Sohn 5 Jahre, Stuhlschmieren, keine geregelte Verdauung

Hier könnt ihr Fragen rund ums Thema Ernährung stellen. Usern, deren Kinder über eine Sonde ernährt werden, möchten wir hier ebenfalls eine kleine Austauschplattform bieten.

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Ingrid84
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Sohn 5 Jahre, Stuhlschmieren, keine geregelte Verdauung

Beitragvon Ingrid84 » 25.02.2019, 11:06

Hallo Ihr Lieben,

ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll (es gibt so viel zu schreiben bezüglich des Problems), aber ich fang mal an, meinen Sohn ein wenig zu beschreiben (sonst bitte Vorstellungs-Thread gucken):

Mein Sohn ist, fünf, entwicklunsgverzögert (kognitiv, motorisch, sprachlich), muskular hypoton und hat m.M.n. Wahrnehmungsstörungen (auditiv, visuell, sensomotorisch). Er geht ganz normal als I-Kind in einen Regelkindergarten. Auf dem Spielplatz würde auf den ersten Blick nicht auffallen, dass unser Zwerg "besonders" ist.

Letzten Sommer haben wir die ungewöhnlich lange Wärme-Periode genutzt, um ihn trocken/sauber zu bekommen. Trocken ist er definitiv (mit wenigen Unfällen) seit Okt 2018. Aber sauber leider nicht.

Das Problem ist, dass er keine geregelte Verdauung hat, sondern sehr oft kleine Portionen Stuhl absetzt (5-7 mal am Tag?). Selbst wenn wir bemerken, dass wieder was in der Hose/Windel ist und ihn unverzüglich auf Toilette setzten, kommt nichts. Er sagt auch immer: "kommt nix". Der ganze Stuhlgang geht sozusagen in Mini-Portionen verteilt über den ganzen Tag in die Hose/Windel. Mal sagt er, dass er was in der Hose hat, mal nicht. Für 6-8 Wochen hat es mal geklappt, dass er alle zwei Tage Stuhlgang hatte und diesen dann auch meist in die Toilette gemacht hat. Das waren dann auch recht große Stuhlportionen. Er hat das alleine angesagt und es klappte gut. Aber seit Dezember ist es wieder so wie vorher: viele kleine Stuhlportionen pro Tag. Ich habe auch das Gefühl, dass der Zwerg vergessen hat, was er auf Toilette machen muss (welche Muskeln er entspannen oder anspannen muss), um Stuhl loszuwerden.

Mein Zwerg nimmt auch seit bestimmt 1 1/2 Jahren Movicol, weil immer wieder argumentiert wird, er hätte Verstopfungen (=viele dünne Stuhlgänge pro Tag). Wir können aber mit der Movicol-Dosis anstellen, was wir wollen (verdoppeln, verdreifachen, weglassen), es ändert nichts daran, dass er standing Stuhlgang hat. Und ohne ins Detail gehen zu wollen: ich habe noch nie, wirklich noch nie, festen Stuhl bei ihm gesehen. Der Stuhl ist immer eher zu weich und breiig, keine geformte "Wurst".

Meiner Meinung nach gibt es ein wie auch immer geartetes Verdauungs-Problem, sodass keine geregelte normale Verdauung möglich ist. Evtl. ist sein Darm zu träge, hat eine Transportstörung? Das macht es meinem Sohn noch schwerer, sauber zu sein. Wir drehen hier bald alle am Rad und sind kurz davor, ihm wieder Windeln den kompletten Tag anzuziehen, weil wir nicht standing verdreckte Schlüpfer auswaschen möchten. Windeln findet er aber doof. Und irgendwie löst das auch nicht das Problem, selbst mit Windeln ist ständig-Stuhl-in-der-Windel-haben ja auch nicht toll, weder für uns, noch für den Zwerg.

Hat jemand eine Idee, was dahinterstecken könnte (diese ständige Stuhlablassen?)?

