Vor-/Nachteil einer Diagnose - brauchen einen Rat

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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Engrid
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Re: Vor-/Nachteil einer Diagnose - brauchen einen Rat

Beitragvon Engrid » 01.04.2019, 18:02

Was steht denn nun im Kleingedruckten?
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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melly210
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Re: Vor-/Nachteil einer Diagnose - brauchen einen Rat

Beitragvon melly210 » 01.04.2019, 19:01

Was steht denn nun im Kleingedruckten?
Daß man verpflichtet ist vorliegende gesundheitliche Berinträchtigungen wahrheitsgemäß anzugeben und daß dies je nach Art und Schwere der Beeinträchtigung zu höheren Prämien, Leistungsausschluß oder Leistungsminderung führen kann.

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Alexandra2014
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Re: Vor-/Nachteil einer Diagnose - brauchen einen Rat

Beitragvon Alexandra2014 » 01.04.2019, 19:05


Wir haben auch keine Diagnose bekommen! Laut Ärztin stellen sie (SPZ) die Diagnose nicht leichtfertig, manche Praxen vergeben sie aber recht schnell. Dazu kam auch die Aussage: “man will dem Kind das spätere Berufsleben nicht mit der Diagnose verbauen. Als Autist hätte er keine Chancen auf dem 1. Arbeitsmarkt.
ADHS kann man zurückziehen - Autismus nicht....“

Liebe Grüße!
MelSch

Wenn ich sowas lese, werde ich stinkig (wegen der dusseligen Aussage der Ärztin).
Ich kenne so viele Asperger, die auf dem 1. Arbeitsmarkt arbeiten.
Mein Neffe (Asperger) ja ebenso. Er hat die Ausbildung auf dem 1. Arbeitsmarkt gemacht und wurde anschließend auch übernommen. Er arbeitet nun schon seit über einem Jahr völlig problemlos in seinem Beruf.

Ob man auf dem 1. Arbeitsmarkt arbeiten kann, hängt von den Fähigkeiten ab, die der Autist mitbringt, nicht von der Diagnose.

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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Engrid
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Re: Vor-/Nachteil einer Diagnose - brauchen einen Rat

Beitragvon Engrid » 01.04.2019, 19:11

Alles was nachteilig sein könnte, wie keine Versicherung oder bestimmte Berufe usw, ist auf Grund seines Pflegegrades und der Schwerbehindertenausweis sowieso nicht möglich
Den Eingangstext von Susanne, und deren Thread ist das hier ja, hast Du schon gelesen, Melly?


Das weit größere Problem der Autisten in der Gesellschaft ist NICHT die Diagnose als „Stempel“, sondern die Tatsache, dass zuviele Barrieren da sind bzw zuwenig Hilfen bei ihrer Überwindung. Das trifft sie MIT und OHNE Diagnose, ohne bei Bedarf noch härter.

Grüße
Engrid
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Re: Vor-/Nachteil einer Diagnose - brauchen einen Rat

Beitragvon NicoleWW » 01.04.2019, 21:22

ADHS ist nicht heilbar und auch eine dauerhafte Diagnose genau wie Autismus auch.
Nicole (70, Morbus Bechterew, Asthma) mit

J.M. (92)
J.C. (93)
J.E. (95, ADHS, E80.4)
A.M. (04, F93.3, F98.8, F81,1)
S.F. (04,F84.5, F98.8, J30.3, E80.4, J45.0)
V.L. (07, J45.1, F98.0)
J.K. (07, F84.5, F98.0)

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Re: Vor-/Nachteil einer Diagnose - brauchen einen Rat

Beitragvon melly210 » 01.04.2019, 23:28

Alles was nachteilig sein könnte, wie keine Versicherung oder bestimmte Berufe usw, ist auf Grund seines Pflegegrades und der Schwerbehindertenausweis sowieso nicht möglich
Den Eingangstext von Susanne, und deren Thread ist das hier ja, hast Du schon gelesen, Melly?


Das weit größere Problem der Autisten in der Gesellschaft ist NICHT die Diagnose als „Stempel“, sondern die Tatsache, dass zuviele Barrieren da sind bzw zuwenig Hilfen bei ihrer Überwindung. Das trifft sie MIT und OHNE Diagnose, ohne bei Bedarf noch härter.

Grüße
Ja klar habe ich den Eingangstext gelesen. Wenn das Kind in ihrem Fall ohnehin nicht von den eventuellen Nachteilen betroffen sein wird, spricht ja auch alles für eine Diagnose. Es stimmt sicher, daß die Barrieren ein großes Problem sind, und die vielen Ausschlüsse und Hürden die generell Behinderten auferlegt werden. Dennoch kann auch der "Stempel" nicht unwesentlich Probleme kreieren, kommt auf die Ausgangslage an. Man sollte sich dessen bei einem abgesehen vom Autismus sehr fitten Kind einfach bewusst sein.

