Rechtliche Grundlagen für I-Grundschulklasse in Bayern?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Erika

Rechtliche Grundlagen für I-Grundschulklasse in Bayern?

Beitragvon Erika » 08.01.2005, 22:33

Hallo Ihr,

nach einem steinigen aber bisher erfolgreichen Weg stellt sich nun wieder eine neue Herausforderung im Leben meiner 6-jährigen Tochter Laura:
die Einschulung.

Ihre Diagnose: microcephale Entwicklung (der Schädelumfang ist wieder im unteren Normbereich, juhu), Rolando-Focus, seit 3 Monaten medikamentös gut eingestellt, ADHS, enwicklungsverzögert v.a. in Sprachentwicklung und Sozialverhalten.

Momentan besucht Laura als integratives Kind den Kindergarten. Nach langer Abwähgung der Vor- und Nachteile, bin ich der Meinung, daß für Laura der Besuch der Regelschule als Integrationskind die beste Lösung ist.

Nach einem Gespräch mit der Schulleitung, stellt sich dieses Vorhaben als schwierig heraus. Meine Fragen nun: Gibt es ein Recht auf Integration? Welche Voraussetzungen muß die Schule erfüllen? Ist ein Integrationshelfer zwingend erforderlich? Das Ganze soll in Bayern stattfinden.

Vielleicht kann mir jemand von Euch weiterhelfen.

Grüße von Erika

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Isolde
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Beitragvon Isolde » 09.01.2005, 12:51

Hallo liebe Erika,

also, ich habe die gleichen "Probleme" wie Du - das Thema Schule in diesem Jahr zu erfüllen, wobei Jonathan vermutlich mehr an Behinderung aufweist, als Eure Laura.

Ich denke, ein direktes Recht auf Integration gibt es noch nicht.
In Bayern ist das mit der Integration eh nicht so einfach. Im schulischen Bereich werden die Kinder, die dann hintenan hängen, eher in sog. Förderschulen gebracht, d.h. sie haben für den gleichen Schulstoff länger Zeit, dieses zu lernen als die Kinder in der Regelschule.
Das weiß ich genau aus dem Elternabend unseres Kindergartens.

Dann gibt es in Bayern den Verein "Gemeinsam leben lernen e.V." mit Sitz in München, Tel.: 089 / 12399050, die Dir in jedem Fall genauere Angaben zu Deinen Fragen machen können, auch in Bezug auf einen Integrationshelfer.

Und ich würde mir in jedem Fall die Regelschule und deren Konzepte anschauen, wie sie mit einem Integrationskind umgehen würden, käme eine solche für Euch in Frage.

Bei dem Verein kannst Du in jedem Falle anfragen, ob es auch für Deine Region eine Anlaufstelle gibt.

Ich wünsche Dir in jedem Fall ganz viel Erolg,

einen lieben Gruß
Isolde
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Erika

Beitragvon Erika » 09.01.2005, 19:37

Hallo Isolde,

danke für Deine Antwort. Ich werde gleich morgen dort anrufen.

Ein Konzept, wie mit einem Integrationskind umgegangen werden soll, gibt es an der Regelschule hier leider noch nicht. Wir leben hier in einem sehr kleinen Landkreis. Es gibt hier noch keine integrative Schulklasse, die integrative Kindergartengruppe läuft auch erst das 4. Jahr. Laura ist hier auch das erste Kind, bei dem eine Regelbeschulung (mit Integration) zur Diskussion steht. Das Ganze ist hier also absolutes Neuland, was es nicht einfacher macht.

