Interpretation IQ-Test bei ADHS

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HeikoK
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Beitragvon HeikoK » 13.02.2019, 08:07

Hallo Dennis,

nochmal so als Ansatz. Kinder mit sprachlichen Problemen können im Alltag manchmal erstaunlich unauffällig sein. Weil ich z.B. unbewusst schon dazu übergehe meine Anweisungen mit Gesten zu untermauern ("Öffne bitte DIE gelbe Dose" mit einem Fingerzeig). Oder weil das Kind viel spricht, und durchaus komplexe Wörter einbindet. In Überprüfungen werden aber dann keine Beschreibungen oder semantischen Ähnlichkeiten einbezogen, sondern dann ist ein Stuhl ein Stuhl (und kein Hocker, Schreibtischstuhl, Sessel oder was zum drauf sitzen). Zudem gibt es Kinder mit Sprachstrukturierungsschwierigkeiten. Gerade erst eine Mittagsmahlzeit mit so einem "Paradebeispiel" verbracht. Er erzählt VIEL, und begann den Satz mit einem Erlebnis vom Morgen, band dann die beteiligte Person in ein Erlebnis im Kindergarten ein, um schließlich darüber zu erzählen das diese Person immer Cornflakes isst (seine Augen waren in diesem Moment über die Cornflakesschachtel gewandert). Er hatte seinen roten faden total verloren und band sekundenschnell neue Impulse in seine Sprache mit ein. Auf den ersten Blick hatte er viel und grammatikalisch korrekt erzählt, bei einer Analyse stellte sich jedoch heraus, das es keinerlei sinntragende Zusammenhänge in den Satzkonstrukten gab.

LG
Heiko
Logopäde
Sprachanbahnung, Fachtherapeut für kindliche Schluckstörungen

"Wie hast du den Vogel zum Singen gebracht, Momo? Niemand hat das bisher geschafft!" "Ich denke, man muss ihm auch zuhören, wenn er nicht singt!" (M.Ende)

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toto35
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Beitragvon toto35 » 13.02.2019, 11:45

Hallo Dennis,

zum Thema Regeln: Möglich, daß dein Sohn den Sinn einer Regel nicht verstanden hat. Aber es muß nicht unbedingt sein, dass das etwas mit den Sprachverständnis zu tn hat.

Wenn es um Regeln geht, hab ich gelernt: Kurze, knappe Anweisungen. Regeln im Akutfall nicht diskutieren - wenn du denkst, daß eine Erklärung nötig ist, tu das in einer ruhigen Situation. Beispiel: Auf der Straße wird nicht diskutiert, warum man an der roten Ampel stehen bleibt. Es ist einfach so. Wenn es nicht klappt, wird die Freiheit eingeschränkt und Kind muß an der Hand gehen. Zu Hause kann ich dann erklären, warum das so ist.

Außerdem: Lieber wenige Regeln, die aber verläßlich gelten. Überlegt, was NICHT verhandelbar ist, stellt dafür Regeln auf. Ganz schwierig für ADHS-Kinder, wenn Regeln an einem Tag durchgezogen werden, am nächsten Tag aber aufgeweicht werden. Bei mir gibt es aus diesem Grund z.B. ganz klare Regeln, wie lange mein Sohn an den PC darf. Das gilt, egal wie viel Hausaufgaben er hat oder was auch immer. Denn wenn ich ihn einmal länger dran lasse, dann gibt es darüber wochenlang wieder Diskussionen.

Sprache an sich läßt sich mit Medikamenten nicht verbessern. Die Medikamente wirken auf die Konzentrationsfähigkeit - das heißt, es kann schon sein, daß er manches besser versteht oder auch besser erzählen kann, weil er eben nicht auf halben Weg vergisst um was es geht. Auf Verständnis für Ironie oder ähnliches wirkt es sich aber nicht aus.

Herzliche Grüße,

Johanna
so wie Johanna haben wir das auch gemacht und machen es noch heute so. Mein Sohn brauchte schon immer sehr kurze, knappe, knackige Anweisungen. Die Freunde bei uns zu Besuch haben immer komisch geschaut, wenn ich mit meinem Sohn gesprochen habe (aber wie sagte damals seine Kindergärtnerin zu mir "die Freunde kommen trotzdem immer gerne zu euch" und ja, wir hatten immer viele Freunde hier - vielleicht weil sie es auch brauchten???) .

Und wenige Regeln, diese aber ganz gezielt und die werden weder diskutiert noch gelockert. Wenn ich sie lockern würde, hätten wir danach wieder wochenlang Diskussionen wenn sie danach wieder weniger gelockert würden.

Mein Sohn nimmt Medikinet, seit er 5,5 Jahre alt ist. Die Sprache hat sich in soweit gebessert, daß man ihn versteht wenn er redet, dass er - wenn auch kurz - beim Thema bleiben kann, das er beim Erzählen bei A anfängt, über B weiter geht und bei C endet und nicht bei A anfängt, B nur halb erzählt und C ganz weg läßt.
Das Problem ist bei meinem Sohn nämlich nicht logopädisch sondern kommt von den Konzentrationsproblemen. Das mußte auch ich lernen zu verstehen, habe ich mich immer daran gehalten daß wir doch logopädisch eingreifen müssen, das auch immer wieder versucht haben, dort aber immer Kopfschütteln war, weil sie rein logopädisch nichts finden konnten was nicht passt.