Wir hatten jetzt überlegt, tatsächlich so etwas wie ein Toilettentraining zu machen. Ihn jeden Tag zu einer bestimmten Uhrzeit auf die Toilette zu setzen (mit Beschäftitung), um evtl. den Darm zu trainieren und ihn dazu zu bringen, dann den Stuhl abzusetzten. Geht das? Ist das zielführend?

Wir haben sehr bald ein SPZ-Termin, da wollten wir das natürlich auch besprechen. Aber vielleicht gibt es hier ja ähnliche Geschichten.

Viele Grüße
Ingrid

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Markus_1974
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Beitragvon Markus_1974 » 25.02.2019, 12:01

Hallo Ingrid,

wir haben/hatten dieses Problem auch.
Allerdings hat Junior aufgrund einer SpinaBifida-Erkrankung probleme mit dem Stuhlgang.
Jedenfalls war das Stuhlverhalten gleich wie bei euch.

Wir machen mittlerweile regelmäßig eine Darmspülung mit Peristeen so dass der Stuhl gezielt abgeht.
Movicol geben wir weiterhin, damit es eben zu keiner Verstopfung kommt.

Evtl. ist das ja für euch auch ein Ansatz?
Auf jeden Fall ist das ein Thema für das SPZ.

viele grüße
Markus

Anjali
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Beitragvon Anjali » 25.02.2019, 13:14

Hallo Ingrid,

ausgehend von der eher ungewöhnlichen Konsistenz des Stuhlgangs:
Wurden schon einmal Stuhlproben genommen? Können z.B. Lebensmittelunverträglichkeiten ausgeschlossen werden?
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

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Beitragvon IlonaN » 25.02.2019, 13:23

Hallo Ingrid84,
kann der Kinderazrt euch nicht zur kinder Gastroenterologie überweisen? Wenn das schon Jahre geht muß das doch abgeklärt werden
Ich 1961 Ösophagusatresie
Großfamilie mit leibl.Kindern/Ado-Kind und Pflegekindern mit FASD, ADHS, Autismus, Bindungsstörung mit Enthemmung ,Asthma, Neurodermitis u.v.m.

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 25.02.2019, 13:36

Hallo Ingrid,

bei meinem ebenfalls wahrnehmungsspeziellen Sohn war das in dem Alter auch so. Und: das IST von der Häufigkeit her eine geregelte Verdauung!!!


Bei uns war es so, dass er einfach noch nicht soweit war, das rechtzeitig zu spüren. Die Tiefenwahrnehmung brauchte einfach ein paar Jahre länger als bei den meisten Kindern.
Dass mehrmals täglich was kommt,ist auch völlig normal. Ich würde da nicht mit irgendwelchen Hilfsmitteln oder Toilettentraining rumdoktern, damit riskierst Du, dass es viel komplizierter wird, dass der Kleine unter Druck gerät (das ist bekanntlich ganz schlecht für entspannten Umgang mit Ausscheidungen).
Wenn es schon mal eine Zeitlang geklappt hatte, ist doch super, das heißt, er hat verstanden worum es geht und will auch sauber werden. Rückschläge können daher kommen, dass durch Wachstum und Entwicklungssprünge die Wahrnehmung sich verändert hat und er es wieder schlechter spürt. Das wird dann schon.

Es ist lästig, aber es ist eben so und braucht seine Zeit. Inzwischen hat Junior das auch ganz gut im Griff, ohne Unfälle. (Ist immer noch mehrmals täglich) Auf die Schüssel setzen und länger warten, bis was kommt, macht er immer noch nicht oft, da hab ich ihn aber auch nie groß gedrängt. Er kann schnell rennen. :lol: Muskeln gezielt anspannen zum Stuhl absetzen ist nicht empfehlenswert, weder für Kinder, noch für Große (u.a. schlecht für Beckenboden). Und es bringt’s auch nicht. Die Darmperistaltik macht das alleine, und am besten.


