Kleine (grosse) Schwester fühlt sich ungeliebt/unwichtig

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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NataschaS
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Kleine (grosse) Schwester fühlt sich ungeliebt/unwichtig

Beitragvon NataschaS » 10.02.2019, 21:48

Hallo, lange war ich nicht mehr unterwegs, und nun nach gegebenm Anlass dann doch mal wieder.
Unser Grosser wird bald 8 J und ist extrem entwicklungsverzögert, in allen Bereichen.
Seine "kleine" Schwester (6), die aber - weil ganz "normal" entwickelt - wie eine grosse Schwester ist, liebt ihn heiss und innig, kümmert sich ganz toll, und es ist eine Freude, sie zusammen zu sehen. ABER: sie ist sehr sehr eifersüchtig. Schon 'seit immer' versteht sie nicht, warum wir Eltern so viel mehr Zeit mit ihrem Bruder als mit ihr verbringen. Das ist natürlich nicht so, aber klar: er wird gefüttert, gewickelt, gebadet, anders geherzt als sie, die eben schon 'gross' ist. Heute sagte sie mir, dass sie glaube, dass wir sie nicht lieben. Vor ein paar Tagen, als ihr Bruder den ganzen Boden vollgekotzt hatte und wir somit hektisch wischten, sagte sie 'nur weil L gekotzt hat, heisst das doch nicht, dass ihr euch nur um ihn kümmern müsst'... usw. Autsch!
Hat jemand Ideen/Literaturvorschläge, wie wir unserer Süssen Vertrauen in die Liebe ihrer Eltern, und das Bewusstsein dass 'auch' sie wichtig ist, für uns genauso zählt wie ihr Bruder, vermitteln können? Wie gehen wir damit um?
Danke im voraus für Eure Beiträge!
Natascha
N mit Sonnenschein (03/2011): ehem West-Syndrom, nun nicht einordenbare Epi (Pseudo-Lennox). Extrem entwicklungsverzögert. Medi: Inovelon. Sabril, Topamax, Cortison, Keppra, Depakine, Tegretol: abgesetzt. Modif. Atkins-Diät 05/2012-03/2013.
Kleine Schwester (08/2012): unsere Energiekugel!

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kati543
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Beitragvon kati543 » 10.02.2019, 21:59

Hallo,
ich habe das Gleiche hier, jedoch ist es der Große, der einfach weniger behindert ist als der Kleine und nun behauptet, wir lieben ihn nicht. Ist eine üble Situation. Natürlich stimmt das nicht, aber ich kann ihn auch verstehen, denn der Kleine bekommt schon behinderungsbedingt deutlich mehr Zeit ab.
Ich sehe die Situation nicht so, dass das Verständnis des gesunden Geschwisterkindes nicht da ist. Das gesunde Geschwisterkind will nur nicht permanent zurückstecken müssen und an allerletzter Stelle stehen. Wir haben das jetzt so gelöst, dass der Große Exklusivzeit bekommt und der Kleine dann betreut wird. Es war erstaunlich wenig, was er wollte. Ihm reicht schon eine Stunde mal mit Mama und Papa allein.
LG
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Beitragvon Engrid » 11.02.2019, 10:03

Hallo Natascha,

meine kleine „große“ Tochter geht, seitdem sie sechs ist, regelmäßig zu professionell angeleiteten Geschwisterkindertreffen. Dort erlebt sie unter anderem, dass es anderen genauso geht, dass ihre Gefühle (auch die „schlechten“) alle in Ordnung sind, ... Das tut ihr sehr gut, und hat sicherlich auch ihre Sicht auf die Behinderung und auf unser System Familie positiv verändert. Auch zuhause versuchen wir, sie in der Richtung zu stärken.
Was dabei besonders wichtig ist, ist regelmäßige Exklusivzeit von Mama und Papa. Wir machen es als Eltern oft so, dass wir uns aufteilen. Aber auch Betreuer für den Bruder sind da sehr wichtig, dann haben wir mal beide Zeit für sie. Auch bei den Großeltern sind sie deshalb abwechselnd, dort war die Geschwisterrivalität besonders ausgeprägt.

Grüße
Engrid

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Beitragvon Silvia & Iris » 11.02.2019, 15:29

Hallo Natascha,

auch mein Sohn besucht eine Geschwisterkindgruppe, da werden regelmäßig - einmal im Monat - Ausflüge und Aktivitäten angeboten, die ich so nicht leisten könnte... Die Angebote waren bis jetzt sehr vielfältig, einmal im halben Jahr ist auch tiergestützte Therapie diabei, und einfach Fun & Action... - gemeinsam Bowling, Minigolf, Back-Stageführung, Zirkusbesuch.... also ganz banale Aktivitäten, die man aber so mit Kind im Rollstuhl nicht so einfach schafft... Bogenschießen, Klettern.... Die Kinder dürfen einfach nur Kind sein und abschalten...

Therapie an sich steht da nicht an....

LG
Slvia
Liebe Grüße
Silvia
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Beitragvon Lisaneu » 11.02.2019, 19:28

Ich habe für meinen älteren (weniger stark betroffenen) Sohn fix einen Mama-Sohn-Nachmittag pro Woche eingeplant, wo der Bruder nicht dabei ist ud wo ich mich nur nach seinen Wünschen richte. Das ist kein Allheilmittel, hilft aber etwas gegen diese Usicherheit und das Gefühl, weniger geliebt zu werden.

