Gutachten/ Bericht Weitergabe an zukünftige Schule

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Regina83
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Gutachten/ Bericht Weitergabe an zukünftige Schule

Beitrag von Regina83 »

Guten Abend,

mir liegt seit ein paar Tagen etwas schwer im Magen und ich brauche Rat, wie wir damit umgehen sollen:

Unser Sohn ist 6 Jahre alt, er ist ein ehemaliges Frühchen und hat ein seltenes genetisches Syndrom, das wissen wir noch nicht so lange. Im Rahmen seines Syndroms hat er eine leichte geistige Behinderung. Er soll dieses Jahr in die Schule kommen und wir haben Kontakt zum mobilen sonderpädagogischen Dienst einer K-Schule aufgenommen, der Sonderschullehrer war 4 mal im Kindergarten und hat an 3 Terminen Tests mit ihm gemacht. Außerdem war ich mit meinem Sohn in der K-Schule zu einem Termin mit der Amtsärztin zur Schuluntersuchung. Dabei war auch der Lehrer und die Leiterin der Tagesstätte, wir waren also 4 Erwachsene und mein Kind, das untersucht/ getestet wurde von der Ärztin in einem kleinen Untersuchungsraum. Die Empfehlung ist Beschulung an einem FZ geistige Entwicklung, wir hätten in unserer Stadt 2-3 zur Auswahl und eines gefällt uns auch ganz gut.
Beim letzten Termin sagte der Lehrer noch, wenn wir wissen auf welcher Schule wir unseren Sohn anmelden sollen wir Bescheid sagen und er schickt dann das Gutachten dort hin, ich dachte ok, kein Problem.

Am Wochenende kam nun der Abschlussbericht über die Beratung/ mobile Sonderpädagogischen Hilfe zu uns. Mein Mann und ich finden ihn beide ziemlich furchtbar. Wir wollen auf keinen Fall, dass das Gutachten/ der Bericht in dieser Form an die zukünftige Schule geschickt wird. Davor hab ich echt Angst. Größtenteils ist er okay/sachlich verfasst. Aber es gibt einige wenige Punkte, die soo negativ sind:
1. Oben sind die medizinischen Diagnosen aufgeführt, das meiste passt, außer: Intelligenzminderung mit Verhaltensproblematik.
Was soll das? Reicht nicht Intelligenzminderung? In keinem der zahlreichen Arztbriefe die wir ihm vorgelegt haben steht die Diagnose Verhaltensproblematik. Außerdem: ich hab mal ins ICD-10 geguckt, den Begriff gibt es dort so gar nicht, das wird anders bezeichnet. Darf er als Sonderschullehrer eine medizinische Diagnose stellen? Wohl kaum. Oder hat das evtl die Amtsärztin in ihren Bericht nach dem Termin geschrieben und er hat das übernommen? Den Bericht der Amtsärztin haben wir nicht bekommen.
Mein Kind hat sich bei dem Termin mit der Amtsärztin leider unmöglich verhalten. Wir waren 4 Erwachsene und er in einem Raum. Vor uns am Tisch saß die Ärztin und schräg an der Seite uns zugewandt die 2 anderen Personen. Das war viel zuviel für mein Kind und er wollte nicht mitmachen. Darf sie wegen so einer Untersuchungssituation die Diagnose Verhaltensproblematik stellen?
Ich befürchte dass er in der zukünftigen Schule von Anfang an abgestempelt wird, dass man sich evtl nicht bemüht oder bei auffälligem Verhalten denkt: das ist halt so ein behindertes Verhaltensauffälliges Kind. Statt sich bei auffälligem Verhalten zu überlegen, was ist die Ursache und Lösungen evtlmit uns zu überlegen.
Wenn er eine Beziehung zu einer Person aufgebaut hat, kann er viel besser mitmachen, ist auch bemüht und charmant, hat auch einen gewissen Humor. Aber das alles konnte auch der Lehrer nicht sehen. Die Untersuchungstermine waren jeweils früh um 8 im Kindergarten und mein Kind hat jeweils nur wenig Kooperationsbereitschaft gezeigt, mit Ausdauer und Konzentration hat Erachtens Probleme.
Im Bereich Förderbedarf hat der Lehrer nun unter anderem notiert: "häufig ablehnendes oppositionelles Verhalten". Ich finde das unmöglich, er verallgemeinert und interpretiert. Was ist häufig? Täglich? Wöchentlich?

