Impulskontrolle

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Lisaneu
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Impulskontrolle

Beitragvon Lisaneu » 26.03.2019, 12:28

Hallo,

mein älterer Sohn (9) hat ADHS und ist Asperger Autist. Im Alltag kommt er gut klar, sein Hauptproblem ist aber die Impulskontrolle. Nachdem er vergangene Woche einen Mitschüler schmerzhaft in die Eier getreten hat, ist die Sache wieder aktuell. Denn so kann es natürlich nicht weitergehen. Im Nachhinein zeigt sich mein Sohn dann einsichtig, es tut ihm leid und er ist offen für das nachdenken über Lösungen für ́s "nächste Mal". Es ist auch nicht so extrem oft, dass so was vorkommt, aber eben auch nicht extrem selten. Und es wird natürlich mit zunehmenden Alter und zunehmender Kraft immer schwieriger.

Auch, wenn die Auslöser öfter mal auf Mißverständnisse zurückzuführen sind, WEISS mein Sohn, dass es keine Lösung sein kann, zuzuschlagen. Trotzdem kommen so Situationen, wo die Hand (bzw. der Fuß) einfach schneller ist, als der Kopf. Hat wer dasselbe Problem bzw. weiß wer einen Weg, damit umzugehen? Medikation versuchen wir gerade (Ritalin und Ritalin LA), bis jetzt ohne Erfolg. Die anderen ADHS-bedingten Schwierigkeiten (Konzentration, Zappeligkeit) sind aktuell nicht so schlimm, dass wir deswegen Medis geben müssten. Es geht wirklich um die Emtionskontrolle. Und wenn ein Medikament, dann sollte es möglichst punktuell eingesetzt werden.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
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Re: Impulskontrolle

Beitragvon RikemitSohn » 26.03.2019, 12:56

Hallo Lisa,

die fehlende Impulskontrolle gehört bei ADHS ja leider zum Paket. Mit meinem Sohn habe ich immer viel geredet und trotzdem fiel es ihm sehr schwer das Wissen umzusetzen. Das gelingt ihm erst besser, seit er Medikamente nimmt. Es ist nicht perfekt und ich muss noch viel erklären, aber es wird Stück für Stück. Ich achte zusätzlich sehr genau auf Situation, in denen es leicht eskaliert und habe ihn da auch manchmal rausgehalten. Im Schulalltag geht das natürlich nicht. Bei ihm hat sich die Situation leider auch aufgeschaukelt, da es natürlich schön ist jemanden zu ärgern, der beim kleinsten Pieks in die Luft geht.
Neben Medis kann ich dir noch soziales Gruppentrainng anraten. Da kann dein Sohn mit Begleitung sein Verhlten mit anderen Kindern üben.

LG Rike
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Re: Impulskontrolle

Beitragvon NicoleJJ » 05.04.2019, 09:17

Guten Morgen,

bei meinem Sohn wurde erst im Januar ADS festgestellt. Er wird in 2 Wochen 7 Jahre alt. Bei ihm ist das größe Problem auch die Impulskontrolle. Er haut oder schreit einfach los. Teilweise Minutenlang... und wirft sich auch auf den Boden. Teilweise jeden Tag hatte ich einen negativen Eintrag im Mitteilungsheft. Und er geht auf eine Förderschule (körperliche Behinderung). An der Schule wird er nicht gleich abgestempelt oder so. Die sind wirklich sehr bemüht. Aber trotzdem kam es täglich zu solchen Ausrastern.

Er nimmt jetzt seit 2 Wochen Medikinet retard. Die 1. Woche 5 mg und seit Dienstag 10 mg. Und was soll ich sagen... so gut liefen die Tage schon Monate nicht mehr. Die Betreuerin erst gestern gesagt: er ist total entspannt und macht gut mit im Unterricht. Auch die Impulskontrolle hat sich total gebessert :-) Und ich habe lange hin und her überlegt ob man Medikament geben soll oder nicht.
Bis jetzt bereue ich es noch nicht. Es geht im viel besser. Nebenwirkungen haben wir noch keine. Außer dass der mittags nicht so dolle isst.

