Ausgeschult von der Schule

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Jannice
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Beitragvon Jannice » 17.03.2019, 19:28

Wo liegen denn die Interessen deines Sohnes?
Bzw. wo würde seine Motivation für Veränderungen her kommen?

- er zeichnet gerne



Hat er noch soziale Kontakte über soziale Medien oder ähnliches?
Was strengt ihn besonders an außer Haus?

- er verläßt die Wohnung nur selten, aber er ist bei Facebook und hat Whatsapp

Wie beschäftigt er sich zu Hause?

- er zeichnet sehr viel und schaut gerne lets play Videos von Lieblingskonsolenspielen ( Zelda etc. )

Hat er jemanden, mit dem er über sein "anders" sein sprechen kann, um das evtl auch mehr zu akzeptieren?
Welche "Glaubenssätze" hat er verinnerlicht? (z.B. "Ich möchte nicht anders sein, weil....", "Ich kann sowieso nicht xy." oder ähnliches)

- er hat einen Kumpel, der auch Asperger ist und zusätzlich depressiv, die beiden sehen sich 1 bis 2 mal im Monat, öfter ist es beiden zu anstrengend

Ist die Autismustherapie auch psychotherapeutisch? Käme evtl eine zusätzliche Psychotherapie in Frage? Oder evtl eine längere Selbstreflektion mit entsprechendem Schriftmaterial?

- er hat Autismustherapie, wo momentan aber hauptsächlich auf seine Ängste und seine Depression eingegangen wird

Würdest du eine längere Schul-/Sozialpause für hilfreich oder kontraproduktiv halten? Bzw. sie auch länger selber aushalten oder einen entsprechenden Rahmen vorgeben?

- eher hilfreich, damit er erstmal zur Ruhe kommt und nicht unter Druck steht



Wie stellt er sich seine Zukunft vor?
Und wie stellst du sie dir vor?
Was ist realistisch?

- ich vermute mal, dass er allerhöchstens Teilzeit was machen kann, wenn überhaupt

Welche finanziellen Möglichkeiten gibt es?
Welche Hilfen lassen sich beantragen oder sind noch nicht ausgeschöpft?

- das weiß ich eben nicht, wir bekommen ergänzend Hartz4 und mir hängt das Jobcenter im Nacken dass die meinem Sohn nen 1Euro-Job aufdrängen wollen

In welchen Bereichen des schulischen Lernens gibt es Probleme? (Keine Lust, weil uninteressant? Andere Methodik? o.ä.)
Wo würde das bei einer Ausbildung wieder schwierig? Wo würde es leichter?

- er ist zusätzlich schwerhörig und ist Legastheniker, letzteres wurde in seinem Alter nicht mehr berücksichtigt und einige der Fächer die er hatte, lagen ihm überhaupt nicht ( Wirtschaftsbereich ) , er konnte damit einfach nichts anfangen, für ihn war das wie ne Fremdsprache die er nicht versteht

Erstmal müßte weiter die Depression behandelt werden, was das Jugendamt allerdings abtut nach dem Motto, es würde ja alles an der Schulddrüse liegen, das Endokrinologikum sieht das anders, er ist bestens eingestellt auf sein Medikament. Dazu noch bekommt er Sertralin, was aufgrund seiner Painikattacken nochmal erhöht wurde. Die Panikattacken blieben dann aus, aber die Depression bessert sich nicht. Hätte er die Depression nicht, wäre er mit Sicherheit leistungsfähiger und lernbereiter. Daran hängt anscheint alles.
Er wurde jahrelang auf ein nicht vorhandenes ADHS behandelt und bekam Ritalin ( damit war er vergleichbar wie ein Zombie und bekam schwere Tics ) und bekam dann Strattera - seit der Einnahme davon hat er die Depression, verschlimmert hat sich das ganze als man ihn in einer Reha mit Dipiperon ruhigstellte, weil er durch die Veränderung Weglauftendenzen hatte. Und seitdem bekommt er die Depression nicht mehr los.
LG Jannice
mit "der Kleine" ( 15J. , globale Entwicklungsverzögerung, Kleinwuchs, Asthma, EDS3, sel. Mutismus, Mutation auf Col11A1 u.a.) und "der Große" ( 18J. , Entwicklungsverzögerung, Depression, Hashimoto, Schwerhörig rechts, Autismusspektrumsstörung, Adipositas) . Beide Jungs haben eine Duplikation auf dem ARX-Gen.

