Fehlverhalten Konsequenzen in der Schule

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Michaela44
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Beitragvon Michaela44 » 26.02.2019, 21:54

JennyK hat geschrieben:Es scheint mir, die Schule möchte ihn los werden....


Daran hatte ich auch gleich gedacht, aber nicht, weil der Junge "so schlimme" Dinge tut, sondern, weil sie mit ihm überfordert sind (vermutlich generell und ständig und nicht nur wegen der Vorfälle)

Einen Anwalt würde ich jetzt nicht gleich mitnehmen, aber auf jeden Fall nicht alleine hingehen, und mir Argumente zurechtlegen. Zum Beispiel, dass dein Sohn nicht aus Böswillig handelt, sondern aufgrund seiner seelischen Behinderung, an deren genauer Diagnostik du noch dran bist.

Im übrigen finde ich eine derartige Ordnungsmaßnahme bei behinderungsbedingtem Fehlverhalten nicht angebracht, nicht zielführend und am Problem vorbei. Genauso gut könnte man einen gehbehinderten Schüler bestrafen, weil er beim Sportunterricht faul am Rand sitzt.
Asperger Autistin
mit neurodiverser Familie

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grace
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Beitragvon grace » 26.02.2019, 23:13

Hallo,

Mein Sohn besucht eine große und sehr strenge Schule in die auch über 100 diagnostizierte Jugendliche gehen, viele Verhaltensauffällig und Autisten.

Wie gesagt es gibt hier sehr strenge Regeln und die gelten für ALLE, mit und ohne Behinderung, sonst würde das hier bei hunderten von pubertären Schülern, fast alles Jungs, im caos enden.

ABER, ich habe noch nie gehört das ein Schüler so ohne weiteres suspendiert wurde weil er einen Schneeball geworfen hatte, oder weil er einen Energy Drink oder so was ähnliches getrunken hat und ich kann mir auch nur schwer vorstellen das die Schule an so einem Vorfall interessiert ist, sorry....

Barbara, bist du dir sicher das dein Sohn zuhause alles richtig erzählt und das er nicht ganz entscheidende Details auslässt?

Wenn ja, dann gehe unbefangen zum Gespräch die Schule wird sicher nichts beweisen können und zur Not kannst du dann ja auch wirklich mit dem Anwalt drohen oder die Schule wechseln.

Wenn Nein, dann höre dir erst mal an was die Schule zu sagen hat und versuche mit den Lehrern eine gemeinsame Lösung zu finden, ein schulbegleiter ist sicherlich eine große Hilfe und es gibt auch sehr einfache Mittel um zu verhindern das dein Sohn unerlaubt dem Unterricht fern bleibt.

Im übrigen können auch autistische und verhaltensauffällige Kinder sich ganz einfach mal schlecht benehmen, faul sein, keine Lust zum lernen haben, frech antworten usw. man kann nicht immer alles auf die Behinderungen schieben und den Lehrern immer die Schuld geben, damit tut man den Kindern keinen Gefallen.

Als Mutter eines verhaltensauffälligen Sohnes mit ASS darf ich das sagen: mein Sohn ist auch oft unausstehlich, faul und launisch und da kognitiv fit kann er das auch hinterher nachvollziehen und verstehen, vor ein paar Jahren hatten auch wir große Probleme da er keine Hausaufgaben mehr machen wollte, kein Interesse am Unterricht hatte usw. heute ist er froh das wir ihn gezwungen haben sich anzustrengen und macht jetzt ganz von alleine die Hausaufgaben, die Lehrer sind sehr zufrieden und seine Leistungen werden anerkannt.

LG

Grace

Familiekühl
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Beitragvon Familiekühl » 27.02.2019, 06:59

Hallo,

Danke für eure Informationen. Ich habe die Links schon überflogen. Und werde mich da genau einlesen.



Ich weiss das mein Sohn alles genau so erzählt. Er ersteht nicht wie lügen funktioniert. Warum man das machen soll. Vor allem wenn man ruhig und sachlich nachfragt antwortet er ganz spontan.

