Ausgeschult von der Schule

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Jannice
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Ausgeschult von der Schule

Beitragvon Jannice » 17.03.2019, 09:33

Mein 18 jähriger Autist wurde letzten Monat aufgrund erheblicher Fehlzeiten ( er hat eine schwere Depression ) von der Förderberufsschule ausgeschult. Die Schulpflicht ist erfüllt.

Wie kann es nun weitergehn für ihn ? In eine Werkstatt für Behinderte will er auf keinen Fall, schon bei der Erwähnung wird er aggressiv. Er hat einen IQ von 121, kann ihn aber nicht nutzen, weil er " anders" denkt.

Gibt es inklusive Ausbildungen ? Wenn ja, beinhaltet das auch z.B. verkürzte Arbeitszeiten? Begleitung ? Fahrdienst ? uvm

Er kann doch nicht den ganzen Tag nur zu Hause herum sitzen :-(

In ein Berufsbildungswerk bekomme ich ihn nicht unter, das ist 100km weit entfernt und er müßte dort ins Internat, er schläft grundsätzlich nicht woanders, dann dreht er durch und läuft weg. Jeden Tag 100km hin und zurück fahren geht nicht, er fährt aufgrund seiner Sozialphobie nicht alleine mit öffentlichen Verkehrsmitteln, er bekommt dann regelrecht ne Panikattacke wenn z.B. der Bus zu voll ist oder die Bahn. Ich selber kann ihn nicht fahren, hab weder Führerschein noch Auto und bin von 6 Uhr bis nachmittags beruflich außer Haus.

Es wurde weiterhin über §35a die Fortsetzung der Autismustherapie beantragt und auch ein Integrationshelfer für die Freizeit, aber beruflich geht momentan nix :-(
LG Jannice
mit "der Kleine" ( 15J. , globale Entwicklungsverzögerung, Kleinwuchs, Asthma, EDS3, sel. Mutismus, Mutation auf Col11A1 u.a.) und "der Große" ( 18J. , Entwicklungsverzögerung, Depression, Hashimoto, Schwerhörig rechts, Autismusspektrumsstörung, Adipositas) . Beide Jungs haben eine Duplikation auf dem ARX-Gen.

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HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 17.03.2019, 10:58

Liebe Jannice,

habt Ihr schon über Fernschule oder Fernausbildung nachgedacht oder nachgelesen?

Eventuell bietet auch eine lokale Vorlkshochschule diesbezüglich etwas an?

Liebe Grüße
Heike

Jannice
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Beitragvon Jannice » 17.03.2019, 11:32

Volkshochschule ja - aber da wäre das Problem mit dem Bus fahren :-(

Es gibt auch Fernausbildungen ? Werden die evtl. auch finanziert ? Falls ja, von wem ?
Fernschule war mal ne Idee, aber er hat nen guten Hauptschulabschluß und das wird sicher keiner finanzieren, nur wenn er keinen Abschluß hätte. Zudem meint das Jugendamt ( HPG wegen §35a ) er müsse unter Menschen und solle nicht nur zu Hause sein - ob mein Sohn das kann oder will wird nicht berücksichtigt, er muß, sonst würden die "andere Maßnahmen ergreifen " - so der O-Ton. Mein Sohn fühlt sich nicht ernst genommen und will einfach nur zur Ruhe kommen und nicht gezwungenermaßen das Haus verlassen müssen um z.B. in einen Jugendtreff zu gehn, der ihn gar nicht interessiert etc. - sowas wurde ihm aufdiktiert. Ich glaube, die haben gar keine Ahnung von Autismus und Sozialphobie, selbst die Depression wird auf die Schilddrüse geschoben und nicht ernst genommen, dabei ist er medikamentös gut eingestellt und der Facharzt sagt, die Depression käme davon, dass er ständig versucht, in der Öffentlichkeit nicht auf zu fallen und ihm bewußt ist, dass er völlig anders ist und noch einiges mehr.
LG Jannice
mit "der Kleine" ( 15J. , globale Entwicklungsverzögerung, Kleinwuchs, Asthma, EDS3, sel. Mutismus, Mutation auf Col11A1 u.a.) und "der Große" ( 18J. , Entwicklungsverzögerung, Depression, Hashimoto, Schwerhörig rechts, Autismusspektrumsstörung, Adipositas) . Beide Jungs haben eine Duplikation auf dem ARX-Gen.

Susanne Th.
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Beitragvon Susanne Th. » 17.03.2019, 11:52

Hallo Jannice,

Du kannst Dich beim Integrationsfachdienst Deiner Kommune zum Thema Übergang Schule Beruf beraten lassen....