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SimoneChristian
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Beitragvon SimoneChristian » 17.03.2019, 20:17

Hallo Jannice,

da ist ja schon mal einiges positive dabei. :)
Die Reha und bisherige Therapie war wohl eher ein ... ins WC. :(

Wenn man einfach nicht so angenommen wird, wie man ist, kann man ja auch nur depressiv werden. :cry:
Man fühlt sich einfach machtlos und falsch.

Hat er denn auch Interesse an Kunst-Theorie?
Wäre etwas im grafischen Bereich, Kunst-Studium oder Videospiele Design denkbar?

Vielleicht auch ansonsten erst mal ein "Mappen-Kurs" an der VHS oder ähnliches, um über das Spezialinteresse wieder unter Leute zu kommen.

Zur Finanzierung:
Würde jemand ihn mittelfristig krank schreiben? Besser noch die maximal Teilzeit-Tätigkeit bescheinigt?
Was sagt die Reha-Abteilung des Arbeitsamtes?
Ist evtl noch eine Beschulung über die Kranken-Regelung eures Bundeslandes möglich?

LG
Simone
C. (*9/11) Sprachentwicklungsverzögerung, Regulationsstörungen des Kindesalters
atypischer Autismus (Diagnose 07/15)

Jannice
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Beitragvon Jannice » 17.03.2019, 20:19

Video Spiele Design wäre sein absoluter Traum - aber an sowas ran kommen ist schwer, leider
LG Jannice
mit "der Kleine" ( 15J. , globale Entwicklungsverzögerung, Kleinwuchs, Asthma, EDS3, sel. Mutismus, Mutation auf Col11A1 u.a.) und "der Große" ( 18J. , Entwicklungsverzögerung, Depression, Hashimoto, Schwerhörig rechts, Autismusspektrumsstörung, Adipositas) . Beide Jungs haben eine Duplikation auf dem ARX-Gen.

HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 18.03.2019, 16:25

Liebe Jannice,

da wäre vielleicht eine Ausbildung zum Grafiker etwas oder zum technischen Zeichner. Das erfordert aber mittlere Reife, soviel ich weiß.

Die mittlere Reife könnte er über Fernschule beim ILS machen. Für die Kosten würde ich Eingliederungshilfe bzw Hilfe zu einer angemessenen Schulbildung beantragen - da ist leider auch noch immer das Jugendamt zuständig. Wenn eine Behinderung festgestellt wurde, kann aber auch das Sozialamt zuständig sein. In dem Fall wäre §40 Bundessozialhilfegesetz Satz 5 und 6 die gesetzliche Regelung, auf die ich mich beziehen würde.
Da das zuständige Jugendamt zickt, könntest Du Dich auch einmal bei den Servicestellen der Rentenversicherungsträger informieren. Die sind da durchaus zuständig. Mir haben sie schon mehrmals unbürokratisch geholfen.

Die Fernschule wäre dann auch gleich mit einer Sozialpause verbunden, so dass er sich erst einmal wieder fangen könnte.

Du könntest auch im Internet nach EUTB recherchieren. Das sind Stellen, die seit zwei Jahren eine sogenannte ergänzende unabhängige Teilhabeberatung anbieten. Ich habe die noch nicht ausprobiert und weiß deshalb nicht, was sie taugen. Aber auf den ersten Blick klingt es vielversprechend.

Liebe Grüße
Heike

Jannice
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Beitragvon Jannice » 18.03.2019, 19:17

danke für die Tips :-)
LG Jannice
mit "der Kleine" ( 15J. , globale Entwicklungsverzögerung, Kleinwuchs, Asthma, EDS3, sel. Mutismus, Mutation auf Col11A1 u.a.) und "der Große" ( 18J. , Entwicklungsverzögerung, Depression, Hashimoto, Schwerhörig rechts, Autismusspektrumsstörung, Adipositas) . Beide Jungs haben eine Duplikation auf dem ARX-Gen.


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