Autimus? Sohn, 3 J., ohne Diagnose

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Sia
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Beitragvon Sia » 16.03.2019, 20:01

Hallo Zusammen

Habe gerade interessiert mitgelesen. Mein Sohn hat seine Diagnose auch erst spät (mit 13) erhalten.

@Lisa - man könnte meinen, dass du von meinem Sohn sprichst. Bei uns war es fast genauso wie du das beschreibst.
Irgendwie auffällig … oder eben doch nicht. Deshalb habe ich auch so lange selber gezweifelt ob mehr als nur "Introvertiertheit" dahinter steckt.
Aber jetzt im Nachhinein muss ich sagen, dass er eigentlich schon typisches Verhalten hat … das weiss ich aber erst jetzt, wo ich selber langsam verstehe, was es genau heisst "Asperger-Autist" zu sein!
Mein Sohn hat auch überhaupt kein aggressives Verhalten. Er ist auch der Typ, der sagt, lass mich in Ruhe und sich wieder zurück zieht.
Beim Erkennen von Situation - wie du es beschreibst mit dem Kind auf dem Spielplatz - ist es bei uns genauso.

Viele, von diesen Ausschlusskriterien, von denen "MamaEmilijan" spricht, gehören zu den Begleiterscheinungen. Die sind, wenn ich das richtig verstanden habe, möglich aber kein muss bei Autismus.
Unser Sohn hat einige dieser Begleiterscheinungen aber nicht alle. Und Zwangshandlungen bzw. diese Routinehandlungen oder Aggressionen hat er auch nicht. In diesem Bereich hat er einzig die "Überkorrektheit". Sobald jemand etwas falsches sagt, korrigiert er automatisch. Das ist mir schon gar nicht mehr aufgefallen aber beim Gespräch mit der Psychologin hat er das auch gemacht. Ganz oft hat er ganz automatisch meine Sätze / Wörter korrigiert. Die Psychologin musste immer schmunzeln und zum Schluss hat sie gesagt, dass diese Korrekturen ganz typisch seien! Das war mir bis dahin gar nicht bewusst bzw. ich hätte das nicht dem Autismus zugeordnet!

Bei uns liegen die Schwerpunkte bei der Körpersprache/Mimik und der absolut fehlende Sozialkontakt. Alle anderen Bereiche sind nach aussen eher unauffällig und trotzdem war die Diagnose klar. Mein Sohn lag ebenfalls deutlich über dem "Cut off"!

Wenn ich zurück schaue, bin ich mir nicht sicher, ob wir diese Diagnose bekommen hätten, wenn ich meinen Sohn mit 3 Jahren hätte abklären lassen. Ich denke nicht. Da gab es zwar Auffälligkeiten die man "autistischen Zügen" hätte zuordnen können aber ob es für eine Diagnose ausgereicht hätte, weiss ich nicht. Ab 6 Jahre, gab es wieder Verdachtsmomente, dass er Autismus haben könnte bzw. da wurden die Auffälligkeiten ausgeprägter und mit 10 Jahren hat uns zum ersten Mal ein Lehrer auf die starke Introvertiertheit angesprochen.
Erst dann habe ich angefangen über Autismus zu lesen und einige andere Merkmale / Begleiterscheinungen gefunden, die auf meinen Sohn zutreffen.

Ich glaube, dass die Diagnose "Autismus" in einigen Fällen sehr schwierig sein kann, zum Diagnostizieren. Deshalb gibt es bei uns auch nur eine Abklärungsstelle! Dort arbeiten die "Experten" und die machen nichts anderes als festzustellen, ob ein Kind / Jungendlicher Autist ist oder eben nicht! Die schauen ganz genau hin und die finden genau das was es ausmacht!
Eine schöne Zeit wünscht
Sia (aus der Schweiz :wink:)
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Beitragvon MamaEmiljan » 16.03.2019, 20:39

Erstmal vielen Dank euch allen :wink:
Egal wie sich junior entwickelt, er ist meine kleine Eule, mein knutschkeks und einfach meine grosse liebe. :D