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Re: Vor-/Nachteil einer Diagnose - brauchen einen Rat

Beitragvon s.till » 02.04.2019, 09:19

Hallo zusammen,

ich möchte ja kein Spielverderber sein, aber wirklich weiter hat mich eure ganze Diskussion nicht gebracht :( :( .

Ich brauche Argumente die für eine Diagnose sprechen! Wir haben morgen den Termin und ich würde gerne mir ein paar Argumente zurecht legen.

Meine persönliche Meinung ist, dass wenn ein Kind Autismus hat man es doch irgendwann merkt. Unser Sohn würde auch als "fitter Autist" gelten, doch man merk einfach, dass er anders ist. Auch finde ich persönlich es nicht so glücklich formuliert, dass man sich nur die Diagnose geben lassen soll, wenn man es auf den ersten Blick sieht/merkt. Unser Sohn versteht die Welt sehr oft nicht und leidet drunter aber halt nur in seiner gewohnten Umgebung. Ist er deshalb leidensfähiger als ein Kind was seinem "Frust" in aller Öffentlichkeit kundtut?

Und für alle die Bedenken zwecks Berufswahl und Versicherungen haben:
Man muss seine Diagnose nicht bei der Bewerbung angeben. AUSNAHME zB. bei der Polizei. Aber mal ganz ehrlich ich möchte nicht, dass man meinem Sohn der seine Impulse nicht unter Kontrolle hat, eine Waffe in die Hand drückt. Auch finde ich es unverantwortlich wenn jemand so einen Beruf ergreifen will und weis dass er eigentlich eine Diagnose bekommen würde, welche diesen Berufswunsch zunichte macht.
Bei Versicherungen ist es nochmals anders gelagert. Da muss man es angeben! Dies hat bei vielen Versicherungen die Konsequenz, dass man nicht genommen wird. Sollte sich aber heraus stellen, dass man sich die Diagnose nicht hat geben lassen, um an eine Versicherung zu kommen, dann wird der Vertrag rückwirkend gekündigt und man sieht sein Geld nicht wieder und hat schlimmstenfalls noch eine Klage am Hals. Sobald irgendwo in der Krankenakte mal Verdacht auf Autismus, hat man eigentlich schon keine Chance und muss das angeben. Die Versicherungen versuchen grundsätzlich alles um nicht zahlen zu müssen.
Das mit den Versicherungen haben wir leider selber erfahren müssen. Konnten aber vor Gericht beweisen, dass wir bei Abschluss der Versicherung nichts von seinen Beeinträchtigung wussten.

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir noch ein paar hilfreiche Argumente geben könnt und nicht über den Sinn einer Diagnose bei einem fraglichen Autismus herum diskutiert.

LG Susanne
M *2010 Frühchen der 27SSW, Pneumothorax, Meningitis, diverse RSV Infektionen, Pneumonien, dystroph, kleinwüchsig, stimulationsbedürftige Apnoen, Asperger Autismus, Koordinationsstörung, PEG/PEJ seit 07/16 weg :D Pflegegrad 4 und SBA von 80% aG,B,H.
B*2008 ADS

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Re: Vor-/Nachteil einer Diagnose - brauchen einen Rat

Beitragvon Kerstin74 » 02.04.2019, 09:57

Susanne, vielleicht kann ich ein bisschen weiterhelfen Argumente für eine Diagnose zu finden. Vorteile der Diagnose sind z.B., dass es für Menschen mit ASS eine Bandbreite an Hilfsmitteln, Therapieformen und Unterstützung gibt, die auf ihre Wahrnehmungs- und Verarbeitungsmöglichkeiten abgestimmt sind und zu denen man nur mit der Diagnose Zugang bekommt. Es ist toll, dass ihr derzeit eine fitte Lehrerin habt, aber ob diese ewig da ist scheint eher fraglich. Daher wäre es auch schulisch betrachtet hilfreich eine entsprechende Diagnose zu haben, damit die Lehrmethoden, die Begleitung und das pädagogische Handeln "passgenau" sind und kein Lehrer sich bemüßigt fühlt, ins blaue rein zu experimentieren.

Gerade bei Menschen, denen man eine Behinderung nicht auf den ersten Blick ansieht finde ich es doppelt wichtig, eine Diagnose zu haben. Einerseits um dem Kind selbst erklären zu können, warum es seine Probleme in bestimmten Bereich hat, andererseits aber auch, um der Umwelt erklären zu können, dass das Kind schlicht nichts für manche Originalitäten kann. Einem tauben Kind sieht man seine Behinderung auch nicht an und dennoch ist es wichtig, dass die Umwelt weißt, dass anschreien auch nichts ändert....

Einen Nachteil kann ich nicht wirklich erkennen; gut die Versicherungen, aber bei denen reicht ja schon deutlich weniger, damit sich sie quer stellen.

Viel Erfolg!

