Vor-/Nachteil einer Diagnose - brauchen einen Rat

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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Lisaneu
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Re: Vor-/Nachteil einer Diagnose - brauchen einen Rat

Beitragvon Lisaneu » 02.04.2019, 18:25

Bezüglich Versicherungen: ist da so eine Kinder-Kranken- und Unfallversicherung gemeint? Da gibt es genug, wo Autismus kein Problem ist. So eine Versicherung schließt man ja im Normalfall ohnehin nur 1x ab. Wenn ich für meinen Kind also vor der Diagnostik einen Vertrag hatte, die das Kind aber auf Grund der Diagnose dann nicht mehr versichern wollen, muss ich wechseln. Oder sie erhöhen die Kosten, was je legitim ist, weil sie dann auch damit rechnen müssen, für spezifische, zusätzliche Leistungen herangezogen zu werden.

Es gibt aber auch Versicherungen, die unabhängig von bestehenden oder zukünftigen Diagnosen alle Kinder nehmen. So eine haben wir. Da würde mir mal durch die Blume unterstellt, Alexanders Gehörlosigkeit bei Vertragsabschluss verschwiegen zu haben, mit dem Zusatz, das wäre "nicht nötig" gewesen, weil sie ohnehin Kinder mit allen Behinderungen annehmen. Tatsächlich hatten wir zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses, als Alexander gerade 2 Monate alt war, noch gar keine Diagnose. Es waren zwar ein paar Hörscreenings auffällig, aber damals ging man noch davon aus, das mit einem Paukenröhrchen beheben zu können.
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Engrid
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Beitragvon Engrid » 02.04.2019, 18:45

Hallo,

„müssen alles offenlegen“ ist ja auch keine exakte Formulierung, ich hatte bei den Vorraussetzungen zur Zulassung zur Pilotenausbildung extra gesucht, da geht es letztlich nur um ausbildungsRELEVANTES was man angeben muss, ansonsten gibt es da vor allem Eignungstests, da fliegt mit und ohne Diagnose alles auf, was gegen den Kandidaten spricht.

Was mich irritiert, Melly, Du hast ein noch kleines Kind, das nicht diagnostiziert ist und gut zurechtkommt (diagnostiziert hast Du ihn quasi insgeheim selber), aber Du gibst hier allerlei Ratschläge, wie mit schwierigem Verhalten von Autisten umzugehen sei, und wie sie spielen lernen. Usw usf. Na, was jetzt? Ein bisschen wirkt es auf mich, als würdest Du denken, Du hättest den Durchblick und wüsstest, wie man das macht, ohne Hilfen, und wir hier tappen im Dunkeln. Ich sag Dir eins, seit zwölf Jahren lese und lerne ich über Autismus, in Theorie und Praxis, und ich verstehe so vieles nicht, und manches wird, je mehr Einblick man hat, umso komplizierter. Ich bin gottfroh, als Wegbegleiter gute Fachleute zu haben, die mit mir rätseln, die erklären, die helfen. Die habe ich nur, weil wir die Diagnose haben.

Natürlich muss jeder selber wissen, ob er sein Kind testen lässt oder nicht. Wischiwaschi-Infos von nichtautistischen Piloten und Polizisten (die selber gar nichts offenzulegen hatten) und Verallgemeinerungen sind halt aber problematisch, wo Leute eh schon eine Scheissangst vor der Diagnose haben, weil über Autismus so viele negative und übertriebene Klischees kursieren.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

melly210
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Re:

Beitragvon melly210 » 02.04.2019, 22:46

Hallo,

„müssen alles offenlegen“ ist ja auch keine exakte Formulierung, ich hatte bei den Vorraussetzungen zur Zulassung zur Pilotenausbildung extra gesucht, da geht es letztlich nur um ausbildungsRELEVANTES was man angeben muss, ansonsten gibt es da vor allem Eignungstests, da fliegt mit und ohne Diagnose alles auf, was gegen den Kandidaten spricht.