Lediglich an der Schraube „Konsistenz“ kannst Du drehen, Allergien und Unverträglichkeiten testen, und was geben, das den Stuhl aufquellt. Dann spürt es es auch besser, dünner Stuhl ist für die Wahrnehmung eine größere Herausforderung.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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Ingrid84
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Beitragvon Ingrid84 » 25.02.2019, 14:20

Hallo,

danke für eure Antworten.

Danke für den Hinweis zur Lebensmittelunverträglichkeit, daran hatte ich so noch gar nicht gedacht, das werde ich mal ansprechen. Im Säuglingsalter war sein Stuhlverhalten (HA-Pre-Milch) noch viel auffälliger: da hatte er eher harten, grünen und knetartigen Stuhl, alle 3 Tage, und hatte aber auch arge Probleme, den Stuhl als Baby abszusetzen. Das ging nur mit Hilfe (Radfahren, Beine in Rückenlage hoch halten). Mit der Beikost waren diese Probleme verschwunden.

Zur Darmspülung: ich möchte wirklich so wenig wie möglich invasiv vorgehen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, was bei meinem Zwerg abgeht, wenn ich ihm ne Darmspülung geben wollte. Manchmal habe ich aber tatsächlich das Gefühl, es geht kaum "alleine" was raus, nur wenn der Stuhl sehr flüssig ist.

Zur Diagnostik: unser Neuropädiater hatte das auch schon angedacht, einige gastro-enterologische Untersuchungen zu machen. Da das Problem zum Zeitpunkt des Gespräches noch nicht so lange bestand (1-2 Monate) haben wir uns zusammen aber fur's "Abwarten" entschieden. Zumal auch der Arzt zu Bedenken gab, dass das alles keine "netten" Untersuchungen sind und man dem Kind mehr (seelischem) Schaden zufügt als einen Nutzen davon hat. Einen Termin bei der Neuropädiatrie haben wir erst standard-mäßig in 6-12 Monaten, können aber jederzeit noch einmal einen Termin für ne gastro-Abklärung ausmachen (die Neuropädatrie ist dem Kinderklinikum angeschlossen). Wenn das noch lange so weiter geht, werden wir das immer mehr in Erwägung ziehen.

Tatsächlich suchen wir wahrscheinlich die Eierlegende- Wollmilchsau, was eine Lösung des Problems angeht: so wenig wie möglich invasiv, aber doch irgendwas was in einem absehbarem Zeitraum hilft (<6 Monate). Puh.

Danke auch von Engrid. In deinem Post ist etwas Wahres dran. Ich vermute auch, dass wir meinem Zwerg einfach mehr Zeit geben müssen. Aber es fällt einfach so verdammt schwer, bei diesem Thema geduldig zu bleiben. Vor allem, wenn es schon für ein paar Wochen richtig gut geklappt hat und man gefühlt gar nichts anders gemacht hat.

Das ganze Thema schränkt uns auch mittlerweile arg im Alltag ein, da wir durch die ständigen Windel/Schlüpfer-Wechsel kaum noch raus gehen können (die häufigen Stuhlentleerungen fangen laut Kita Mittags an und hören erst abends zum Bett-gehen wieder auf, teilweise hat er schon morgens Probleme). Selbst die Kita sagt, dass es den Zwerg mittlerweile echt einschränkt. Wenn er draußen spielt, traut er sich kaum zu spielen, er wird immer wieder durch den häufigen Stuhlgang rausgerissen.

Ernährungstechnisch machen wir momentan nichts Besonderes: er isst ein Glück gerne und viel (rohes) Obst und Gemüse, es gibt bei uns nur Vollkorn, trinken ist auch in Ordnung, stopfende Lebensmitel vermeiden wir, Schokolade 1-2 die Woche. Milch gibt es jeweils eine Portion morgens und abends, ab und zu auch mal Joghurt.

Ich werde mich aber informieren, welche Lebensmittel eher quellend sind, spontan fallen mir nur Leinsamen/Flohsamenschalen ein, und eben generell ballaststoffreiches wie Gemüse und Obst.

