Autimus? Sohn, 3 J., ohne Diagnose

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 17.03.2019, 08:55

Hallo Lisa,

wenn ein 18 Monate altes Kind keinerlei Mimik und Gestik verwendet, mit dem Oberkörper hin und her schaukelnd Tag für Tag in einer Zimmerecke sitzt, stundenlang, und nicht mal auf seine Eltern reagiert, dann sind das schon ziemlich eindeutige Anzeichen.

Gruß
Alex
Hallo Alex,

ja, das sehe ich auch als offensichtlichen Fall. Aber solches Verhalten kenne ich nur aus Zeitungsberichten und Büchern. Außer meinen Jungs habe ich mittlerweile doch schon einige Autisten kennengelernt, und da war keiner mit 18 Monaten so.

Samaya schrieb aber, dass man nach ihrer Info "die meisten Anzeichen" schon ab 18 Monaten bemerkt. Und das kann ich nicht bestätigen.
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Beitragvon Lisaneu » 17.03.2019, 09:09

Naja, rückblickend ist es immer einfacher. Die Eltern, die sich mit 1-4 Jahren mal Sorgen wegen Autismus gemacht haben, wo es sich NICHT bestätigt hat, hatten ja auch Anhaltspunkte für ihre Bedenken. Wenn das NT-Kind mal 10 Jahre ist, werden sie sich maximal an vereinzelte Begebenheiten aus dessen früher Kindheit erinnern, nicht ans Gesamtbild.

Die Eltern, die dann doch früher oder später die Autismus Diagnose für ihre Kinder bekommen, werden hingegen aktiv Nachdenken, was ihnen "früher mal" entgangen sein könnte.

Nichts gegen Früherkennung durch Profis! Aber leider glauben ja gerade bei Autismus auch diejenigen, Profis zu sein, die mehr als einen Artikel drüber gelesen haben. Und man kann auch bei vielen NT-Kindern autistische Züge finden, wenn man den Fokus drauf legt. Umgekehrt wird Autismus immer noch auf Grund von Klischees viel zu oft ausgeschlossen.

Ich glaube nicht, dass Eltern, die ja meistens außerdem in eine Richtung befangen sind ("Mit meinem Kind stimmt was nicht" oder "Mein Kind ist ganz normal") eine objektive Einschätzung des eigenen Kindes durchführen können.
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Beitragvon Lisaneu » 17.03.2019, 09:24

Der Grund für die Frage "Wie waren eure Kinder in dem Alter?" ist ja, dass Eltern vergleichen wollen. Ist mein Kind auch so? Könnte dieselbe Störung dahinter stecken? Aber wenn nur Eltern von diagnostizierten Autisten befragt werden, dann ergeben sich zwangsläufig da und dort Gemeinsamkeiten, während nicht beachtet wird, dass auch etliche NT-Kinder dasselbe Verhalten hatten.

MMn schürt das mehr Ängste, als dass es wem hilft! Wem hilft eine Diagnose mit 2 Jahren? Die Hilfen (Ergo, Logo, Frühförderung) bekommen die Kinder aufgrund der merkbaren Defizite, Pflegegeld ebenfalls. Spezifische Autismustherapie gibt es in dem Alter sowieso noch nicht. Und Tipps im Umgang mit Autisten kann man auch ohne Diagnose berücksichtigen. Die schaden auch keinem NT-Kind!

Was passiert mit Kindern, die mit 18 bis 36 Monaten Autismus diagnostiziert werden, wo die Auffälligkeiten dann mit zunehmendem Alter verschwinden, weil die Diagnose eben doch falsch war? Wird dann die Diagnose wieder "weggenommen"? Wenn die Kinder dann z.B. einen heilpädagogischen Kindergarten besuchen, werden sie dann rausgeworfen?
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Alexandra2014
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Beitragvon Alexandra2014 » 17.03.2019, 10:33

Hallo Lisa,

ich kenne ehrlich gesagt kein Kind, dessen „Probleme“ sich einfach komplett in Luft aufgelöst haben (selbst wenn es dann kein Autismus wäre, so blieben doch die Wahrnehmungsstörungen). Aber klar, wenn ein völlig gesundes Kind in einem heilpädagogischen Kindergarten ist, wäre der Wechsel eine logische Schlussfolgerung. Unser hp Kindergarten hat z.B. auch eine integrative Gruppe, so dass ein Gruppenwechsel reichen würde.

