNDERBAR"

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Re: Nina (spastische diplegische Zerebralparese bei Z. n. Frühgeburt)

Beitragvon Nina13 » 22.04.2019, 11:52

Callalina hat geschrieben:Hallo Nina,

mein großer war auch ein Frühchen bei 34/0. Zum Glück alles OK, er musste nur auf der Kinder Intensiv bleiben bis er die 2500g erreicht hatte. Er brauchte auch keinerlei Förderung.
Hätte ihn damals gerne in eine gemischte Gruppe in den Kiga geschickt, damit er es als normal ansieht, jeder ist gut so wie er ist.
Er war und ist schulisch nicht so ehrgeizig wie du. Vielleicht hat dich dein Handicap zu Höchstleistungen angetrieben :)
Neben guten Förderungen ist das wichtigste der eigene starke Wille.

Zum Thema Sport. Der Grundgedanke etwas Bewegung schadet nicht stimmt generell schon, doch wissen Ärzte oft nicht welche Seelen Qualen man dem Kind damit antut. Darum sehe ich es so wie Senale.

Wir wollen unsere Kleine inklusiv beschulen lassen mit abgespecktem Ziellehrplan. Sie macht schon ihr Ding, hat aber ihr eigenes Tempo.
Ab der 3. Klasse wenn der Druck bei den anderen steigt wegen Übertritt, kann das durchaus zu Neid der anderen führen. Lass es jetzt mal auf uns zukommen, wer mit wem in der Klasse ist. Denn wichtig sind einfach die Eltern, die ihren Kids vermitteln warum das so ist und das nicht noch zusätzlich anheizen.

Alles wird irgendwie.... du bist ein sehr gutes Beispiel :)

Wünsche dir auch alles Gute und viel Erfolg nächste Woche in der Spezialklinik.

LG Callalina


Hallo Callalina!

Schön, dass bei Deinem Großen nach der Geburt alles okay war.

Durch die Hänselein im Sportunterricht hatte ich beim Abschluss den Ehrgeiz, zu zeigen, was trotz der Einschränkung in mir steckt. Mit dem guten Ergebnis habe ich damals alle überrascht. Keiner traute mir so etwas zu, weil ich all die Jahre recht schüchtern war. Im Gegensatz zu anderen musste ich viel mehr lernen und es dauerte etwas länger, bis ich manchen Stoff verstanden hatte. Besonders in Mathe - da gab es auch oft Tränen ...

Sinale und Du habt recht: Die Ärztin, die das Attest schrieb, machte sich damals scheinbar keinen Kopf darüber, ob durch die "Bevormundung" nicht trotzdem ein Nachteil entstehen könnte. Wenn ich gewusst hätte, was auf mich zukommen würde und wie grausam Jugendliche sein können, hätte ich mich komplett befreien lassen. Aber im Nachhinein ist man meistens schlauer. :wink:

Ab der 3. Klasse war es wegen dem Übertritt auch ganz schlimm. Fast die ganze Klasse ging damals aufs Gymnasium. Wenn dann nur drei oder vier Kinder auf andere "niedrigere" Schulen gehen, steht man wie ein "Außenseiter" da. Viele Eltern haben einen doofen Spruch gebracht, weil sie dachten, ihre Kinder wären etwas "besseres". Letztendlich mussten einige nach nicht mal zwei Jahren wechseln, weil der Stoff zu schwer war.

Ich wünsche Euch für den richtigen Weg viel Erfolg! :D

Liebe Grüße

Nina
Ich: Geboren im Februar 1999, ehemaliges Extremfrühchen (26. SSW, 800 g.), Z. n. Hirnblutung und Intubation, spastische diplegische Zerebralparese, Gangstörung (Kauergang), Gleichgewichtsprobleme, pathologischer Nystagmus, Kurzsichtigkeit, schielen, Redeflussstörung (stottern).

Meine Vorstellung: https://www.REHAkids.de/ftopic134719.html

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Re: Nina (spastische diplegische Zerebralparese bei Z. n. Frühgeburt)

Beitragvon Callalina » 24.04.2019, 23:16

Hallo Nina,

sobald man irgendein Handicap hat gibt es Hönseleien.
Verstehe nicht, dass sich daran bis jetzt noch nichts geändert hat.

Das mit deinem Ehrgeiz kann ich sehr gut nachvollziehen.
Hatte "ohne Beeinträchtigung" eine ähnliche Erfahrung in der Schule, doch mit dem Lehrer nicht mit Mitschülern.
In der Abschlussprüfung schrieb ich total unerwartet eine 2 :)

Da hast du Recht. Hinterher ist man immer schlauer.
Man verlässt sich auch zu oft auf Experten Rat und übergeht das eigene Bauchgefühl.

War dein Termin in der Spezialklinik schon?
Drücke dir ganz fest die Daumen.