LG
Kerstin
der Große (10/06) mit ADS, LRS und senso-/graphomotorischer Schwäche

der Kleine (10/11) mit pFAS, ADHS, SIS, Hyperakusis, Hypermobilität, Beckenschiefstand mit skoliotischer Fehlhaltung, Vorhofseptumdefekt (ASD II), Fruktoseintoleranz, globale Entwicklungsverzögerung, Hypomotilität des Ösophagus, V.a. ASS => PG 3, GdB 70%

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Re: Vor/Nachteil einer Diagnose brauchen einen Rat

Beitragvon Alexandra2014 » 02.04.2019, 10:21

Wir sind bis jetzt immer auf Psychologen gestoßen, die nicht wirklich Ahnung vom Autismusspecktrum haben, bzw sie haben nur Erfahrung mit frühkindlichem Autismus.
LG Susanne
Vielleicht liegt da auch der Hund begraben. Ein Psychologe, der sich mit der potentiellen Diagnose deines Sohnes nicht auskennt, wird euch auch auf Dauer nicht helfen und unterstützen können.
Da Du „Psychologen“, also Mehrzahl, schreibst, seid ihr ja offenbar mehr als einmal an jemanden geraten, der eigentlich nicht passt.
Der richtige Ansprechpartner wäre in dem Fall eine Autismusambulanz oder aber ein Kinder- und Jugendpsychiater (nicht Psychologe), der als Schwerpunkt Autismus und die entsprechenden Fortbildungen hat.

Zudem wurden dir einige hilfreiche Punkte genannt, für die eine Diagnose wichtig ist, wie Schulbegleiter, Zugang zu den passenden Therapien, Bewilligung evtl. benötigter Hilfsmittel etc. Auch wurde geschrieben, dass es zwar jetzt gut läuft mit der Lehrerin, aber man sich darauf nun nicht verlassen kann und u.U. schnell Hilfe benötigt wird (z.B. nach Lehrerwechsel, der manchmal schneller kommt, als einem lieb ist), die nur mit Diagnose zu bekommen ist.
In der Diskussion wurden letzten Endes alle Vor- und Nachteile der Diagnose angesprochen und verschiedene Sichtweisen aufgezeigt. Was für euch, bzw. dein Kind, als Argumentation passt, kannst sowieso nur du beantworten. Deswegen finde ich deinen Vorwurf, dass dir damit nicht geholfen sei, etwas unfair!

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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Re: Vor-/Nachteil einer Diagnose - brauchen einen Rat

Beitragvon AnnalenaO » 02.04.2019, 10:22

Hallo!
@Melly es tut mir leid aber die Aussage „wenn wir wollten könnten wir auch eine Autismus Diagnose haben“ verbunden mit „lassen wir aber nicht vergeben weil wir unserem Kind nicht die Zukunft zu verbauen“ ist ehrlichgesagt die gleiche Schiene wie im Schule/Kindergarten Forum: vernünftige Eltern lassen ihre Kinder max 1 Stunde Medienzeit am Tag. Das verunsichert Eltern und ist einfach überhaupt kein bisschen hilfreich!
@ Susanne: Wir haben eine etwas ähnliche Ausgangslage wie ihr: fittes aber doch auffälliges Kind bei super Lehrerin in der Schule mit der es im Moment „eigentlich“ auch keine Diagnose bräuchte. Aber die weiterführende Schule naht! Wir werden von der Autismusbeauftragten unserer Stadt bei der Schulwahl beraten und die erste Zeit an der neuen Schule auch begleitet. Und die Schule an die mein Sohn kommen wird muss wissen was „mit ihm los ist“ und mit ihm arbeiten WOLLEN sonst wird das nix!
DasSPZ hatte vor Einschulung in die Geundschule bei uns auch zum zuwarten geraten. Bei uns ist es nicht schief gegangen dank toller Lehrerin. Ich danke Gott jeden Abend dass es so gelaufen ist und dass mein Sohn jetzt die Diagnosehat und wir uns nicht nochmal auf so dünnes Eis wagen!!! Ernst gemeint. Denn mein Sohn IST nunmal Autist mit allem an Negativem und allem an Positivem was das mit sich bringt!
Und ich bin sehr giter Hoffnung dass er im Informatik Bereich einen guten Job auf dem 1. Arbeitsmarkt bekommen wird. Er ist einfach Genial am PC und darf seine Neigung auch ausleben. Pilot oder Polizist würde im Leben niiiiie zur Debatte stehen!
Also argumentiere auch mit der Weiterführenden Schule, dass man mit offenen Karten spielen muss (!) wenn das Kind nun mal Autist IST. Und auch im weiteren Leben. Man verbaut dem Kind nichts, man öffnet Türen.
Alles Gute und liebe Grüsse, AnnalenaO
Sohn 5/2009 Asperger Syndrom
Tochter 10/2012 Topfit


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