Autimus? Sohn, 3 J., ohne Diagnose

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MamaEmiljan
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Autimus? Sohn, 3 J., ohne Diagnose

Beitragvon MamaEmiljan » 16.03.2019, 14:33

So ich habe mich soeben vorgestellt und frage nun mal direkt hier nach...bei den autismus und warnehmungsexperten...


So nun habe ich bereits schon eine Weile mitgelesen und möchte uns vorstellen. 
Wir sind Mama,Papa und Söhnchen und leben mit unseren 2 Hunden in der Nähe von Berlin. 

Die Schwangerschaft war komplikationslos. Die Geburt endete mit einer Saugglocke nach Geburtsstillstand. APGAR 9 9 10. Stillen problemlos . 6 Monate voll und begleitend bis 24 Monate.

Auffällig wurde unser Sohn (für uns, für die Ärztin alles normal) zur U7 mit 2 Jahren. Meiner Meinung nach hatte unser Sohn zu diesem Zeitpunkt kein Sprachverständnis ohne visuelle Hilfe und Gestik unsererseits. Und damit auch keine aktive Sprache.Er war aber stets bemüht unsere Wünsche zu erfüllen.Er hat motorisch nicht imitiert und konnte zwar einen Turm bauen aber nur mit Anleitung. Grobmotorisch sehr unsicher. Klettern und Schaukeln nur mit Hilfe und absoluter Versicherung dass ich bei ihm bleibe.
Motorisch war er ein Spätzünder aber alles im Rahmen. Drehen mit 6 Monaten, robben mit 8 Monaten, krabbeln sitzen und hochziehen mit 11 Monaten. Laufen lernte er dann mit 17 Monaten. Er war ein ausgesprochenes liebes Baby, hat gerne gekuschelt, Blickkontakt, guter Esser und Schläfer. Spielen am liebsten mit Mama und Papa. Man konnte und kann ihn überall mit hinnehmen. Er liebt Ausflüge. Er liebt unsere Hunde. Fremden gegenüber ist er schüchtern. Taut aber schnell auf. 

Mit 2, 3 Jahren kam er dann in den Kindergarten. Nach 8 Wochen wurde ich dann auf das fehlende Sprachverständnis angesprochen und auch das er nicht frei spielen kann. Er hatte keine eigenen Spielideen. Im kimdergarten ist er freundlich, aufgeschlossen und hat sich gut integriert. Er liebt seine erzieher, spielt mit ihnen, schläft und isst gut. 

Beruflich habe ich gute Kontakte zu Ärzten und so begann der Untersuchungsmarathon. MRT, Langzeit EEG, blut, bera, augen alles in ordnung. Ich atmete auf und konfrontierte unsere kinderärztin mit den ergebnissen. Sie gab mir dann Verordnungen für die Ergo. 

Stand nach 30 h Ergo und 4 Monate nach Beginn der Therapie:

Das Sprachverständnis ist explodiert. Er kann Aufforderungen verstehen und befolgen ( hol mir, bring mir,.zeig mir), er kann in Büchern zeigen, seine körperteile zeigen und versteht auch abstraktere Sachen. Wir sind wirklich baff. Die Sprachentwicklung hat eingesetzt. Er kann tiergeräusche zielsicher nachahmen und erste Wörter sprechen.. Er beantwortet wo und wie fragen mit sprache oder zeigen.Er imitiert morotisch nach nur wenigen Vormachen unserseits. Er schaukelt, klettert und rutsch. Er entwickelt eigene Spielideen, mit Mama spielen ist aber immernoch besser. Auch in der Kita fällt das alles auf. 
Weiterhin ist auffällig, dass er sich schnell ablenken lässt. In lauten Umgebungen wirkt er manchmal orientierungslos und schwer ansprechbar und bleibt dann gerne in meiner Nähe. Manchmal habe ich das Gefühl, er muss seinen Fokus erst wieder auf mich richten. Dies tritt insbesondere in geschlossenen Räumen wie Indoorspielplätzen auf.

Nächste Woche sind wir beim Gesundheitsamt. Dann erfolgt die Untersuchung für den i platz in der Kita. Wir gehen noch zum reiten da er hypton ist und wenn er müde wird erschlafft gerne die mundmuskulatur und er sabbert. 
Im SPZ sind wir angemeldet. Aber das dauert. 

