Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 02.08.2019, 15:08

Hallo,

ich würde nach langer Erfahrung davon ausgehen, dass das Amt andere Auswahlkriterien hat als die jeweiligen Eltern, was der „beste“ Anbieter ist. Der beste Anbieter fürs Amt ist derjenige, der mit dem Amt am besten zusammenarbeitet, und mit dem die Maßnahme am günstigsten kommt. Als Eltern haben wir da ganz andere Kriterien, und sind auch viel näher an den Bedürfnissen des Kindes.
Ich fahre gut damit, unsere Fachleute grundsätzlich selber auszusuchen, wenn irgend möglich.


Ich wünsche Euch einen konstruktiven und erfolgreichen Termin am Montag. :-)

Grüße
Engrid
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Sophie-11
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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon Sophie-11 » 12.08.2019, 22:24

Hallo,

ein kurzes Update. Am Montag gab es einen ganz guten Austausch. Im Nachhinein vermute ich, dass unsere Sachbearbeiterin da tatsächlich ein wenig die Grenzen austestet, wie weit sie gehen kann, ohne dass es einen nachweisbaren Verfahrensfehler gibt. Jedenfalls wurde uns selbstverständlich unser Wahlrecht zugesichert, der Anbieter sei einfach derjenige von 5 Angefragten gewesen, der so kurzfristig eine Therapie anbieten konnte, weil sie gerade einen neue Kraft eingestellt haben. Alle anderen haben tatsächlich sehr lange Wartezeiten. Ich sehe jetzt keinen Grund, das anzuzweifeln, es bringt uns nur in die etwas unangenehme Lage, dass uns bei einer Ablehnung des Anbieters vorgeworfen werden könnte, wir täten das nur, weil wir lieber einen Schulbegleiter wollen (die Therapie wurde uns ja quasi als "Ersatz" für den abgelehnten Schulbegleiter angeboten).

Das Erstgespräch mit dem Anbieter wird nun in Anwesenheit von der Sachbearbeiterin stattfinden, nunja, wenn sie drauf besteht :roll: . Inzwischen bin ich ja schon gespannt, wie das Gespräch dann ablaufen wird. Es wird aber vom Anbieter auch nicht der/die Therapeut:in anwesend sein, sondern jemand "aus der Chefetage". Anschließend gibt es dann Treffen zwischen Therapeut und Familie ohne Amt.

Zu der Frage des Schulbegleiters, es gibt ja Fristen zum Widerspruch selber, aber bis wann muss man eigentlich die Begründung nachreichen? Könnte das Amt den Widerspruch ablehnen, bevor ich die Begründung eingereicht habe, wenn ich mir dazu zu viel Zeit lasse? Ich bräuchte dazu nur dringend Unterstüttzung von der Schule, erreiche aber jetzt in den Ferien niemanden :( .

Danke und LG!
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Michaela44
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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon Michaela44 » 12.08.2019, 22:58

Ich verstehe das nicht. Therapie ist doch kein Ersatz für eine Schulbegleitung. Welche Anbieter hat das JA denn angefragt? Anbieter für Schulbegleitungen oder für Therapie?

Es ist Aufgabe des Jugendamtes dafür Sorge zu tragen, dass die Bedarfe der Kinder erfüllt werden können. Sie müssen für ein ausreichend großes Angebot sorgen.

Auf mich wirkt es eher wie ein Kostensparmodell, denn eine Schulbegleitung ist deutlich teurer als Therapie!
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Sophie-11
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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon Sophie-11 » 13.08.2019, 09:39

Hallo Michaela,

ich denke auch, dass es sich hier vorrangig um einen Kostensparversuch handelt. Es ist etwas kompliziert geworden, weil wir so lange gezögert haben, eine Therapie zu beantragen bzw. da auch ein wenig ahnungslos waren, wie wir vorzugehen hätten. Nun schien uns aber erstmal der Schulbegleiter dringender, also haben wir zunächst den beantragt. Die Sachbearbeiterin hat daraufhin eine Teilhabebeeinträchtigung festgestellt, aber primär im Bereich Freizeit/Freunde, in der Schule sei die Beeinträchtigung nur mäßig. Daher wurde der Schulbegleiter abgelehnt, statt dessen aber eine Therapie vorgeschlagen. Da wir ja sowieso vorhatten, eine Therapie zu beantragen, haben wir dem zugestimmt. Allerdings in der Form, dass wir erneut einen Antrag gestellt haben, diesmal explizit auf Therapie, und außerdem gegen die Ablehnung des Schulbegleiters Widerspruch eingelegt haben. Ich sehe nach wie vor die Probleme primär in der Schule.

Uns wurde nun ein Anbieter für Autismustherapie vorgeschlagen, der recht kurzfristig einen Platz hätte, alle anderen haben lange Wartelisten.