Dann zum Schluss zitiert er Teile des Berichts der Amtsärztin (der ganze Bericht liegt uns nicht vor). Hier steht unter anderem: "kleinwüchsiger Junge mit Mikrozephalie und auffälliger Facies" - Muss das sein? Inwiefern ist auffällige Facies relevant für die Empfehlung der zukünftigen Beschulung? Mein Kind ist ein Mensch, die Menschen sind verschieden. Außerdem hat mein Kind ein Gesicht und keine Facies.

Insgesamt finden wir diesen Bericht soo defizitorientiert. Wenn die zukünftige Lehrerin/Kinderpflegerin den Bericht liest wissen wir gar nicht wie wir einen guten Schulstart haben sollen, die haben doch von Anfang an einen problemorientierten Blick auf ihn...

Was denkt ihr dazu? Übertreibe ich? Wie würdet ihr vorgehen?

Grüße Regina

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo Regina,

die Defizitorientierung in solchen Berichten ist leider was ganz normales, und die Pädagogen merken das selber wohl gar nicht mehr. Ich finde das auch nicht gut, aber für mich persönlich den Aufwand nicht wert, dagegen anzugehen.
Ich befürchte dass er in der zukünftigen Schule von Anfang an abgestempelt wird, dass man sich evtl nicht bemüht oder bei auffälligem Verhalten denkt: das ist halt so ein behindertes Verhaltensauffälliges Kind.
Dass ein Kind an der Förderschule für geistige Entwicklung verhaltensoriginell ist, ist ganz normal und sind die dort gewöhnt. Ob sie professionell und empathisch damit umgehen, und ob sie Dein Kind gut fördern, merkst Du NICHT an dem Bericht, sondern eher, indem Du Dir die Schule gut anschaust.
(Wenn die Schule so drauf ist, dass sie auf so einen Bericht hin ein Kind abstempelt und nicht gut fördert, dann taugt die Schule gar nichts, und dass ist auch dann so, wenn der Bericht für Dein Kind „besser“ ausfällt. Das gilt auch für seine künftige Sonderpädagogin - ich bin ziemlich sicher, dass die solche Formulierungen oft liest und gut einordnen kann, und sich selber ein unvoreingenommenes Bild von Deinem Kleinen macht)

Grüße
Engrid
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Beate139
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Beitrag von Beate139 »

Hallo Regina,

ich kann gut nachvollziehen, das dich derartige Berichte über dein Kind runterziehen. Aber ich würde ihn an deiner Stelle ebenfalls nicht so persönlich nehmen.

Die Untersuchung von deinem Kind bezüglich der Schulauswahl muss hinreichend begründet sein, damit dein Kind diese Art von Beschulung überhaupt bekommen kann.
Letztendlich geht es auch um die Kostenübernahme der ausgewählten Beschulung. Und diese ist bei geistiger Behinderung höher, als wenn dein Kind in einer Regelschule beschult wird.

Wenn nun viel positives über dein Kind in dem Gutachten stände, könnte es passieren, das man deinem Kind dann eine andere - kostengünstigere- Beschulung zutraut.
In der über meinem Sohn angefertigten sonderpädagogischen Schülerakte stand damals der Satz : Trotz seiner bereits 7 Jahren besitzt Florian die Verhaltensweisen eines 2-Jährigen...
Einerseits tut so ein Satz weh, aber andererseits hat er die Tür zu einer anderen, passenden Beschulung geöffnet...

