Warum denken Ärzte so?!

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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Michaela44
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Warum denken Ärzte so?!

Beitragvon Michaela44 » 19.02.2019, 23:16

Warum sehen Ärzte eigentlich immer in der Mutter die Hauptursache für die Probleme ihrer Kinder?

Warum begreifen Ärzte nicht, wie belastend der Regelschulbesuch für Autisten sein kann? Warum blenden sie das scheinbar komplett aus?

Warum ignorieren Ärzte jedwede Argumente und übergehen sie komplett, wenn sie in eine andere Richtung deuten als ihre Einschätzung? Warum behaupten Ärzte dann, dass ich lüge oder ich sei verblendet?

Warum sind Ärzte so eingefahren und unflexibel in ihren Denkmustern?


Ich habe es so satt!!!!!!!

Ich habe es satt, dass Menschen, insbesondere Ärzte aber auch Lehrer oder JA-Mitarbeiter meinen zu Wissen, wie ich ZU HAUSE mit meinen Kindern umgehe und welche Fehler ich dabei angeblich mache. Einige unterstellen mir, ich sei zu nachlässig (das verbreitet der Vater gerne), mein Familienhelfer sagte, ich sei zu streng. Glaubt mir der Arzt nicht :roll: Der eine Arzt sagt, ich "schwinge zu sehr mit" bei meinem Sohn. Der nächste Arzt behauptet, da ich Autistin bin, kann ich keine Empathie für meinen Sohn haben. :?: Heute hatte ich wieder ein leidiges Telefonat mit einem Arzt. Es ist zum :twisted: Dass ein Regelschulbesuch aufgrund der Schulbedingungen meinen Sohn überfordert und er deshalb zu Hause ausflippt und ggfs die Schule verweigert, wird von Seiten der Ärzte KOMPLETT totgeschwiegen. Es taucht in keinem Bericht auf und wir haben viele. Es sei umgekehrt: da ich zu liebevoll bin, würde mein Sohn sich schlecht benehmen und die Schule verweigern. :icon_shaking: Dass mein Sohn bei anhaltender Schulverweigerung und nach Abarbeitung seines Stresses zu Hause wieder friedlicher wird, würde ich mir einbilden, da ich die Probleme angeblich ausblende. :x Einmal hatte ich es sogar, dass ein Bericht vom ATZ (der einzige Ort an dem ich mich verstanden fühlte) dahingehend umgedeutet wurde, dass die beschriebenen schulischen Schwierigkeiten meines Sohnes nicht in der Schule sondern zu Hause stattfanden. Und einmal hat ein Arzt, der KEIN Wort mir meinem Sohn oder mir gesprochen hat, behauptet, wir hätten eine symbiotische Beziehung, denn sonst würde mein Sohn zur Schule gehen.

Geht es nur mir so?
Sind die Ärzte so blind oder bin ich es?


PS: Ich weiß, dass es auch tolle Ärzte gibt. Musste meinen Frust aber mal loswerden.
Asperger Autistin
mit neurodiverser Familie

GretchenM
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Beitragvon GretchenM » 19.02.2019, 23:33

Hallo,

Auch wenn ich im Moment zum Glück nichts derartiges erlebe, hatte ich das vor der Diagnosestellung auch. Erstmal lag immer alles daran, dass ich alleinerziehend war und dazu auch noch selbst nicht gesund.

Ich kann Dir nur sagen, dass es in jedem Berufsstand die Idioten, die Leute von vorgestern und last but not least die Leute gibt, die theoretisch etwas „gelernt“ haben, aber nichts davon praktisch verstehen und umsetzen können.

Lass Dich bloß nicht unterkriegen, und denke daran, dass Du mit Sicherheit keinw mangelnde Empathie gegenüber Deinem Kind zeigst nur weil Du Autistin bist... das ist echt Blödsinn und zeigt, dass da nichts verstanden wurde... (Mein autistischer Sohn ist hier immer der erste der mir ansieht, wenn es mir nicht gut geht! Und das, obwohl er Mimik sonst oft nicht gut lesen kann!)

Ich finde es gut, wenn Du wütend bist, das ist echt eine gesunde Reaktion auf blödsinnige Unterstellungen.

Du bist damit nicht alleine - und demnächst triffst Du bestimmt wieder total tolle Ärzte/Pädagogen usw.

Lg

GretchenM

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 20.02.2019, 07:21

Hallo Michaela,
Warum sehen Ärzte eigentlich immer in der Mutter die Hauptursache für die Probleme ihrer Kinder?