Abe kann es tatsächlich sein dass ein autismus Fragebogen und die spielbeobachtung nach ados unauffällig sind und er trotzdem im spektrum ist? Asperger dürfte er ja wegen der Sprachentwicklung nicht sein.
Vielleicht wird er ja einfach nur so spleenig wie seine eltern :lol:

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 16.03.2019, 22:18

Hallo,

wahrscheinlich ist er nur so spleenig wie seine Eltern. :P Und wenn es doch Autismus sein sollte, dann würde das schon noch deutlicher zutage treten, vor allem im Umgang mit Gleichaltrigen.
Stell es jetzt also erstmal ruhig zurück und mach Dir aktuell nicht so nen Kopf drum, er ist ja bestens gefördert grade.

Fragebogen und A-DOS sind standardisiert, und als Werkzeuge immer nur so gut wie der, der sie benutzt ...

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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Beitragvon MamaEmiljan » 16.03.2019, 22:47

Kindern gegenüber ist er zurückhaltend. Aber ausgesprochen freundlich. Er reagiert auf Lächeln anderer kinder. Und beobachtet. Laut erzieher ist er oft im parallelspiel.
Aktiv spielen tut er noch nicht. Die ergotherapeutin meinte, da er ja selber keine richtige handlungsplanung hat ( fehlende spielideen ) kann er auch nicht richtig aktiv mit anderen spielen. Kinder mit motorischer dyspraxie bräuchten einen spielleiter und das können kinder unter 3 wohl noch nicht.

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Re: Autimus? Sohn 3 ohne Diagnose

Beitragvon Lisaneu » 16.03.2019, 22:49

Die meisten Anzeichen von Autismus treten mit 4-5 Jahren auf. Daher ist in den Fragebögen auch ein sehr großes Augenmerk auf diesen Entwicklungszeitraum gelegt. Davor kann man Autismus nur in sehr offensichtlichen Fällen schon diagnostizieren
Was wären offensichtliche Fälle? Ich lese immer, dass die meisten Anzeichen ab 18 Monaten bemerkbar sind. Bin aber kein Profi.... daher meine Frage... würde gerne mehr dazu erfahren. Danke im Voraus.
Ich kann definitiv sagen, dass ich bei meinen BEIDEN Autisten mit 18 Monaten noch gar nichts bemerkt habe. Was für Anzeichen sollte man da merken? Naja, rückblickend könnte man bei meinem jüngeren Sohn den sehr sporadischen Blickkontakt als bemerkenswert sehen. Aber da wußte ich auch nicht, wie lange der "normale" Blickkontakt bei einem gehörlose Kleinkind dauern sollte.

Was halten denn die klugen Bücher und Artikel mit 18 Monaten für auffällig? Würde mich echt interessieren, dazu habe ich noch nichts gelesen.

Die sehr offensichtlichen Fälle, die ich angesprochen habe, fallen mit 2-4 Jahren oft mit vielen repitativen Handlungen, dem einfordern von immer gleichen Abläufen, TEILWEISE extremen Wutanfällen (Meltdowns) und bei frühkindlichen Autismus mit fehlender bzw. verzögerter Sprachentwicklung auf. Das alles KANN, muss aber nicht auf Autismus hinweisen. Es ist das Gesamtbild, nicht die Teile!

Bei meinem älteren Sohn war nichts davon der Fall.

Mein jüngerer Sohn hatte ab ca. 2 Jahren die Wutanfälle und mit 3 Jahren war klar, dass auch seine Sprachentwicklung (in seiner Erstsprache ÖGS) auffällig war.

Mit 4-5 Jahren fiel bei meinem älteren Sohn rückblickend auf, dass er meistens (nicht immer) alleine gespielt hat, dass er bei Rollenspielen immer alle Rollen vorgeben wollte ("Mama, im Spiel sagst du jetzt...) und dass er fremden Menschen gegenüber ziemlich distanzlos war (hat z.B. wildfremde Erwachsene oder Kinder umarmt, fremde Hunde auf die Schnauze geküsst,...). Das war's aber schon.