Die Kinderärztin scheint überfordert. Die Ergotherapie tippt auf Wahrnehmungsstörungen und zeigte mir ihren entwicklungsbaum. Wir haben tolle therapeuten und erzieher die uns unterstützen. Jetzt brauchen wir noch einen Arzt der uns sagt was unser Herzchen hat. 

In einer KJP waren wir auch schon vorstellig. Dort wurden Teile des Ados gemacht und ich durfte Fragebögen ausfüllen. Autismus wurde ausgeschlossen weil:
Keine routinen, keine zwangshandlungen, kein problem mit veränderungen, versteht gesprochene sprache und handelt danach oder antwortet soweit sprachlich oder nonverbal möglich, versteht rollenspiele, imitiert motorisch, keine weglauftendenzen, keine spezialinteressen, keine wutausbrüche, keine autoaggressionen, reiht nichts auf, riecht, leckt oder bestastet nichts, kein problem mit Lebensmitteln, schlaf oder kleidungsstücken, bringt und zeigt mir dinge, geht auf spielaufforderung rein, zeigt mir dinge mit dem finger ( z.b. flugzeug). Was bleibt sind die mangelnden spielideen...immer mit mama ( dyspraxie?) Und die wenige sprache die ja aber zeitgleich mit sprachverständnis einsetzte...


Vielleicht habt ihr Ideen was es noch sein könnte. 
Wir sind glücklich über die tollen Fortschritte und gehen jeden Weg mit unseren Junior. 
Ich hoffe auf guten Erfahrungsaustausch. 

Lisaneu
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Re: Autimus? Sohn 3 ohne Diagnose

Beitragvon Lisaneu » 16.03.2019, 15:03


In einer KJP waren wir auch schon vorstellig. Dort wurden Teile des Ados gemacht und ich durfte Fragebögen ausfüllen. Autismus wurde ausgeschlossen weil:
Keine routinen, keine zwangshandlungen, kein problem mit veränderungen, versteht gesprochene sprache und handelt danach oder antwortet soweit sprachlich oder nonverbal möglich, versteht rollenspiele, imitiert motorisch, keine weglauftendenzen, keine spezialinteressen, keine wutausbrüche, keine autoaggressionen, reiht nichts auf, riecht, leckt oder bestastet nichts, kein problem mit Lebensmitteln, schlaf oder kleidungsstücken, bringt und zeigt mir dinge, geht auf spielaufforderung rein, zeigt mir dinge mit dem finger ( z.b. flugzeug). Was bleibt sind die mangelnden spielideen...immer mit mama ( dyspraxie?) Und die wenige sprache die ja aber zeitgleich mit sprachverständnis einsetzte...
Mein 9jähriger, mehrfach diagnostizierter Asperger Autist hatte mit 3 Jahren wirklich KEINE der hier aufgeführten Verhaltensmuster. Autismus ist eine Wahrnehmungsstörung, keine Sammlung von Symptomen. Bei meinem Sohn wurde auch mit 4 Jahren aus diversen Gründen Autismus ausgeschlossen

Die meisten Anzeichen von Autismus treten mit 4-5 Jahren auf. Daher ist in den Fragebögen auch ein sehr großes Augenmerk auf diesen Entwicklungszeitraum gelegt. Davor kann man Autismus nur in sehr offensichtlichen Fällen schon diagnostizieren. Aber man kann ihn auch nicht ausschließen, das weiß ich heute!

Was bei deinem Sohn hinter den sprachlichen Problemen stecken kann, weiß ich nicht. Ich bin auch nicht der Überzeugung, dass es Autismus ist! Ich wehre mich nur gegen dieses ausschließen von Autismus mit so seltsamen Begründungen wie Aufzählung von Symptomen.

Bei meinem älteren Sohn kam z.B. mit 5 Jahren eine verspätete, orale Phase, die bis jetzt andauert. Irgend etwas steckt er meistens in dem Mund, und oft merkt er das selbst gar nicht. Wutausbrüche hatte er auch bis ca. 5 Jahre ÜBERHAUPT NICHT (ich dachte es läge an mir, weil ich so eine entspannte, relaxte Mama bin :P ), doch dann kamen sie - kurz aber schmerzhaft - immer, wenn was nicht gepasst hat, ein Quitschkonzert von ca. 30 Sekunden! Auch mit Kleidung hatte mein Sohn mit 3-4 Jahren keine Probleme. Dass ihm manches zu eng, zu kratzig, zu unbequem war, begann erst im Schulalter. Im Schulalter begann auch das "ich will am liebsten nur zu Hause bleiben" - vorher war kein Problem mit Veränderungen und spontanen Ausflügen. Wobei er jetzt noch, wenn er sich dann doch mal aufgerafft hat, meistens gerne was unternimmt! Aber auch diese später aufgetretenen Symptome sind noch kein Beleg für seinen Autismus.

