Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

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Sophie-11
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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon Sophie-11 » 28.07.2019, 10:30

Danke für Deine Einschätzung, Heike. Selbstgefährdung liegt bei uns nicht vor, im Gegenteil. Mein Sohn trägt seine Probleme sehr nach außen. Aber die Fremdgefährdung ist dadurch gegeben, wobei natürlich schon die Frage ist, ab wann es tatsächlich eine Gefährdung ist. Sein Schubsen, schlagen, treten geschieht meistens nur mit wenig Krafteinsatz und es wurde auch noch kein Kind von ihm körperlich verletzt. Allerdings sind Dinge wie einen Magneten an den Kopf werfen mE schon grenzwertig bzw. gefährlich. Das ist aber auf jeden Fall ein Punkt, den ich mit den Lehrern noch mal genauer besprechen werde.

Falsch wurde in der Ablehnung auch dargestellt, er sei in der ersten Klasse kaum auffällig gewesen - dann hätten wir uns wohl kaum damals schon an das SPZ gewannt und die Diagnostik begonnen.

LG und danke nochmal!
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Sophie-11
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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon Sophie-11 » 29.07.2019, 15:16

Hallo,

offenbar hat unsere Sachbearbeiterin eine ganz andere Vorstellung von einem Kennlerngespräch als ich. Sie schrieb mir, dass sie unbedingt beim Erstgespräch dabei sein müsse und dass das JA sowohl Auftraggeber als auch Kostenträger sei. Außerdem wies sie auf unser Mitwirkungspflicht hin. Fragen unter vier Augen sollten erst im Hilfeverlauf möglich sein, zunächst müsse erst die Organisation geklärt werden und wir den Anbieter kennenlernen.

Wieso lief das offenbar bei Euch so anders als bei uns :roll: ? Sollen wir den Termin einfach erstmal wahrnehmen und sehen, wie das ganze abläuft und wie sie als Vertreterin des JA sich das vorgestellt hat? Ich weiß einfach überhaupt nicht, worauf das hinauslaufen soll, das verunsichert mich.

Würde mich freuen, wenn Ihr Eure Sicht dieser Entwicklung beitragen könntet. Irgendwie gefällt mir nicht, dass dieser Träger auch Hilfen zur Erziehung anbietet. Vielleicht bin ich da übertrieben misstrauisch, aber ich habe überhaupt nichts schriftliches in der Hand, was für Hilfen wir nun bekommen sollen, auch wenn bisher immer nur von § 35a die Rede war.

Danke und LG!

mod.edit: Beitrag auf Userwunsch geändert
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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon Sophie-11 » 29.07.2019, 15:45

Ich habe auch mal eine Antwort versucht, da meine diplomatischen Fähigkeiten aber sehr eingeschränkt sind :oops: , wäre es nett, wenn Ihr mal drüberschauen könntet:
Sehr geehrte Frau [...],

ehrlich gesagt bin ich ein wenig verwirrt. Warum kann das Kennenlernen nur mit Ihnen stattfinden? Geht es nicht darum, dass auch der/die Therapeut*in meinen Sohn erstmal kennelernt, um selber einen Überblick darüber zu gewinnen, welche Ansätze zielführend sein könnten, bevor die Hilfe genauer koordiniert und eingeleitet werden kann? Mir geht das ein bisschen zu schnell.

Wäre es möglich, dass sie uns auch schriftlich noch bestätigen, dass es um eine Autismustherapie im Rahmen von § 35a SGB VIII geht und nicht um eine Hilfe zur Erziehung nach § 27? Da X diese auch anbietet, möchte ich in der Hinsicht einfach nochmal sichergehen.

Selbstverständlich sind wir zur vollen Mitwirkung bereit, sonst hätten wir uns ja nicht an Sie gewandt. Aber im Antrag auf Eingliederungshilfe gemäß § 35a wurde auch auf unser Wunsch- und Wahlrecht nach § 5 SGB VIII hingewiesen. Es ist uns wichtig, dass unser Sohn eine passgenaue und wirklich hilfreiche Therapie erhält, ansonsten ist mehr Schaden als Nutzen zu erwarten. Auch aus diesem Grund wäre es auch noch interessant für mich, ob Sie bereits weitere Anbieter als X kontaktiert haben?
Das drückt meine momentanen Sorgen ganz gut aus, sollte aber vielleicht nicht so direkt geschrieben werden, oder :?:

IDie Therapeutin im SPZ hatte übrigens mal von X gehört, aber keine Erfahrungen damit.
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Re:

Beitragvon Regina Regenbogen » 29.07.2019, 15:49

Hast du diese Frage schon geklärt?
Finde mal heraus, nach welchen Therapieansätzen dort gearbeitet wird.
Offensichtlich will man euch doch in die Richtung Hilfe zur Erziehung schieben.

