Organspende- bald Pflicht?

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Silvia & Iris
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Re: Organspende- bald Pflicht?

Beitragvon Silvia & Iris » 04.04.2019, 07:42

Hallo Senem,

Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier wirklich jeder betroffen ist...
- vielleicht eine gewisse, gesunde Altersklasse - junge Menschen vor allem! - Aber ich denke, dass z. B. jene ab 50 Jahren gar nicht mehr so geeignet sind, da auch ihre Organe bereits gewisse Verschleißerscheinungen haben... - selbst Netzhaut und anderes...

- Ich bin mir auch sicher, dass bereits jene ausscheiden, die eine Dauermedikation brauchen, also bereits wirklich krank sind...

Jeden trifft das sicher nicht!
Und ja, bedenklich sehe ich das schon ein wenig, weil wenn da wirklich junge Menschen verunfallen, die vielleicht ein verwertbares Organ haben, welches gerade dringend gebraucht wird... - ob da nicht doch über Leben und Tod entschieden wird? - Vor allem, wenn dann ein hochrangiger Mensch das Organ braucht?

Aber werden deshalb nicht eh schon in China solche Experimente durchgeführt und Schweine mit Menschen gekreuzt um Organe zu züchten?
… seltsame Vorstellungen...
- wo sind die ethischen Grenzen?

nachdenklich
Silvia
Liebe Grüße
Silvia
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Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

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Anna-Alice
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Re: Organspende- bald Pflicht?

Beitragvon Anna-Alice » 04.04.2019, 08:04

Und ja, bedenklich sehe ich das schon ein wenig, weil wenn da wirklich junge Menschen verunfallen, die vielleicht ein verwertbares Organ haben, welches gerade dringend gebraucht wird... - ob da nicht doch über Leben und Tod entschieden wird? - Vor allem, wenn dann ein hochrangiger Mensch das Organ braucht?
Das ist ein "Schauermärchen", das in vielen Köpfen herumgeistert - aber es ist falsch!
Um überhaupt "organspendefähig" zu sein, muss der umumkehrbare Ausfall der gesamten Hirnfunktionen (der sogenannte "Hirntod") nachgewiesen werden - das geschieht durch zwei voneinander unabhängig durchgeführten Diagnosen (= zwei Ärzte müssen unabhängig voneinander zum gleichen Ergebnis kommen) nach einem genauen Protokoll. Bei kleinsten Zweifeln/Unterschieden in den Protokollen darf kein Hirntod diagnostiziert werden... die eventuell Organentnahme erfolgt dann wieder durch ein anderes Ärzteteam. Nachgelesen werden kann das z.B. hier: https://www.organspende-info.de/organ-u ... uf/hirntod
Wenn es so laufen würde, wie Du (und viele andere Menschen) es befürchten, dann gäbe es eher keinen Mangel an Spendeorganen....

Lillilukas
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Re: Organspende- bald Pflicht?

Beitragvon Lillilukas » 04.04.2019, 09:03

Hier in Österreich haben wir ja die Lösung die in D angestrebt werden soll, es gibt selbstverständlich eine zentrale Datenbank die abgefragt werden muss wenn eine Organspende im Raum steht. Zusätzlich gibt es Personengruppen wie z B Kinder bei denen in Gesprächen mit den Erziehungsberechtigten geklärt wird ob sie einverstanden sind- ist dies nicht der Fall wird das hier bei uns auch ohne einem hinterlegten Widerspruch selbstverständlich respektiert. Es gibt hier etliche Fortbildungen und Workshops die Ärzte und Pflegepersonal so schulen und ihnen dadurch einen Umgang mit Betroffenen ermöglichen, der es erlaubt - mit zeitlichen Abstand- in der Organspende und damit Menschen das Leben zu retten, einen Trost zu sehen.
Liebe Grüße

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Re: Organspende- bald Pflicht?