LG Nicole

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Re: Impulskontrolle

Beitragvon Engrid » 05.04.2019, 09:37

Hallo,

das ist ja auch eine unserer Hauptbaustellen. Ob Junior AD(H)S im Paket hat, weiß ich nicht, jedenfalls nicht diagnostiziert. Gibts aber auch bei Autismus ohne AD(H)S. Glaube nicht, falls doch, ist beim Junior der Autismus sehr dominant.
Wir arbeiten dran, bisher ohne Medikamente. Mit Visualisierung, „Trockentraining“, und so.
Hier ein alter Thread, den ich spannend finde: ftopic126910.html

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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Re: Impulskontrolle

Beitragvon JohannaG » 05.04.2019, 10:03

Hallo Lisa,

mein Sohn ist ja offiziell "nur" ADHS-Kind, hat aber auch ASS-Tendenzen.
Auch bei ihm war die Impulskontrolle lange Zeit die größte Baustelle. Wir haben viel versucht, erklären, Thearpe, etc... hat alles nichts genützt. Er wußte immer, daß das nicht ok ist, aber er konnte es nicht umsetzen.
Methylphenidat hat in diese Richtung auch nichts geholfen.
Nach langer Überlegung und nachdem wir weit über die Grenzen des machbaren hinaus gegangen sind, nimmt er jetzt seit gut einem halben Jahr Risperidon als Medikament. Und jetzt endlich geht es.
Ich bin nicht begeistert davon, daß er dieses Medikament nehmen muß. Aber ich stelle fest, daß unser aller Lebensqualität seitdem erheblich besser ist. Auch mein Sohn ist enorm erleichtert.
Seit ein paar Wochen geht er jetzt zu einer Therapie, kann sich auch drauf einlassen und will das sogar selbst. Ziel ist, die Medikamente irgendwann wieder los zu werden. Aber momentan geht es uns allen sehr viel besser so, allen voran ihm.
Das ist allerdings eine Dauermedikation, mit punktuell ist da nix. Das stelle ich mir aber auch schwierig vor - an kann ja nicht im voraus wissen, wann der nächste Ausraster kommt... oder ist das bei deinem Sohn so vorhersehbar? Bei meinem auf jeden Fall nicht.

LG Johanna
Johanna, *73, Morbus Bechterew;
C., (w), 11/2004, adoptiert, FASD, Bindungsstörung, lernbehindert, juvenile Polyarthritis;
J. (m) 01/2008, adoptiert, ADHS; Depressionen und ???,
M. (w) 01/2012 FG bei 23+6 SSW, Kleinwuchs, GÖR, Nahrungsmittelallergien, leichte ICP, Schielen, Weitsichtigkeit, allg Entwicklungsverzögerung

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Re: Impulskontrolle

Beitragvon Engrid » 05.04.2019, 10:10

Hallo,

mit punktuell ist da nix
So kenne ich das auch, und wurde mir auch von der KJP so erklärt, als Risperdal für Junior akut zur Debatte stand. Punktuell macht keinen Sinn, so funktioniert das nicht. Es ist ja auch für die Kinder wichtig, sich drauf verlassen zu können. Die (Über-)Spannung im Alltag, auch wenn sie nur punktuell rauskommt, rührt ja bei Autismus auch aus den Wahrnehmungsbesonderheiten, aus der Reizoffenheit. Risperdal, so hat mir jemand mit Asperger und Risperdalerfahrung erklärt, sei ein wenig wie ein schützendes/dämpfendes Netz um die Seele.