LG Callalina
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Re: Nina (spastische diplegische Zerebralparese bei Z. n. Frühgeburt)

Beitragvon Nina13 » 25.04.2019, 16:32

Callalina hat geschrieben:Hallo Nina,

sobald man irgendein Handicap hat gibt es Hönseleien.
Verstehe nicht, dass sich daran bis jetzt noch nichts geändert hat.

Das mit deinem Ehrgeiz kann ich sehr gut nachvollziehen.
Hatte "ohne Beeinträchtigung" eine ähnliche Erfahrung in der Schule, doch mit dem Lehrer nicht mit Mitschülern.
In der Abschlussprüfung schrieb ich total unerwartet eine 2 :)

Da hast du Recht. Hinterher ist man immer schlauer.
Man verlässt sich auch zu oft auf Experten Rat und übergeht das eigene Bauchgefühl.

War dein Termin in der Spezialklinik schon?
Drücke dir ganz fest die Daumen.

LG Callalina


Hallo Callalina!

Ja, da hast Du leider recht. Zu den Lehrern bin ich oft gegangen, wenn mich die MitschülerInnen mal wieder geärgert haben. Dann hat es ein Standpauke gegeben und wenn sie außer Sichtweite waren, ging es weiter. :( Toll, dass Du in der Abschlussprüfung eine 2 geschrieben hast! :D

Danke fürs Daumendrücken. Ich habe einen Beitrag darüber geschrieben. Wenn Du Lust hast, kannst Du ihn hier lesen:

viewtopic.php?f=1&t=134754

Liebe Grüße

Nina
Ich: Geboren im Februar 1999, ehemaliges Extremfrühchen (26. SSW, 800 g.), Z. n. Hirnblutung und Intubation, spastische diplegische Zerebralparese, Gangstörung (Kauergang), Gleichgewichtsprobleme, pathologischer Nystagmus, Kurzsichtigkeit, schielen, Redeflussstörung (stottern).

Meine Vorstellung: https://www.REHAkids.de/ftopic134719.html

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Biancamit2
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Re: Nina (spastische diplegische Zerebralparese bei Z. n. Frühgeburt)

Beitragvon Biancamit2 » 25.04.2019, 19:09

Nina13 hat geschrieben:
Hallo Callalina!

Schön, dass bei Deinem Großen nach der Geburt alles okay war.

Durch die Hänselein im Sportunterricht hatte ich beim Abschluss den Ehrgeiz, zu zeigen, was trotz der Einschränkung in mir steckt. Mit dem guten Ergebnis habe ich damals alle überrascht. Keiner traute mir so etwas zu, weil ich all die Jahre recht schüchtern war. Im Gegensatz zu anderen musste ich viel mehr lernen und es dauerte etwas länger, bis ich manchen Stoff verstanden hatte. Besonders in Mathe - da gab es auch oft Tränen ...

Sinale und Du habt recht: Die Ärztin, die das Attest schrieb, machte sich damals scheinbar keinen Kopf darüber, ob durch die "Bevormundung" nicht trotzdem ein Nachteil entstehen könnte. Wenn ich gewusst hätte, was auf mich zukommen würde und wie grausam Jugendliche sein können, hätte ich mich komplett befreien lassen. Aber im Nachhinein ist man meistens schlauer. :wink:

Ab der 3. Klasse war es wegen dem Übertritt auch ganz schlimm. Fast die ganze Klasse ging damals aufs Gymnasium. Wenn dann nur drei oder vier Kinder auf andere "niedrigere" Schulen gehen, steht man wie ein "Außenseiter" da. Viele Eltern haben einen doofen Spruch gebracht, weil sie dachten, ihre Kinder wären etwas "besseres". Letztendlich mussten einige nach nicht mal zwei Jahren wechseln, weil der Stoff zu schwer war.

Ich wünsche Euch für den richtigen Weg viel Erfolg!

Liebe Grüße

Nina


Hi Nina,
Deine Geschichte liest sich wie die Fortsetzung der Geschichte meiner Tochter...
Frühchen bei 29+0, Hirnblutung, spastische Diplegie, gelaufen mit 2,5 Jahren, jetzt 4. Klasse Regelgrundschule, extrem Kurzsichtig, Matheschwäche. Die Klassenkameraden wechseln jetzt zu 80% aufs Gymnasium, die anderen aufdie Realschule, nur meine Tochterund noch ein Mädchen gehen auf die Werkrealschule.
Ich mache mit ständig Gedanken was wohl später mal beruflich möglich sein wird, mit Matheschwäche, langsamerem Lernen etc. Du hast mir jetzt tatsächlich viel Mut gemacht, Vielen Dank dafür

Grüßle
Bianca mit Sohn (2004, Skoliose, LRS) und Tochter (02.2009 Frühchen 29+0, ICP, PVL, spastische Diparese, und manch anderes) und zwei Sternchen *2003 *2008 fest im Herzen


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