Sein Autismus zeigt sich hauptsächlich darin, dass mein Sohn ganz normale, soziale Situationen mißversteht. Ein Kind lacht - mein Sohn denkt, ER würde ausgelacht. Zwei normale Pommes sind unter den Gitterpommes vom Mäki - mein Sohn glaubt an Sabotage durch die Mitarbeiterin und reklamiert lauthals! Die Hortbetreuerin kündigt einen Ausflug an - mein Sohn denkt, sie will ihn provozieren, weil sie doch weiß, dass er keine Ausflüge mag!

Im Kontakt mit anderen Kindern kann es 1:1 mit EINEM Kind mit etwas Glück gut klappen. Mit 2 Kindern ist das schon deutlich schwerer und mit 3 oder mehr Kindern praktisch unmöglich. Er läuft zwar in der Gruppe brav mit, aber als Einzelgänger. Auch in der Schule sucht er in den Pausen keinen Anschluss sondern liest allein Comics.

Ich schreibe dir das, weil Autismus oft mit irgend welchen Symptomen verwechselt wird. Aber die eigentliche Störung ist das mißverstehen von (zwischenmenschlichen) Kontexten. Mein Sohn quatscht auch immer wieder beim telefonieren rein, er unterbricht mit seinem reden andere Unterhaltungen, er merkt nicht, wenn es jemandem schlecht geht,...

Wenn man aber den Fokus bewusst lenkt, z.B. auf ein trauriges Kind am Spielplatz, dann weiß er sofort, dass das Kind traurig ist. Wenn ich ihn dann ermutige, nachzudenken, was die Ursache sein könnte, kommen aber haarstäubende, an den Haaren herbeigezogene Thesen: weil die Mama vorige Woche nicht das Lieblingessen gekocht hat oder weil die Schulferien bald vorbei sind...und das auch dann, wenn mein Sohn vorher mitbekommen hat, dass dieses Kind mit anderen Kindern Streit hatte. Er kann das einfach nicht richtig zuordnen. Das ist um so schwerer zu verstehen, wenn man bedenkt, dass mein Sohn kognitiv sehr fit und ein sehr guter Schüler ist, der grundsätzlich (logische!) Zusammenhänge in nullkommanix versteht.

Ich wünsche Dir alles, alles Gute mit deinem Kind. Unabhängig davon, was wirklich dahinter steckt, seid ihr jetzt, nach diesem gewaltigen Entwicklungssprung auf einem guten Weg. És gibt nicht immer für alles gleich eine Diagnose. Manches kann man in dem Alter auch noch gar nicht seriös diagnostizieren. Und manche Eltern von erwachsenen Kindern haben bis heute keine Diagnose. Wichtiger ist es, die richtigen Leute bei der Hand zu haben, die das Kind dort abholen, wo es steht, und ihm dabei helfen, SELBST seinen Weg zu finden. Und da dürftet ihr gut aufgestellt sein, das ist wichtig :) !
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

MamaEmiljan
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Beitragvon MamaEmiljan » 16.03.2019, 15:16

Vielen Dank für die Antwort ;-)
Ich habe Autisnus natürlich immer auf dem Schirm auch wenn er offensichtlich nicht so tief im Spektrum steckt, dass er Verhaltensauffällig ist. Zumindest noch nicht.
Therapeutisch sind wir gut aufgestellt. Ergo, logo und die reittherapie leisten ganze arbeit. Wir sind glücklich über die Entwicklung derzeit und hoffen dass da noch viel passiert.
Aus welchen gründe wurde dein sohn 2 dann mit fka diagnostiziert?

Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 16.03.2019, 17:20

Vielen Dank für die Antwort ;-)
Ich habe Autisnus natürlich immer auf dem Schirm auch wenn er offensichtlich nicht so tief im Spektrum steckt, dass er Verhaltensauffällig ist. Zumindest noch nicht.
Therapeutisch sind wir gut aufgestellt. Ergo, logo und die reittherapie leisten ganze arbeit. Wir sind glücklich über die Entwicklung derzeit und hoffen dass da noch viel passiert.
Aus welchen gründe wurde dein sohn 2 dann mit fka diagnostiziert?
Autismus ist die Störung, nicht die Symptome. Als Außenstehender neigt man dazu, unauffällige Kinder entweder gar nicht zu diagnostizieren oder als "leichte Fälle" einzustufen, während auffällige Kinder die "schweren Fälle" von Autismus sind. Dabei kann bei den "leichten Fällen" die Störung viel größer sein als bei den schweren.

Beispiel: Ein anderes Kind sagt zu meinem Sohn im Hort "Heute gibt es Spaghetti zum Mittagessen!". Mein Sohn versteht die Aussage nicht. Warum sagt ihm das Kind das? Es steht ja auf dem Speiseplan und er kann ja lesen! Also zieht mein Sohn den Schluss, dass ihn das andere Kind mit dieser Aussage provozieren will. Daher knurrt mein Sohn das andere Kind an "Laß mich in Ruhe!".

Das Verhalten meines Sohnes ist zwar nicht angebracht und nicht gerade höflich, aber es ist auch nicht extrem auffällig. Das andere Kind wird sich zurückziehen (ohne zu wissen, warum mein Sohn sauer ist) und meinem Sohn fällt es mit diesem Verhalten schwere, Kontakte zu knüpfen. Auf Außenstehende wirkt mein Sohn mit diesem Verhalten vielleicht unhöflich, aber nicht schwer aggressiv.

Wäre die Strategie meines Sohnes, zuzuschlagen, wenn er sich provoziert fühlt, dann wäre er ein "schwerer Fall". Aber so...

Wäre die Strategie meines Sohnes, beleidigt ohne Antwort wegzugehen, würde das vermutlich gar nicht weiter auffallen. Vielleicht hätten wir dann nie eine zweite Diagnsotik angeleiert, nachdem Autismus ja mit 4 Jahren schon mal ausgeschlossen worden ist.

Aber egal, wie die Strategie der Bewältigung aussieht, das Grundproblem (eine ganz normale Situation missverstehen) ist dasselbe! Das, was ich an Missverständnissen mitbekomme, ist nur immer die Spitze des Eisberges. Den Großteil macht er irgendwie mit sich selbst aus, und das belastet ihn - mal mehr, mal weniger. Viele Autisten entwickeln bei solche Belastungen Strategien wie repitative Handlungen oder der Alltag muss immer gleich ablaufen, damit sie sich sicher fühlen können. Manche bekommen Meltdowns (autistische Wutanfälle) wenn ihnen eine Situation zu viel wird. Bei meinem Sohn ist das nicht der Fall, trotzdem ist er Autist.

Es gilt nicht "je auffälliger, desto tiefer im Spektrum". Nicht das, was Außenstehende sehen, ist der Autismus, sondern die Störung, die dahinter steckt.
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Samaya1210
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Re: Autimus? Sohn 3 ohne Diagnose

Beitragvon Samaya1210 » 16.03.2019, 18:21

Die meisten Anzeichen von Autismus treten mit 4-5 Jahren auf. Daher ist in den Fragebögen auch ein sehr großes Augenmerk auf diesen Entwicklungszeitraum gelegt. Davor kann man Autismus nur in sehr offensichtlichen Fällen schon diagnostizieren
Was wären offensichtliche Fälle? Ich lese immer, dass die meisten Anzeichen ab 18 Monaten bemerkbar sind. Bin aber kein Profi.... daher meine Frage... würde gerne mehr dazu erfahren. Danke im Voraus.

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Beitragvon Alexandra2014 » 16.03.2019, 18:40

Vielen Dank für die Antwort ;-)
Ich habe Autisnus natürlich immer auf dem Schirm auch wenn er offensichtlich nicht so tief im Spektrum steckt, dass er Verhaltensauffällig ist.
Da musste ich ein bißchen schmunzeln, weil es mir ganz ähnlich ging.
Mein Kind ist bis Heute nicht besonders verhaltensauffällig, sie kompensiert und kaschiert im Alltag gut. Deswegen kam die Diagnose auch erst mit 10 Jahren. Sie war im SPZ so unauffällig, dass man direkt sagte, Autismus könne es nicht sein. Da war sie knapp drei Jahre alt und hat das Personal total charming um den Finger gewickelt.