Beitragvon HollysAnne » 04.04.2019, 09:29

Hallo,

Wie man in den Medien liest und hört, könnte die Transplantationsquote noch besser sein, wenn die potenziellen Spender denn auch richtig untersucht würden. Das wird aber häufig nicht gemacht, weil es dafür nicht genug Geld gibt. Spender gibt es eigentlich gar nicht zu wenig. Insofern ist der Vorstoß schon wieder Symbolpolitik.

Ich möchte aber in dem Zusammenhang den Blick auf eine weitere Problematik lenken: Uns gehen die Antibiotika aus. Und ohne die brauchen wir über Transplantationen gar nicht mehr nachdenken. Diese Dokumentation https://www.arte.tv/de/videos/072494-00 ... -fighters/ kann einem echt Angst machen. Zumal mir, weil mein Kind ohne Antibiotika keinen Monat alt geworden wäre.

Liebe Grüße, Anne
Anne (*83, Logopädin) mit Holly (*3/2012) Abszess zerstörte 2. HW, heute Dystrophie, beinbetonte Spastik, Skoliose,u.v.m. Fröhliche Rollipilotin und meine größte kleine Heldin, Labertasche und Dramaqueen :)
There are still faint glimmers of civilisation in this barbaric slaughterhouse that was once called humanity.

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Re: Organspende- bald Pflicht?

Beitragvon Annileinchen » 04.04.2019, 09:34

Hm, ich habe einen Ausweis und dort angekreuzt, welcher Angehörige entscheiden soll.
Wir halten das für die beste Lösung (wahrscheinlich würde sowieso keine Entnahme medizinisch sinnvoll sein).
Mir ist nicht klar, wie das bei der Widerspruchslösung funktionieren soll. Das Ganze scheint eher eine Daten-Krake zu sein.
Würde ja reichen, wenn man beim Mitgliedsantrag bei der Krankenkasse befragt wird, sich entscheidet und diese Entscheidung auf der elektronischen Gesundheitskarte hinterlegt wird.

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Re: Organspende- bald Pflicht?

Beitragvon SimoneLeMo » 05.04.2019, 13:13

Ich finde die neue Regelung sehr sinnvoll.
Besonders, weil dann nicht die Angehörigen vor der Wahl stehen, sondern sich jeder selbst zu Lebzeiten darum Gedanken machen MUSS.
Und auch als potenziell selbst Betroffene, die ein Spenderorgan braucht (Herz, in hoffentlich sehr ferner Zukunft!!!). Mit Blutgruppe B positiv habe ich da leider nicht die besten Karten...

Ich habe einen Organspendeausweis seit meinem 18. Lebensjahr, bin bei der DKMS registriert und war in unregelmäßigen Abständen Blutspenderin.
Blut spenden darf ich jetzt auch ofiziell nicht mehr, wegen meiner Herzinsuffizienz und wegen der DKMS muss das im Einzelfall geprüft werden, wegen meiner Medikamente.

Sehr interessant finde ich auch den Ansatz, genmanipulierte Schweine zu züchten, deren Organe dann passend zum Spender sind und so das Risiko der Abstoßung minimieren. Herzklappen vom Schwein gibt es ja schon, die werden in der Regel besser vertragen und sind i.d.R. langlebiger als künstliche.
Liebe Grüße von

Simone *1973, dilatative Kardiomyopathie, linksventrikulär eingeschränkte Pumpfunktion
mit L.*02/2001, gesund und Pubertier *ächz*
und Mo, *07/2004, entwicklungsverzögert in Sprache und Motorik, LRS, AVWS

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Re: Organspende- bald Pflicht?

Beitragvon TimsMama2009 » 05.04.2019, 18:25

Hallo,
traurig ist, dass wir mal wieder zu unserem Glück gezwungen werden müssen - lt. Umfragen wären 85 % bereit zu spenden, aber nur 36 % haben einen entsprechenden Ausweis oder sich registrieren lassen. Kämen alle die in die Pötte, bräuchte es die Widerspruchslösung nicht, die übrigens in vielen Ländern praktiziert wird.

Jeder kann jederzeit in eine Situation kommen, wo er plötzlich ein Organ benötigt - dessen sollten wir uns alle bewusst sein.

