spezielle Krankenbeobachtung bei Selbstgefährdung?

In dieser Kategorie geht es um rechtliche Dinge, Fragen zur Krankenversicherung, Pflegegeld etc.

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Inga
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spezielle Krankenbeobachtung bei Selbstgefährdung?

Beitragvon Inga » 29.03.2019, 22:01

Hallo,
kann mir jemand sagen, was genau "spezielle Krankenbeobachtung" bei Behandlungspflege alles beinhaltet?
Bisher kenne ich dies nur bei schwerster Epilepsie, bei Beatmung oder schweren Allergien mit Atemstillständen usw.
Nun habe ich gehört, dass bei akuter Selbstgefährdung / Selbstverletzung dies auch verordnet werden könne.
Kennt das Jemand und noch besser, hat einer eine solche Verordung?

Gruß, Inga
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Nina13
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Re: spezielle Krankenbeobachtung bei Selbstgefährdung?

Beitragvon Nina13 » 29.03.2019, 23:20

Inga hat geschrieben:Hallo,
kann mir jemand sagen, was genau "spezielle Krankenbeobachtung" bei Behandlungspflege alles beinhaltet?
Bisher kenne ich dies nur bei schwerster Epilepsie, bei Beatmung oder schweren Allergien mit Atemstillständen usw.
Nun habe ich gehört, dass bei akuter Selbstgefährdung / Selbstverletzung dies auch verordnet werden könne.
Kennt das Jemand und noch besser, hat einer eine solche Verordung?

Gruß, Inga


Hallo Inga!

Ich kann Dir leider nicht sagen, was die "spezielle Krankenbeobachtung" beinhaltet, aber ich denke, dass die Krankenkasse bei Fragen rund um das Thema weiterhilft.

Alles Gute!

Liebe Grüße

Nina
Ich: Geboren im Februar 1999, ehemaliges Extremfrühchen (26. SSW, 800 g.), Z. n. Hirnblutung und Intubation, spastische diplegische Zerebralparese, Gangstörung (Kauergang), Gleichgewichtsprobleme, pathologischer Nystagmus, Kurzsichtigkeit, schielen, Redeflussstörung (stottern).

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Inga
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Re: spezielle Krankenbeobachtung bei Selbstgefährdung?

Beitragvon Inga » 30.03.2019, 06:47

Hallo Nina, bisher habe ich bei KK‘s so gut wie keine Beratung erlebt und erst recht nicht, wenn es um hohe Kosten geht. Zudem ist die KK von dem Betreffenden eine mit recht schlechten Ruf, kann aber leider nicht gewechselt werden.
Außerdem muss ja erst mal der Arzt eine solche Verordnung ausstellen und wenn er nicht möchte, weil er sowas nicht kennt und keine Zeit zum informieren hat...
Daher suche ich hier nach Infos, damit der Betreffenden damit dann den Arzt nach einer solchen Verordnung fragen kann und dann hoffentlich nicht direkt abgeschmettert wird.

Gruß, Inga
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Nina13
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Re: spezielle Krankenbeobachtung bei Selbstgefährdung?

Beitragvon Nina13 » 30.03.2019, 09:18

Inga hat geschrieben:Hallo Nina, bisher habe ich bei KK‘s so gut wie keine Beratung erlebt und erst recht nicht, wenn es um hohe Kosten geht. Zudem ist die KK von dem Betreffenden eine mit recht schlechten Ruf, kann aber leider nicht gewechselt werden.
Außerdem muss ja erst mal der Arzt eine solche Verordnung ausstellen und wenn er nicht möchte, weil er sowas nicht kennt und keine Zeit zum informieren hat...
Daher suche ich hier nach Infos, damit der Betreffenden damit dann den Arzt nach einer solchen Verordnung fragen kann und dann hoffentlich nicht direkt abgeschmettert wird.

Gruß, Inga


Hallo Inga!

Warum kann denn die Krankenkasse nicht gewechselt werden? Man hat doch freie Wahl, zu welcher KK man geht, oder ist das z. B. mit einer Pflegestufe anders?

Hast Du schon versucht, über den MDK an Infos zu kommen? Vielleicht ist der ja etwas kompetenter und kann sich mit den Ärzten austauschen ...

Liebe Grüße

Nina
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JanaSnow
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Re: spezielle Krankenbeobachtung bei Selbstgefährdung?

Beitragvon JanaSnow » 30.03.2019, 09:58

Hallo Inga,

ich meine mal von einer Arbeitskollegin gehört zu haben, dass sie ihren Mann (Hirntumor und dadurch stark Suizidgefährdet) über die Behandlungspflege betreuen ließ.
Er hatte mehrere Opertationen hinter sich und war dadruch "nicht mehr er selbst".
Voraussetzung für die ambulante psychiatrische Betreuung war wohl, dass die ärztliche Verordnung durch den Facharzt erfolgte. Der Hausarzt konnte da nichts ausrichten. Musste wohl vom Neurologen oder der Psychiatrie sein.

