Interpretation IQ-Test bei ADHS

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Dennis80
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Interpretation IQ-Test bei ADHS

Beitragvon Dennis80 » 12.02.2019, 19:17

Hallo zusammen,

ich komme gerade vom KJP mit meinem Sohn. Seit einigen Wochen wird er mit Verdacht auf ADHS ( Es war mehr das "Diagnose abholen", "Verdacht auf" ist nur der formellen Richtigkeit geschuldet gewesen ) ergiebig durchgetestet, heute war das Auswertungsgespräch.

Mein Sohnemann ist 7,5 Jahre alt, war bis Dezember in der zweiten Klasse und ist nun zurück in die erste gegangen, weil seine Leistungen nicht mehr ausreichten. Hier kommt er aber nun super zurecht, seine Leistungen sind überdurchschnittlich gut.

Seit seinem 2. LJ sind wir mit ihm aufgrund von Entwicklungsverzögerungen in allen möglichen Therapien, Komplexbehandlungen und Förderungen unterwegs gewesen, die Verbesserungen waren für uns phänomenal. Der ursprüngliche Eindruck (nach der Erstdiagnose...) "Der Junge wird nie allein zurecht kommen im Leben" hat sich seitdem verändert zu "Er hat seine Problemchen, aber ist von gleichaltrigen kaum zu unterscheiden".

Doch zurück zu diesem IQ-Test, ich verstehe heute einfach nicht, "was der Autor damit sagen will" und aus irgendeinem Grund habe ich den KJP nicht, wie sonst, gelöchert mit meinen Fragen.

Diagnose lautet "Dissozierte Intelligenz", alle Teilbereiche im Normbereich, außer Sprache, der war 80.
Dazu "Expressive Sprachstörung".


Also klar, ich bin ja nicht doof, auch mir ist aufgefallen, daß der Junge nicht so gut geradeaus sprechen kann.
Die Satzbildung ist holprig, er korrigiert sich häufig selbst, braucht manchmal Zeit, die Sätze zu formulieren....
Das Ergebnis war aber immer mehr als angemessen, mein Eindruck war eher, daß er darauf achtet, "gewählte Worte" zu sprechen und sich manchmal selbst im Weg steht, weil er die schwierigeren Worte wählt, als den Satz einfach zu formulieren. Auch seinen Wortschatz fand ich immer eher hoch als zu niedrig. Er merkt sich Fremdworte, benutzt sie im richtigen Zusammenhang und hat Interesse, neue Worte dazu zu lernen.

Also meine Schlussfolgerung aus seiner Sprachaktivität war immer eher, daß er einen sehr großen Wortschatz hat und Probleme hat mit der "Masse" klar zu kommen.
Das Testergebnis spiegelt aber eher wieder, daß es ihm grundsätzlich schwer fällt, mit Sprache umzugehen. Sei es nun im Ausdruck, als auch im Wissen.

Mir fällt es schwer, das Testergebnis / die Diagnose in Einklang mit meinen Beobachtungen zu bringen. Es gibt für mich keinen "Aha-Effekt", der plötzlich alles erklärt.
Das Testergebnis anzuzweifeln ist nicht meine erste Idee, sondern hier möchte ich eure Erfahrungen gerne hören, wie wirkt sich ein Sprachteil im IQ-Test auf die tatsächlichen Leistungen aus, was kann man erwarten ?

Vor allem, was bedeutet das für mich als Vater ? Sollte ich meine Sätze anders formulieren (Kurz, nicht doppeldeutig, nicht ironisch, usw.), wie kann ich meinem Sohn helfen, mit einem Defizit dort umzugehen, oder was kann ich genau machen, um ihm das Leben leichter zu machen ?

Tausend Dank an euch und eure Beiträge !

Dennis

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JohannaG
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Beitragvon JohannaG » 12.02.2019, 20:38

Hallo Dennis,

es kann sein, dßa dein Sohn tatsächlich Probleme hat, mit Sprache umzugehen. Es kann aber auch sein, daß dieses "Problem" Folge des ADHS ist. Oder es ist eine Mischform.

Von meiner Tochter kenne ich es, als sie jünger war, brachte sie kaum einen kompletten Satz zustande. Es schien fast, als hätte sie am Ende des Satzes schon wieder vergessen, was sie eigentlich sagen wollte. Das lag zum teil an ihrer massiven Konzentrationsstörung - teilweise aber auch daran, daß sie tatsächlich Probleme mit der Sprache hat.