Was mich irritiert, Melly, Du hast ein noch kleines Kind, das nicht diagnostiziert ist und gut zurechtkommt (diagnostiziert hast Du ihn quasi insgeheim selber), aber Du gibst hier allerlei Ratschläge, wie mit schwierigem Verhalten von Autisten umzugehen sei, und wie sie spielen lernen. Usw usf. Na, was jetzt? Ein bisschen wirkt es auf mich, als würdest Du denken, Du hättest den Durchblick und wüsstest, wie man das macht, ohne Hilfen, und wir hier tappen im Dunkeln. Ich sag Dir eins, seit zwölf Jahren lese und lerne ich über Autismus, in Theorie und Praxis, und ich verstehe so vieles nicht, und manches wird, je mehr Einblick man hat, umso komplizierter. Ich bin gottfroh, als Wegbegleiter gute Fachleute zu haben, die mit mir rätseln, die erklären, die helfen. Die habe ich nur, weil wir die Diagnose haben.

Natürlich muss jeder selber wissen, ob er sein Kind testen lässt oder nicht. Wischiwaschi-Infos von nichtautistischen Piloten und Polizisten (die selber gar nichts offenzulegen hatten) und Verallgemeinerungen sind halt aber problematisch, wo Leute eh schon eine Scheissangst vor der Diagnose haben, weil über Autismus so viele negative und übertriebene Klischees kursieren.

Grüße
"Relevantes" betrifft aber genau solche Dinge. Es ist sogar so, daß es für Piloten eine Meldepflicht von seelischen Erkrankungen/Behinderungen gibt. Da gab es ja damals als ein Pilot Selbstmord begangen hat in dem er eine voll besetzte Maschine absichtlich gegen einen Berg geflogen hat ein riesiges Theater darum. Der hatte nämlich offiziell diagnostiziert Depressionen, und der Flugarzt hat das nicht gemeldet. Die sind aber verpflichtet seeelische Erkrankungen zu melden.

Und ich schreibe prinzipiell nur meine Meinung, zusammen mit der Info wie alt mein Kind ist und was es hat. Ob er meine Meinung dann teilt oder für Blödsinn hält kann sich jeder selber überlegen. Und übrigens was gute Fachleute angeht stimme ich dir voll zu, ich bin sowohl um meine Schwester als auch um unsere sehr, sehr gute Ergopraxis absolut froh.

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Re: Vor-/Nachteil einer Diagnose - brauchen einen Rat

Beitragvon Engrid » 02.04.2019, 23:23

Deine Quelle? Ich lese was anderes.
Engrid
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Re: Vor-/Nachteil einer Diagnose - brauchen einen Rat

Beitragvon sandra8374 » 03.04.2019, 05:55

Ich habe jetzt nicht alles gelesen, aber ist eine Diagnose nicht in erster Linie ein Name für die gesammelten Auffälligkeiten?

Die Person selbst ändert sich doch nicht, die Schwierigkeiten/Auffälligkeiten bleiben doch bestehen.
Mit Diagnose hat es dann einen Namen und man kann Fördern, nicht Überfordern, vielleicht weniger an sich zweifeln etc.

Ich finde eine Diagnose wichtig.
LG Sandra

S+F mit PT(*00 FAS, Microdelitation 16p11.2, ADHS, GB, Z.n.Absencen?, Sehfehler, Lordierung LWS, Skoliose 17,8%, Beckenschiefstand, Hüftkontraktur, Korsettversorgung, mit SBA 90 HBG) u. PS (*01 ADS, GB, Sehfehler, Knick-Senk-Füße, Z.n.Epilepsie, mit SBA 60)

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Re: Vor-/Nachteil einer Diagnose - brauchen einen Rat

Beitragvon melly210 » 03.04.2019, 11:28

Deine Quelle? Ich lese was anderes.
https://www.google.com/amp/s/www.luzern ... -ld.117224

Zb hier. Piloten haben die Pflicht ihre Krankengeschichte offenzulegen.

melly210
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Re: Vor-/Nachteil einer Diagnose - brauchen einen Rat

Beitragvon melly210 » 03.04.2019, 11:30

Ich habe jetzt nicht alles gelesen, aber ist eine Diagnose nicht in erster Linie ein Name für die gesammelten Auffälligkeiten?