Leider arbeitet diese Kollegin nicht mehr bei uns, aber vielleicht kann Dir der betreuende Psychiater oder Neurologe weiterhelfen?

LG
Jana

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Nellie
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Re: spezielle Krankenbeobachtung bei Selbstgefährdung?

Beitragvon Nellie » 30.03.2019, 11:31

Hallo Inga,

ich denke, es geht auch darum, was dann gemacht werden muss. Aus dem " Rahmenvertrag gemäß §§ 132 und 132 a SGB V
zur Erbringung von häuslicher Krankenpflege und Haushaltshilfe"
Rahmenvertrag gemäß §§ 132 und 132 a SGB V
zur Erbringung von häuslicher Krankenpflege und Haushaltshilfe hat geschrieben:

Leistungsbeschreibung
Krankenbeobachtung, spezielle
  • Kontinuierliche Beobachtung und Intervention mit den notwendigen medizinisch-pflegerischen Maßnahmen
  • Dokumentation der Vitalfunktionen wie: Puls, Blutdruck, Temperatur, Haut, Schleimhaut
einschließlich aller in diesem Zeitraum anfallender pflegerischen Maßnahmen

Bemerkung
Die Leistung ist verordnungsfähig,
  • wenn mit hoher Wahrscheinlichkeit sofortige pflegerische/ärztliche Intervention bei lebensbe drohlichen Situationen täglich erforderlich ist und nur die genauen Zeitpunkte und das genaue Ausmaß nicht im Voraus bestimmt werden können oder
  • wenn über einen Zeitraum von mindestens 24 Stunden festgestellt werden soll, ob die ärztliche Behandlung zu Hause sichergestellt werden kann oder ob Krankenhausbehandlung erforderlich ist.
Die Verordnung ist nur begründet, wenn aufgrund schwerwiegender akuter Verschlechterung des Krankheitsverlaufs die Kontrolle der Vitalfunktionen erforderlich ist und erst aufgrund des über den gesamten Betrachtungszeitraum zu führenden Verlaufsprotokolls die ärztliche Entscheidung über die Notwendigkeit der Krankenhausbehandlung oder des Verbleibs zu Hause getroffen werden kann.
Die spezielle Krankenbeobachtung setzt die permanente Anwesenheit der Pflegekraft über den gesamten Versorgungszeitraum voraus.
Zur speziellen Krankenbeobachtung gehören auch die dauernde Erreichbarkeit der Ärztin oder des Arztes und die laufende Information der Ärztin oder des Arztes über die Vitalzeichen.


ich denke, das trifft es nicht genau, weil die Folge wohl eine behandlungspflegerische Tätigkeit und nicht Retten vor dem offenen Fenster oder der heißen Herdplatte oder sowas sein muss.

Die Beschreibung mit Selbstgefährdung passt besser zu den zusätzlichen Betreuungsleistungen wegen eingeschränkter Alltagskompetenz.

LG
Nellie
Linn *2004, schwerste Mehrfachbehinderung durch pontocerebelläre Hypoplasie Typ 2a (PCH 2a), Button, Epilepsie, Tracheostoma, nachts beatmet
A. *2009
Nicht behindert zu sein ist wahrlich kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das jedem von uns jederzeit genommen werden kann. (Richard von Weizsäcker)
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Re: spezielle Krankenbeobachtung bei Selbstgefährdung?

Beitragvon mariannna » 30.03.2019, 12:45

Hallo,

Ich denke, um wirklich zu verhindern, dass sich jmd verletzt oder Suizid begeht, muss man ihn schon auf eine geschlossene Station einweisen (und selbst da schaffen es viele noch!).
Auf so einer Station gibt es die Möglichkeit einer 1:1 Betreuung, wobei bei akuter Gefährdung auch eine 2. oder 3. Pflegeperson einzuberufen werden kann (ist leider manchmal wirklich nötig). Es gibt sogar Menschen, die leider nur durch zeitweise Fixierung davon abgehalten werden können, sich selbst zu verletzen ... Denn selbst mit Plastikbesteck oder mit normalen Alltagsgegenständenkann man sich wehtun :-(

Von einer ambulanten Pflegeperson kann man das mMn nicht erwarten und ist auch nicht Sinn von "Pflege".
Ansonsten müssten fast alle Borderliner eine Pflegestufe haben und zuhause unter 24Std-Überwachung stehen.