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Beate, die Beschulung nach Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung hängt einzig und allein an der Einschätzung einer geistigen Behinderung (=IQ unter 70).
Dafür dürfte das Kind auch angepasst und brav sein :P :wink:
(Tatsächlich sind an der Förderschule GEnt viele verhaltensauffällige Kinder, aber es gibt natürlich auch viele mit altersgemäßem Sozialverhalten, die einfach nur kognitiv eingeschränkt sind ...)

Viel maßgeblicher für die Einschätzung der Schule zum Verhalten ist das Schulspiel/Schnuppertag. Bei diesen Einschätzungen geht es aber auch nicht ums Abstempeln, sondern um die sinnvolle Einteilung in die Klassen, usw.
Engrid
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Regina83
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Beitrag von Regina83 »

Danke Engrid und Beate für eure Sichtweisen. Ja genau, der IQ bei ihm reicht ja als Begründung dafür dass er nach Förderschwerpunkt G unterrichtet wird. Das eine DS Kind, das ich näher kenne, zeigt schon auch besonderes Verhalten. Aber das ist doch irgendwie auch normal im Rahmen einer geistigen Behinderung?

finnja
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Beitrag von finnja »

Hallo Regina,

ohne die defizitorientierten Berichte gibt es leider oftmals keine Bewilligungsgründe, so vorneweg als Brille zum Lesen dieser Berichte ;-)

Du hast Recht, eine Intelligenzminderung führt ganz oft zu originellem Verhalten und ist für die G-Schulen täglich Brot.

Auffällige Faszies gehört in jeden dieser Berichte, sofern Vorhanden, selbst in rein pädagogische, wenn es sehr aufällig ist (ich habe ein weniger aufälliges Kind, da steht immer etwas darüber nur drin, wenn anhand von Tabellen und Messungen etwas von der Norm abwich, reines Anschauen reicht bei ihm nicht).

Jeder, der mit solchen Berichten arbeitet weiß, wie viele Fehler, Übertreibungen und Momentaufnahmen diese Berichte beinhalten, die "Guten" nehmen ihn als Arbeitsthese, die es zu überprüfen gilt oder lesen die Berichte erst später ;-)

Da Dein Sohn bei der Begutachtung tatsächlich nicht mitgemacht hat, ist der Satz ja nicht komplett von der Hand zu weisen, ich glaube es lohnt sich nicht auf Änderung zu bestehen.

Selbst wenn er gut mitgearbeitet hätte, würde ich mir überlegen, ob mir meine Energie dafür nicht zu schade ist, zumal der Großteil des Berichts ja stimmt und keines Eurer Ziele dadurch gefährdet ist.

Unsere Frühförderung war da immer soooo süß, sie nahm uns immer beiseite und sagte: " Sie wissen doch, ich muss hier im Bericht immer die Schwächen und Probleme aufschreiben, lesen Sie es sich hier in Ruhe durch und ich sag Ihnen anschließend, was supergut läuft und prima ist". Davon stand zwar auch was im Bericht, aber gesagt hat Sie natürlich deutlich mehr  8)

Anders ist es tatsächlich (und das wird sicher auch noch kommen), wenn zu viele kleine Fehler darin stehen, grobe Schnitzer (zB falsche Diagnose etc) enthalten sind oder aber auch, wenn ich das Kind im Bericht nicht wiedererkenne bzw die Beurteilung des Verhaltens eine völlig andere ist als meine, dann gibt es immer Korrektur- bzw Klärungsbedarf....