Wenn ein Kind Probleme mit der Sprache hat, wirkt sich das auf geforderte Leistungen aus. Wenn man eine Fragestellung sprachlich nicht versteht, kann man sie nicht so gut bearbeitet. Wenn man nicht gut erzählen kann, hat man in Deutsch Probleme. Ist ja logisch....

Für dich als Vater: Ja - versuche deine Sätze so klar und eindeutig wie möglich zu machen. Gliedere Arbeitsanweisungen kleinteilig. Laß deinen Sohn ggf wiederholen, was du von ihm wolltest. Ironie und Doppeldeutigkeit ist generell schwierig für Kinder in dem Alter, für ADHS-Kinder erst recht. Man kann da schon mal rumalbern und Quatsch machen, aber so, daß das Kind das auch merkt. Im Alltag: Schwierig. Beispiel: Das Kind trödelt, man hat es eilig und möchte, daß das Kind endlich in die Gänge kommt, und als Elternteil sagt man dann: "Na, du bist heute ja wieder mal ganz schnell" - dann kapieren ADHS-Kinder in aller Regel nicht, daß das heißt: Beeil dich.

Für die Schule könntest du mit den Lehrern besprechen, daß sie deinem Sohn ebenfalls kleinteilige Arbeitsanweisungen geben sollen, und daß sie sich vergewissern, daß er verstanden hat, was er tun soll. Das hilft am allerbesten.

Liebe Grüße!

Johanna
Johanna, *73, Morbus Bechterew;
C., (w), 11/2004, adoptiert, FASD, Bindungsstörung, lernbehindert, juvenile Polyarthritis;
J. (m) 01/2008, adoptiert, ADHS; Depressionen und ???,
M. (w) 01/2012 FG bei 23+6 SSW, Kleinwuchs, GÖR, Nahrungsmittelallergien, leichte ICP, Schielen, Weitsichtigkeit, allg Entwicklungsverzögerung

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Beitragvon toto35 » 12.02.2019, 20:43

Hallo Dennis,

nur kurz von mir aber ich bin über das Thema Sprechen gestolpert:
Mein Sohn, bald 17, hat bis heute Probleme gut geradeaus zu sprechen.
Längere Gespräche sind schwierig mit ihm, längere Sätze gehen kaum. Wir achten darauf in kurzen Sätzen mit ganz klaren Worten mit ihm zu reden. Und auch mein Sohn achtet auf kurze Sätze.

Was gar nicht geht sind Ironie, um die Ecke denken, Zweideutigkeit, Emotionen klar beschreiben. Ganz klasse - gerade wenn in der weiterführenden Schule fast nur noch Liebesgeschichten, Gedichte etc. analysiert bzw. Interpretiert werden. Und jetzt gerade das Thema Satire Thema in Deutsch ist.

Trotz allem- bis auf Deutsch wo wir immer wieder kämpfen- ist mein Sohn ein sehr guter und beliebter Mitschüler. Er kann nicht gut erzählen und Gespräche führen - das macht er wett mit seinem tollen Wesen. Aber es Bedarf dafür natürlich auch gute Lehrer, viiiele Gespräche mit den Lehrern, Vertrauen in die Lehrer und viel , viel Arbeit. Logopädisch ist mein Sohn übrigens topfit, mehrfach getestet und auch in der Vorschulzeit in der Reha Werscherberg fragte man uns was wir dort wollen. Die Reha wurde dann für meinen Sohn dort umgestellt- weg vom hauptsächlich logopädischen näher dran and die ADS/ADHS Problematik.
An dem Problem an sich konnte keiner helfen-bis heute- trotz verschiedenster Herangehensweisen.
LG

____________________________________
Sohn (17 Jahre): ADHS/ADS (Mischform), Fructoseintoleranz, v.a. Migräne, Kiss-Kind (Therapie endlich erfolgreich beendet!)

Dennis80
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Beitragvon Dennis80 » 12.02.2019, 21:06

Hallo ihr beiden und Danke für eure Antworten !

