Woher kommt die Vergesslichkeit?

Hier könnt ihr euch über ADS und ADHS austauschen.

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SandraO
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Woher kommt die Vergesslichkeit?

Beitragvon SandraO » 19.02.2019, 08:57

Hallo an alle!

Kurz unsere Vorgeschichte: unser derzeit 7jährige Sohn hat mit 4 Jahren die Diagnose ADHS bekommen und erhält seit einem knappen Jahr täglich 25 mg Medikinet unretardiert. Weniger ist leider nicht möglich.
Er geht auf die Montessorischule bei uns im Ort und ist I-Kind dort, es klappt eigentlich ganz gut, sämtliche Lehrer/Erzieher dort sind echt toll.
Vergangene Woche sollte er einen Test schreiben. Er war jedoch einfach zu unkonzentiert bzw. sagte selbst, er hätte alles vergessen, so dass der Test völlig daneben war, in Schulnoten eine glatte 5. Seine Klassenlehrerin hat in Rücksprache mit der Integrationsfachkraft aber durchgesetzt, dass er den Test unter für ihn möglichst optimalen Bedingungen wiederholen darf - sehr nett und wohl nicht selbstverständlich! :-)
Nun zum eigentlichen Problem: unser Sohn ist total vergesslich, ob es nun beispielhaft dieser Test ist oder sämtliche andere Alltagssituationen. Seit ca. 3 Wochen soll er seine kaputten Hausschuhe aus der Schule mit nach Hause bringen - bisher erfolglos ("Ach ja, hab´ ich vergessen!"). Gestern hat er sein geliebtes Fußballtraining vergessen und ist einfach bei einem Freund geblieben, obwohl wir es ihm 4 mal gesagt haben ("Komm um xxx Uhr nach Hause"). Einfache Aufforderungen, z.B. abends zum Zähneputzen und Händewaschen, kann er nicht behalten.
Er selbst merkt das auch und er ist daher entsprechend deprimiert. Gestern hatte der deswegen einen ausgewachsenen Weinkrampf und ich konnte ihn erst nach langer Zeit beruhigen.
Woran kann diese Vergesslichkeit liegen? Klar, ADHS, ich weiß. Aber kann das vielleicht auch mit dem Medikinet zusammenhängen? Er verträgt es eigentlich wirklich gut, bisher haben wir auch noch nichts anderes ausprobiert. Die Schule ist auch der Meinung, dass es bei ihm gut anschlägt.
Seine Vergesslichkeit ist momentan ein sehr großes Hindernis für ihn und seine Umgebung.
Danke für eure Antworten im Voraus!
LG,
Sandra
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Beitragvon JasminsMama » 19.02.2019, 09:15

Hallo Sandra,

soweit ich weiß, ist Vergesslichkeit ja auch ein Symptom bei ADHS.

War das mit der Vergesslichkeit bei Deinem Sohn denn immer schon so ausgeprägt oder kam das erst jetzt dazu?

Für mich hören sich einige der Vergesslichkeiten, die Du oben beschreibst, aber auch irgendwie "normal" in dem Alter an. :)
Ich kenne es auch, dass Wochen lang Dinge in der Schule "vergessen" wurde, die längst zu Hause hätten sein sollen.

Wenn die Vergesslichkeit in letzter Zeit schlimmer geworden ist und es nicht mit Unlust oder ähnlichem zu erklären ist, könnte es, wenn es ein Symptom des ADHS ist, vielieicht auch daran liegen, dass das Medikinet nicht ausreichend wirkt.

Könnten ihm Erinnerungen im Handy (falls er schon eines hat) oder eine Uhr mit Erinnerungsfunktion helfen, an wichtige Dinge (wie das Trainig) zu denken?

LG
Sandra
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Beitragvon SandraO » 19.02.2019, 11:47

Hallo Sandra! :-)

Vergesslich war er immer schon und bestimmte Situationen sind sicherlich auch normal. :-)
Aber ich habe schon den Eindruck, dass es in den letzten Wochen mehr geworden ist. So langsam rollen in der Schule nun auch mehr dieser Tests an. Er leidet ebens selbst darunter und setzt sich unter Druck, das ist ein klassischer Teufelskreis. Aber wir stehen erst am Anfang und ich versuche natürlich, dem entgegenzuwirken.
Ein Handy hat er noch nicht. Er hat so eine Uhr, mit der man anrufen kann und auch Anrufe entgegennehmen kann, aber die hatte er gestern vergessen aufzusetzen. :lol:
Das ist aber natürlich eine Möglichkeit, die wir bereits nutzen. Wir möchten ihn nur nicht immer und überall an alle möglichen Sachen erinnern, er sollte es ja auch mal lernen!
Danke für deinen Tip!