Nach der Diagnostik im letzten Jahr in einer erfahrenen Autismusambulanz kam dann aber raus, dass sie in allen Tests deutlich über den Grenzwerten (Cut off) lag. Damit hatte ich nicht gerechnet. Aber all das, was die KJP uns erklärte, passte wirklich. Uns sind viele Lichter aufgegangen, gehen sie zum Teil Heute noch... :idea:
Manche (Verhaltens-)Auffälligkeiten hatte ich sogar der Epilepsie zugeordnet, aber einiges ist dann wohl doch eher der Autismus lt. KJP.

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

MamaEmiljan
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Beitragvon MamaEmiljan » 16.03.2019, 18:51

Wollt ihr mir verraten wie eure Kinder mit 3 oder 4 Jahren waren? Was waren ruckblickend anzeichen einer autistischen störung?

Ich schaue natürlich immer ob mir was komisch vorkommt. Habe viel gelesen. Das absolut typische musste ich allerdings auf Fragebögen immer verneinen. Nun bin ich aber kein experte. Und kenne auch keine autistischen kinder. :D
Deine beiträge alexander2014 hatte ich glaube auch schon öfters gelesen. Deine Tochter hat gerne gedreht und mit den armen gewedelt oder? Ich habe in den letzten monaten so viel gelesen :roll: so etwas hat er noch nie gemacht.

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Re: Autimus? Sohn 3 ohne Diagnose

Beitragvon Alexandra2014 » 16.03.2019, 18:51

Die meisten Anzeichen von Autismus treten mit 4-5 Jahren auf. Daher ist in den Fragebögen auch ein sehr großes Augenmerk auf diesen Entwicklungszeitraum gelegt. Davor kann man Autismus nur in sehr offensichtlichen Fällen schon diagnostizieren
Was wären offensichtliche Fälle? Ich lese immer, dass die meisten Anzeichen ab 18 Monaten bemerkbar sind. Bin aber kein Profi.... daher meine Frage... würde gerne mehr dazu erfahren. Danke im Voraus.
Z.B. Kleinkinder, die überhaupt nicht auf ihren Namen, nicht auf ihre Eltern reagieren, keinerlei Kontakt aufnehmen, außer um eigene Bedürfnisse zu befriedigen.

Ich kopiere mal einen Artikel (netdoktor.de):

„Frühkindlicher Autismus: Symptome
Frühkindlicher Autismus zeichnet sich dadurch aus, dass sich die Kinder in die eigene Gedankenwelt zurückziehen. Betroffene Kinder vermeiden den Kontakt zu Menschen, auch zu Eltern und Geschwistern oder beschränken ihn auf das Nötigste. Ihr Interesse ist stärker auf Gegenstände und Dinge gerichtet als auf Menschen. Wenn überhaupt, so suchen sie den Kontakt zu Mitmenschen nur, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen oder Ziele zu erfüllen.

Zwischenmenschliche Beziehungen
Vor allem Eltern leiden häufig unter der vermeintlichen Gefühlskälte ihrer autistischen Kinder. Der Nachwuchs stellt keinen Blickkontakt zur Mutter her, reagiert kaum auf Gefühle wie Fröhlichkeit oder Wut und zeigt häufig keine Anteilnahme. Das Imitieren eines Lachens, welches die Beziehung zur Mutter herstellen soll, kann vollständig fehlen oder sich erst sehr spät einstellen. Lob und Zuwendung der Eltern scheint den Kleinen wenig zu bedeuten. Die Kinder sind komplett in sich gekehrt und spielen lieber alleine als mit Gleichaltrigen, zu denen sie keine freundschaftlichen Kontakte unterhalten.

Gefühle
Menschen mit Kanner-Autismus verstehen Gefühle nicht und zeigen selbst auch keine spontanen Gefühlsregungen. Gesichtsausdrücke, die beispielsweise Zorn, Mitleid, Freude oder Trauer ausdrücken, erahnen sie nicht intuitiv, sondern leiten sie anhand erlernter Erkennungsmerkmale (Muskelbewegungen, Falten) ab. Nicht selten interpretieren sie Gefühlsregungen aus diesem Grund falsch.