Ich glaube ich wäre nie auf die Idee gekommen, daß er ein Problem mit dem Sprachverständnis hat, obwohl einige Dinge so offensichtlich sind.
Beispielsweise kann er sich schlecht an Regeln halten, bricht die selbe Regel immer wieder und bekommt immer dafür Schimpfe ! Zu aus der Haut fahren, aber was sag ich.
Ich hab immer gedacht, er setzt sich einfach über die Regel hinweg, weil er seine Grenzen testet oder weil er die Strafe eher in Kauf nimmt, als das Vergnügen, was ihm vielleicht entgehen könnte.
Jetzt komme ich ins Grübeln und stelle mir vor, daß er den Sinn einer Regel, also einer dauernden Beschränkung, nicht verstanden hat.

Für ihn ist es beispielsweise total normal über Gefühle zu sprechen und macht es oft in einer Form, die selbst Erwachsene oft nie gelernt haben.
Beispielsweise habe ich ihn am ersten Tag nach der (Rück-)Versetzung in die erste Klasse begleitet, um ihn zu ermutigen, daß alles gut wird und er sich nicht allein fühlt. Es war überwältigend, er hatte offensichtlich Angst vor der neuen Klasse und war traurig, daß er "gescheitert" war. Es war ihm zu jeder Zeit bewusst, daß seine Leistungen schlecht waren und er deshalb zurückgehen musste. Alles total verständlich !
Nach einer schmerzlichen Abschiedsszene am morgen holte ich ihn nachmittags wieder von der Schule ab und begegnete seiner Lehrerin.
Sie hat mir dann erzählt, daß sie Colin kurz nach dem Abschied gefragt hat, ob er sich kurz vorstellen mag.
Da hat er sich die Tränen aus dem Gesicht gewischt und gesagt, Hallo ich bin Colin und es tut mir leid, daß ich gerade so geweint habe. Ich wollte gar nicht weinen, aber ich hatte heute morgen so viel Angst, aber das war gar nicht gerechtfertigt, ihr seid ja alle so nett hier.

Danach hat er sich neben ein anderes Mädchen gesetzt und war von da an mitten drin.

Für seine ADHS soll er jetzt tatsächlich Medikamente bekommen, ich nehme an Methyphenidat. Glaubt ihr, daß sich auch diese Sprachprobleme damit verbessern lassen?

Annemaries Mama
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Beitragvon Annemaries Mama » 12.02.2019, 21:57

Hallo Dennis,

das über Regeln hinwegsetzen ist bei AD(H)S nicht unbedingt ein Problem des Verständnisses, sondern oft durch die große Impulsivität. Die Kinder handeln, bevor sie die möglichen negativen Folgen auf dem Schirm haben. Da ist der Impuls schneller als das Denken.
LG Kerstin

mit Annemarie *2011 (ADS) und Konrad *2015

JohannaG
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Beitragvon JohannaG » 12.02.2019, 22:03

Hallo Dennis,

zum Thema Regeln: Möglich, daß dein Sohn den Sinn einer Regel nicht verstanden hat. Aber es muß nicht unbedingt sein, dass das etwas mit den Sprachverständnis zu tn hat.

Wenn es um Regeln geht, hab ich gelernt: Kurze, knappe Anweisungen. Regeln im Akutfall nicht diskutieren - wenn du denkst, daß eine Erklärung nötig ist, tu das in einer ruhigen Situation. Beispiel: Auf der Straße wird nicht diskutiert, warum man an der roten Ampel stehen bleibt. Es ist einfach so. Wenn es nicht klappt, wird die Freiheit eingeschränkt und Kind muß an der Hand gehen. Zu Hause kann ich dann erklären, warum das so ist.

Außerdem: Lieber wenige Regeln, die aber verläßlich gelten. Überlegt, was NICHT verhandelbar ist, stellt dafür Regeln auf. Ganz schwierig für ADHS-Kinder, wenn Regeln an einem Tag durchgezogen werden, am nächsten Tag aber aufgeweicht werden. Bei mir gibt es aus diesem Grund z.B. ganz klare Regeln, wie lange mein Sohn an den PC darf. Das gilt, egal wie viel Hausaufgaben er hat oder was auch immer. Denn wenn ich ihn einmal länger dran lasse, dann gibt es darüber wochenlang wieder Diskussionen.

Sprache an sich läßt sich mit Medikamenten nicht verbessern. Die Medikamente wirken auf die Konzentrationsfähigkeit - das heißt, es kann schon sein, daß er manches besser versteht oder auch besser erzählen kann, weil er eben nicht auf halben Weg vergisst um was es geht. Auf Verständnis für Ironie oder ähnliches wirkt es sich aber nicht aus.

