Immer diese Dramen...

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.
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LovisAnnaLarsMama
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Immer diese Dramen...

Beitragvon LovisAnnaLarsMama » 26.03.2019, 08:51

Guten Morgen,
Ich brauche nochmals Unterstützung. Allerdings geht es eher um mein größeres Kind.
Wir haben jeden Tag mindestens ein Drama...
Heute morgen ging es so los, das er seine Schwester mal wieder völlig unangemessen angemeckert und heruntergeputzt hat. Grund war, dass der Papa meinte, die Mittlere sollte doch ihre Schlamper- und Federmappe im Schulranzen schließen.
Es fing dann so weiter, dass ihm wieder Beschimpfungen ohne Ende über die Schwester herausrutschten. Was sich das mittlere Kind natürlich auch nicht straflos gefallen ließ. Sie war zuerst im Bad und hat ihn dann nicht sofort ans Waschbecken gelassen...
Daraufhin gingen die Stänkereien dann weiter und ich musste mit dem großen Kind ein ernstes Wort reden. Das funktionierte nicht- er war mal wieder völlig am ausflippen und herumschreien.
Das ist bei uns inzwischen ein- zweimal am Tag Standard und einfach nur noch anstrengend.
Ausserdem habe ichh Angst, dass duese Streiteteien auf dem Schulweg eskalierten und ein Kind vor ein Auto geschubst wird....
Ich weiß überhaupt nicht wie ich diese Situationen eindämmen kann. Der Große ist in der Schule super, steht irgendwo im Einser/ Zweierbereich. Aber sein Verhalten ist einfach nur noch schlimm. Das kann so nicht weitergehen. Wir können auch kein Spiel gemeinsam machen, weil er dann auch sofort durchdreht, wenn er nur eine schlechte Zahl würfelt.
Wo kann ich ihn unauffällig testen lassen (er ist schon Richtung Autismus auffällig)- oder wo bekommt man Hilfe, die für ihn nicht ganz so offensichtlich ist? Weitergehen kann das so nicht, sonst erschlage ich ihn irgendwann... Das schlimme an der Sache ist auch, dass mein Mann auch nicht gerade sozialkompatibel ist und viele Situationen aufgrund falscher Einschätzung noch verschärft...
Die Ausrede, er wäre unterfordert gilt auch nicht. Wir haben in der letzten Zeit Kinderuni, Workshops im Museum und vieles mehr für ihn gemacht.
Ich dachte eigentlich, ich hätte die Situation unter Kontrolle, aber da muss wohl ein Profi dran.
Wer hilft denn da weiter?
LG LovisAnnaLarsMama
Meine drei kleinen Wunder: Wunderkind (2009), Schneckenkind (2011) und der kleine Bruder (2015): Hemiparese, expressive Sprachenwicklungsstörung, Epilepsie und diverse Baustellen nach Asphyxie/Frühgeburt

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LovisAnnaLarsMama
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Re: Immer diese Dramen...

Beitragvon LovisAnnaLarsMama » 26.03.2019, 08:55

P.S. Wir wohnen in einer Kleinstadt, am ländlichen Ende und die Kinder haben relativ viele Freiheiten.
Sind für den Schulweg mit dem öffentlichen Bus selbst verantwortlich. Dürfen mit Freunden irgendwo alleine im Garten oder auch mit dem Roller Fahrrad alleine stundenlang herumstrolchen ...
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kati543
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Re: Immer diese Dramen...

Beitragvon kati543 » 26.03.2019, 09:14

Hallo,
als ich den Anfang gelesen habe, dachte ich gleich „Autist oder Pubertät“...die Kämpfe habe ich hier auch.
Die Tests dazu macht der KJP - Kinder- und Jugendpsychiater. Die Wartezeit für einen Ersttermin ist üblicherweise sehr lange. Falls ihr eine positive Autismusdiagnose erhaltet, gibt es dafür auch eine Autismustherapie. Es ist nicht möglich Autismus zu heilen, jedoch können Kindern und Eltern der Umgang damit deutlich erleichtert werden.
Geht das so schnell wie möglich an, je älter er wird, desto größer wird wahrscheinlich die Abwehr.
LG
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Engrid
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Re: Immer diese Dramen...