LG, Finnja
Sohn 06 ,SBA seit 06 mit 100 GdB und PS II (die nicht seit 06), Mutation, mit Auswirkungen in allen möglichen Bereichen,
PS 06, AVWS, V.a. FAS(D)
PT 07, FAS mit gB, lebt inzwischen in einer Einrichtung
LT 12, so normal, wie bei uns als Eltern möglich ;-)

lisa schrenk
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Beitrag von lisa schrenk »

Hallo Regina,

ich finde auch, dass du dir unnötige Sorgen machst. Die Sonderpädagogen kennen ja die unterschiedlichsten Verhaltensformen. Als ich das Gutachten des MDK zu meiner Tochter gelesen habe, fand ich den auch sehr negativ. Musste aber sein, sonst hätten wir keinen Pflegegrad erhalten.

Am besten ist mit der Schule in intensiven Austausch zu sein. Vielleicht ist es möglich, sich die Schule mit Kind einmal anzusehen und dann zu erklären, was an deinem Kind besonders ist und wie er am besten kooperiert. Bei unserer KB-Schule ist das kein Thema. Alle bemühen sich sehr, dass Freya gut integriert ist und bei Problemen werde ich sofort angesprochen. Wir überlegen dann gemeinsam, wie wir vorgehen sollen. Ich finde mein Kind ist super aufgehoben.

Außerdem kannst du die Amtsärztin um ihr Gutachten bitten.

Liebe Grüße

Lisa
Botho (1962), Lisa (1965), Freya (2007)
Sie ist stark entwicklungsverzögert und hat Pseudo Lennox. Sonst ist sie ein liebes, fröhliches Kind, das uns viel Freude macht.

Regina83
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Beitrag von Regina83 »

Danke auch Finnja und Lisa für eure Antworten. Etwas habe ich mich jetzt auch beruhigt, auch wenn ich es immer nochnicht in Ordnung finde.
Ich finde de schon, dass bei dem Punkt "medizinische Diagnosen" ihm ein erheblicher Fehler unterlaufen ist, wenn er plötzlich schreibt "mit Verhaltensprobkematik", wenn diese Diagnose von einem Arzt so nie gestellt wurde. Er ist Lehrer und darf keine medizinischen Diagnosen stellen. Außerdem hab ich das Gefühl, dass es uns so aus der Hand genommen wird, ich möchte selbst entscheiden, welche Diagnostik wir machen lassen und welchen Stempel er evtl bekommt. Wenn eine Diagnose bedeutet, dass er/wir Hilfe und Unterstützung bekommen u d die Diagnose gleichzeitig gerechtfertigt ist (wie z.b. Autism us und die entsprechenden Therapiemöglichkeiten) "nehmen" wir sie gerne, aber hier sehr ichnur Nachteile.

Liebe Grüße

kati543
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Re: Gutachten/ Bericht Weitergabe an zukünftige Schule

Beitrag von kati543 »

Hallo Regina,
es gibt Zeugnisse und es gibt Berichte und Gutachten von Fachärzten, Sonderschullehrern,.... Das Erstere ist übertrieben wohlwollend formuliert und gern wird auch mit Fähigkeiten „geprahlt“, die das Kind eigentlich noch nicht hat. Das Zweite ist ausschließlich defizitorientiert. Das Kind wird also von 2 verschiedenen Seiten betrachtet. Es macht absolut keinen Sinn sich über eines von Beiden aufzuregen, es sei denn, es sind wirklich gravierende Fehler vorhanden. Ich würde dagegen nicht vorgehen - zumal du ja echt in der unangenehmen Situation bist, dass 2 verschiedene Stellen unabhängig voneinander das Gleiche festgestellt haben. Das hat mein Mann einmal beim Amtsarzt versucht. Das Einzige, was passiert ist war ein zusätzlicher Satz unter Bemerkungen: „Vater ist uneinsichtig und akzeptiert die schweren Beeinträchtigungen seines Sohnes nicht.“. Seitdem hat mein Ältester das in seiner Schulakte stehen.