Die Situation mit dem Schneeball hat mir die Schule genau so erzählt. Er hat einen Schneeball geworfen und ist erwischt worden. Es Wurde ihm erklärt, dass sei verboten und er soll das unterlassen. Die Lehrerin dreht sich weg und der nächste Schneeball fliegt. Sie sieht es und ich bekomme einen Anruf, dass er nach Hause geschickt wird. Das ist haargenau das was mein Bub und die Schule erzählt hat.zuhause war mein Bub dann ganz stolz weil er dafür 2 Kaugummis bekommen hat. Das weiss die Schule allerdings nicht. Allerdings verstand mein Sohn nicht wo das Problem sei. Er habe weder Kind noch Lehrer getroffen sondern nur das geschlossene Schulkiosk beworfen.

Das mein Bub heimlich Energy Drinks trinkt weiss ich von ihm. Da er mich überzeugen wollte, um unsere Erlaubnis zu bekommen. Noch bevor er auf diese schule gekommen ist. In der schule wurde er damit erwischt. Ich bekam einen anruf. Im übrigen hat das auch ein nachbarkind gesehen. Zuhause war mein Sohn dann völlig aufgebracht, weil die Schule ihm die Dose abgenommen hat, die er von seinem Geld bezahlt hat. Er wurde dann noch wütender, da wir ihm sagten, die Schule hat von uns die Erlaubnis die Dose weg zu schüttenund sein geld futsch sei. Er kam nachhause und war aufgebracht. Deshalb fragten wir nach was los sei. Antwort die Frau K. Die blöde kuh hat mir meine Dose Monster weg genommen. Frau K. rief an, und teilte uns das so mit und dass wir die dose abholen könnten. Aber das wollten wir nicht.
Das Thema wurde sogar beim HPG besprochen. Deshalb soll unser Sohn zur Schule gebracht werden, damit er sich am Kiosk kein Ernergy mehr holen kann.

Allerdings war das nur ein Beispiel. Er hat auf dem weg von der Schule mit 2 anderen Jungs etwas am Kiosk gekauft, was für Kinder in dem Alter verboten ist. Allerdings keinen Alkohol. Das wurde gesehen und am nächsten Tag in der Schule erzählt. Ich bekam einen Anruf mein Kind sei bei etwas gesehen worden, darauf angesprochen worden und habe eine patzig Antwort gegeben. Er solle sich darüber gedanken machen, werde jetzt heim geschickt und kann morgen daheim bleiben um das alles mal zu recherchieren. Kind kam heim ich fragte nach und bekam die Antwort dass er das gemacht hat um das Kind zu unterstützen und die Lehrer doof seinen,was er in seiner freizeit macht, ginge sie nix an. Sei seine Sache.

Also ja, dass das was mein Bub erzählt entspricht der Wahrheit Er hat nie was abgestritten. Das was die Schule uns mitteilte, passte immer zudem was unser Bub erzählte. Wobei mein Bub ja noch erklärte, dass es ja seine Sache sei. Und das die Lehrer ja keine Ahnung haben usw.



Vielleicht war es alles ein wenig viel, da es relativ kurz hintereinander passierte. Vielleicht soll das so ein warnschuss sein. Alles ein wenig viele vielleichts. Vielleicht ist die schule dann doch überfordert, da es ja schon angedeutet wurde, dass alle pädagogisch Mittel ausgeschöpft wurden.



Wir haben noch nie die Behinderung als Entschuldigung genommen. Alle Kinder probieren Dinge aus, brechen Regeln. Auch unser Kind muss das lernen. Die Lehrer sind es Auch nicht schuld, wenn mein Bub Mist baut. Das muss mein Bub selbst verantworten. Jetzt ist verhaltenstechnich gerade Ruhe eingekehrt.
Wir lassen das jetzt auf uns zu kommen und dann schauen wir weiter. Mehr können wir ja irgendwie auch nicht.
LG

JennyK
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Beitragvon JennyK » 27.02.2019, 08:40

Sorry, dass ich das so kurz und knapp geschrieben habe, aber das war schon ganz zu Beginn mein Eindruck. Im besten Fall soll es ein Warnschuss sein, damit ihr was unternehmt, im schlimmsten Fall ist quasi schon entschieden, dass er woanders hin gehen soll...

