Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

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Sophie-11
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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon Sophie-11 » 03.07.2019, 16:29

Noch eine Idee: Wäre es hilfreich, wenn die Schule sich weigert, ihn weiter ohne Schulbegleiter zu beschulen? Oder dürfen die das gar nicht? Könnte er in dem Fall an eine andere Schule "abgeschoben" werden?

Ich will damit nicht künstlich einen Bedarf erzeugen. An einer weniger engagierten Schule wäre er mit Sicherheit schon ausgeschlossen worden :( .
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Engrid
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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon Engrid » 03.07.2019, 16:38

Hallo,

lass Dich bloß nicht abhalten! Das ist nur ein Versuch vom JA. Sichere Dir möglichst viel Unterstützung, bleibe mit Nachdruck dabei, und mache das denen auch klar.

Eine E-Mail zur Absicht, die SB nicht zu genehmigen, ist gar nichts Bindendes, und ist schon gar kein (rechtsmittelfähiger) bindender Bescheid. Sondern ein taktischer Versuch, und mit Sicherheit geben tatsächlich nicht wenige Eltern an der Stelle auf, die Taktik lohnt sich also statistisch gesehen fürs Amt.

Edit: Eine Stellungnahme der Schule mit der Aussage, dass die SB für die Beschulung des Kindes zwingend nötig ist, ist natürlich hilfreich.

Grüße
Engrid
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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon JennyK » 03.07.2019, 17:59

Gibt es dazu eine Begründung? Und warum kommt das per E-Mail? Es scheint ja noch nicht in Stein gemeißelt zu sein, ich würde da mit Unterstützung der Schule nochmal auf die Dringlichkeit hinweisen. Den Antrag auf Kostenübernahme für die Therapie kannst du ja zusätzlich stellen.
Sohn 1 (06), ADS und Asperger Autismus; PG 3; SBA 50 mit B, G, H
Sohn 2 (13), Asperger Autismus, leicht ausgeprägt

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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon KäthemitA. » 03.07.2019, 18:53

Liebe Sophie,

lass Dich nicht aufhalten!
Wie Engrid schon schreibt: Es ist ein Versuch. Die Leistungen, die wir von den Ämtern und Versicherungen erhalten wollen, kosten viel Geld.
Ich wundere mich nicht, dass häufig erst mal versucht wird, unsere Forderungen abzuschmettern.
Schüttel Dich einmal und packe die Herausforderung morgen dann wieder mit neuer Kraft an.

Noch ein Vorschlag von mir: Wenn es bei uns nicht weiter ging, haben wir nicht mehr geschrieben oder angerufen (völlig nutzlos), sondern sind persönlich (z.B beim Jugendamt ) vorbei gegangen. Ohne Termin. Dann ging es häufig endlich weiter.
Ich weiß nicht, inwiefern Dein Man Dich bei der Antragsstellung unterstützt. Für mich war sehr hilfreich (also hat viel Belastung von mir genommen), dass wir die Verantwortlichkeiten aufgeteilt haben.
Einer recherchiert und schreibt, der Andere hält Kontakt nach außen, spricht mit Kindergarten, Schule und Ämtern etc., je nachdem wem welcher Bereich mehr liegt.

Nochmals viel Erfolg bei der Durchsetzung Eures Anliegens
Käthe
Käthe mit A. *06.13 Asperger Autist

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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon Sophie-11 » 03.07.2019, 20:06

Vielen, vielen Dank für Eure Antworten und Eure Unterstützung!!! :D

Hier mal der gesamte Text der e-Mail. Auffällig, dass die Entscheidung offenbar ziemlich schnell nach Eingang meines Briefs mit dem dezenten Hinweis auf die Fristen nach §14 SGB IX gefällt wurde:
Sehr geehrte [...],

leider konnte ich Sie Gestern und Heute telefonisch nicht erreichen. Gerne würde ich ein zeitnahes gemeinsames (Anhörungs-)Gespräch mit Ihnen führen, um Ihnen die Ergebnisse der gestrigen Entscheidung mitzuteilen und gemeinsam mit Ihnen zu besprechen.

Es wird beabsichtig Ihren Antrag bzgl. einer Schulbegleitung zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu bewilligen, Ihrem Sohn [...] jedoch eine Therapie zu bewilligen, welche an den Auswirkungen seiner Autismus-Spektrums-störung ansetzten soll.