Das Problem mit der Förderschule sehe isch darin, daß Laura ein sehr "chaotisches" Entwicklungsprofil aufweist. Sie rechnet seit ihrem 5. Lebensjahr im Zahlenbereich 1-20 und kann auch schon seit einem Jahr alle Buchstaben sicher erkennen (auf die Idee zu lesen, kommt sie allerdings nicht), laut Kindergarten und sämtlicher Therapeuten besitzt sie ein auffallend gutes Allgemeinwissen. Problematisch ist die Hyperaktivität, ihre Wahrnehmung und Konzentration, Auffälligkeiten in der Motorik und ihre Sprachentwicklung, weiterhin ritualisiert Laura sehr viel, um sich halbwegs organisieren zu können. Die Kramfanfälle sind phasenweise auch schwierig. Ich denke (auch Kiga, FF, Lgopädin und Neurologe), daß Laura kognitiv in der Förderschule unterfordert ist und daß das wiederum ihre Problematik noch unterstützt. Blöd ist auch, daß die Schule ca. 25 km entfernt ist, sie zwar geholt wird, aber erst abends nach Hause gebracht wird. D.h., wenn ich die heilpädagogische Tagesstätte nicht nutzen möchte, muß ich sie mittags abholen. Mit der Förderschule kommen auch neue Therapeuten in die Einrichtung. Es ist wieder eine Umstellung, die ich für überflüssig halte (sie ist halt unflexibel). Weiterhin denke ich, ist des Problem der Einschulung nur aufgeschoben. Nach der Förderschule stellt sich wieder das Problem mit einer zu großen Schulklasse in der Regelschule. Konzentrations- und Wahrnehmungsstörung, Hyperaktivität und Sprachstörungen werden sich verändern, aber bleiben. Insofern bin ich der Meinung, daß es jetzt schon möglich sein muß, Laura zu integrieren, sie ist kognitiv in der Lage, eine "normale" Schulausbildung zu machen.

Welche Möglichkeiten gibt es denn für Euch, was habt Ihr denn so vor? Steht für Euch eine Regelschule zur Diskussion? Dein Sohn hat doch einiges mehr mit auf seinen Weg bekommen.

Liebe Grüße
Erika

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Beitragvon Isolde » 10.01.2005, 20:03

Liebe Erika,

nein, Jonathan kann in keine Regelschule gehen. Er ist erst auf einem Entwicklungsstand von 3-3,5 Jahren bei einem realen Alter von 7,5 Jahren. Selbst eine Förderschule kommt hier nicht in Betracht - dafür steht er zu schlecht dar.

Es ist klar, dass es eine Schule für Geistig Behinderte sein wird. Er wird sein Leben lang von anderen Menschen abhängig sein, obwohl er auch ein ganz kleverer Bursche ist und es schon faustdick hinter den Ohren hat. Jedoch fehlt es an vielen Dingen.

Im Gespräch war die Montessori-Schule oder die Waldorfschule - also eine private Einrichtung. Beides ist ja hier in München. Im Moment ist noch die Blindenschule hier in München das Thema, besser gesagt, ein Internatsaufenthalt. Denn ich bin alleinerziehend und für mich ist dieses Thema schon eine heftige Sache, alleine das alles zu bewältigen. Und da Jonathan den Grünen Star hat und mit Sicherheit noch nicht klar diagnostizierte Augenfehler, somit ist das mit dieser Schule eine große Chance. Dann bleibt er die Woche über dort - ich kann für meinen Lebensunterhalt sorgen und auch ein bisschen für mein seelisches Wohl und am Wochenende bin ich ganz frei für das Kind, am Stück, entspannter.
Und wenn auch das scheitert, wird er hier in München am Gärtnerplatz in die normale "Regelschule" für Geistig Behinderte kommen. Und wenns dann klappt, wird er auf jeden Fall irgendwo an einem Internat angemeldet bis Platz für ihn dann da ist.
So wird unser Weg für ihn sein.

Ja, so wie Du nun geschrieben hast, dass die Schule keine Erfahrung hat - deshalb würde ich Dir gerade erstrecht raten, mit dem Verein Kontakt aufzunehmen. Denn sonst macht die Schule vielleicht was sie will, aber nicht zum Wohl des Kindes. Und wenn Ihr dann nicht gewappnet seid, dann ist das gar nicht gut.

Integration in einer Regelschule ist sicher etwas Gutes, wenn das Konzept für das Kind gut ist, und es für das Kind keine Überforderung ist, mit 25 anderen Kindern in einer Klasse zu sitzen - also ein bisschen Aushalten von 45 Minuten Schulunterrichtsstunde müsste da schon möglich sein. Und das dann 4-5 Stunden hintereinander.
Mit Fachkräften sicher eine zu bewältigende Sache.

Ich drücke Euch die Daumen, schreib bitte, was dabei heraus gekommen ist, wenn Du mit dem Verein telefonierst. Danke.

Einen schönen Abend noch,
lieben Gruß
Isolde
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