Es interessiert den Facharzt und den Sonderschullehrer schlichtweg nicht, was das Kind alles kann. Es ist deren Aufgabe festzuhalten, was es nicht kann, wo Probleme und Einschränkungen bestehen. Es gibt praktisch für jeden Körperteil einen medizinischen Ausdruck. Selbst wir gehen hier vollkommen selbstverständlich mit diesen Ausdrücken um. Wenn ich beispielsweise von Facies rede, nehme ich automatisch Abstand. Ich will damit schließlich niemanden beleidigen (würde ich „Gesicht“ sagen, wäre es persönlich und schnell beleidigend). Nur für einen Mediziner und ggf. auch einen Lehrer ist es nicht ganz unerheblich, ob ein Kind eine auffällige Facies hat (auch mein Jüngster hat das in seinen Berichten stehen). Soetwas könnte beispielsweise für Lehrer wichtig sein, die dann andere Kinder/Erwachsene sensibilisieren müssen. Das ist schon fast ein Wink mit dem Zaunspfahl um Mobbing und Co. zu verhindern.
Ansonsten schreiben Amtsarzt und Sonderpädagoge keine Diagnosen, sondern sie beschreiben das Kind, was sie gesehen und begutachtet haben - und zwar ausschließlich das, was sie gesehen haben. Die Sonderpädagogin kann also nicht schreiben, welches Verhalten wie häufig in Monaten vorkommt. Sie bezieht sich ausschließlich auf die wenigen Stunden, die sie mit deinem Kind verbracht hat. Außerdem fließen (so ist es zumindest bei uns) noch die Gespräche mit den Erzieherinnen und den Eltern in das Gutachten ein. Allerdings steht das alles separat. Man kann das also gut voneinander trennen. Diagnosen mussten wir auch nennen, aber die waren immer zweitrangig.
Die „Verhaltensproblematiken“ gehen bei geistigen Einschränkungen eigentlich immer mit einher. So hat es mir auch unsere Sachbearbeiterin vom Sozialamt gesagt. Das kann deswegen trotzdem ein freundliches, liebes, angepasstes Kind sein.
Und ja, du hast recht - mit der Einschulung geben wir Eltern sehr viel Kontrolle aus der Hand. Das merken allerdings nur wir Eltern von behinderten Kindern. Das Schulamt hat sehr viel Macht und kann auch gegen unseren Willen bei unseren Kindern sehr viel beantragen.

LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

finnja
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Beitrag von finnja »

Hallo Regina,
ich melde mich nochmal, frühstücke gerade gaaaaanz in Ruhe...

Vorneweg: ich kann das VOLL und GANZ nachvollziehen, dass Dich das massiv ärgert  8)

Ihr habt entschieden (qua Unterschrift) ihn diagnostizieren zu lassen, nämlich den schulischen Förderbedarf, mit dieser ersten Unterschrift darf er das. Ihr könntet jetzt einzig über Schweigepflicht und Datenschutz die Weitergabe VORLÄUFIG (je nach Bundesland braucht man ab bestimmten Klassenstufen KEINE Unterschrift der Eltern mehr, bzw kann auch gegen den Elternwillen arbeiten, weil Schulpflicht besteht) verhindern, was ja aber weder zielführend noch in Eurem Sinne wäre.

Für ihn und die Amtsärztin lag tatsächlich (Verweigerungshaltung) eine Verhaltensproblematik vor.
Es gibt auch pädagogische Anamnesen und Diagnosen ;-)

Von ihm richtig gut wäre gewesen, Euch vorher darüber zu informieren, dass er das so in den Bericht aufnehmen will, hat er aber nicht gemacht.

