Nicht Werkstatttauglich ?

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Mamamarti
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Re: Nicht Werkstatttauglich ?

Beitragvon Mamamarti » 18.04.2019, 10:55

Hallo,
für NRW kann ich nicht reden, da wir aus Bayern sind. Uns wurde aber in der Werkstatt unmissverständlich erklärt, das es in der Tagesstätte keine 1:1 Betreuung gibt. Ich war schon öfter dort, es gibt 3 Mitarbeiter für 7 Menschen, wobei ich dort noch nie 3 Mitarbeiter gesehen habe. Es gibt halt immer Urlaub, Krankheiten, Vertretungen. Laut der Werkstattleitung lässt der Bezirk bezüglich des Betreuungsschlüssels nicht mit sich reden. Sie tun natürlich Ihr möglichstes, gehen zum Beispiel einmal Wöchentlich mit einem zum Einkaufen. Es heißt, einmal in 7 Wochen kommt mein Kind raus. Klar löst es bei mir Beklemmung aus.
Vielleich wäre es bei euch besser, eine Assistenz für zuhause zu beantragen? Allerdings ist es schon ein Kampf um jede Stunde muss man kämpfen und jedes Jahr neu beantragen.
Ich habe mir auch überlegt ob es möglich wäre, über die Entlastungsleistungen und vielleicht Verhinderungspflege jemanden in die Werkstatt zu schicken, der Stundenweiße das eigene Kind betreut? Oder halbtags anmelden und Nachmittags zuhause Betreuen lassen?
Es gibt auch noch Tagesstätten für Erwachsene Pflegebedürftige. Allerdings sind dort denke ich hauptsächlich Demenzkranke. Ob sich das für junge Erwachsene eignet? Es wäre interresant zu wissen, wie der Betreuungsschlüssel dort ist.
Wir haben auch noch ein Jahr Zeit, aber es belastet einen schon.
LG Marti

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Re: Nicht Werkstatttauglich ?

Beitragvon Engrid » 18.04.2019, 11:23

Hallo Mamamarti,

Entlastungsleistungen und vielleicht Verhinderungspflege jemanden in die Werkstatt zu schicken
Das wird nicht gehen, weil es da in verschiedenen Rechtsbereichen unpassende Überschneidungen gibt (betriebsfremde Person, da gibt’s Schwierigkeiten mit Versicherung, Datenschutz uva, Entlastungsleistungen und VP dienen zur Entlastung der PFLEGEPERSON, geht also nicht in der Tagesstätte oder Werkstatt.

Eine Stundenreduzierung wirst Du nur durchsetzen können, wenn sie medizinisch indiziert ist.
Die Tagesstätten und WfMB bauen ihre Finanzierung ja auf den vollen Plätzen auf, kommt einer kürzer, fehlt Geld.


Gehen die denn nicht mit der Gruppe raus? Gibts keinen Garten?

In Bayern gibt es, anders als in NRW, für erwachsene mit Behinderung ohne Werkstatttauglichkeit, Tagesstätten. Auch für junge Erwachsene. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass und warum der Schlüssel da besser sein sollte, als für Senioren?

Du hast noch ein Jahr Zeit, und Du hast Wahlfreiheit. Nütze die Zeit und schau Dir die Einrichtungen an, sie sind nicht alle gleich.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Re: Nicht Werkstatttauglich ?

Beitragvon Inge » 18.04.2019, 18:35

In aller Eile eine Info, die ich vor etlicher Zeit eingestellt hatte, weil Tagesförderstätten abgeschafft werden sollten. Das Urteil besagt ja eigentlich, dass der Personalschlüssel in der Tafös angepasst werden muss. Das Urteil im Volltext: https://openjur.de/u/670920.html

es gibt ein Urteil des LAG Düsseldorf vom 11. November 2013 (Az. 9 Sa 469/13). Dort wird deutlich, dass Menschen mit einem hohen Pflege- und Betreuungsbedarf wesentlich schneller aus einer WfbM als aus einer Tagesförderstätte ausgeschlossen werden können. Wie das Gericht im Urteil mehrmals betont, würde das Problem einer Kündigung nicht auftreten, wenn der Betroffene eben nicht in einer WfbM, sondern in einer Tagesförderstätte im Sinne des § 136 Abs. 3 SGB IX wäre. Dort müsste ggf. der Personalschlüssel dem Bedarf des Betroffenen angepasst werden. Das gilt aber nicht für die WfbM als Instrument der Teilhabe am Arbeitsleben!

Sie ist anders als die andern, und ihre Sprache geht weit an uns vorbei.
Doch wenn sie lächelt, lächelt sie mit Leichtigkeit dir dein ganzes Herz entzwei.

'Sommerkind' von Wortfront


Viele Grüße
Inge

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Re: Nicht Werkstatttauglich ?

Beitragvon sandra8374 » 19.04.2019, 03:32

Hier ist es aktuell so, das Schwerstmehrfachbehinderte keine Finanzierung bekommen für einen Werkstattplatz“.

Sprich das Arbeitsamt zahlt die Eingangsphase (14 Tage) nicht und so kann LVR nicht übernehmen. Ergo sind die Schwerstmehrfachbehinderten, die einen Werkstattplatz hätten, zu Hause.
LG Sandra

S+F mit PT(*00 FAS, Microdelitation 16p11.2, ADHS, GB, Z.n.Absencen?, Sehfehler, Lordierung LWS, Skoliose 17,8%, Beckenschiefstand, Hüftkontraktur, Korsettversorgung, mit SBA 90 HBG) u. PS (*01 ADS, GB, Sehfehler, Knick-Senk-Füße, Z.n.Epilepsie, mit SBA 60)

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Re: Nicht Werkstatttauglich ?

Beitragvon sandra8374 » 19.04.2019, 03:36

Hier ist es aktuell so, das Schwerstmehrfachbehinderte keine Finanzierung bekommen für einen Werkstattplatz“.

Sprich das Arbeitsamt zahlt die Eingangsphase (14 Tage) nicht und so kann LVR nicht übernehmen. Ergo sind die Schwerstmehrfachbehinderten, die einen Werkstattplatz hätten, zu Hause.
LG Sandra



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