Bei so kleinen Kindern gibt es meist auch noch keine sofortige, abschließende Diagnose, sondern meist heißt es dann für die erste Zeit „Verdacht auf“ plus Auflistung aller Begleiterscheinungen/Begleitdiagnosen, durch die dann die Hilfen umgesetzt werden können.

Ein großes Probleme sehe ich in der Arroganz vieler Ärzte im SPZ, die sich für Experten für alles halten und die Bedenken von Eltern und Therapeuten einfach abschmettern.
Man sollte als Arzt dann schon auch das Rückgrat haben zu sagen „ich weiß da jetzt nicht weiter und schicke zum KJP“.
Und dann gibt es da noch die KJP, deren Fachgebiet ganz woanders liegt, die aber meinen, Autismus nach 10 Minuten ausschließen zu können.

Das Problem ist also nicht, dass den Eltern nichts auffällt, denn das tut es in der Regel, sondern dass viele Anlaufstellen die Auffälligkeiten schnell in die falsche Schublade stecken.

Es gibt so einen Spruch: ein Restaurant, dass die verschiedensten Speisen anbietet, kann meist keine davon richtig gut. Es gibt viel Auswahl, aber qualitativ eher so Mittelfeld.
Und genauso verhält es sich mit den SPZ. Dort werden X Erkrankungsbilder verschiedenster Ursachen diagnostiziert und behandelt, von Entwicklungsverzögerungen, Spastiken, Hemiparesen, bis hin zu Epilepsie, egal ob bei Frühgeborenen, nach Asphyxie, nach Hirnblutung, nach Unfällen... Aber so ein richtiger Experte für jede einzelne Erkrankung ist keiner.
Wir haben das insbesondere bei der Epilepsie gemerkt... und Autismus wurde ohne jeden Test einfach ausgeschlossen, weil das Kind ja so charming war. :roll:

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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Beitragvon MamaEmiljan » 17.03.2019, 10:59

Ich hatte bisher tatsächlich immer glück ( bis auf unsere kinderärztin) ernst genommen zu werden. Beruflich bedingt war es für mich natürlich einfach an alle Untersuchungen zu kommen. Aber die ärzte hätten uns sicherlich nicht stationär aufgenommen wenn auch sie nichts gesehen hätten. Das fehlende sprachverständnis war vor einem halben jahr tatsächlich auffällig. Vor 2 wochen waren wir wieder bei besagter neurologin die uns damals super unterstützt hat und sie ist sehr glücklich üner die entwicklung. Eine idee was hinter der entwicklungsverzogerung steckt hat sie auch nicht recht.
Sie erklärte mir, dass eine gute sensorische integration und das funktionieren von spiegelneuronen in der kindlichen Entwicklung eine enorme rolle spielen. Sie sind maßgeblich entscheidend für das lernen.
Unsere ergo arbeitet viel mit ihm an der SI...krabbeln, schwere sachen tragen, eincremen, über feste untergründe krabbeln...mit diesen sachen wurde seine SI in Gang gesetzt und er war plötzlich fähig zu lernen.

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Beitragvon MamaEmiljan » 17.03.2019, 11:07

Daa fehlen der aktiven sprache war übrigens nie ein thema. Sondern eher das sprachverständnis. Ohne die Grundvoraussetzung ist die aktive Sprache nicht möglich. Er hat innerhalb 4 Monate so viel gelernt. Von gar kein Sprachverständnis auf einen stand von 2, 3 jahren in 4 Monaten. Da staunte sie nicht schlecht. Vor 2 wochen testeten sie ob er nur auf Schlagworte reagiert oder den satz bzw. Die Frage im Sinn versteht. Das hat er toll gemacht und sorgte für verwunderung und ratlose gesichter
Denn das macht die diagnostik nicht einfacher :roll: :lol:

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Beitragvon MamaMonika0912 » 17.03.2019, 12:18

Ich habe zwei Kinder, ein fast zehnjähriges mit ASS Diagnose und ein siebenjähriges NT-Kind.

