Nachteilsausgleich- wie lange darf der Eintrag dauern?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Ayden
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Nachteilsausgleich- wie lange darf der Eintrag dauern?

Beitragvon Ayden » 15.02.2019, 17:33

Liebe Alle,

leider habe ich nichts dazu gefunden, weiß eine/r von Euch etwas dazu?

Wie lange darf es dauern, bis die Schule nach Antragstellung durch die Eltern eine Entscheidung trifft, welcher ärztlich empfohlene Nachteilsausgleich bewilligt wird?

Hat unsere Tochter einen Anspruch auf zügige Bearbeitung?

Unsere Tochter geht in die 3. Klasse einer Regelschule (Hamburg) ohne I Status. Sie wird zielgleich unterrichtet.

Vielen Dank!

LG, Ayden

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HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 16.02.2019, 11:12

Liebe Ayden,

Nachteilsausgleich ist ja Schulsache und damit Ländersache.

Bei uns in Baden-Württemberg hängt das Thema Nachteilsausgleich allein und ausschließlich an der Klassenlehrkraft. Eine ärztliche Empfehlung ist nachrangig bis bedeutungslos.

Bei uns lief und läuft das Thema Nachteilsausgleich mehr als holprig. Wir haben seit dem 2. Halbjahr der dritten Klasse einen schriftlichen formalen Nachteilsausgleich (ohne Datum!!!) - das Papier wurde uns trotz gegenteiligen Versprechens erst 5 Monate nach Fertigstellung gegeben.
Jetzt ist Sohn in Klasse 4. Der Nachteilsausgleich ist im September diesmal unter Federführung des Schulamtes nochmal aufgesetzt worden (diesmal mit Datum). Allerdings finden die notwendigen Regelungen kaum Anwendung, da die Lehrkräfte sie offenbar nicht verstehen.

Unser Kind geht in eine Regelschule ohne I Status und wird zielgleich unterrichtet.

Im Rahmen meiner Bemühungen habe ich Menschen kennengelernt, deren Kindern schon seit mehreren Jahren unsinnige Nachteilsausgleiche angeboten werden, während die sinnvollen Nachteilsausgleiche verweigert werden. Letztere sind ärztlich, fachärztlich und amtsärztlich begründet. Nachteilsausgleich hängt allein und ausschließlich von der Gnade einer Schule ab - zumindest hier in Baden-Württemberg.
Die Schule kann man aber nur bedingt aussuchen. Gerade gestern ist das Sprengelprinzip wieder bestätigt worden.

Liebe Grüße
Heike

oy1970
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Beitragvon oy1970 » 16.02.2019, 12:10

hier kannst du Nachlesen, wie das in Bayerns gehandhabt wird.


http://www.inklusion.schule.bayern.de/d ... gleich.pdf

Wir haben mit unserem Sohn bis jetzt gute Erfahrungen gemacht. Wir sind in enger Abstimmung mit der Klassenleitung, die bei Bedarf, den Nachteilausgleich gewährleistet der erforderlich ist. Wir gehen da sehr konform. So wenig Nachteilausgleich wie nötig, aber so viel wie erforderlich. Er soll ja in seinem Rahmen die Möglichkeit haben sich weiter zu entwickeln, ach in Bereichen in denen er sich u.U. auf seinem Nachteilausgleich "ausruhen" könnte.
Sohn ´05 Frühkindlicher Autist, ADHS
Tochter

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Beitragvon toto35 » 16.02.2019, 12:50

Hallo,

bei uns läuft das mit dem Nachteilsausgleich sehr gut und die Bearbeitung durch Schule nach ärztlicher Empfehlung erfolgte zügig.

Die Schule ist nicht verpflichtet alle ärztlich empfohlenen Nachteilsausgleiche zu genehmigen.

Bei uns wurden von 2 empfohlenen Nachteilsausgleichen 1er seitens der Schule genehmigt. Aber: dank gutem Miteinander mit Schule und Lehrern, dank Kompromissen die beidseitig sind, dank freundlichem Kontakt miteinander ist vieles möglich- auch bei dem empfohlenen Nachteilsausgleich der seitens der Schule nicht genehmigt wurde.
LG

____________________________________
Sohn (16,5 Jahre): ADHS/ADS (Mischform), Fructoseintoleranz, v.a. Migräne, Kiss-Kind (Therapie endlich erfolgreich beendet!)

Ayden
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Beitragvon Ayden » 16.02.2019, 18:40

Liebe alle,


ganz herzlichen Dank!

Ja, auf das Miteinander kommt es an. Das hat in den ersten 2 Schuljahren ohne formellen Eintrag unter Berücksichtigung der empfohlenen Nachteilsausgleiche gut funktioniert, ab und zu kleine holprige Episoden, aber in der Summe gut.

Auch in HH ist der Nachteilsausgleich Schulsache.

Mit der Besonderheit, dass das Schulgesetz die Klassenlehrer `von Amts wegen´ auffordert, für die Umsetzung und Feststellung des Nachteilsausgleichs zu sorgen, der dem jeweiligen Kind es ermöglicht, den für seine Intelligenz angemessenen Schulabschluss zu erreichen.

