Nebenwirkung von Medikinet, wann ist damit zu rechnen?

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s.till
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Nebenwirkung von Medikinet, wann ist damit zu rechnen?

Beitragvon s.till » 10.03.2019, 22:59

Hallo zusammen,

ich hab mal ne blöde Frage bezüglich zu den Nebenwirkungen. Im Beipackzettel von Medikinet steht ja eine Menge, die man sich für sein Kind nicht wünscht.
Wenn ich ehrlich bin, habe ich schon kurz überlegt, ob ich B die Tabletten wirklich geben soll.
Wie ist das mit den Nebenwirkungen? Können die auch erst nach Wochen oder Monaten auftreten? Oder ist es so wenn man die erste Woche/Wochen ohne Probleme überstanden hat dann sollte nichts mehr auftreten.
Mir machen einfach die Nebenwirkungen was Suizid und Suizidgedanken betrifft wahnsinnige Bauchschmerzen.

LG Susanne
M *2010 Frühchen der 27SSW, Pneumothorax, Meningitis, diverse RSV Infektionen, Pneumonien, dystroph, kleinwüchsig, stimulationsbedürftige Apnoen, Asperger Autismus, Koordinationsstörung, PEG/PEJ seit 07/16 weg :D Pflegegrad 4 und SBA von 80% G,aG,B,H
B*2008 ADS

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toto35
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Beitragvon toto35 » 11.03.2019, 07:28

Hallo Susanne,

mein Sohn nimmt ADHS Medikamente seit er 5,5 Jahre alt ist. Mittlerweile wird er bald 17 Jahre...

Er hat alle ADHS Medikamente, die es in Deutschland gibt durch, mal als Einzelmedikament, mal mehrere miteinander kombiniert, mal retardierte, dann wieder unretardierte, aber auch das teilweise kombiniert- gelandet sind wir - bis heute - immer wieder beim unretardierten Medikinet.

Auch Zeiten ohne Medikamente haben wir vereinzelt dazwischen - sei es aus gesundheitlichen Gründen (dazu später mehr), sei es durch Kontrolle wie es ohne Medikamente gehen würde.

Wenn man den Beipackzettel dieser Medikamente liest bekommt man Angst, keine Frage. Das war auch der Grund, warum wir damals, mein Sohn war gerade 5 Jahre, entsetzt beim Arzt verschwunden sind, als der uns den Vorschlag machte, meinem Sohn diese Medikamente zu geben. Um dann 1/2 Jahr Therapien zu machen, die nichts, überhaupt nichts brachten (mein Sohn konnte sich gar nicht auf diese Therapien einlassen) und der Leidensdruck immer größer wurde.
Alle Tests vielen schlecht aus, klar, bei einem Kind, was 0 Konzentration hat, von der Einschulung etwas später waren wir ganz weit weg - es sah sogar nach Förderschule aus, und das obwohl jeder bei diesem Gedanken ein schlechtes Gefühl hatte, denn jeder sah, das mein Sohn nie auf eine Förderschule gehören würde...

1/2 Jahr später saßen wir wieder bei den Ärzten und baten sie drum, mit den Medikamenten zu beginnen. Von da an ging es aufwärts. Wir hatten immer noch einen Wirbelwind ohne ruhige Minute, aber er bekam - trotzdem- so viel mehr mit. Man konnte sich mit ihm auf einmal unterhalten. Er konnte sich auf die Therapien einlassen und machte rasante Fortschritte. Wir konnten in eine Intensivreha gehen, auf die er sich total einlassen konnte (vorher wäre das verlorene Zeit gewesen). Alle Tests waren dann mit dem Ergebnis, daß wir ein (hoch)-intelligentes Kind haben. Von Förderschule war keine Rede mehr, er wurde - medikamentös eingestellt- in die Regelgrundschule eingeschult (was wir getan haben, wir haben ihn 1 Jahr Zurückstellen gelassen um ihm in dem Jahr die Zeit zu geben, gut mit Medikamenten eingestellt zu sein und auch die Intensivreha zu machen).

Mein Kontakt mit den Lehrern war seit dem 1. Tag der Grundschule - bis heute - immer sehr intensiv. Das muß man einfach wissen - es war und ist nicht immer einfach - aber - gleich wird mein Sohn 17, er beendet im Juni die Realschule mit sehr guten Noten und geht dann seinen Weg weiter mit der Fachoberschule an der er sein Fachabitur anstrebt. Wenn ich daran denke, wie das ausgesehen hat als er 5 Jahre alt war... :wink:

Was ich damit sagen will - klar die Beipackzettel machen Angst ABER wenn ich den Leidensdruck sehe, den mein Sohn hatte und wenn ich dran denke, daß mein Sohn ohne Medikamente als (hoch)-intelligentes Kind an der Förderschule gelandet wäre, finde ich, haben wir mit den Medikamenten alles richtig gemacht.

Zu den Nebenwirkungen: Du mußt dein Kind immer sehr gut beobachten. Das mache ich noch heute, auch wenn mein Sohn bald 17 Jahre ist. Unter Medikinet retard und unter Concerta hatten wir schlimmste Nebenwirkungen. So schlimm, daß wir von einer Sekunde auf die andere sofort alles absetzen mußten und in der Notaufnahme gelandet sind. Danach mußte mein Sohn erstmal eine ärztlich verordnete Medikamentenpause machen, damit sein Körper sich wieder erholt. Das alles in der Schulzeit in sehr heißen Phasen dort, mit falschen Medikamenten bzw. dann ohne Medikamenten und körperlichen sehr großen Problemen - verursacht durch das Medikinet retard bzw. durch das Concerta. Sehr, sehr schwierig.
Seitdem steht in der Akte meines Sohnes, daß er diese beiden Medikamente nie wieder nehmen darf.

Wir sind immer wieder beim unretardierten Medikinet gelandet - bis heute. Hier hat er keine Nebenwirkungen, früher tagsüber - da hat er nichts gegessen - da mußten wir immer ein bißchen mit dem Gewicht aufpassen, das er nicht ins Untergewicht rutscht - aber heute merkt man auch davon nichts mehr. Mein Pupertier isst und isst und isst - auch mit Medikamente (im Gegensatz zur Mama ist er aber immer noch ein Spargeltarzan :wink: ).

Wir alle, inkl. Ärzte, denken, die Zeit wird kommen, da braucht er keine Medikamente mehr. Er wird einer von den Menschen sein, die ohne irgendwann gut zurecht kommen. Mehrfach wollte er von sich aus den Versuch starten - alle Versuche sind gründlich schief gegangen und er hat wieder mit Medikamenten begonnen.

Bis zum Ende dieses Schuljahres nimmt er die Medikamente weiter. Wir denken, daß er sich dann, auf der neuen Schule, in der er vollkommen aufgehen wird, weil es genau dass ist, was er schon seit Jahren machen will, entscheiden wird, den nächsten Versuch ohne Medikamente zu wagen. Und wir denken, daß es dann- mit diesen Voraussetzungen- auch wirklich gelingen kann.

All das hätte er ohne Medikamente nicht geschafft. Sein Weg hätte ganz sicher ganz anders ausgesehen. Und dann stell ich die Frage: Nebenwirkungen klar, das darf man nicht verheimlichen- aber wie sieht es mit dem enormen Leidensdruck aus?
LG

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Sohn (17 Jahre): ADHS/ADS (Mischform), Fructoseintoleranz, v.a. Migräne, Kiss-Kind (Therapie endlich erfolgreich beendet!)


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