LG
Sandra
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Beitragvon JasminsMama » 19.02.2019, 11:53

Hallo Sandra,

wie gesagt ist die Vergesslichkeit eben auch ein Symptom vom ADHS.

Um den Druck für ihn erst mal so klein wie möglich zu halten (Du sagst ja, er leidet selbst darunter) würde ich die Erinnerungen so oft wie möglich machen.

Aber eben nicht durch Anrufe von Euch, sondern mit der Erinnerungsfunktion der Uhr. D.h. es piept und dann erscheint z.B. "Training 17 Uhr" oder kurz vor Schulschluss "Hausschuhe mitnehmen"...

So lernt er sich selbst zu organisieren ohne von Euch abhängig zu sein. Wenn es ein Symptom seines ADHS ist, kann es sein, dass er es eben nicht "lernen" kann, aber mit solchen Hilfen gut klar kommt.

Viel Erfolg und LG
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Beitragvon Engrid » 19.02.2019, 15:48

Hallo,

auch als AD(H)Sler kann man sich da sehr verbessern. Über Hilfen wie piepsende Uhr, Handy mit Erinnerungsfunktion usw. Evtl über Neurofeedback. Über Tricks und Methoden aus der Lerntherapie und Verwandtem (sollte eine gute Ergotherapie draufhaben), wie zb geistige Verknüpfung/„Ankersetzen“ von Dingen, die man erinnern will. Über Alltagsmanagement, zb Pausen einlegen, und diese zb mit Bewegung füllen, oder mit „Flow“, zb abends Reize runterfahren, usw ...

Grüße
Engrid
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Beitragvon Regina Regenbogen » 20.02.2019, 10:31

Wenn die Vergesslichkeit in letzter Zeit schlimmer geworden ist und es nicht mit Unlust oder ähnlichem zu erklären ist, könnte es, wenn es ein Symptom des ADHS ist, vielieicht auch daran liegen, dass das Medikinet nicht ausreichend wirkt.
Der Gedanke kam mir auch beim Lesen dieses Fadens. Es ist nicht ungewöhnlich, dass man nach einer gewissen Zeit die Dosis überprüfen und steigern oder senken muss.

Und vergesslich war unser Großer auch mit MPH, nur nicht mehr so gravierend.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
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Beitragvon maikeb » 20.02.2019, 11:26

Da kommt einfach immer viel zu viel dazwischen!
Gestern Abend wollte mein Sohn eigentlich einen Mitschüler anrufen. Er geht also zum Kühlschrank, an dem die Klassenliste pinnt, um die Telefonnummer nachzusehen.
Er nimmt die Liste mit zum Tisch, schaut darauf und findet sich selbst. Dann wundert er sich über die Schreibung seines Geburtsdatums in der Liste. Danach sieht er, dass ein Mitschüler eigentlich anders heißt, als sie ihn alle nennen ... .
Danach nimmt er die Liste, pinnt sie wieder an den Kühlschrank und geht spielen.
Angerufen hat er nicht mehr und auch keinen Gedanken mehr darauf verwendet. :roll:

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Beitragvon Regina Regenbogen » 20.02.2019, 11:37

Das hört sich eher nach Unterdosierung an. Sprich mit dem KJP.
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Beitragvon Bika » 20.02.2019, 16:22

Hallo,

Wie bekommt dein Sohn das Medikinet denn?

1mal 15 und mittags/nachmittags nochmal 10mg?

Oder nur 1mal morgens 25mg?

Die unretardierte Form wirkt max. nur 4 Stunden, meist noch viel kürzer.

Wenn bei meinem ADS- Kind die Medikamentenwirkung nachlässt, verstärken sich die typischen Symptome leider erstmal deutlich.
Der Rebound dauert (gefühlt) ewig. Daher sind wir auf Kinecteen umgestiegen, was bei meiner Tochter fast 12 Stunden wirkt.

Gibt es einen Grund warum dein Sohn kein Retardprodukt bekommt?

LG

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Beitragvon SandraO » 20.02.2019, 20:38

Unser Sohn bekommt morgens 15 mg und mittags in der Schule 10 mg Medikinet unretardiert. Er wiegt knapp 27 Kilo, das ist also momentan bereits die Höchstdosis. Wir haben es mal probeweise mit 20 mg retardiert plus 5 mg unretardiert morgens probiert, aber das hatte sehr negative Folgen.
Vielleicht ist es ja nur phasenweise schlimmer? Wir beobachten seine Vergesslichkeit auf jeden Fall weiter... und arbeiten weiterhin mt kleinen Tricks und Hilfen. :? :wink:
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