Grüße
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Re: Impulskontrolle

Beitragvon Lisaneu » 05.04.2019, 19:56

JohannaG hat geschrieben:Hallo Lisa,

mein Sohn ist ja offiziell "nur" ADHS-Kind, hat aber auch ASS-Tendenzen.
Auch bei ihm war die Impulskontrolle lange Zeit die größte Baustelle. Wir haben viel versucht, erklären, Thearpe, etc... hat alles nichts genützt. Er wußte immer, daß das nicht ok ist, aber er konnte es nicht umsetzen.
Methylphenidat hat in diese Richtung auch nichts geholfen.
Nach langer Überlegung und nachdem wir weit über die Grenzen des machbaren hinaus gegangen sind, nimmt er jetzt seit gut einem halben Jahr Risperidon als Medikament. Und jetzt endlich geht es.
Ich bin nicht begeistert davon, daß er dieses Medikament nehmen muß. Aber ich stelle fest, daß unser aller Lebensqualität seitdem erheblich besser ist. Auch mein Sohn ist enorm erleichtert.
Seit ein paar Wochen geht er jetzt zu einer Therapie, kann sich auch drauf einlassen und will das sogar selbst. Ziel ist, die Medikamente irgendwann wieder los zu werden. Aber momentan geht es uns allen sehr viel besser so, allen voran ihm.
Das ist allerdings eine Dauermedikation, mit punktuell ist da nix. Das stelle ich mir aber auch schwierig vor - an kann ja nicht im voraus wissen, wann der nächste Ausraster kommt... oder ist das bei deinem Sohn so vorhersehbar? Bei meinem auf jeden Fall nicht.

LG Johanna


Nein, direkt vorhersehbar sind die Ausraster bei meinem Sohn nicht. Er selbst meint, etwa "alle 4 Wochen" einen Totalausraster zu haben. da bin ich aber fast nie dabei, weil es zu Hause praktisch nie vorkommt. Ich höre es dann von ihm selbst (mittlerweile erzählt er mir manches sehr ehrlich) oder von den Lehrerinnen oder Hortbetreuerinnen. Laut denen hat sich Häufigkeit und Heftigkeit der Ausraster aber schon deutlich gebessert. Wenn mein Sohn die Möglichkeit hat, verlässt er mittlerweile meistens rechtzeitig die Situation, und zieht sich z.B. mit einem Comic zurück, bis er merkt, dass die Phase vorbei ist. So gesehen verhält er sich eigentlich sehr reif.

Die Ausraster kommen bei ihm praktisch IMMER in Situationen vor, wo mehrere andere Kinder dabei sind. Am größten ist die Wahrscheinlichkeit eines Ausrasters, wenn er die Kinder nicht bzw. noch nicht gut kennt. Das war zum Beispiel im Programmierkurs ein Problem, weil er sich da nicht zurückziehen konnte und von ihm "Mitarbeit" erwartet wurde. Und obwohl meinen Sohn das programmieren wirklich interessiert was es ihm in Kombi mit einigen nicht zimperlichen (aber auch nicht extrem brutalen) Jungs einfach "zu viel". Ich mußte ihn 2x aus dem Kurs abholen. Er hatte dort zwar keinen Totalauszucker, hat seinen Frust aber mit Provokationen (stören, Beschimpfungen, auf ein Plakat spucken,...) ausgelassen.

Eine andere Situation, wo Auszucker häufiger vorkommen ist, wenn etwas vom gewohnten Tagesplan abweicht. Also z.B. Hortausflug oder Exkursion mit der Schulkasse,...

DAS sind die Situationen, wo ich ihn gern mit Medis punktuell unterstützen würde. Zu Hause habe ich meistens ein fröhliches, oft etwas überdrehtes Kind, was aber weder ich noch mein Mann als sehr störend bzw. anstrengend empfinden. Daher bin ich in Sachen Dauermedikation skeptisch. Gestern erst hatte ich (im Beisein meines Sohnes) darüber ein ausführliches Gespräch mit dem KJP. Der meinte, dass er im Fall meines Sohnes (der bei Ritalin LA 20mg sehr starke Nebenwirkungen hatte) erst mal kein anderes, retardiertes Medikament verschreiben will, weil die Häufigkeit der Auszucker doch nicht so oft ist. Sollte die Impulskontrolle schlechter werden oder sich andere Probleme häufen würde er es am ehesten mit Strattera probieren, aber dazu ist momentan kein Anlass.