In einem Fall wie bei Euch (auch ähnlich und viiiiiiel schlimmer hatten wir schon einiges) lass ich immer erstmal die Luft raus.
Dann überlege ich, ob meine Wahrnehmung die Richtige ist.
Dann überlege ich, ob es für mich oder meine Kinder wichtig ist, das zu ändern.
Dann überlege ich, ob es möglich ist das zu ändern und ob es sich lohnt.
Dann überlege ich, wie ich eine Änderung am Besten und (für mich) schonensten erreichen kann und welche Konsequenzen sich daraus ergeben.

zB kann seine Nichtaufklärung darüber, was er in den Bericht aufnimmt zB heißen: er ist ein fachlich schlechter Mensch, der sich nicht die Bohne darum schert, wie es Euch und Eurem Kind dabei geht.
Es könnte ja aber auch sein, dass er nach Eurem Gespräch dringend weg musste, aus welchen Gründen auch immer (Oma/Frau/Kind krank, Notartermin zum Hauskauf, Hund einschläfern lassen kannst Du Dir vorstellen, wie Du magst), oder dass er an dem Tag nicht ganz auf Höhe war (wieder kannst Du Dir viele Gründe ausmalen warum und wieso).
Du weißt nicht wieso. Mir hilft es immer, das Gegenüber dann wieder total zu vermenschlichen und positiv zu besetzen.
Für meine eigene Psychohygiene kommt es aber auch vor, dass manche, mit denen ich nicht mehr zusammenarbeiten muss, völlig in der Schublade unfähiger Idiot landen :lol: :lol: :lol:

Aber generell mich selbst wieder in die Sichtweise zu bringen, dass die anderen auch nur Menschen sind und Fehler normal sind, hilft MIR sehr, sehr gut in solchen Situationen und vor allem, wenn wir in Zukunft kostruktiv zusammenarbeiten wollen/ müssen.

Wenn ich akzeptieren muss, dass jemand anders arbeitet, als ich es an seiner Stelle (selbst in dem Bereich tätig) tun würde und ich das einfach fachlich und menschlich falsch finde dann wirds schwieriger :lol: :lol: :lol: :lol:
Meine Mädels im Stall freuen sich dann fast immer, nach anderthalb, zwei Stunden Pferdeäpfel schaufeln ist Wut normalerweise verraucht..... Ich miste dann nicht nur mein Pferd, sondern dann gleich mehrere Koppeln und Paddocks ab....

Es könnte ja auch sein, dass in die erste Klasse, in die Dein Sohn kommen wird, aufgrund dieses einen Satzes mit der Verhaltensproblematik, ZUSÄTZLICH Hilfen und Unterstützung über das Normalmaß hinaus, gegeben werden... ZB ein FSJler/Bufdi mehr, mehr Lehrerstunden etc...

Um nochmal (für mich) abschließend zu ordnen:
Es war nicht in Ordnung, das so in den Bericht zu schreiben, ohne Euch darauf vorzubereiten.
Es war in Ordnung, das so in den Bericht zu schreiben.
Es ist völlig in Ordnung, dass Du es anders siehst und deswegen sauer bist.

Ich glaube nicht, dass sich für Deinen Sohn Nachteile daraus ergeben, wenn die Schule einigermaßen gut ist, ist es völlig irrelevant, was genau im Bericht steht...

Ach ja, welchen Stempel Dritte Deinem Kind aufdrücken, hast Du auch leider gar nicht in der Hand.
Du kannst zwar bestimmte Diagnostiken machen lassen oder nicht machen lassen, was aber nicht heißt, dass Du Diagnosen bekommst, aber auch nicht diagnostizierte Kinder bekommen manchmal den Stempel, auch wenn sie offiziell nichts haben...

Wichtig als Eltern ist nur, Stempel zu sehen und falls falsch und schädlich gegenzusteuern, sofern möglich....

LG, Finnja (die jetzt schon laaaange fertig gefrühstückt hat und jetzt mal abäpfeln geht, heute nur 20 Minuten)
Sohn 06 ,SBA seit 06 mit 100 GdB und PS II (die nicht seit 06), Mutation, mit Auswirkungen in allen möglichen Bereichen,
PS 06, AVWS, V.a. FAS(D)
PT 07, FAS mit gB, lebt inzwischen in einer Einrichtung
LT 12, so normal, wie bei uns als Eltern möglich ;-)

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