Beim jüngeren Sohn war es mit 4-5 Jahren so, dass er ausschließlich allein oder mit Erwachsenen gespielt hat, nicht auf offene Fragen (warum, wieso, wohin,...) geantwortet hat, auch nach Aufforderung nichts von sich erzählt hat, sich stundenlang mit Zahlen beschäftigt hat (hatte schon einen echten Zahlenbegriff von über 1000), mehrere andere Spezialinteressen hatte (Schlösser, Türbeschläge, Jalousien, Schubladen,...) und immer noch nicht ordentlich Blickkontakt halten wollte, wenn ich ihm etwas gebärdet habe.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

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Beitragvon Alexandra2014 » 17.03.2019, 08:39

Hallo Lisa,

wenn ein 18 Monate altes Kind keinerlei Mimik und Gestik verwendet, mit dem Oberkörper hin und her schaukelnd Tag für Tag in einer Zimmerecke sitzt, stundenlang, und nicht mal auf seine Eltern reagiert, dann sind das schon ziemlich eindeutige Anzeichen.

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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Beitragvon Engrid » 17.03.2019, 08:44

Naja, der Autismus ist ja von Geburt an da. Man könnte - hätte man denn als Eltern oder enger Beobachter genug Erfahrung mit Autismus - schon bei einigen Anzeichen erkennen. Junior hatte als Baby schon Überreizungszustände, hatte schon weit vor dem Alter von 18 Monaten repetitives Verhalten, Fremdeln fehlte völlig, am auffälligsten war, dass er NULL Exploration hatte. Und mit 1 1/4 wurde die Sprachentwicklung auffällig (brach komplett ab). Wäre unsere KJP zb seine Tante oder Nachbarin, hätte sie es damals schon gesehen. Ich erkenne es erst rückblickend als Autismus, die Auffälligkeiten habe ich natürlich schon bemerkt, konnte mir aber keinen Reim drauf machen.
Junior ist halt aber in seinen Blockaden und seiner extremen Wahrnehmung sehr auffällig - da fällt es halt früher auf.

Die Leiterin der KJP im Augsburger Josephinum, Prof. Noterdaeme, plädiert schon länger für verbesserte Früherkennung, und spricht auch von „ab 18 Monaten“.

(Das ist jetzt mehr für Lisa, ich möchte die Threadstarterin jetzt nicht verwirren damit)

Grüße
Engrid
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Beitragvon Alexandra2014 » 17.03.2019, 08:48

Kindern gegenüber ist er zurückhaltend. Aber ausgesprochen freundlich. Er reagiert auf Lächeln anderer kinder. Und beobachtet. Laut erzieher ist er oft im parallelspiel.
Aktiv spielen tut er noch nicht.
Das war bei uns auch so, nur dass das Parallelspiel nicht aufhörte. Sie wusste nicht, wie man mit anderen Kindern ins Spiel kommt, daher nahm sie ihnen als „Einstieg“ deren Spielsachen weg. Das war vor ihr gar nicht böse gemeint, aber die anderen Kinder waren natürlich nicht erfreut. Das machte es noch schwerer.
Die Erzieher kamen dann irgendwann in die Haltung „sie ist ja selber Schuld, wenn sie das immer macht“, anstatt zu reflektieren, warum sie das macht.
Sie freute sich auch tierisch über Kinderbesuch Zuhause, aber auch das funktioniert bis Heute nicht.

Aber wie Engrid schon schrieb: dein Sohn entwickelt sich derzeit gut, also erstmal in Ruhe abwarten...

Gruß
Alex
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Beitragvon Engrid » 17.03.2019, 08:53

Nachtrag: Noterdaeme zur Früherkennung
https://www.autismus-oberbayern.de/down ... rungen.pdf
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Beitragvon Alexandra2014 » 17.03.2019, 08:53

Und mit 1 1/4 wurde die Sprachentwicklung auffällig (brach komplett ab).
Das ist ja interessant. Bei uns war das auch mit exakt 15 Monaten der Fall.
Im Nachhinein kann man aber nicht sicher sagen, ob da schon die Epilepsie ihre Finger im Spiel hatte, oder ob es der Autismus war.
Die KJP fand es auch „total typisch“ für Autismus und auch bei uns sprach schon einiges mehr dafür - rückwirkend betrachtet, mit dem Wissen von Heute.
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