Die Person selbst ändert sich doch nicht, die Schwierigkeiten/Auffälligkeiten bleiben doch bestehen.
Mit Diagnose hat es dann einen Namen und man kann Fördern, nicht Überfordern, vielleicht weniger an sich zweifeln etc.

Ich finde eine Diagnose wichtig.
Jein. Bei manchen Diagnosen, wie zb Autismus, variiert die Ausprägung sehr stark. Das ist aber Versicherungen und Co teilweise egal, für die gilt was am Papier steht und Schluß. Da werden alle mit der gleichen Diagnose gleich behandelt.

Lisaneu
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Re: Vor-/Nachteil einer Diagnose - brauchen einen Rat

Beitragvon Lisaneu » 03.04.2019, 11:44

Deine Quelle? Ich lese was anderes.
https://www.google.com/amp/s/www.luzern ... -ld.117224

Zb hier. Piloten haben die Pflicht ihre Krankengeschichte offenzulegen.
Danke für den Link! Es ist auch irgendwie klar, dass ein Pilot möglichst gesund sein sollte. Wenn er Diabetiker ist und in der Luft einen Hypo hat ist das sicher alles andere als einfach (klar übernimmt im Normalfall der Copilot, aber wenn das mitten im Landeanflug ist stelle ich es mir trotzdem gefährlich vor).

Ich habe aber keinerlei Hinweise gefunden, dass Autisten grundsätzlich vom Pilotenberuf ausgeschlossen sind. Das ist - wie so vieles - vermutlich Auslegungssache. Es muss ohnehin ein Arzt bescheinigen, dass ein Bewerber für diesen Beruf körperlich uns psychisch tauglich ist. Bei einem gesunden Asperger-Autisten sehe ich da deutlich weniger Probleme als bei einem Bewerber mit Depressionen oder Suchtproblematik.
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Re: Vor-/Nachteil einer Diagnose - brauchen einen Rat

Beitragvon melly210 » 03.04.2019, 12:07

Deine Quelle? Ich lese was anderes.
https://www.google.com/amp/s/www.luzern ... -ld.117224

Zb hier. Piloten haben die Pflicht ihre Krankengeschichte offenzulegen.
Danke für den Link! Es ist auch irgendwie klar, dass ein Pilot möglichst gesund sein sollte. Wenn er Diabetiker ist und in der Luft einen Hypo hat ist das sicher alles andere als einfach (klar übernimmt im Normalfall der Copilot, aber wenn das mitten im Landeanflug ist stelle ich es mir trotzdem gefährlich vor).

Ich habe aber keinerlei Hinweise gefunden, dass Autisten grundsätzlich vom Pilotenberuf ausgeschlossen sind. Das ist - wie so vieles - vermutlich Auslegungssache. Es muss ohnehin ein Arzt bescheinigen, dass ein Bewerber für diesen Beruf körperlich uns psychisch tauglich ist. Bei einem gesunden Asperger-Autisten sehe ich da deutlich weniger Probleme als bei einem Bewerber mit Depressionen oder Suchtproblematik.
Eine offizielle "Negativliste" hätte ich auch nicht gefunden. Gibt es ja auch für Versicherungen nicht. Ich denke das wäre aus Diskriminierungsgründen auch nicht zulässig. Nur in der Praxis ist es mit Versicherungen und Co halt sehr oft schwierig.

Du hast übrigens vorhin mal geschrieben ihr hättet eine (Zusatz)Versicherung die euch auch mit bekannter Behinderung keine Probleme gemacht hätte. Darf ich fragen welche das ist ? Wir würden ev. überlegen eine private Zusatzversicherung zu nehmen.

Lisaneu
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Re: Vor-/Nachteil einer Diagnose - brauchen einen Rat

Beitragvon Lisaneu » 03.04.2019, 12:15

Hallo melly,

hier ist der Link zu unserer Versicherung:

https://www.muki.com/produkte/muki-familyplus/
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