Warum begreifen Ärzte nicht, wie belastend der Regelschulbesuch für Autisten sein kann? Warum blenden sie das scheinbar komplett aus?

Warum ignorieren Ärzte jedwede Argumente und übergehen sie komplett, wenn sie in eine andere Richtung deuten als ihre Einschätzung? Warum behaupten Ärzte dann, dass ich lüge oder ich sei verblendet?

Warum sind Ärzte so eingefahren und unflexibel in ihren Denkmustern?
(Ich möchte gerne ein „viele“ einfügen, denn es sind viele, aber nicht alle Ärzte so.)
Der Grund ist einfach: Man sieht nur, was man weiß.
Autismus ist sehr komplex und geht weit über die medizinische Perspektive hinaus. Um das zu erkennen, um also wirklich etwas von Autismus zu verstehen, müssten die Ärzte das regelmäßig in ihrer Ausbildung lernen.
Dummerweise ist seit Sigmund Freud leider ja zudem noch immer die Mutter schuld, wenn Kinder nicht rund laufen - das ist leider nicht aus den Köpfen herauszubekommen... :roll:
Ich habe aber das Gefühl, die Ärzte, die von der „richtigen“ Seite kommen, die Vermeulen und Theunissen gelesen haben usw., die autistisches Empowerment mittragen, die werden mehr und kommen langsam auch mehr in Positionen, wo sie das einbringen können ...

Immerhin ist das ATZ ja auf der Habenseite, ich habe mir sagen lassen, dass das auch nicht selbstverständlich ist.
Lass Dich nicht unterkriegen, und gebe die Hoffnung nicht auf, doch noch einen RICHTIG guten Arzt zu finden.

Ich kenne das Problem auch.
Ich hab es so satt
Ich versteh Dich so gut.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

GretchenM
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Beitragvon GretchenM » 20.02.2019, 07:52

@ Engrid

Ich glaube, dass es einfach immer schon so war, das Mütter die „Bösen“ sind, wenn der Nachwuchs nicht gesellschaftlich passend der Norm entspricht. Freud hat dem nur Ausdruck verliehen und diesem Fehlurteil einen akademischen Anstrich verpasst.

Angela77
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Beitragvon Angela77 » 20.02.2019, 07:53

Hallo Michaela,

ich unterschreibe in allen Punkten bei Engrid.

Einen Punkt möchte ich noch hinzufügen: Bei autismusbedingten Problemen gibt es oft keine schnelle, souveränen Lösungen. Viele, v.a. ältere Ärzte - sind so sozialisiert, dass sie dem Patienten niemals die eigenen Unsicherheit spiegeln sollten. Manche wollen auch persönlichkeitsbedingt "perfekt" sein.

Wenn ihre Lösungen scheitern oder sie keine finden, müssen andere - die Kinder, die Mütter - "Schuld" sein. Das schützt ihr Selbstwertgefühl, verschlimmert aber die Problematik und verursacht seelisches Leid bei den betroffenen Familien :evil:

In der Regel passiert das nicht bewusst - was "unser Leid" auch nicht wirklich besser macht.
Genauso unmöglich ist es, dieses "Problem des Arztes" im Gespräch zu formulieren, denn dies würde er sehr wahrscheinlich als zweiten Angriff auf sein Selbstbild als "starker und souveräner Heiler" interpretieren.

Wann immer es möglich ist, würde ich also versuchen solche Ärzte/FAchleute zu wechseln und/oder DEUTLICH zu machen dass du diese Ansicht nicht teilst bzw. im Gespräch direkt nachfragen, woher diese Ansicht des Arztes kommt.

In der Regel wird das für den Arzt dann so unangenehm sein, dass er zumindest seine Wortwahl im nächsten Arzbrief besser überdenkt, selbst wenn er immer noch meint, dass du an allem Schuld bist.

Ich selbst hasse solche Gespräche alleine schon, weil sie sich nach "Erziehungsversuchen bei Erwachsenen" anfühlen. Aber manchmal geht es nicht anders, v.a. wenn du den Arzt/die Fachkraft nicht einfach wechseln kannst.

Aber - das habe ich auch schon erlebt ! - es gibt auch Ärzte/Fachleute, die sich bezüglich ihre Autismuskompetenz positiv entwickeln, entweder weil sie im Lauf der Jahre mehr Erfahungen mit autistischen Familien sammeln und/oder gute Fortbildungen gemacht haben und/oder weil sie EINDRUCKSVOLL erlebt haben, dass Eltern die Situation ihrer Kinder DOCH kompetent einschätzen können.