Wie würde sich deine Tochter eigentlich Verhalten, wenn ihr den Bruder einfach ignoriert? Sum Beispiel nicht sofort hinterherläuft und sauber macht, wenn er geklotzt hat? Ich meine nicht generell, sondern nur probehalber!

Bei meinem älteren Sohn war es dann so, dass er sich SOFORT für den Bruder eingesetzt hat, und uns aufgefordert hat, ihn doch zu versorgen. Das hat mir auch gezeigt dass er trotz mancher Eifersüchteleien seinen Bruder sehr liebt.

Insgesamt würde ich die Situationen, wo die Tochter eifersüchtig, durch "aktives zuhören" (wiederholen der Gefühle ohne Bewertung) Verständnis zu zeigen. Sie darf auch mal verärgert oder frustriert sein und das rauslassen. Paralell würde ich fixe Zeiten nur "für sie " ohne Bruder einplanen.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
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Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

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Beitragvon Elli157 » 11.02.2019, 21:36

Wir kennen dieses Problem auch. Aufteilen machen wir auch häufig und einmal im Jahr gibt es einen Kurzurlaub mit einem von uns. In diesem Jahr fahren wir beide nur mit ihm und ohne das Geschwisterkind weg. Trotzdem hat er natürlich oft das Gefühl, dass er zu kurz kommt. Wo gibt es denn solche Geschwisterkindgruppen? Davon habe ich hier noch nie gehört...

LG Elli
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Beitragvon Engrid » 12.02.2019, 06:48

Hallo Elli,

die gibt es bei den Verbänden, zb bei der Lebenshilfe, beim Regionalverband Autismus, ...
Hier auch: http://www.stiftung-familienbande.de

Und noch als Nachtrag: Das Angebot, an dem meine Tochter teilnimmt, wird professionell geführt, das heißt: die Kinder haben eine Menge Spaß dort, das ist ein unbeschwertes Wochenende für sie, gleichzeitig wird aber auch altersgerecht spielerisch thematisiert und bearbeitet, was halt die klassischen Belastungen sind (die Kinder stecken viel zurück, und oft stellen sie eigene Probleme hintan, das Familienleben ist durch die Pflege belastet, bei autistischen Geschwistern müssen sie auch oft mit schwierigem Sozialverhalten klarkommen, ...). Sie können auch mal in der Runde oder einzeln was rauslassen, und sind sicher, dass es nicht zuhause landet, wenn sie das nicht wollen (Schweigepflicht). Auch das ist sicherlich befreiend.

Grüße
Engrid



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Beitragvon Sia » 12.02.2019, 08:41

Diese Thema finde ich total spannend. Ich habe mich gerade gefragt, was wir als Eltern dagegen tun. Ich kenne die Problematik nicht bewusst. Irgendwie hatten wir das von Anfang an gut geplant.
Mein ältester Sohn (15), schwer mehrfachbehindert, benötigte immer schon viel mehr Zeit, Aufmerksamkeit etc. aber es gibt eigentlich keine Probleme diesbezüglich mit den beiden anderen Kindern (13 und 8).
Wir versuchen ab und zu einzurichten, dass wir an einem Samstag (vielleicht alle 2 Monate 1x) Betreuung für unseren Sohn bekommen und dann unternehmen wir gemeinsam die Dinge, die wir mit meinem ältesten Sohn im Rollstuhl nicht so gut machen können.
Jedes Kind bekommt täglich "seine" Zeit und 1x wöchentlich haben wir an einem Nachmittag 2h ohne unseren behinderten Sohn. Das klappt aber nur, wenn es der Stundenplan der Kinder her gibt. Das ist in der Zeit, in der die "gesunden" Kinder aus der Schule kommen und unser älteste Sohn noch in der Schule ist! Letztes Schuljahr hat das nicht geklappt, weil die Kinder immer lange Schule hatten und dieses Jahr ist es wieder so, dass sie einmal beide um 15.00 Uhr aus der Schule kommen und mein ältester Sohn erst um 17.00 Uhr nach Hause kommt. Mein Mann versucht ab und zu an diesem Tag auch früher nach Hause zu kommen.
Eine schöne Zeit wünscht
Sia

Sohn 2004 (MPS IIIa) / Sohn 2005 (Asperger) / Tochter 2010 (ADHS)
Papa 1966 und Mama 1973 (ADHS Diagnose mit 45)

Stell' dich täglich dem Wind, dann trotzt du dem Sturm. Geh' lachend durch den Regen, und du überwindest die Flut.

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Beitragvon Elli157 » 12.02.2019, 11:00

Vielen Dank, Engrid, für den link. Ich habe gerade geschaut, leider gibt es hier bei uns in der Nähe keine Angebote :-( Das einzige Angebot bezieht sich auf Geschwister von Frühchen und das ist dann doch noch etwas Anderes glaube ich.

Liebe Grüße
Elli
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Beitragvon Engrid » 12.02.2019, 13:15

Hallo,

@Elli: vielleicht einfach mal bei der Lebenshilfe anfragen.

Für alle, die sich dieselben Gedanken machen: Ich verlinke Euch mal einen alten Thread, den ich sehr interessant fand, und wo ich grade wieder reingelesen habe: Geschwisterkinder - Schattenkinder?

Grüße
Engrid



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