Nochmals vielen Dank für die Anregungen und Erfahrungen! Ich werde Berichten, was das SPZ darüber denkt.

Viele Grüße
Ingrid
Sohn *2013, Mikroduplikation 22q11.21, entwicklunsgverzögert in den Bereichen Sprache, Kognition, Motorik. Muskuläre Hypotonie, I-Kind im Regel-Kindergarten.

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Beitragvon Engrid » 25.02.2019, 15:00

Weil Du schreibst, er isst viel rohes Obst, und es geht ab mittags los: Fruchtzuckerunverträglichkeit? Ich würde mal ganz locker Lebensmittelgruppen nacheinander auslassen für jeweils ein paar Tage (Fruchtzucker, Milchprodukte, Gluten, ...) vielleicht ergibt sich da schon ein Anhaltspunkt.
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NickiS
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Beitragvon NickiS » 25.02.2019, 16:30

Hat dein Sohn denn Schmerzen beim oder vor dem Stuhlgang? Mein Sohn hat auch 4-6 mal am Tag kleine Mengen an Stuhl, aber er leidet auch unter chronischer Verstopfung. Und bei ihm hilft das Kinderlax (gleicher Inhaltsstoff wie Movicol) wenn er nicht zu sehr verstopft ist, dann schmerzt ihn aber jeder Stuhlgang.

Beim Kindergastro-enterologen wurde bei meinem Sohn ein Ultraschall gemacht und er würde auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten untersucht. Das ist nicht so schlimm. Vielleicht geht sowas bei euch ja auch? Ich würde definitiv erstmal hingehen, gegen gewisse Untersuchungen könnt ihr euch ja immer noch entscheiden.

LG
NickS
Nicki mit großem (2009) und kleinen Sonnenschein (2015): beide mit Snyder-Robinson Syndrom
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Beitragvon melly210 » 25.02.2019, 16:35

Mein Sohn hat auch Wahrnehmungsstörungen, und auch bei uns ist es so, daß er als Baby arg mit Verstopfung zu kämpfen hatte, er hatte nur alle 4-5 Tage Stuhl. Das wurde dann mit der Beikost besse rund es kam alle 2-3 Tage was. Mit so 2 rum fing es dann an, daß er so 3-5 x am Tag kleine Mengen abgesetzt hat. Er ist grade 4 geworden und generell noch nicht sauber. Spüren würde er es, er traut sich aber noch nicht drüber.
Ich denke da kann man leider einfach nur Geduld haben bis die Wahrnehmung nachgereift ist. Daß viel Obst und rohes Gemüse das Problem eher verstärkt, finde ich allerdings plausibel.

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Alexandra2014
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Beitragvon Alexandra2014 » 25.02.2019, 18:23

Hallo!

Ich schließe mich den anderen an.
Viel rohes Obst (bei uns vor allem Vitamin C reiches, wie Kiwi, Erdbeeren etc.) und auch Vollkornprodukte machten bei uns genau diese Probleme. Ich selbst vertrage auch keine Vollkornprodukte, bekomme Durchfall, Blähungen und Bauchweh davon, obwohl ich vollkommen gesund bin.

Die andere Sache bei uns war, dass mein Kind bei Verdauung in die Windel gemerkt hat, dass da ein Widerstand ist. Sie hat schon windeltragend permanent kleine Minihäufchen drin gehabt. Mich hat das damals auch wahnsinnig gemacht, weil kaum dass das Kind frisch gewickelt war, ich von vorne anfangen konnte.
Dadurch, dass sie in die Windel immer nur Kleinstmengen abgegeben hat und den Rest zurückhielt, hat sich der Darm geweitet. Durch den geweiteten Darm merken die Kinder nicht mehr, dass sie müssen. Da beißt sich die Katze dann in den Schwanz.

Bei uns hat es sehr lange gedauert, bis sich das zurückgebildet hat, sicher 1,5 Jahre. Danach hat es dann aber tadellos geklappt.

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral


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