Liebe Grüße
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

Michaela44
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Beitragvon Michaela44 » 20.02.2019, 08:58

Guten Morgen!

Danke für eure Antworten. Nach einer schlaflosen Nacht habe ich wieder etwas Abstand nehmen können.

@Gretchen: Deine Worte haben mich schon gestern Abend ein Stück weit aufgebaut. :icon_flower:

@Engrid und Angie: ihr habt ja Recht und prinzipiell weiß ich das alles auch. Aber es ist so zermürbend und belastend.

Ich habe übrigens noch KEINEN Arzt erlebt, der die Probleme meines Sohnes verstanden hat. Es hat auch NIE einer mit uns darüber sprechen wollen, was bei uns zu Hause passiert. Ich habe das Gefühl, die "wissen" schon vor der Untersuchungen die Ursache. Dabei kommen sie mir eigentlich kompetent vor..... Mein Problem im direkten Gespräch ist, dass ich die Kritik sofort annehme und überlege, wo ich was falsch gemacht haben könnte und suche sozusagen nach Argumenten, die deren Meinung stützt. Ich bin so gepolt, dass die Leute die wahrhaftige Wahrheit sagen. :roll: Hinterher merke ich dann, dass ich mich hab überrumpeln lassen, dass auf von mir vorgetragene Fragen und Sichtweisen gar nicht eingegangen wurde. Sie wurden "überhört".

Manchmal wünsche ich mir, ich wäre dumm. Dann würde ich den Ärzten vertrauen und deren Sicht nicht hinterfragen (können). Ich würde tun, was sie sagen, und mich beugen und hätte einen Haufen Probleme weniger.

Liebe Grüße
Michaela
Asperger Autistin
mit neurodiverser Familie

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Alexandra2014
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Beitragvon Alexandra2014 » 20.02.2019, 10:06

Hallo Michaela,

ich verstehe dich auch sehr gut. Es heißt nicht umsonst, dumm lebt man glücklicher.
Andererseits sollte man froh sein, dass man vieles durchschaut und hinterfragt, denn es hilft dem Kind ungemein.

Unser Kinderarzt (und Neuropädiater) hat mich fast ausgelacht, als ich ihm erzählt habe, dass wir uns auf eigenen Wunsch in der Autismusdiagnostik befinden.
Für ihn war die Sache glasklar. Er hat mir quasi unterstellt, die Behinderung meines Kindes nicht annehmen zu können, weil ich eben ständig noch auf der Suche war.
Er kannte das Kind nur aus Momentaufnahmen - und ganz ehrlich, wenn ich mein Kind mit etwas Abstand in solchen Situationen beobachte, dann kann ich schon verstehen, dass sie auf die Ärzte wie geistig behindert wirkt. Sie befindet sich in einer Art Untersuchungsstarre und gibt auch kaum Antwort. Wenn, dann nur leises Genuschel. :?
Tatsächlich gibt es auch viele Eltern, die die Behinderung nicht akzeptieren, nicht sehen wollen, die nicht einsehen, dass sie auch zumindest Teil des Problems sind.
Für die Ärzte ist es extrem schwer, zu unterscheiden, um welche „Art“ Eltern es sich handelt, da sie auch diese ja nur aus Momentaufnahmen kennen.

Aber man fühlt sich als Eltern schon mies, wenn man nicht ernstgenommen und nur belächelt wird. Ich kenne das ja selbst. Man sollte sich aber nie von seinem Weg abbringen lassen und den Ärzten immer wieder konsequent unter die Nase reiben, dass man es anders sieht. (steter Tropfen höhlt den Stein :lol: )

Tatsächlich haben auch einige Ärzte inzwischen eingesehen, dass sie falsch lagen. Auch unser Kinderarzt ist nun ganz anders bemüht und verständnisvoller (man merkt tatsächlich ein schlechtes Gewissen :wink: ), seit der fast 20seitige Brief der KJP mit der Diagnose vorliegt. Er hat tatsächlich auch das Wort Autismus schon benutzt.

Andererseits gibt es dann die, die sich in ihrer Ehre verletzt fühlen ( :roll: ), die auch nicht gut wegstecken können, dass die Mutter kognitiv vielleicht über ihnen angesiedelt ist. Ärzte sind eben auch nur Menschen und keine Götter in weiß. Diese Version von Arzt sieht mich in der Regel nicht wieder. :lol:

Dass Du reflektierst und überlegst, ob sie Recht haben könnten, ist eigentlich eine gute Sache. Du solltest dich aber dennoch nicht davon abbringen lassen, deinen Standpunkt zu vertreten, wenn du zu dem Schluss kommst, dass der Arzt mit seiner Einschätzung daneben liegt.
Im Zweifel kann man nur wechseln und hoffen, beim nächsten mehr Glück zu haben. :?