Da aber die Sachbearbeiterin die Ablehnung des Schulbegleiters unter anderem auch damit begründet hat, dass die noch mäßigen, aber zunehmenden Probleme in der Schule durch die Therapie aufgefangen werden sollten, könnte man uns natürlich vorwerfen, dass wir die Therapie absichtlich verzögern wollen, um den Schulbegleiter zu erzwingen, wenn wir diesen Anbieter ablehnen. Aber möglicherweise mache ich mir da auch nur zu viele Gedanken :oops: .


Ohne nerven zu wollen, aber weiß jemand, wie das mit der zeitlichen Verzögerung der Begründung des Widerspruchs aussieht? Können wir da Probleme bekommen, kann der Widerspruch abgelehnt werden, wenn es zu lange dauert, bis eine Begründung kommt?

Danke und LG!
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Beitragvon Engrid » 13.08.2019, 09:46

Hallo,

das mit den Fristen kannst Du zb über die Forumssuche ausbuddeln, wenn aktuell niemand da ist, der es weiß.

Mir ist aber noch was anderes aufgefallen:
Die Sachbearbeiterin hat daraufhin eine Teilhabebeeinträchtigung festgestellt, aber primär im Bereich Freizeit/Freunde, in der Schule sei die Beeinträchtigung nur mäßig.
Ihr müsst also die schulische Teilhabebeeinträchtigung besser und solider begründen, fachlich, schulisch, ...

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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon karya » 13.08.2019, 11:07

Hallo!

Ich klinke mich nun doch einmal kurz hier ein.
Seit einigen Wochen lese ich hier still mit und bin erstaunt, wie festgefahren die Situation ist und wie schlecht die Erfahrungen anderer mit den Jugendämtern ist. Toi toi toi, wir haben unheimlich viel Glück mit unserem Sachbearbeiter. Es ist ein respektvolles, offenes und gutes Miteinander wo die Belange unseres Kindes und uns als Familie im Fokus stehen. Das was möglich ist wird uns ermöglicht. Egal. Daher schreibe ich gar nicht.

Sopie-11, zu deiner aktuell konkreten Frage wegen der Frist würde ich dem Amt eine E-Mail schreiben und fragen, bis wann und in welcher Form deine Begründung eingegangen sein muss. Im Idealfall erhälst du eine schriftliche Antwort und keiner kann im Nachhinein sagen, der Verwaltungsakt sei rechtlich falsch gelaufen und wäre damit nichtig.

Zur aktuellen Situation fällt mir nur ein, dass ICH persönlich das Angebot der Therapie zunächst so annehmen und es ausprobieren würde. Du als Mutter wirst schon feststellen, wie gut oder schlecht die Therapie ist. Somit zeigst du dem Amt gegenüber guten Willen! Mit der hoffentlich dann guten Therapieeinrichtung könnt ihr gemeinsam überlegen, wie es schulisch weiter geht. Sie können euch dann sicher bei der Beantragung der Schulbegleitung weiter helfen, wenn bis dahin weiterhin die SB abgelehnt wird.

Ich wünsche euch ganz viel Glück und Erfolg im weiteren Verlauf.
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C. (04/07) "Grenzgänger" von Geburt an ☺️, Frühchen 31. SSW, Asperger Autist
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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon Sophie-11 » 14.08.2019, 19:58

Hallo und danke für die Rückmeldungen,

mittlerweile hat das erste Treffen mit Anbieter X (in dem Fall mit der Koordinatorin des für uns zutreffenden Standortes) stattgefunden. Ich fand es eigentlich recht positiv und vielversprechend. Nach meinem Eindruck arbeiten sie vor allem zielorientiert und praktisch, nicht mit theoretischen Konstrukten, in die das Kind dann hineingepresst wird. Im Groben läuft es so ab, dass (nach Kennenlernen und Beziehungsaufbau) dem Kind zunächst seine Einzigartigkeit und die Beeinträchtigungen durch den Autismus erklärt werden. Dann geht es in der Regel darum Gefühle erkennen und benennen zu lernen, unter anderem mit Computerprogrammen (das wird unserem Bildschirmjunkie gefallen :lol: ). Über Bilderkarten oder der Erstellung von Comics werden Perspektivwechsel und Verhalten in bestimmten Situationen geübt. Das Ganze soll dann aus dem geschützten Rahmen des Therapiezimmers nach draußen übertragen werden können. In der Zusammenarbeit mit dem Umfeld wird auch mit Visualisierungshilfen (z.B. TEACCH) gearbeitet.

Ich fand, dass das alles eigentlich ganz gut klang. Es wird offenbar auch wirklich auf die Besonderheiten jedes einzelnen Klienten eingegangen. Gefallen hat mir vor allem, wie sie ein paar Beispiele aus ihrer Praxis aufführte; es klang sehr respektvoll und wertschätzend gegenüber dem jeweiligen Kind.

Das erleichtert mich jetzt erstmal, ich denke, das können wir versuchen :D . Jetzt kommt es natürlich noch darauf an, ob es mit dem/der Therapeut:in stimmt.