An deinem Schreiben finde ich jetzt nichts auszusetzen.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon Engrid » 29.07.2019, 16:05

Hallo,

das wäre jetzt der Moment, wo ich mir jemanden mit ins Boot holen würde, wo ich sehr vorsichtig aber gleichzeitig auch sehr klar werden würde.
Du willst und brauchst keine Hilfe zur Erziehung, sondern Dein Kind braucht wegen der seelischen Behinderung Eingliederungshilfe, und zwar in Form von Autismustherapie und in Form von Schulbegleitung.

Auftraggeber mit allen Konsequenzen und Rechten ist das JA bei Hilfe zur Erziehung. Dagegen bei der Eingliederungshilfe ist das JA lediglich Kostenträger, die Auswahl, die Entscheidung über Beginn oder Beendigung einer Therapie zb treffen hier alleine die Erziehungsberechtigten.

Ich würde nochmal mit dem ATZ, mit dem Du schon Kontakt hattest (nicht die vom JA vorgeschlagenen) Kontakt aufnehmen, würde es dringend machen, und versuchen, von denen Unterstützung zu bekommen.

Hier mal Info zu Rechtssachen vom Bundesverband Autismus: https://www.autismus.de/recht-und-gesel ... etter.html

Außerdem würde ich Dir raten, keine Passagen aus dem Schriftverkehr hier zu zitieren, es kann sonst durchaus sein, dass Du wiedererkannt wirst. Das kannst Du jetzt auch nicht brauchen.


Ich glaube, Du bist vielleicht noch zu „lieb“ - ich fahre seit langem gut mit folgendem Auftreten: Immer freundlich und konstruktiv, in der Sache aber gut informiert, mit klaren Aussagen, und selbstbewusst. Wir sund keine Bittsteller, keine Untertanen, keine Versagereltern, sondern wir machen einen guten Job und kennen unsere Rechte.

Grüße
Engrid
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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon Sophie-11 » 29.07.2019, 18:22

Vielen Dank für Eure Hinweise. Momentan kommt mir das Alles ganz schön surreal vor :icon_geek: . Ich hoffe ja immer noch, dass sich alles noch klärt und als harmlos herausstellt.

Ich habe die e-mail nochmal umformuliert. In Rechtsdingen habe ich mich schon durch gefühlte 1000e Seiten durchgewühlt, da schwirrt mir regelrecht der Kopf, aber als Naturwissenschaftlerin scheine ich einfach eine andere Sprache zu sprechen, da komme ich alleine nicht durch. Natürlich sind jetzt auch noch alle bedeutenden Stellen im Ferienmodus :roll: .

Zu den Therapieansätzen weiß ich noch gar nichts außer die mMn hohlen Phrasen auf der Homepage. Gerade das wollte ich ja im Erstgespräch klären, dafür sollte das doch da sein, oder?
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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon Engrid » 29.07.2019, 19:29

Hallo Sophie,

das hat mit klären und harmlos nichts zu tun. Das Jugendamt hat halt seine „Brille“, die musst Du nicht gut finden und auch nicht annehmen. Wenn sie sich als Auftraggeber sehen und verlangen, beim ersten Therapiegespräch dabei zu sein, dann sehen sie das eindeutig als Hilfe zur Erziehung. Das kannst Du dankend ablehnen, brauchst Du nicht, und suchst SELBER einen Therapieplatz.
In einem mündlichen Kennenlerntermin, womöglich Kind mit dabei, kann man nicht vernünftig und verbindlich (!) Therapieansätze klären. Du möchtest etwas Schriftliches vom Therapieträger: ein Konzept.