Somit ist der Stand jetzt so, daß man keine lange Unterhaltungen mit meinem Sohn führt, dass vermeidet er aber auch und hat dafür seine Strategien entwickelt, aber die Unterhaltungen die man mit ihm führt sind zwar kurz, aber haben Hand und Fuß. Sein Ergotherapeut sagte mal "ein großer Redner vor dem Herrn wird er nie werden, aber, ganz ehrlich, daß muß er auch nicht!" . Und ja, mittlerweile sehen wir das genauso.

An der komplett fehlenden Sinn und fehlendem Verständnis für Ironie, Sarkasmus, um die Ecke denken, nichts anfangen können mit Satiren ändern die Medikamente nichts.
Aber damit kann er schlußendlich leben (außer im Fach Deutsch, in dem es hauptsächlich nur noch um solche Themen geht, aber dank guten Lehrern haben wir da bis heute immer einen guten Kompromiss gefunden - für beide Seiten - und jetzt nach der 10. Klasse wenn er die Schule wechselt um sein Fachabitur zu machen, hat er zwar auch noch das Fach Deutsch, er hat dann aber mit solchen Themen nur noch wenig bis gar nichts zu tun).
LG

____________________________________
Sohn (17 Jahre): ADHS/ADS (Mischform), Fructoseintoleranz, v.a. Migräne, Kiss-Kind (Therapie endlich erfolgreich beendet!)

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Beitragvon JohannaG » 13.02.2019, 12:48

Hallo Dennis,

noch mal von mir: Es kann durchaus sein, daß dein Sohn sprachbegabter ist als er in einer Testung erscheint. Es ist, wie gesagt, möglich, daß das ADHS alles "zerschießt". Das würdet ihr in der Tat herausfinden wenn ihr Medikamente gebt (oder sonst einen Weg findet, ihn besser zu strukturieren). Es ist aber auch möglich, daß die Sprachprobleme bleiben, oder sich nur in geringem Maße abschwächen. Kommt halt auf die Ursache für die Sprachprobleme an.

Bei meinen beidne ist es so:
Kind 1 hat definitiv eine Sprachentwicklungsstörung und ist lenbehindert. rRichtig gut kommt sie nie klar mit Sprache, aber mit Medikamenten ist es immerhin machbar und verständlich. Ohne Medikamente: wenig Chance.

Kind 2 ist normal begabt, hat einen normalen Wortschatz, kann die Grammatik auch so weit, kennt durchaus komplexe Wörter und kann einigermaßen komplexe Satzstrukturen verstehen und anwenden. Ironie beginnt er aber gerade erst zu erahnen, was das sein könnte. Wortspiele, all das: versteht er kaum. Zwei Fremdsprachen sind ein Graus für ihn. Im Alltag ist er völlig unauffällig, aber ein Sprachgenie ist er definitiv nicht. Bei ihm ist aber wenig Unzterschied zu spüren, ob er Medikamente nimmt oder nicht. Es ist halt nicht so sein Ding.

Und dann ist da noch Kind 3, das ganz sicher auch ADHS-Tendenzen hat (aber keine Medikamente bekommt). Die redet wie ein Buch, erfindet fantasievolle und zusammenhängende Geschichten, kann Erlebtes gut erzählen, kann Dinge erklären....

Liebe Grüße!

Johanna
Johanna, *73, Morbus Bechterew;
C., (w), 11/2004, adoptiert, FASD, Bindungsstörung, lernbehindert, juvenile Polyarthritis;
J. (m) 01/2008, adoptiert, ADHS; Depressionen und ???,
M. (w) 01/2012 FG bei 23+6 SSW, Kleinwuchs, GÖR, Nahrungsmittelallergien, leichte ICP, Schielen, Weitsichtigkeit, allg Entwicklungsverzögerung

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Beitragvon Dennis80 » 15.02.2019, 15:57

Hallo zurück und entschuldigt die verspätete Antwort.

Ich habe mir eure Beiträge in Ruhe durchgelesen und auch mit meiner Frau darüber gesprochen.
Wir sind beide der Meinung, daß die Testergebnisse nicht mit unseren Beobachtungen übereinstimmen, aber wir vielleicht auch nicht so genau hingeschaut haben, weil wir dachten, es wäre alles ok.

In Konsequenz wollen wir nun nicht nur hinhören sondern wirklich nochmal beobachten und dann schauen, ob sich unter Medikation was verändert.

Ich werde eure Ratschläge beherzigen und mich bald mal zurückmelden, wie es sich entwickelt hat.
Tausend Dank an alle und schönes Wochenende !

Dennis

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Beitragvon maikeb » 18.03.2019, 12:33

Ohne Ritalin ergab der IQ-Test meines Sohnes etwas unter 80, mit Ritalin um die 100. ADHS verändert das Ergebnis also erheblich!


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