LG, Marianna

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Re: spezielle Krankenbeobachtung bei Selbstgefährdung?

Beitragvon JanaSnow » 30.03.2019, 15:02

Hallo Marianna,

bei dem Mann meiner Arbeitskollegin war es vielleicht etwas anders. Er wäre auf einer geschlossenen Station nicht gut aufgehoben gewesen. Er war nur teilweise nicht "bei sich". In lichten Momenten wäre eine geschlossene Station für ihn nicht gut gewesen. Es waren rein die Operartionen, die dazu führten, dass er manchmal nicht wusste, was er tat. Von daher war es einfach nur wichtig, dass ständig jemand bei ihm war und in Akutsituationen für ihn da war. Er war nicht aggressiv und man konnte ihn auch in diesen Situationen durchaus noch "lenken" - nur eben nicht alleine lassen. Vielleicht wurden ihm in solchen Situationen bestimmte Medikamente verabreicht, die nur examinierte Pflegekräfte verabreichen durften? Leider entzieht sich dies meiner Kenntnis.
Der Fall ist sicher nicht klassisch. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die "Beobachtung" - wenn seine Frau verhindert war - über die Behandlungspflege lief. Vielleicht ein Sonderfall?

Ich kann nun nicht vergleichen, ob das zu Ingas "Problem" bzw. Fragestellung passt. Selbstverletzendes Verhalten kann ja leider viele Ursachen und Ausprägungen haben genauso wie der Umgang damit. Sehr schade, dass diese "Fälle" im Rahmen der Behandlungspflege nich tdirekt benannt werden. Es geht immer nur um rein körperliche Dinge oder um Medikamentengabe.

Gruß
Jana

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Re: spezielle Krankenbeobachtung bei Selbstgefährdung?

Beitragvon Inga » 30.03.2019, 23:15

Hallo, also ein wenig konkreter. :D

Es geht um einen schwer geistig behinderten Menschen (Erwachsen, Entwicklungsstand ca. 1 Jahr).
Er ist NICHT aggresiv, verletzt sich nur selbst um sich selbst zu spüren. Beist tiefe Fleischwunden bis auf den Knochen, schluckt ein komplettes "Windeltuch" unter, ... Er ist schon mit jede Menge Schutzorthesen u.ä. ausgestattet, aber er findet immer wieder Wege sich zu verletzten.
Zudem rennt er ohne Unterlass. Man dreht sich einmal um und weg ist er. :shock: Rennt über Stock und Stein, einfach quer über die Strasse, durch Gewässer,...Er isst auch alles was erreichbar ist, Pflanzen, Pilze, Sand, Murmeln, halt alles war irgendwie klein genug zum Schlucken ist oder halbwegs zerkaubar...
Nach jahrelanger Suche steht fest, keine Einrichtung kann ihn nehmen, selbst mit dem Angebot vom Kostenträger, dass eine Zusatzkraft bewilligt würde, gibt es keine Einrichtung, die ihn aufnehmen kann.
Nun ist die Idee es mit einem PB zu versuchen. 24 h Fachkraft und zudem für Hauswirtschaft u.ä. eine Zweitkraft (man kann ja noch nicht mal ne WaMa befüllen, wenn man mit ihm alleine ist, geschweige denn kochen :? ) geht natürlich mega ins Geld, wären wohl deutlich über 20.000€. :icon_pale:
Daher die Überlegeung, ob es wohl auch mit einem Trägerübergreifenden PB in Kombi mit Behandlungspflege möglich wäre, so dass die Kosten auf 2 Schultern verteilt wären.

Lebensbedrohlich sehe ich da schon einiges: Ertrinken, Tot gefahren werden, Vergiftung, Verletzung der Speiseröhre, Darmverschluß durch Gegenstände, Infektion der Wunden,...

@ Nellie, mich irritiert der letzte Satz bei deinem Zitat etwas. Muß wirklich ein Arzt rund um die Uhr erreichbar sein? Irgendein Arzt, oder der Arzt, der die Verodnung ausgestellt hat?

Gruß, Inga
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Senem
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Re: spezielle Krankenbeobachtung bei Selbstgefährdung?

Beitragvon Senem » 30.03.2019, 23:32

Hallo Inga,

bei der Situation dieses jungen Mannes, wäre es da nicht besser für ihn in eine psychatrische Einrichtung unter zu bringen?? Dort ist geschultes Fachpersonal, die sich vielleicht auch mit solche speziellen Fällen auskennen.

Der junge Mann tut mir furchtbar leid! Ich frage mich, was bloß in ihm vorgeht und was er durchgemacht hat, das er so ist, wie er ist.
Gruß

Selbstbetroffen mit einigen Baustellen


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