Ich kann Ihnen folgende kurzfristige Termine anbieten:

Donnerstag, den 04.07.2019 um 14 Uhr (Morgen)

Dienstag, den 09.07.2019 um 15:00 Uhr



Bitte geben Sie mir eine Rückmeldung, welchen der Termine Sie wahrnehmen wollen.

Vielen Dank.
Ich gehe mal davon aus, dass wir bei diesem Termin dann die offizielle Ablehnung erhalten werden und bereite mich schon mal bestmöglich vor. Habe auch im Internet eine Ombudschaft Jugendhilfe gefunden und hingeschrieben - hat jemand hier schon mal Erfahrungen mit denen gemacht?

Ansonsten warte ich noch auf Reaktionen. Der Termin morgen ist natürlich utopisch, wir werden dann Dienstag hin.

Jetzt versuche ich erstmal wieder runterzukommen und auf morgen zu hoffen :D . Die Kekspackung mit der Nervennahrung ist leer... :roll: :lol:
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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon Sandra F » 03.07.2019, 22:40

Hallo,

sie sind per Gesetz verpflichtet, dich anzuhören.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass du morgen einen Bescheid mitbekommst.

Schau mal bei autismus ev auf der Homepage unter Recht. Im Gesetz steht nirgendwo, dass nur eine Hilfe gewährt werden kann.

Lg Sandra
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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon Sophie-11 » 08.07.2019, 10:14

Hallo zusammen!

Inzwischen habe ich Rückendeckung von allen Seiten für das Gespräch morgen :D . Sowohl die Fachleute von der Diagnosestelle, die Schule, die Ombudschaft Jugendhilfe und nicht zuletzt Ihr haben mir alle den Rücken gestärkt. Könntet Ihr vielleicht noch über meinen Plan für das Gespräch morgen drüberschauen?

Momentan sieht es so aus, dass an dem Gespräch neben meiner Wenigkeit die Klassenlehrerin und die Sonderpädagogin der Schule teilnehmen werden. Ob mein Mann teilnehmen kann ist noch offen, da leider die Kleine kränkelt und meine Mutter wohl wegen Erkrankung ihrer Schwester verhindert sein wird :( . Aber wenn wir zu dritt sind, ist das ja schon mal einen gute Zahl, dann können wir auch ein ordentliches Protokoll führen.

Zunächst mal wird es darum gehen, eine schriftliche Entscheidung zu erhalten, damit wir überhaupt handlungsfähig werden. Sollte uns die verweigert werden, will ich mit einer Untätigkeitsklage nach § 75 VwGO drohen. Sollte ich dies schriftlich tun? Fristsetzung von 2 Wochen?

Für den Fall einer schriftlichen Ablehnung werde ich schonmal einen schriftlichen Widerspruch dabeihaben. Außerdem will ich Akteneinsicht. Sollte ich dafür auch schon mal einen schriftlichen Antrag bereithalten? Kann ich den mit dem Widerspruch zusammenfassen oder lieber separat stellen? Wie hoch sind die Chancen, dass ich noch am gleichen Tag in die Akten werde schauen können?

Sollten wir doch eine Zusage bekommen, wäre der nächste Schritt ein Hilfeplangespräch, oder? Dann müssten wir sehen, dass wir einen Termin dafür bekommen - wird nicht so leicht wegen der Ferien :? .

Wäre ganz toll, wenn Ihr mir hierzu input geben könntet. Und vielleicht noch ein paar gedrückte Daumen für morgen?

Vielen, vielen Dank!
LG, Sophie-11
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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon Sophie-11 » 10.07.2019, 09:31

Hallo zusammen,

das Gespräch gestern war eine Anhörung, in der das JA seine Gründe für die geplante Ablehnung des Antrags darlegt und die Beteiligten sich noch mal dazu äußern können. Sinngemäßes Zitat: Ganz viele Eltern sagen dann, die Argumentation können sie nachvollziehen und ziehen den Antrag zurück.