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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Regina Regenbogen
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Beitragvon Regina Regenbogen » 20.02.2019, 10:40

Manchmal wünsche ich mir, ich wäre dumm. Dann würde ich den Ärzten vertrauen und deren Sicht nicht hinterfragen (können). Ich würde tun, was sie sagen, und mich beugen und hätte einen Haufen Probleme weniger.
Es würde auch reichen, nur so zu tun um den eigenen Seelenfrieden zu finden und dem eigenen Kind nicht zu schaden. :wink:

Wir hatten jahrelang unsere Therapeuten auf unserer Seite, die einen ganz genauen Einblick in unser Leben hatten, da konnte mir die Meinung irgendwelcher Ärzte (die unser Jüngster wegen des Autismus ohnehin seit seinem 6. Lebensjahr nicht mehr gesehen hat) völlig egal sein.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

Vicki
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Beitragvon Vicki » 20.02.2019, 10:45

Hallo Michaela,

ich kann das "leider" auch nur bestätigen was Du da schreibst.
Da haben wir auch die Hölle hinter uns.

Die Krönung war mal ein angesehener Prof. zu dem uns das JA damals umbedingt hinhaben wollte.
Dieser hat mich und meine Tochter nur 10 Minuten im Erstgespräch gesehen, die anderen Termine fanden bei einer Mitarbeiterin statt.

Diese hatte damals behauptet unsere Tochter sei nicht autistisch - wir hatten da schon zwei positive Testungen und bestätigte Diagnosen von zwei anderen Fachärzten.

Der Prof. hat sich seiner Mitarbeiterin angeschlossen, die Diagnose war weg, von da an wurde alles an mir ausgemacht. Wir haben die Hölle durchgemacht bis hin zum Gericht.

Ich glaube das ich diesbezüglich - wie soll ich es ausdrücken -eigen geworden bin.
Denn es sind ja nicht nur die Ärzte, es ist ja auch das Umfeld. "Guck mal, die......, die macht das doch alles nicht richtig mit ihrem Kind......... etc. etc. etc."

Man ist vollkommen machtlos dagegen, außer man gewinnt vor Gericht und auch dann steiten die betreffenden Insitutionen - sprich Ärzte Jugendämter Lehrer - alles noch ab und glauben einem nicht.

Ehrlich gessagt, ich weis auch nicht, wie man da durchkommt, aber irgendwie geht es immer weiter. Unserer Tochter hat es sehr geschadet, ich hoffe, das sie irgenwann sich nochmal aufrappelt.

Das Problem ist, das Ärzte, Jugendämter, Schulen eine gewaltige Macht in diesem Lande haben, dagegen anzukommen, ist nicht leicht.

Gruss Vicki

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 20.02.2019, 11:28

Hallo,

es führt nur auf den ersten Blick vom Thema weg: Die Probleme werden eben NICHT weniger, und es lebt sich NICHT glücklicher, wenn man weniger intelligent oder weniger gebildet ist (ich weiß jetzt nicht genau, was Ihr meint mit "dumm"). Im Gegenteil, man wird genauso wenig ernstgenommen, und man fühlt sich auch genauso. Nur kann man vielleicht nicht so gut reflektieren und herleiten, dass das Gefühl von Ohnmacht, Fremdbestimmung und Nichtverstandenwerden, dass diese ganze Bevormundung nicht von der eigenen Unfähigkeit herrührt, sondern von den Fehlern anderer. Das macht es dann noch SCHLIMMER. Das sehe ich oft genug an meinem Sohn, leider.

"Schlau" agieren in dem ganzen Unbill kann tatsächlich manchmal heißen, sich dumm zu stellen. :P Dazu gibt es konkrete rhetorische Tricks zum Einüben für alle, denen das Verstellen nicht liegt, weil sie ihr Herz auf der Zunge tragen, wie man so schön sagt. ZB Fragen einfach "zurückgeben", funktioniert gut, sollte ich viel öfter machen.
Jedenfalls braucht es viel Gewitzheit, um mit bornierten Leuten umzugehen. Und davon habt Ihr doch genug. :wink:

Besser aushalten kann man diese Dinge jedenfalls, wenn man on- und offline andere Eltern kennt, denen es genauso geht. <3 :wink:

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)


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