Eine Schulbegleitung ist definitiv wichtig, so dass sein Verhalten vor Ort reflektiert werden kann und er nicht einfach aus der Schule geschickt wird. Beim Beispiel des Schneeballs fände ich es z.B. auch noch wichtig, dass er den zweiten Ball ja offensichtlich auf "Anordnung" und in Aussicht auf eine "Belohnung" geworfen hat. Da müsste man ansetzen, zum einen, dass er nicht einfch machen darf/soll, was andere ihm sagen, zum anderen aber auch, dass andere seine Vertrauensseligkeit nicht ausnutzen (evtl. auch am Kiosk?).
Sohn 1 (06), ADS und Asperger Autismus; PG 3; SBA 50 mit B, G, H
Sohn 2 (13), gesund

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Beitragvon RikemitSohn » 27.02.2019, 10:35

Hallo,

ich denke auch eine Behinderung sollte nicht als Entschuldigung gelten, aber sie sollte in der Bewertung und dem Umgang mit Situationen berücksichtigt werden. Ein Kind mit einer seelischen Behinderung braucht mehr Unterstützung im sozialen Bereich und oft passieren ihm in seiner Entwicklung mehr ,,Fehler". Ein Rolli-Kind kann auch einen 100m-Lauf absolvieren. Aber bei der Bewertung den Rollstuhl nicht zu berücksichtigen, wäre falsch und sehr ungerecht.
Mein Sohn kriegt auch Aufgaben und Konsequenzen, aber ich schaue, dass es für ihn schaffbar ist.
Achte dabei auf deinen Sohn gegenüber der Schule.
Ich empfinde zwei der Vergehen nach wie vor als nicht so schlimm und die Reaktion der Schule als überzogen. Daher gehe ich davon aus, dass es eine Vorgeschichte gibt und das solche kleineren Vergehen die Schule schon überkochen lassen. Die Kiosksache kann ich nicht beurteilen. Bei dem Schneeball und dem Schwäntzen gehe ich stark davon aus, dass andere Kinder nicht so bestraft würden. Das würde ich an eurer Stelle auch mal genauer nachfragen.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

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Beitragvon Anne_mit_2 » 27.02.2019, 10:56

Hallo Rike,

da sprichst Du das wahrscheinlichstee Szenario an. Ich nenne mal die beiden anderen, die mir noch einfallen. Je besser man vor dem Gespräch mögliche Szenarien kennt, desto flexibler kann man auf den Verlauf der Anhörung reagieren.

Ein zweites ist, dass die Schule sieht, dass ein leicht beeinflußbares Kind in eine Clique hineingerutscht ist, die es nach Strich und Faden ausnutzt, und die Schule nicht weiss, wie man es anders dort herausholen kann als durch einen Schulwechsel, ehe es zu Schlimmerem kommt.

Als drittes Szenario ist noch möglich, dass die Schule ihre Schülerzahl in dieser Stufe reduzieren muss, weil es einfach insgesamt hinten und vorne nicht passt und man damit für alle Schüler (bis auf die ganz zurückgezogenen, die man übersieht und die deshalb nicht stören) alle möglichen Anlässe für einen Ausschluss sehr genau im Auge hat.

Ich habe beruflich schon die letztere Situation von 'wer zuerst zuckt, fliegt' erlebt. Und als Schülerin bin ich (wegen einer Nichtigkeit, mit einigen anderen zusammen) von einer nominell sehr guten, aber hoffnungslos überlaufenen Grundschule geflogen und dann zu meinem Glück mit den anderen zusammen auf einer völlig unterausgelasteten Grundschule in einem sozialen Brennpunkt gelandet, wo wir endlich richtig gefordert und geförtdert wurden.

Viele Grüße,
Anne.

Familiekühl
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Beitragvon Familiekühl » 27.02.2019, 21:08

Hallo

Ich möchte nur kurz was zur möglichen Vorgeschichte schreiben die es wirklich nicht gibt. Wir sind gerade ein halbes Schuljahr an dieser Schule. Zählt es zur Vorgeschichte, das mein Kind wie viele andere Kinder auch, mal zu spät kommt, mal die Hausaufgaben nicht gemacht hat, mal das Material vergessen hat? Wobei wir das ganz schnell abgestellt haben. Das alles im ersten halben jahr ist eine katastrophe. Wir haben viele gespräche geführt u d nach lösungen gesucht. Ja er mag seine Lehrerin in Erdkunde nicht. Auch das wurde abgestellt. Er mag sie noch immer nicht ;-) Der SB ist jetzt bei den beiden erdkundestunden immer da, so dass keine Störungen mehr passieren.

Klar ich kann viel schreiben, aber mir liegt es fern, die Schule als bösen zu verurteilen. Ich versteh es nur einfach nicht. Wir hatten bis naja gestern oder vorgestern einen guten Austausch. Fand ich jedenfalls.