Beitragvon Engrid » 26.03.2019, 09:15

Hallo,

ich weiß jetzt nicht genau, was Du mit „unauffällig“ meinst, aber eine Autismusdiagnostik machst Du am besten bei einem entsprechend erfahrenen (!) Kinder- und Jugendpsychiater. Die gibt es als niedergelassene Ärzte, und es gibt kinder- und jugendpsychiatrische Abteilungen in Kliniken. Und dann gibt es in vielen Gegenden noch Autismusambulanzen, die machen das auch oder vermitteln Diagnostikstellen.
Ein gescheites Kind therapieren oder coachen, ohne dass er es merkt, wird auch nicht gehen. Was geht, ist zuhause mal ein paar hilfreiche Kommunikationsebenen einziehen :wink: (Stichwort Social Stories, Comic Strip Conversations, Modeln, ... siehe zb Hallbauer/Castaneda „Einander verstehen lernen“, das musst Du dann aufs Niveau Deines Sohnes „heraufbrechen“, oder Melanie Matzies Buch über Training von Sozialverhalten bei Asperger - hab den genauen Titel grade nicht parat)

Zur Sache selber: autistische Kinder stehen morgens oft sehr unter Druck, denn ihnen steht quasi schon der ganze Tag mit seinen Anforderungen vor Augen. Da kommt schnell Stress und schlechte Laune auf. Was hilft, sind vorab geschickte Planungen zum Entzerren der Morgenroutinen mit den Geschwistern, ein kleiner Bonus der anderen (also auch mal schimpfen lassen und die Ohren zumachen), klare Strukturierung der Abläufe. Wir sind hier morgens mit Junior wie ein Zug auf Schienen, alles wie am Schnürchen, die Geschwister sind frühmorgens getrennt. Ich verbreite Ruhe und „good vibrations“. So klappt das gut und er hat einen guten Start in den langen Tag ...
An andeeen Stellen des Tages verlange ich mehr Selbstständigkeit vom Junior, und da macht er das auch gerne. Morgens nehme ich ihm viel ab, weil ich weiß, dass es ihm viel Energieverlust erspart. Er kommt dann quasi in den „Automatikmodus“. :wink: Das ist auch für alle anderen Familienmitglieder angenehmer :P

Wenn Du sagt, da muss ein Profi dran (und eine Autismusdiagnostik dauert ja): eine gute (!) Ergotherapie bringt sehr viel in Richtung Förderung der Handlungsplanung (morgendliche Abläufe), Verbesserung der Frustrationstoleranz, Selbstwahrnehmung, ...

Grüße
Zuletzt geändert von Engrid am 26.03.2019, 10:35, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Immer diese Dramen...

Beitragvon Alexandra2014 » 26.03.2019, 09:47

Hallo Stefanie,

ich hatte dir ja schon mal eine sehr kompetente Stelle „in der Nähe“ genannt. Über die Autobahn auch von euch gut zu erreichen, denke ich.
Unauffällig testen macht vermutlich keinen Sinn. Dein Sohn muss wissen, dass er hier und da soziale Probleme hat und er muss wissen, dass das auch ok ist und ihr gemeinsam daran arbeiten werdet. Klar müsst ihr Grenzen aufzeigen, wenn es auf Fremd- oder Eigengefährdung zusteuert, aber er muss trotzdem wissen, dass er als Mensch gut ist, wie er ist. Druck und Schimpfe machen es erstmal nur schlimmer, nicht besser, merkst du ja selbst. Wenn er selbst die Situation fehldeutet, fühlt er sich einfach mißverstanden.
Schuldzuweisungen a la „ist ja kein Wunder, dass es eskaliert, wenn er sich so benimmt“ erreichen eher das Gegenteil.