Dabei sollten so Wörter wie „klientenzentriert“ und „multimodal“ vorkommen und glaubhaft eingebunden sein, es sollte um Eigenmotivation gehen, so Wörter wie „ABA“ sollten eher nicht vorkommen. Mal so als Anhaltspunkt. (Das als Info für Dich, nicht als Wunsch an den Träger :wink: )

Vielleicht hilft der Artikel ein bisschen, sich ein Bild zu machen, und wichtige Begriffe zu (er-)kennen. https://www.autismus.de/fileadmin/NEWS/ ... hema_4.pdf
Hier findest Du in den Fortbildungen ein paar sehr positive Ansätze erwähnt: https://www.autea.de/fortbildungen/seminarangebot/

Grüße
Engrid
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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon Sophie-11 » 30.07.2019, 08:01

Hallo,

könnt Ihr mir bitte noch einmal helfen? Ich kann einfach nichts finden über die rechtliche Grundlage, wer jetzt in welchem Fall als Auftraggeber in Erscheinung tritt und wer wieviel mitzureden hat. Alles was ich bisher finden konnte ist, dass für beide (§ 35a und § 27) die Hilfeplanung nach § 36 gilt. Wo kann ich eine genaue Definition der Rolle des JA bei Autismustherapie nach § 35a finden? Ich habe nämlich den Eindruck, dass die Dame vom JA da etwas grundsätzlich anders versteht als ich es hier kennengelernt habe. Sie hat ja auch geradezu entsetzt reagiert als ich angab, schon Kontakt mit Therapieanbietern aufgenommen zu haben, da sie das als ihre Aufgabe ansah. Ich brauche da Argumentationsgrundlage.
Und wohin kann ich mich um Unterstützung wenden? Gleich einen Anwalt?

Ich werde versuchen, heute noch jemanden bei Anbieter X zu erreichen für Informationsmaterial und eventuell rausfinden, wie uns das JA dort angemeldet hat.

Vielen Dank und liebe Grüße!
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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon Engrid » 30.07.2019, 08:13

Hallo Sophie,

einfacher ist da immer, den Spieß umzudrehen, und die andere Seite nach ihrer Rechtsgrundlage zu fragen. (Das ist eine grundsätzliche Haltung, vor dem Hintergrund des Grundgesetzes heraus:) Denn grundsätzlich ist es erstmal so, dass die Eltern frei entscheiden, die Ausnahme beim Jugendamt ist die Kindeswohlgefährdung (Wenn sie da wirklich nicht schausspielert, dann hast Du eine völlig unerfahrene Sachbearbeiterin, die noch dazu falsch gebrieft ist). Auch behinderte Menschen sind freie Bürger, können frei entscheiden - und wenn sie noch Kinder sind, dann eben ihre Eltern in ihrem Sinn.
Die Eingliederungshilfe auch des 35a ist formuliert in den Paragraphen 53, 54 SGB 12.
https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbxii/53.html
https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_8/__35a.html (Inkl. Verweis auf 53 SGB 12).

Das Grundproblem, das öfter auftaucht im JA: Bei allem außer Eingliederungshilfe hat das JA eine Wächterfunktion, also eine ganz andere Rolle gegenüber den Eltern. Bei der Eingliederungshilfe geht es nicht um Eltern, die etwas falsch gemacht haben und denen man auf die Finger sehen muss. Bei den anderen Hilfeformen des JA schon. Diese „Brille“ ist bei nicht wenigen JA-Leuten „festgewachsen“.
Deiner SB - wenn sie das wirklich nicht weiß - muss jetzt also offenbar erstmal klar werden, dass dem so ist, und dass das nicht passt.

Grüße
Engrid
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Beitragvon Engrid » 30.07.2019, 08:36

Nachtrag: Hier ist ganz gut beschrieben, wer was zu entscheiden hat. Die SB des JA beurteilt die Teilhabebeeinträchtigung, hat also einen ganz wichtigen Hebel. Aber sie hat die Teilhabebeeinträchtigung natürlich auf sachlicher Grundlage und nachvollziehbar zu beurteilen, und mit Einbezug der Beteiligten über die Maßnahmen zu entscheiden. Und wenn Dein Gutachter XYZ empfehlen, dann kann sich das JA da nicht einfach drüber hinwegsetzen.
http://pflegeelternnetz.de/lexicon/inde ... -SGB-VIII/
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