Ich habe seit vielen Jahren einen Spenderausweis - sich auf irgendwelche Skandale zu berufen finde ich zu bequem gedacht.

Viele Grüße Nicole
Grüße von Nicole (*72) und Tim (*09), Lissenzephalie, Balkenagenesie, Erweiterung der Seitenventrikel, seit Febr. 2010 West-Syndrom (nicht anfallsfrei mit auffälligem EEG) und seit Nov. 2013 PEG - kann nicht sprechen, nicht laufen, nicht sitzen, nicht krabbeln - ABER unser Li-La-Launebär
unsere Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... 66#1229866
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Re: Organspende- bald Pflicht?

Beitragvon melly210 » 05.04.2019, 21:49

Ich bin aus Österreich, wir haben immer schon die Widerspruchsregelung, und ich finde das auch mehr als sinnvoll. Wie TimsMama schon geschrieben hat, die allermeisten sind bereit zu spenden, aber viele machen sich dennoch nicht die Mühe sich einen Ausweis zu besorgen. Da ist es erheblich besser den Spieß umzudrehen und diejenigen die es nicht wollen widersprechen zu lassen. Und ja, die engsten Angehörigen werden ohnehin auch nochmal befragt, speziell bei Kindern.

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Re: Organspende- bald Pflicht?

Beitragvon Laura Nitsch » 14.04.2019, 13:27

Hallo zusammen.

Ich bin seit 9 Jahren an der Dialyse, brauche also irgendwann eine neue Niere.
Ich finde es sehr gut, dass bald die Widerspruchslösung kommen soll.
Man kann ja trotzdem ankreuzen, dass man der Organspende WIDERspricht oder dass jemand anderes entscheiden soll, was nach dem Tod des Menschen passieren soll.
Mit der Organspende kann man bis zu 5 Menschen das Leben retten. Ich empfinde das als gute Tat und so kann man doch in Frieden gehen?
Ja, ich weiß, dass es Diskussionen über den sog. Hirntod gibt, die wird es auch weiterhin geben *augenroll*
Und ja, auch ich als Betroffene habe einen Ausweis.

LG,
Laura
Ich(10/88) Kloakenfehlbildung, inkompl. VAcTERl-Syndrom, caudales Regressionssyndrom, Sacrumdysplasie, Hysterektomie(12/06)Mitrofanoff-Stoma(08/08), chron. Nierenversagen, seit 3/10 dialysepflichtig
NTX-gelistet seit 24.3.14

Ihr lacht über mich, weil ich anders bin- Ich lache über Euch, weil ihr alle gleich seid.(K.Cobain)

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SonjaSo
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Re: Organspende- bald Pflicht?

Beitragvon SonjaSo » 14.04.2019, 17:25

Hallo,

laut den Medien soll es wohl bald Pflicht sein, das man zu einem Organspender wird!

Wie findet ihr das??

Ich finde das nicht in Ordnung! Denn ich möchte selbst entscheiden können, was mit meinen Organen geschehen soll.

Zum Glück gibt es die Möglichkeit, das man wiedersprechen kann.
Was findes du denn nicht ok?
Also du kannst doch entscheiden..entweder JA zur Spende, oder NEIN,also Widerspruch.
Die Regelung lässt ja beides offen,nur mit dem Unterschied,dass man aktiv werden muss,wenn man nicht möchte.Ich finde das gut,dass man nicht mehr nur meckern kann oder dagegen sein kann,also könnte man schon,aber man eben aktiv sein muss,um nicht als Spender in Frage zu kommen.
So viele Leben,die man retten kann..für mich ist das ein positiver Gedanke.
Sonja(*03/78)mit Chaos-Chefengel R.(*01/09).SSW 34+1,Mikrodeletion 2p 16.3,ASS und ADHS,Pflegegrad 5
"Normalität ist wie eine gepflasterte Straße,man kann gut drauf gehen, aber es wachsen keine Blumen drauf.
Vincent van Gogh


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