Mein Großer hatte schon früh Anzeichen, dass etwas anders ist. Einen ersten Verdacht auf ASS wurde in der Krippe geäußert, als er zwei Jahre alt war. Damals glaubte ich aber selbst noch nicht daran. Mein Sohn konnte schon als Neugeborenes seine Bedürfnisse nicht in angemessener Weise kommunizieren. Hört sich komisch an, aber als ich meine Tochter bekam war mit ihr alles einfacher, so dass ich den Unterschied deutlich bemerkte. Warum: mein Sohn war vom ersten Tag an permanent unzufrieden und am zappeln und wenn er sich unwohl fühlte fing er wie aus dem nichts heraus einfach an zu brüllen wie am Spieß. Problematisch daran war, er wusste anscheinend selbst nicht warum er sich unwohl fühlte, einfach nur dass es so war. Deshalb konnte man sein Bedürfnis nicht befriedigen. Ich kann mich gut erinnern, als mein Sohn fast drei war wachte er aus dem Mittagsschlaf auf und schrie wie am Spieß. Ich versuchte alles zu seiner Beruhigung (unter anderem bot ich ihm auch Essen an). Er war zwei Stunden lang überhaupt nicht zu beruhigen. Irgendwann stopfte ich ihm aus purer Verzweiflung ein Stück Banane in den Mund. Er wurde sofort ruhig und verschlang Berge an Essen. Danach ging es ihm wieder gut. Er hatte selbst nicht gemerkt dass er Hunger hatte. Dieses BEdürfnis kann er erst kommunizieren seit er 7 Jahre alt ist. Vorher musste ich ihn mit logischem Menschenverstand regelmäßig zum Essen auffordern sonst wäre er einfach verhungert. Dieses Sich-Selbst-Nicht-Spüren können zog sich lange durch alle Lebensbereiche. Ich würde also behaupten das war schon sehr früh auffällig und evtl. hätte ein Profi das auch erkannt. Er zeigte bei positiver Aufregung auch exzessives Händewedeln, ab vier hüpfender Weise.
Jetzt das große Aber: Er bekam die Autismus-Diagnose erst mit sechs Jahren. Ich finde nicht, dass das zu spät war. Auch ohne Diagnose hatte er Auffälligkeiten, also bekam er seit er drei war Ergotherapie m Nachmittag und Heilpädagogische Betreuung im Regelkindergarten. Das hat ihm enorm geholfen. Eine Diagnose war dafür nicht nötig, ich glaube nicht dass er dadurch besser gefördert worden wäre. Mittlerweile hat er sich - zeitweise mit autismusspezifischer Therapie - enorm gut gemacht. So dass wir derzeit eine Therapie-Pause machen. Ich möchte dass er sich trotzdem normal fühlt. Er hatte schon im Kindergarten Freunde, die er immernoch hat. Er tut sich zwar extrem schwer sich anzupassen, wenn er sich jedoch an Abläufe und Situationen gewöhnt hat, fällt er gar nicht mehr so sehr aus der Reihe. Er ist eher der Typ Freak, mit Spezialinteressen und ein wenig sonderlich aber liebenswert. So sehen ihn wohl seine Klassenkameraden und derzeit kann er damit gut leben.
Interessant wird der Wechsel zur Weiterführenden Schule, dann kann es sein dass er wieder sehr auffällt, aber das ist vorher überhaupt nicht abzusehen.

Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 17.03.2019, 12:36

Hallo Alexandra2014,

ich meine ja nicht, dass sich alle Probleme in Luft auflösen. Was SPZ und die Selbstherrlichkeit mancher "Experten" betrifft, gebe ich Dir 100%ig recht.

Ich habe in Sachen Autismus 3 Info-Quellen, die ich unterschiedlich betrachte:

1. die persönliche Beobachtung und persönliche Gespräche
Die betrifft natürlich in erster Linie meine eigenen Kinder, aber auch Kinder in der Umgebung, wo Autismus diagnostiziert wurde bzw. ensprechend ein Verdacht besteht

2. Wissen aus 2. Hand
Betrifft z.B. das Forum hier, wo sich geballtes Wissen von Eltern tummelt, die ich nicht persönlich kenne, spezifische Bloggs, aber auch, was mir der KJP oder die Sozialarbeiterin von ihren Erfahrungen und Beobachtungen berichten

3. schriftliche Erkenntnisse
Betrifft Wissen aus Büchern, Berichten, Artikeln, wissenschaftlichen Arbeiten,...

Aus meiner ersten Info-Quelle kenne ich z.B. kein einziges Kind, welches mit 18 Monaten nur schaukelt, keine Mimik oder Gestik hat und nicht auf die Eltern reagiert. Dabei kenne ich mittlerweile ca. 12 ziemlich sicher autistische Kinder persönlich.

Nicht mißverstehen, ich WEISS, dass es solche Kinder gibt aus meinen Info-Quellen 2 und 3. Aber mir kommen sie rein subjektiv nicht häufig bzw. representativ vor.
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Beitragvon Alexandra2014 » 17.03.2019, 13:54

Hallo Lisa,

es ging ja auch nicht um „häufig“ oder „representativ“, sondern die Frage von Samaya war: „Was wären offensichtliche Fälle?“
Und für mich sind das die einzigen offensichtlichen Fälle, wo man in dem Alter schon eine Autismusdiagnose wagen kann.

Gruß
Alex
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Beitragvon Samaya1210 » 17.03.2019, 15:58

Hallo, ihr Lieben.
Oha, hier hat sich einiges getan.... es tut mir echt leid, liebe mamaemiljan, wollte deinen Thread nicht so durcheinander bringen. :? Danke für alle Antworten lisaneu,Alex, engrid :) .

Ich hätte mich etwas genauer ausdrücken müssen. Beispielsweise hätte ich mal ein Thema hier eröffnet, wo ich gefragt hatte, wann die Eltern bemerkt haben, dass ihr Kind besonders ist.... einige haben geschrieben seid Geburt, oder eben ziemlich früh. Der m chat Test ist Zb ab 18 Monaten und viele autismusseiten schreiben ,dass gewisse Anzeichen Zb nicht mit dem finger zeigen, merkwürdige essgewohnheiten, kein plappern ab dem bestimmten monat etc auffällig seien für Autismus.

Da ich dann hier las, dass die meisten aurismusanzeichen erst ab 4-5 sichtbar seien, stellte ich dann die Frage.... nach offensichtlichen Fällen. Ich bin eben selbst etwas verwirrt bezüglich des Verhaltens meiner Tochter, daher versuche ich momentan nach Antworten zu suchen. Ihr habt mir in diesem Forum schon sehr geholfen und ich bin jedem von euch dankbar.

Zu mamaemiljan: meine Tochter hat ein schlechtes sprachverständnis. Sie versteht vieles, aber meiner Meinung nach nicht altersentsprechend. Sie versteht keine Befehle Und fragen bzw nur wenige fragen bzw nur eine Art fragen. Sie hat vom Kinderarzt den Verdacht auf ASS bekommen, weil die Kita ihm etwas geschrieben hat. Wir haben einen Termin im spz jetzt erst mal in der logopädischen Abteilung. Manchmal finde ich sie anders.... Manchmal aber vollkommen normal. Eine Antwort brauchen wir aber, um weiter zu kommen bzw sie zu fördern. Wir versuchen sie auch zuhause zu fördern....aber es ist oft schwer.....


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