Wenn Du möchtest, kann ich dir die Telefonnummer der kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanz per PN schicken. Wir haben im Juni einen Termin, den wir nicht mehr benötigen (es ging um evtl. Medikation, die sich durch Wechselwirkungen mit Valproat erledigt hat). Eventuell kannst du den Termin „übernehmen“, dann habt ihr nicht erst noch ein halbes Jahr Wartezeit auf den Ersttermin. Wenn ihr Glück habt, so wie wir letztes Jahr, kann dann vieles in den Sommerferien laufen.

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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Re: Immer diese Dramen...

Beitragvon MamaMonika0912 » 26.03.2019, 09:48

Diese Situationen kenne ich nur zu gut. So lange die Kleine noch im Kindergarten war haben wir konsequent ein Kind nach dem anderen aufstehen lassen. Mit so viel Abstand, dass sie sich gar nicht begegnet sind.
Seit diesem Jahr müssen beide zur gleichen Zeit raus und gleichzeitig frühstücken. Das gibt jeden Morgen Ärger, denn zu Zeitpunkten an denen sie sich treffen Kracht es regelmäßig. Auf kleinere Sticheleien gehe ich gar nicht ein, wenn sie sich nicht in Ruhe lassen verbiete ich Ihnen (auch mal schärfer, denn Sohnemann akzeptiert das nicht ohne weiteres) das Wort. Das ist vielleicht nicht pädagogisch wertvoll, aber dann sind einfach beide sauer auf mich und es ist Ruhe. Auch bei uns funktioniert auf Abstand halten am besten.
Uns hilft außerdem auch jeden Tag den gleichen Ablauf zu fahren, relativ viel Zeit einzuplanen (so dass es nicht dramatisch ist wenn mal etwas schief läuft) und vor allem für den Großen noch Ruhezeiträume zu haben. Er zieht sich dann häufig nochmal für 10 Minuten in sein Zimmer zurück. Den Schulweg, der für beide Kinder der gleiche ist, bewältigen sie komplett unabhängig voneinander. Töchterchen zieht sich zuerst an und verlässt 5 Minuten früher das Haus, Sohnemann geht 5 Minuten später.
Ich merke bei meinem Sohn (ASS+ADS), dass er trotz HB sehr schnell überfordert ist, vor allem mit vielen Terminen. Dann wird es richtig schwierig mit ihm und er ist überhaupt nicht mehr in der Lage zu Hause sozialverträglich zu agieren. Mein Sohn wäre auch nicht in der Lage an den von dir genannten Veranstaltungen teilzunehmen. Aber da ist jeder Autist anders.
Ich glaube völlig unauffällig kann eine Diagnostik in diesem Alter nicht mehr stattfinden. Die Kinder verstehen schon viel zu viel, gerade kognitiv so fitte Kinder. Bis vor etwa einem Jahr hat Sohnemann solche Sachen noch unproblematisch mitgemacht ohne sich für Gründe zu interessieren. Mittlerweile, er wird in Kürze zehn, fragt er schon nach wofür bestimmte Termine gut sein sollen und die Erklärung, das er einfach ein paar Rätsel mache darf, reicht ihm nicht mehr aus. Es wird auch schwieriger ihm Therapietermine schmackhaft zu machen, denn er hat nicht das Gefühl therapiert werden zu müssen. Derzeit haben wir eine Therapiepause aber zum Übergang zur weiterführenden Schule wird er sicher Unterstützung brauchen um die ich mich auch langsam kümmern sollte.

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Engrid
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Re: Immer diese Dramen...