Gestörte Sprachentwicklung
Ein Frühkindlicher Autismus beeinträchtigt viele Kinder in ihrer Sprachentwicklung. Sie können sich kaum artikulieren oder ihre Wortwahl ist eingeschränkt. Häufig plappern sie Gesagtes wahllos nach oder wiederholen einen Satz immer wieder. Mitunter bilden sie neue Wörter oder sagen beispielsweise „du“, wenn sie „ich“ meinen. Beim Sprechen unterstützen Autisten das Gesagte nur in geringem Maße mit einer passenden Mimik und Gestik. Auch die Sprachmelodie ist oft monoton ohne Höhen und Tiefen, was roboterhaft klingt.

Stereotypes Verhalten
Autistische Kinder wiederholen bestimmte Verhaltensweisen oder Sätze. Solche repetitiven Handlungen - Stereotypien genannt - treten in verschiedenen Bereichen auf. Das Spiel mit drehenden Rädern beispielsweise erfolgt immer nach dem gleichen Muster, Gegenstände werden exzessiv gesammelt und nach ihrer Größe angeordnet. Beim Spielen picken sich die Kinder oft nur ein ganz bestimmtes Detail des Spielzeugs heraus und beschäftigen sich intensiv damit. Dabei folgt ihr Spiel einem stereotypen Muster und erscheint sehr fantasielos. Wenn andere Menschen die Rituale unterbrechen, entstehen bei den Kindern häufig extreme Angst und Unruhe. Veränderungen machen den autistisch erkrankten Kindern Angst und sollten nur langsam vorgenommen werden.

Weitere Symptome
Das Kanner-Syndrom wird häufig von weiteren unterschiedlichen Symptomen begleitet. So sind heftigste, ängstliche Reaktionen auf Veränderungen nicht selten. Die Kinder weigern sich oft, bestimmte Kleidung anzuziehen oder sie lachen und kichern ohne ersichtlichen Grund. Mitunter schätzen sie alltägliche Gefahren wie den Autoverkehr falsch ein. Auch selbstverletzendes Verhalten kann bei autistischen Kindern auftreten. Bei Säuglingen sind zudem Schlaf- und Essstörungen häufig.“

Wenn das alles schon früh sehr ausgeprägt ist, dann kann man die Diagnose auch schon früh stellen, oder zumindest einen konkreten Verdacht darauf äußern.

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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Beitragvon Alexandra2014 » 16.03.2019, 18:59

Wollt ihr mir verraten wie eure Kinder mit 3 oder 4 Jahren waren? Was waren ruckblickend anzeichen einer autistischen störung?

Ich schaue natürlich immer ob mir was komisch vorkommt. Habe viel gelesen. Das absolut typische musste ich allerdings auf Fragebögen immer verneinen. Nun bin ich aber kein experte. Und kenne auch keine autistischen kinder. :D
Deine beiträge alexander2014 hatte ich glaube auch schon öfters gelesen. Deine Tochter hat gerne gedreht und mit den armen gewedelt oder? Ich habe in den letzten monaten so viel gelesen :roll: so etwas hat er noch nie gemacht.
Bei sehr großer Aufregung hat sie mit den Armen gewedelt, ja. Da war sie so zwischen 2 und 4 Jahren. Es gibt auch nichtautistische Kinder, die das machen und autistische Kinder, die es nicht machen. Man kann es nicht an einzelnen „Symptomen“ festmachen.
Mein Neffe ist (inzwischen erwachsener) Asperger und er hat nie irgendwelche Stereotypen oder „unnormale“ Bewegungen gemacht, nichts. Er war auch eher ein ruhiges, zurückhaltendes Kind. Bei ihm fiel motorisches Ungeschick im Kleinkindalter auf. Er ist auf gerader Strecke über seine eigenen Füße gestolpert. Problematisch wurde es aber tatsächlich erst nach der Einschulung auf sozialer Ebene, nachdem der geschützte Raum im Kindergarten nicht mehr da war. Er war dann sogar ein halbes Jahr in einer psychiatrischen Tagesklinik und hat danach eine andere Schule besucht.
Auch Heute führt er ein nach außen eher „unauffälliges“ Leben, hat zwei Berufsausbildung abgeschlossen, arbeitet auf dem ersten Arbeitsmarkt, hat eine eigene Wohnung und eine Freundin...

Gruß
Alex
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Beitragvon MamaEmiljan » 16.03.2019, 19:01

Wie hat sich deine tochter über die jahre entwickelt? Wie lief ihre Sprachentwicklung?


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