Kurz gesagt, sie sehen im häuslichen Bereich eine leichte, in Bereich Freizeit/Freunde eine schwere, im Bereich Schule aber nur eine leichte bis mäßige Teilhabebeeinträchtigung (50%), und daher derzeit keinen Bedarf einer Integrationshilfe in Form eines Schulbegleiters, trotz negativer Entwicklungstendenz. Statt dessen soll die Beeinträchigung mit Hilfe einer Therapie abgemildert werden, für die sie die Kosten für bis zu 12 h/Monat übernehmen würden. Darüber hinaus betonte sie eine Nachrangigkeit der Jugendhilfe gegenüber schulischen Maßnahmen und verlangte ein AO-SF-Verfahren. Auf gezieltes Nachfragen wollte sie sich dann aber doch nicht darauf festlegen, dass ein AO-SF Voraussetzung für die Bewilligung eines Schulbegleiters sei.

Es war ein riesiges Glück, dass mich sowohl die Klassenlehrerin als auch die Sonderpädagogin der Schule begleitet haben, sie konnten vielem, was die Sachbearbeiterin sagte, etwas entgegensetzen. Vor allem konnten sie betonen, dass die Schule schon alles ihnen mögliche mache und ihn schon quasi als Förderschüler behandeln; ein AO-SF würde das ganze nur offiziell machen, aber in der Praxis nichts mehr ändern.

Sie will das Ganze jetzt nochmal mit ihrem Team besprechen, sieht aber wohl nicht, dass die Entscheidung noch geändert wird, denn da ich den Antrag nicht zurückziehen will :twisted: , will sie danach dann die Ablehnung schreiben und uns zukommen lassen. Das wird aber noch mal dauern, auf mein Drängen ließ sie sich dann auf 3-4 Wochen ein :roll: . Auf meinen Einwand, dass die Frist schon überschritten sei, berief sie sich auf Unterbesetzung und dass Kindeswohlgefährdung vorgehe und dass unser Antrag schon ausgesprochen schnell bearbeitet worden sei. Sie gab aber auch frei zu, dass die Frist schon überschritten sei, auch wenn sie von 8 Wochen sprach (?).

Schriftlich haben wir also immer noch gar nichts. Ich stehe wie vor einem Hindernis, das ich nicht kenne und daher auch nicht weiß, was ich damit anfangen soll, wie ich drüberkommen könnte oder drumherum oder ob ich umkehren sollte :( .
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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon Regina Regenbogen » 10.07.2019, 09:47

Es war ein riesiges Glück, dass mich sowohl die Klassenlehrerin als auch die Sonderpädagogin der Schule begleitet haben, sie konnten vielem, was die Sachbearbeiterin sagte, etwas entgegensetzen. Vor allem konnten sie betonen, dass die Schule schon alles ihnen mögliche mache und ihn schon quasi als Förderschüler behandeln; ein AO-SF würde das ganze nur offiziell machen, aber in der Praxis nichts mehr ändern.
Und keine der beiden hat klar zum Ausdruck gebracht, dass dein Kind ohne Schulbegleitung kurzfristig unbeschulbar sein wird?
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon Sophie-11 » 10.07.2019, 22:39

Und keine der beiden hat klar zum Ausdruck gebracht, dass dein Kind ohne Schulbegleitung kurzfristig unbeschulbar sein wird?
Ich habe eine Weile darüber nachdenken müssen. Explizit gesagt wurde es nicht. Erwähnt wurde ein anderes Kind der Schule, bei dem sich mehrere Jahre vergeblich um eine Schulbegleitung bemüht wurde, und das nun auf eine Förderschule wechseln musste, als Beispiel, wie es hier hoffentlich nicht laufen soll.


Jetzt zweifle ich wieder :( . Unser Sohn ist sicherlich ein Grenzfall. Klar ist es (noch?) nicht so schlimm, dass er eine Schulphobie hat oder sich selbst verletzt oder andere schwer verletzen würde. Andererseits würde es ihm unheimlich viel bringen, wenn ihn jemand begleiten würde. Wie eine Lehrerin meinte, wenn jemand neben ihm sitzt und sich um ihn kümmert, ist er ein ganz anderes Kind, meldet sich, arbeitet gut mit. Und kann eben auch nicht einfach so mal eben "im Vorbeigehen" hauen, treten oder Sachen kaputtmachen.

Ich möchte natürlich die beste Hilfe für ihn. Schule und SPZ sagen, Bedarf dringend gegeben. JA sagt, kein Recht drauf, Bedarf nicht groß genug. Wer hat da recht? Wie schlimm muss eine Situation sein, um ein Recht auf Hilfe zu haben? Nach oben ist offen, klar, aber wo ist die untere Grenze, bis zu der das Umfeld es halt zu ertragen hat?

Wo ist mein Denkfehler :?:
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