Beitragvon Engrid » 26.03.2019, 09:58

Mir ist noch was eingefallen:
Heute morgen ging es so los, das er seine Schwester mal wieder völlig unangemessen angemeckert und heruntergeputzt hat. Grund war, dass der Papa meinte, die Mittlere sollte doch ihre Schlamper- und Federmappe im Schulranzen schließen.
Viele Autisten, aber auch manche Nichtautisten (Hochsensible) haben extrem feine Empfangsantennen für Emotionales. Mein Sohn auch. Einher geht damit bei vielen Kindern eine mangelhaft ausgebildete "Selbst-Andere-Differenzierung" - das heißt, sie fühlen zB Kritik an anderen genauso mit, als würde sie ihnen selber gelten. Mein Sohn hat das auch, sehr ausgeprägt, wird jetzt langsam besser, dank der Ergo u.a. Der Rest der Familie kennt das auch. Paradox auf den ersten Blick erscheint da manchmal die giftige Reaktion, aber sie zeigt einfach nur die Überforderung und Hilflosigkeit.
Auf die von Dir beschriebene Situation bezogen könnte das erklären, warum Dein Sohn so reagiert, falls er das auch hat.

Gut wäre vielleicht, Du nimmst Deinen Mann morgens da aus der Schusslinie ... Sonst steckt der eine den anderen an ... :wink:
Engrid
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Re: Immer diese Dramen...

Beitragvon susi_muc » 26.03.2019, 17:30

Meine Spezialisten sind ein bissl älter, und möglicherweise altersmäßig etwas näher beisammen, aber wir haben auch bei Nichtigkeiten beginnende Kloppereien, die z.T. weit entfernt von harmlos enden. Nicht selten bezieht meine Große Kritik auf sich, die nicht an sie gerichtet war, oder deutet irgendwas als Kritik, was nicht ansatzweise eine war. Ausflippen vorprogrammiert - die Öffentlichkeit meide ich inzwischen mit ihr.
Eckt Dein Großer z.B. auch im schulischen Umfeld an? Über die sozialen Schwierigkeiten - vor allem die zunehmende Ablehnung durch Mitschüler - konnten wir unsere Große von Ergotherapie und letztlich von einer umfassenden Diagnostik (und hoffentlich bald folgenden Therapie) überzeugen. "Unauffällig" wird das eher schwierig...
In der Praxis hilft hier nur fernhalten von einander, sie fahren getrennt los zur (gleichen) Schule, wir suchen möglichst separate Freizeitbeschäftigungen etc.
LG Susi
Susi mit großem Sohn (ASS+HB), großer Tochter (ASS, ADHS+HB), kleiner Tochter (auch irgendwie anders) und den Zwillingen (ganz normaler Zwillingswahnsinn - hoffe ich)

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Re: Immer diese Dramen...

Beitragvon JohannaG » 27.03.2019, 08:03

Guten Morgen,
auch hier: Drama.... heute früh ging es darum, wer wann wie viel IPad gespielt hat.... meine beiden großen sind beide "socially challenged". Da ich mit den Kindern allein bin und sie morgens auch ziemlich zur gleichen Zeit los müssen, ist da leider nicht viel mit trennen. Aber das wäre die beste Lösung, eigentlich.
LG Johanna
Johanna, *73, Morbus Bechterew;
C., (w), 11/2004, adoptiert, FASD, Bindungsstörung, lernbehindert, juvenile Polyarthritis;
J. (m) 01/2008, adoptiert, ADHS; Depressionen und ???,
M. (w) 01/2012 FG bei 23+6 SSW, Kleinwuchs, GÖR, Nahrungsmittelallergien, leichte ICP, Schielen, Weitsichtigkeit, allg Entwicklungsverzögerung

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Re: Immer diese Dramen...

Beitragvon LovisAnnaLarsMama » 27.03.2019, 11:14

Trennen geht manchmal, wenn ein Kind schneller ist. Das Problem ist, dass der Schulweg der gleiche ist.
Ich hatte heute nochmal einen Termin wo ich dieses Problem auch ansprechen konnte und werde mich wohl erstmal an eine Erziehungsberatungsstelle wenden.
@ Alex: welche KJP könntest du empfehlen, Kassel?
Lg LovisAnnaLarsMama
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