Herzliche Grüße,

Johanna
Johanna, *73, Morbus Bechterew;

C., (w), 11/2004, adoptiert, FASD, Bindungsstörung, lernbehindert, juvenile Polyarthritis;

J. (m) 01/2008, adoptiert, ADHS; Depressionen und ???,

M. (w) 01/2012 FG bei 23+6 SSW, Kleinwuchs, GÖR, Nahrungsmittelallergien, leichte ICP, Schielen, Weitsichtigkeit, allg Entwicklungsverzögerung

Bika
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Beitragvon Bika » 12.02.2019, 22:10

Hallo,

Ich glaube nicht, dass der Wert des Indexes Sprachverständnis repräsentativ für die Fähigkeiten deines Sohnes in diesem Bereich ist.
Dein letztes Beispiel lässt anderes vermuten.

Deine Einschätzung, die du durch unzählige mit ihm verbrachte Stunde erhalten hast, deckt sich auch nicht mit dem Testergebnis.

ADSler regieren extrem unberechenbar auf Druck.

Sprache und das, was sie als vielfältig variables Instrument ausmacht, scheint dir sehr sehr am Herzen zu liegen.
Das spürt dein Kind. Er wollte es BESONDERS gut machen und hat dabei alles eventuell so verkompliziert, dass ihm nun ein unterdurchschnittliches Sprachverständnis attestiert wird. :(

Nur so ein Gedanke.
Was sagt deine Intuition?

PS: Kleine ADSler kommen mit Ironie oft noch nicht klar und brauchen innerhalb ihrer Entwucklung etwas länger um souverän damit umzugehen (das Argument kam schon, glaube ich)

LG

Bika
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Beitragvon Bika » 12.02.2019, 22:23

Wurde eine auditive Wahrnehmungsstörung ausgeschlossen?

https://www.dbl-ev.de/kommunikation-spr ... erung.html


Kann als Komorbidität bei AD(H) S durchaus vorkommen.

Dennis80
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Beitragvon Dennis80 » 13.02.2019, 01:48

Hi,

ja genau das war noch die Idee vom KJP: PädAudio und Test auf LRS.

Sprache und das, was sie als vielfältig variables Instrument ausmacht, scheint dir sehr sehr am Herzen zu liegen....
Das spürt dein Kind. Er wollte es BESONDERS gut machen und hat dabei alles eventuell so verkompliziert, dass ihm nun ein unterdurchschnittliches Sprachverständnis attestiert wird.


Interessante These, da muss ich echt mal drüber nachdenken.
Sprache ist bei uns nicht bewusst vordergründig, aber wir achten schon darauf uns möglichst treffend auszudrücken, auch mal englisch zu Hause zu sprechen.

Es ist uns nicht explizit aufgefallen, daß Colin Probleme mit der Sprache hat. Es gab nie diesen Moment, wo aufgefallen wäre, er hätte Probleme in der Auffassungsgabe.
- Er fängt jetzt an freudig kleine Bücher zu lesen und hat bereits dabei ein gutes Textverständnis
- Andersrum: Kennt ihr diesen Witz ? Was ist eine Mandarine auf einem Berg ? Eine "Wanderine". Fand er urkomisch und fing an eigene Varianten des Witzes zu formulieren.
Die Versuche gingen dann etwa so:
Was ist eine Banane auf einem Berg ? Eine Wanderine; und hoffte, daß es ebenso witzig war.
Hier merkte man schon, daß ihm das Prinzip des Wortwitzes nicht klar war, doch unsere 10 jährige Tochter tut sich mit sowas auch schwer, so daß es uns nicht als Problem von Colin, sondern als Problem von Kindern vorkam. Vielleicht ein Fehler.
- Wenn er mit seinen Legos was "erfindet" und baut, kommt es oft zu interessanten Wortneubildungen, was er denn da gerade gebaut hat.

Wenn ich so darüber nachdenke, @Bika, nein, meine Intuition sagt mir, daß nicht seine Sprache so schlecht ist, weil seine Leistungsfähigkeit dort bereits an die Grenzen geraten ist, sondern für mich fühlt es sich so an, als hätte er "keine Zeit" für Sprache.