Offenbar haben wir uns beim JA bzw. der Sachbearbeiterin einen gehörigen Respekt verschafft :lol: :oops: .Sie war immer sehr bemüht, uns zu versichern, dass wir ja das Wahlrecht haben usw. Beim Rausgehen sprach sie uns von sich aus auf die noch fehlende Begründung an, weil sie offenbar sichergehen wollte, dass wir ihr keinen Strick daraus drehen, dass sie den Widerspruch noch nicht bearbeiten konnte! Eigentlich wollte ich nicht als mit Paragraphen drohendes Monster erscheinen :oops: . Das ist jedenfalls wohl auch geklärt, nun bin ich etwas beruhigter.

Eine Kopie vom Schulbericht habe ich auch endlich erhalten, frage mich da aber wirklich, ob der eigentlich gelesen wurde :? . Meiner Meinung nach ist dort die Teilhabebeeinträchtigung gut beschrieben. Trotzdem kann es nicht schaden, das in der Widerspruchsbegründung nochmal besonders zu betonen. Möglicherweise bekommen wir auch noch Hilfe in Form eines JA-erfahrenen Korrekturlesers - das hoffe ich sehr.

Danke für die guten Wünsche und Unterstützung, bisher hat es gut geholfen :D ! Ich hoffe, ich kann auch ml irgendwann etwas davon zurückgeben.

LG!
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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon Michaela44 » 14.08.2019, 20:51

Das hört sich super an und freut mich für euch. Ein Therapieplatz ist selten so schnell zu bekommen. Und wenn dein Sohn zusätzlich einen Schulbegleiter benötigt, steht er ihm auch zusätzlich zu (war bei uns auch so). Es kommt immer auf das Kind an.

Hier noch zwei Argumente, dass ihr den SB JETZT braucht: es dauert, bis die Therapie greift und Erfolge zeigt, die in der Schule wirken, und: wenn man zu lange mit einer SB wartet und herumprobiert, ob es ohne geht, kann es zu Schulverweigerung oder zusätzlichen psychischen Problemen kommen.
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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon JennyK » 15.08.2019, 07:11

Ein wichtiges Argument für eine Schulbegleitung ist, dass das Kind sein Potenzial aufgrund der Behinderung nicht (angemessen) ausschöpfen kann.

Ich finde mich bei karya wieder, wir haben den Kontakt zum Jugendamt immer als sehr unterstützend und an der Problematik des Kindes orientiert erlebt.

Schön, dass Bewegung rein gekommen ist und so wie es sich anhört, wird bei Bedarf auch eine Schulbegleitung bewilligt. Viel Erfolg!
Sohn 1 (06), ADS und Asperger Autismus; PG 3; SBA 50 mit B, G, H
Sohn 2 (13), Asperger Autismus, leicht ausgeprägt

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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon Sophie-11 » 10.09.2019, 21:10

Hallo,

mal wieder ein kleines Update. Die Therapie soll diese Woche starten, bin ja mal echt gespannt. Ich glaube, der erste Termin wird vor allem aus meinen Fragen bestehen... Denn immer drängender wird die Frage nach dem Übergang in die Weiterführende Schule, die Schule hätte gerne ein AO-SF, auch weil das JA drauf besteht :roll: , und der Start ins neue Schuljahr war mehr als holprig, letzte Woche durfte ich ihn mal wieder wegen aggressiven Verhaltens vorzeitig abholen. Da hätte ich ja gerne unsere Sachbearbeiterin geschickt :twisted: .

Nun kam heute der Bescheid für die Therapie, und ich darf lesen, dass die Finanzierung maximal(!) bis Ende der Grundschulzeit gewährt wird :? . Klar weiß ich, dass der Bedarf immer wieder neu überprüft werden muss, aber das steht da auch noch mal extra drin, nämlich dass dafür das JA zuständig ist und das auch regelmäßig tun wird, dass ein neues fachärztliches Gutachten notwendig werden kann und dass die Hilfe auch schon vorher beendet werden kann. Es klingt, als wolle sie in den gerade mal 10 1/2 Monaten, für die die Hilfe gewährt wurde, -zig HPGs durchführen, die Therapie überwachen und als drohe uns ein ständiger Abbruch der Finanzierung - und vor allem, als wollen sie uns dann, wenn der Hilfebedarf am Größten werden wird, nämlich beim Übergang auf die weiterführende Schule, komplett alleine lassen :( . Ist das normal so, oder müssen wir damit rechnen, für jede Verlängerung erneut kämpfen zu müssen? Kann überhaupt verlängert werden, oder müssen wir dann schon wieder einen komplett neuen Antrag mit allem Pipapo stellen?

Eine gute Zusammenarbeit - das würde ich mir auch wünschen. Alle an einem Strang, zum Wohle des Kindes... Man wird doch wohl noch träumen dürfen :oops:

Danke an Euch trotz etwas gefrusteter Grüße!
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