Du schreibst, bei deinem Sohn seit ihr "über die Grenze des machbaren hinausgegangen". Bei unserem älteren Sohn ist das GsD nicht so schlimm. Aber diesen Punkt kenne ich vom jüngeren Sohn von der Zeit, als er noch 3-10x pro Woche einen Meltdown hatte. Das ist jetzt ca. 1 Jahr her und wir haben uns eigentlich schon für das (von einer Kinder-Neurologin verordnete) Risperidon entschieden, wollten aber noch 3 Tage abwarten, wie es sich entwickelt. Und siehe da, in den 3 Tagen kein einziger Anfall und den Rest der Woche nur 2! Es wurde tatsächlich genau zu dem Zeitpunkt, wo wir am Tiefpunkt waren, langsam aber deutlich besser. Wir haben uns dann entschlossen, mit dem Risperidon noch bis zur Einschulung zu warten. Wir wussten nicht, ob ihm der Wechsel vom Kindergarten in die Schule schwer fällt und waren auf alles gefasst. Aber seit Schulstart wurde es noch mal deutlich besser, mit nur noch 1-2 Anfällen pro Woche. Und jetzt haben wir schon über 2 Monate ohne einen einzigen Meltdown geschafft. Das Risperidon steht noch unberührt im Medikamentenschrank.

Deswegen ist mein jüngerer Sohn noch längst kein einfaches Kind, bei weitem nicht! Trödeln, Trotz, Dickschädel und kleine Wutanfälle sind nach wie vor an der Tagesordnung, aber die Situation "kippt" nicht mehr in einen Zustand von purer Verzweiflung und Wut.

Ich schließe absolut nicht aus, doch noch mal Medikamente zu gehen (bei beiden Kindern), ich gehe sogar davon aus, dass das vermutlich irgendwann mal notwendig sein wird und wir wollen dann auch nicht (mehr) warten, bis wir absolut nicht mehr können. Nur im Moment sind wir wieder in einer guten Phase und ich hoffe, diese bleibt uns noch lang erhalten :) .
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Re: Impulskontrolle

Beitragvon Regina Regenbogen » 08.04.2019, 06:00

Lisaneu hat geschrieben:Auch, wenn die Auslöser öfter mal auf Mißverständnisse zurückzuführen sind, WEISS mein Sohn, dass es keine Lösung sein kann, zuzuschlagen. Trotzdem kommen so Situationen, wo die Hand (bzw. der Fuß) einfach schneller ist, als der Kopf. Hat wer dasselbe Problem bzw. weiß wer einen Weg, damit umzugehen? Medikation versuchen wir gerade (Ritalin und Ritalin LA), bis jetzt ohne Erfolg. Die anderen ADHS-bedingten Schwierigkeiten (Konzentration, Zappeligkeit) sind aktuell nicht so schlimm, dass wir deswegen Medis geben müssten. Es geht wirklich um die Emtionskontrolle. Und wenn ein Medikament, dann sollte es möglichst punktuell eingesetzt werden.


War bei unserem Jüngsten damals mit ca. 8 Jahren auch so, da fing auf einmal das ADHS an mit Macht den Autismus zu überlagern. Aufgrund unseres zögerlichen Verhaltens bei unserem Großen hinsichtlich der Medikation haben wir bei dem Kleinen dann schneller reagiert. Er wurde vom KJP umgehend auf Medikinet eingestellt und bekam dann mehrere Jahre gleichbleibend 30 mg ret., die Autismustherapie lief parallel dazu. Erst nach einem Jahr haben wir an den Wochenenden und in den Ferien keine Medikamente gegeben. Es hat ihm sehr gut und nachhaltig geholfen, seine schlechte Impulskontrolle in den Griff zu bekommen. Er hat dann für knapp 2 Jahre keine Medikamente mehr genommen, auf eigenen Wunsch. Im 8. Schuljahr kamen dann relativ plötzlich die Konzentrationsprobeme hoch, jetzt nimmt er an Schultagen Kinecteen, sehr zu seiner Zufriedenheit. Er ist sich ganz sicher, dass er irgendwann ganz ohne MPH klarkommt, nur eben jetzt noch nicht.