Diese Zeit wird ihm genommen, weil er unruhig und ungeduldig ist, lospoltert, bevor er denkt und den Auftrag ausführt, noch bevor man ihn komplett ausgesprochen hat. Wenn er beispielsweise krank ist ( Husten, Fieber, usw. ), dann ist er viel besonnener. Die Sätze kommen klar, er hört zu, alles läuft sortierter.
Diese These würde sich mit einem entsprechenden Medikament überprüfen lassen, zumindest könnte man den "Störfaktor ADHS" für die Beobachtung mal rausnehmen. Insofern ist das ein gutes Ergebnis.

Ihr könnt mich auch für väterlich verrückt erklären ("Die eigenen Kinder sind immer die tollsten..."), aber ich halte mich für einen guten Beobachter und ich habe schon immer den Eindruck gehabt, Colin ist überdurchschnittlich intelligent. Zu meiner Frau sag ich aus tiefster Überzeugung schon seit Jahren "Der Bengel wird uns noch alle überraschen".

Da gibt es also diese durchschnittliche Intelligenz, ADHS und diese Sprachprobleme. Das sind ja keine isolierten Probleme, sondern sie stehen miteinander in Verbindung. Colins Verhalten, ADHS-typisch, machtvoll, empathisch, kreativ, teils neurotisch (Er hat da so seine Spleens, zB muss abends seine Zimmertür immer genau so weit offen stehen, wie sein Fuß dazwischen passt ), explosiv ( Ja, wenn seine Haut grün wäre, würde ich ihn Hulk nennen ), liebevoll und fürsorglich, mutig und wahnsinnig stark. Damit meine ich seine unfassbare Kraft, immer wieder von seinen Annäherungsversuchen an andere Kinder enttäuscht und gedemütigt zu werden, auch innerhalb unseres Familienkreises, den Verlust seines besten Freunds (Er zog weg), die Hoffnung dazu zu gehören und die bittere Wahrheit, daß er es nicht tut. Seine Wut, seine Ängste, seine Freude über Erfolge, all das hängt mit seiner Entwicklung zusammen und ich finde den scheiss roten Faden nicht.
Ich bin mir so sicher, daß er diesen schmerzhaften Teil überwinden kann, wenn man weiß, was eigentlich wirklich los ist. Doch das kann einem niemand sagen, kein Arzt, kein Psychologe, nicht mal er selbst.
Vielleicht verstehe ich es in 20 Jahren mal, wenn ich mit ihm am Feuer sitze und er die Reife hat, die Sachen selbst zu verstehen.

Oh, jetzt bin ich doch etwas emotional geworden, es tut mir leid. Ich danke euch herzlich für euer Interesse und eure Antworten, ich fühle mich hier wirklich gut aufgehoben und verstanden.
DANKE.

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Beitragvon Engrid » 13.02.2019, 07:24

Hallo Dennis,

wenn Du Dich ein bisschen einliest, zb bei Cordula Neuhaus, dann wirst Du den roten Faden finden ... Es erscheint, wenn man noch nicht „drinsteckt“ kompliziert mit dem AD(H)S.
Ich kenne jemanden gut, der hatte in der Schule eine sehr gute Begabung in Deutsch und Fremdsprachen schriftlich, Bücherwurm, aber im Mündlichen wäre da niemand drauf gekommen. Holpriges Reden, Referate waren eine Katastrophe, Themenwechsel mitten im Satz, manchmal „schwer von Kapee“ im Dialog (eigentlich nur deutlich „zeitverzögert“).
Eine gute bis sehr gute intellektuelle Begabung ist da manchmal auch hinderlicher als man denkt, denn was man als komplexes Modell im Kopf hat, lässt sich oft nur schwer in eindimensionalen Output pressen. Dann geht einfach viel Energie drauf, das Innere quasi passend zu schnitzen fürs Nadelöhr nach draußen, und das Gesagte kommt entsprechend zerzaust und wackelig „draußen“ an. (Mit eingebautem Perfektionismus wird das noch ausgeprägter, da bleibt man dann leicht beim Schnitzen „hängen“).

Das klingt nach einem ganz tollen Kind mit besonderen „Superkräften“. Helft ihm die zu entwickeln und verteidigt sie gegen die Normierungsbestrebungen und Defizitorientierungen des Schulsystems.
AD(H)S ist kein Defekt, sondern eine Spezialausstattung, die erst negativ bewertet wird, seitdem es das Schulsystem mit Stillsitzen, Disziplinierung, Normierung, Rasenmäherprinzip gibt ... :idea:

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)


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