LG
Susanne

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RolliTanteSilvi
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Beitragvon RolliTanteSilvi » 17.03.2019, 11:56

Hallo Jannice,

schau Dir die folgenden Seiten an, vielleicht ist das was für deinen Sohn.

https://www.bbw-neckargemuend.de/bildung/e-learning/

https://webindividualschule.de/index.php

LG Silvi
Moritz (geb.2007) - richtiger Sonnenschein und "Wirbelwind" mit Muskeldystrophie des Typs Duchenne - hat beide Eltern bei einem Autounfall verloren - seit 2017 Diffuser Ösophagusspasmus (Schluckstörung) - seit 2018 Tracheastoma & GastroTube
" Auch aus Steinen, die Dir in den Weg gelegt werden, kannst Du etwas bauen". (Erich Kästner)

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Fernausbildung

Beitragvon HeikeLeo » 17.03.2019, 12:57

Liebe Jannice,

auf die Schnelle habe ich jetzt die Hinweise nicht mehr gefunden - ich hatte mal etwas gelesen von Fernausbildungen. Gerade, wenn ein Schulabschluss schon da ist.

Vielleicht hilft dieser Link weiter:
https://www.rehadat-bildung.de/de/

Liebe Grüße
Heike

SimoneChristian
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Beitragvon SimoneChristian » 17.03.2019, 14:03

Hallo Jannice,

ich habe mal ein paar Fragen zur Ausgangslage gesammelt, die als Denkanstoß zu verstehen sind. Du musst darauf also nicht konkret antworten. :wink:

Wo liegen denn die Interessen deines Sohnes?
Bzw. wo würde seine Motivation für Veränderungen her kommen?

Hat er noch soziale Kontakte über soziale Medien oder ähnliches?
Was strengt ihn besonders an außer Haus?

Wie beschäftigt er sich zu Hause?

Hat er jemanden, mit dem er über sein "anders" sein sprechen kann, um das evtl auch mehr zu akzeptieren?
Welche "Glaubenssätze" hat er verinnerlicht? (z.B. "Ich möchte nicht anders sein, weil....", "Ich kann sowieso nicht xy." oder ähnliches)

Ist die Autismustherapie auch psychotherapeutisch? Käme evtl eine zusätzliche Psychotherapie in Frage? Oder evtl eine längere Selbstreflektion mit entsprechendem Schriftmaterial?

Würdest du eine längere Schul-/Sozialpause für hilfreich oder kontraproduktiv halten? Bzw. sie auch länger selber aushalten oder einen entsprechenden Rahmen vorgeben?

Wie stellt er sich seine Zukunft vor?
Und wie stellst du sie dir vor?
Was ist realistisch?

Welche finanziellen Möglichkeiten gibt es?
Welche Hilfen lassen sich beantragen oder sind noch nicht ausgeschöpft?

In welchen Bereichen des schulischen Lernens gibt es Probleme? (Keine Lust, weil uninteressant? Andere Methodik? o.ä.)
Wo würde das bei einer Ausbildung wieder schwierig? Wo würde es leichter?

Das waren jetzt nur mal so die Fragen, die mich jetzt auch schon mal umtreiben. :cry:

LG
Simone
C. (*9/11) Sprachentwicklungsverzögerung, Regulationsstörungen des Kindesalters
atypischer Autismus (Diagnose 07/15)

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Beitragvon Britta70 » 17.03.2019, 14:53

Hallo,

hat er Interesse an Computern? Gerade im IT-Bereich gibt es viele "Nerds" und immer wieder auch Autisten. Dann wäre eine Ausbildung im Bereich Informationsverarbeitung vielleicht etwas.

Wenn keine Ausbildung möglich ist, könnte man versuchen, in dem Bereich Homeoffice etwas zu finden - dafür ist natürlich eine genaue Analyse was man möchte und realistisch auch könnte notwendig.

Ganz andere Bereiche: Autor, Künstler, Kunsthandwerker, eigene kleine Werkstatt...

Hier in der Gegend kann man auch gutes Geld am Fließband (Autoindustrie)verdienen.

Das sind jetzt ganz gegensätzliche Ideen, ich kenne deinen Sohn ja nicht... Sicherlich ist eine Ausbildung wünschenswert, aber man kann auch ohne Ausbildung und dafür mit besonderen Fähigkeiten beruflich Fuß fassen.

LG
Britta
Amelie (*05), hypoxischer Hirnschaden durch near-missed SIDS, Z. n. BNS-Epilepsie, Button, Tetraspastik, Tetraparese, cerebral blind, Hüftluxation links (operiert 2014), starke Skoliose (operiert 2016)

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Beitragvon Anjali » 17.03.2019, 15:52

Hallo,

eine Ausbildung ist ja -sozusagen- erst die halbe Miete.
Wie realitsisch ist es denn, dass dein Sohn -unter derzeitigen Voraussetzungen- überhaupt einmal beruflich Fuß fassen kann?

Ich würde daher überlegen, ob nicht vielleicht -zumindest parallel- der Fokus auf die Behandlung/Therapie der schweren Depression und Sozialphobie gelegt werden könnte.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (17 Jahre / Asperger-Autist)

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anna h.
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Beitragvon anna h. » 17.03.2019, 16:26

Hallo Jannice,
ich weiß nicht, woher Ihr kommt. Aber hier zB gibts in Köln auch eine Autismus-Ambulanz für Erwachsene.
Ihr solltet Euch etwas Vergleichbares suchen und dort intensiv beraten lassen.
LG
Anna H.


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