Ein punktueller Einsatz von MPH & Co. ist nur schwer bis gar nicht möglich, ein nachhaltiger Lerneffekt kann nicht einsetzen, wenn man MPH nur dann "einwirft", wenn man einen Ausraster kommen sieht - zumal die Kinder selbst es nur selten merken, wenn sich was in ihnen aufbaut. Normalerweise werden einmal jährlich Auslassversuche gemacht um zu sehen, inwieweit sich die begleitenden Therapien verinnerlicht haben. Ich persönlich finde es wichtig, darauf zu schauen wie hoch der Leidensdruck des Kindes ist und nicht wie man als Eltern mit dem Kind klarkommt.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

Lisaneu
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Re: Impulskontrolle

Beitragvon Lisaneu » 08.04.2019, 18:40

Regina Regenbogen hat geschrieben:Ein punktueller Einsatz von MPH & Co. ist nur schwer bis gar nicht möglich, ein nachhaltiger Lerneffekt kann nicht einsetzen, wenn man MPH nur dann "einwirft", wenn man einen Ausraster kommen sieht - zumal die Kinder selbst es nur selten merken, wenn sich was in ihnen aufbaut. Normalerweise werden einmal jährlich Auslassversuche gemacht um zu sehen, inwieweit sich die begleitenden Therapien verinnerlicht haben. Ich persönlich finde es wichtig, darauf zu schauen wie hoch der Leidensdruck des Kindes ist und nicht wie man als Eltern mit dem Kind klarkommt.

So sehe ich das auch. Nur kann ich den Leidensdruck in den unmittelbaren Situationen nur schwer beurteilen, weil ich nur sehr selten dabei bin. Die Sitationen, wo er ausrastet sind entweder in der Schule oder im Hort oder z.B. beim Programmierkurs. Insgesamt ist mein Sohn ein meistens fröhliches, manchmal etwas "überdrehtes" Kind. Die Ausraster tun ihm im nachhinein meistens leid, jedoch habe ich nicht den Eindruck, dass er dabei (rückblickend) starken Leidensdruck hat.

Der KJP hat nach einem direkten Gespräch mit meinem Sohn auch gemeint, man könne jederzeit wieder (in Kooperation mit ihm, natürlich) eine Medikation ausprobieren, wenn der Leidensdruck größer werden sollte.

Die Frage ist ja ob die Medikation dem Kind mehr nutzt oder mehr schadet. Es ging auch nie darum, MPH nur "einzuwerfen" wenn man einen Ausraster kommen sieht. Vielmehr sehe ich nicht ein, dass mein Sohn dauerhaft Medikamente mit sehr starken, ihn belastenden Nebenwirkungen nehmen soll (Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, komplette Appetitlosigkeit, Apathie, ans-sterben-denken-müssen), wenn er ohne Medis die meiste Zeit mit sich und der Welt zufrieden ist. Es wäre schon geplant gewesen, das MPH während der Schule täglich zu geben und in Situationen, die ihm zusätzlich Streß machen, die er sich aber selbst ausgesucht hat (z.B. Programmierkurs), eben zusätzlich. Da wäre dann schon eine gewisse Regelmäßigkeit drin, nichts mit "willkürlich"!

Ich kenne einige Kinder, die MPH nur an Schultagen bekommen und an den Wochenenden und in den Ferien nicht, und das klappt sehr gut. Auch eine befreundete Kinderärztin mit einem ASS-Sohn mit ADHS-Zügen gibt Ritalin unretardiert nur an Schultagen. Es war auch von Anfang an so mit dem KJP besprochen, dass es erst mal so probiert werden soll. Nur hatte ich bisher keinerlei positive Wirkung, weder mit Ritalin unretardiert noch mit Ritalin LA.
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Re: Impulskontrolle

Beitragvon Regina Regenbogen » 09.04.2019, 05:59

Lisaneu hat geschrieben:Ich kenne einige Kinder, die MPH nur an Schultagen bekommen und an den Wochenenden und in den Ferien nicht, und das klappt sehr gut.


Ja, das hat bei meinen Söhnen auch gut funktioniert, aber erst nachdem sie ordentlich eingestellt waren und die begleitenden Therapien anfingen zu greifen, so ca. nach einem Jahr.

Nur hatte ich bisher keinerlei positive Wirkung, weder mit Ritalin unretardiert noch mit Ritalin LA.


Hat denn irgendjemand mal über einen Präparatwechsel nachgedacht? Meistens sind es die Trägerstoffe, die die Nebenwirkungen auslösen. Mein Jüngster kam immer prima mit Medikinet aus, jetzt mit Kinceteen, der Ältere hat das gar nicht vertragen bzw. war die Wirkung von Medikinet bei ihm gleich Null. Erst der Umstieg auf Equasim brachte die gewünschte Wirkung.
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Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS

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