VG

Anjali
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Beitragvon Anjali » 28.02.2019, 08:56

Zur Vorgeschichte zählt vielleicht auch, dass dein Sohn immer wieder Probleme mit anderen Mitschülern hatte und frech zu den Lehrern war und die zahlreichen Anrufe bei euch zu Hause.
Die Schule schätzt die Situation vielleicht doch dramatischer ein als du.

Zur Vorgeschichte gehört für mich auch die Zeit vor der jetzigen Beschulung, auf welche du in deinem Vorstellungsgespräch ausführlicher eingingst.
Dein Sohn wurde zuvor als I-Kind beschult. Sein Sozialverhalten galt bereits zu Kindergartenzeiten als auffällig.

Es geht (mir) nicht darum, die Schule als gut oder böse zu beurteilen.
Aber evtl. erhält dein Sohn in der jetzigen Schule (noch) nicht die Unterstützung und das Verständnis, die/das er eigentlich bräuchte.
Und hier sehe ich in erster Linie euch Eltern gefragt. Ist nicht böse gemeint, aber die Schule signalisiert ja deutlich, dass sie mit ihrer Geduld/ihrem Latein am Ende ist.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (17 Jahre / Asperger-Autist)

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Beitragvon RikemitSohn » 28.02.2019, 13:01

Hallo,

ich sehe es wie Anja. Das, was du beschrieben hast, ist eine Vorgeschichte. Und es klingt schon nach ziemlich viel Trubel in einem halben Jahr.
Niemand möchte die Schule als böse beschreiben. Für mich klingt es aber gerade etwas so, als ob du mehr Verständnis für die Schule wie für deinen Sohn aufbringst. Du brauchst nicht gut finden, was dein Kind macht, und du darfst auch wütend sein, denn er verursacht eindeutig Chaos um sich herum. Aber du bist trotzdem so etwas, wie seine Anwältin. Du solltest schauen, dass er fair behandelt wird und er nicht nur gestraft, sondern unterstützt wird.
Nach meiner Erfahrung gibt es immer wieder die Tendenz in Schulen, die ,,Schuld" dem Kind zuzuschieben oder die Eltern anzuprangern, anstatt zu schauen, wie man gemeinsam eine Lösung findet.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

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Re: Fehlverhalten Konsequenzen in der Schule

Beitragvon Familiekühl » 08.05.2019, 21:02

Hallo noch mal,

Wir hatten vor den Ferien ein Gespräch mit der Schule. Glücklichweise hatten wir Unterstützung mitgebracht. Aber viel dabei kam nicht rum. Unsere Ärztin vom SPZ war dabei. Sie merkte an, dass manche Konsequenzen vielleicht wenig hilfreich seien. Und vielleicht unverhältnismäßig empfunden werden.

Aber die Schule hat keine andere Möglichkeit. Alle Ideen wurden abgelehnt. Selbst als wir sagten die aufsichtspflicht ist ja durch SB gegeben und es müsste doch eine Möglichkeit geben, dass unser Bub irgendwo in einer Ecke sitzt und arbeitet. Weit gefehlt. Wenn sich unser Bub nicht an Absprachen hält, wird er heim geschickt. Sb in oder her. Den Einwurf der Ärztin, dass man damit dem Kind evtl. mehr macht verleiht als ihm guT tut, schüttelteten die lehrer die köpfe. Sie erklärte, dass unser Kind, falls es bei ihm klick macht, das ja dann steuern könnte. Ich halte ich nicht an Absprachen und werde dafür heim geschickt. Okay heute hab ich keine Lust. Also finde ich mal eine Absprache die ich nicht einhalte, damit ich heim komme. Das halten die lehrer für unmöglich. Die Ärztin mahnte zur Vorsicht. Aber auch hier kein Verständnis. Das passiert eh nicht, laut Schule.

Im übrigen versuchten die lehrer uns irgendwie schlecht dastehen lassen. Ihr Kind hat das Material vergessen usw. Also die Schule ist sich keiner schuld bewusst. Und was ändern kann nur unser Bub oder wir.

Ich hab ein ganz schlechtes Gefühl. Ich denke nicht, dass sich grundlegend was ändert. Aber ein Schulwechsel? Ich überlege hin und her. Es gibt ja leider keine Garantie, dass es woanders besser läuft. Ich drehe mich im Kreis.

Danke fürs von der Seele schreiben.

VG


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