Danach folgt eine lange Positivliste von möglichen Nachteilsausgleichen ergänzt um den Zusatz, dass auch bei Bedarf andere Formen des Nachteilsausgleichs möglich sind.

Die letztendliche Feststellung trifft die Schulleitung.

Interessant ist es, dass der gewährte Nachteilsausgleich in die Schulakte eingetragen werden soll. Das ist natürlich mittelfristig für den Wechsel auf die weiterführende Schule wichtig.

Wie habt Ihr einen solchen Wechsel vorbereitet?

Ist es dann nicht sinnvoll, dass möglichst viel vom Nachteilsausgleich in der Akte als bewilligt steht?


Herzlichen Dank nochmal, und vielleicht hat jemand von Euch Erfahrung mit der HH Regelung???

Liebe Grüße, Ayden

rena99
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Beitragvon rena99 » 17.02.2019, 00:14

Hallo Ayden,

dein Verhältnis zur derzeitigen Schule ist doch ganz gut, oder? Ich glaube, dann würde ich einen Entwurf zum Nachteilsausgelich selber schreiben und freundlich klären, ob das der Sachlage hilft.

Aber Vorsicht: hier gibt es ein Beispiel, wo das total gegen die Wand gefahren ist: https://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic132004.html

Insofern: wirklich nur die absolut notwendigen Randbedingungen notieren lassen. Das lässt der weiteführenden Schule dann genug Freiraum, ihren eigenen Weg zu finden.

LG
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Beitragvon Ayden » 17.02.2019, 18:22

Liebe Rena99,

danke für den Link, Du hast Recht! Das ist wirklich ganz schlecht gelaufen.....

Trotzdem nochmal meine Frage:

Hat jemand Erfahrung, vielleicht auch gerade mit dem Schulübergang bei nicht , oder nicht optimal dokumentiertem Nachteilsausgleich, zur weiterführenden Schule in Hamburg?


LG, Ayden

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Beitragvon Tanja2014 » 17.02.2019, 23:02

Hallo Ayden,
wir sind ja noch lange nicht so weit.... Ich frage mich aber, ob ein sehr umfassend dokumentierter Nachteilsausgleich nicht vielleicht hinderlich ist/sein kann für die Wahl der weiterführenden Schule. Hier in der Stadt können sich die weiterführenden Schulen mit gutem Ruf die Schüler/innen aussuchen. Der Sohn einer Bekannten wurde von zwei Schulen abgelehnt (Realschule + Gesamtschule), jetzt geht er auf ein Gymnasium, also an den Leistungen hat es nicht gelegen. Wenn es jetzt gut läuft, macht es vielleicht Sinn mit dem Rest zu warten, bis sie auf der neuen Schule ist.
Viele Grüße
Tanja
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Beitragvon Ayden » 22.02.2019, 15:37

Liebe Tanja,

ja, da hast Du im Grunde sicher Recht.

Derzeit ist unsere Kleine allerdings auf der Schule eines privaten Trägers, der gerade seine weiterführenden Schulen z.T. abbaut.

Es wird also wahrscheinlich ein Wechsel ins staatliche System anstehen. Da der `kritische´ Nachteilsausgleich endokrinologisch bedingt ist und es keine kompetente staatliche `Stelle´ in HH dafür gibt, möchte ich diese Diskussion einfach nicht mit den öffentlichen Stellen führen müssen.

Wegen der `guten Schulen´ mache ich mir hier allerdings auch keine großen Gedanken. Gut sind für unsere Tochter aufgeschlossene Lehrer, die sie Dinge auch einmal anders (nämlich nicht visuell) lernen lassen. Und die alternative Pädagogik mache sowieso ich. Diese Lehrer sind aber nicht zwingend an den ´guten´ Schulen.

LG Ayden

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rena99
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Beitragvon rena99 » 22.02.2019, 16:02

Hallo Ayden,

bei der Gewährung von Nachteilsausgleichen in ungewöhnlichen Fällen stützen sich die genehmigenden Stellen gerne auf ärztliche Gutachten.

Du könntest also überlegen, wie der Nachteilsausgleich aus deiner Sicht aussehen müsste (sehr konkret, nur absolut wichtige Randbedingungen, nicht zu viel Details) und dir dann einen Arzt suchen, der das als Gutachten auch so formuliert. Idealerweise dann ein Endokrinologe. Lieber nicht der Kinderarzt. Etwas "Lametta" sollte die Person schon haben.

Und das würde ich dann bei den entsprechenden Stellen als Grundlage verwenden. Euer Fall fällt ja nicht unter "Gewöhnliches".

Ansonsten gebe ich dir Recht, der passende Lehrer braucht so ein Papier nicht, der handelt automatisch richtig. Die Frage wäre, ob sich ein schlechter oder ungeeigneter Lehrer mit so einem Papier irgendwie bewegt. Ich hätte daher auch die Neigung, erst mal gar nichts zu unternehmen und abzuwarten, wie es sich entwickelt. Wenn notwendig, kannst du ja alles vorbereitet haben, um dann schnell zu handeln.

LG
Rena
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