Flugreise mit besonderem Kind

Mit einem besonderen Kind in den Urlaub zu fahren ist gar nicht so einfach - schließlich müssen tausend Dinge berücksichtigt werden. Welcher Urlaubsort ist besonders behindertenfreundlich?
Wo habt ihr gute Erfahrungen gemacht?
Eure Infos sind für so manche Familie mit einem besonderen Kind sicherlich Gold wert!

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Alexandra2014
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Flugreise mit besonderem Kind

Beitragvon Alexandra2014 » 30.01.2019, 08:20

Hallo ihr Lieben,

wir sind eigentlich sehr reisefreudig, waren vorm Kind viel unterwegs, inklusive langer Flugreisen.

Als Kind 4,5 und 6,5 Jahre alt war, waren wir jeweils eine Woche auf Mallorca. Eigentlich überhaupt nicht unsere Vorstellung von Urlaub, aber für ersten Flugversuche für‘s Kind und Wettergarantie, bot es sich an. Es war auch insgesamt sehr schön.

Damals war weder die Epilepsie, noch der Autismus bekannt.
Da kommen wir auch schon zum Problem. Die Hinflüge gingen zwar halbwegs, aber die Rückflüge waren beide Male eine Katastrophe.
Schon auf dem Flughafen bockig, nölig, ging es dann im Flugzeug weiter. Sie find dann auch noch an gegen die Sitze vor ihr zu treten und ließ sich nicht davon abbringen, nicht ablenken.
Das Flugzeug war zum Glück nicht voll (da außerhalb der Ferien) und die Leute vor uns haben sich mit vorwurfsvollem Kopfschütteln umgesetzt. Es ist ja für alle Beteiligten unerträglich.
Nun waren das ja nur zwei Stunden Flug.

Im Laufe der Zeit hatten wir den Eindruck, dass es viel besser geworden ist. Autofahrten um die 5 Stunden klappen super mit nur einem Zwischenstop zum Essen und Flitzen.

Letztes Jahr waren wir im Skiurlaub. 6,5 Stunden Fahrt. Der Hinweg klappt problemlos. Der Rückweg war ab der 5. Stunde dann etwa wie die Rückflüge! :(
Kind ist dann überhaupt nicht mehr ansprechbar, jault und nölt vor sich hin, wird aggressiv.
Wir haben das mit der KJP besprochen, die sich sicher ist, dass das der Autismus ist. Klang logisch.
Sie ist der Meinung, dass das dann eben so ist und es aushalten muss.

Das sehe ich im Auto auch so - weil wir da unter uns sind.

Im Flugzeug sitzen aber noch viele andere Menschen, denen ich das nicht zumuten möchte, über Stunden!

Wir würden so gerne mal wieder weiter weg. Florida, Californien, Yellowstone... dem Kind die Welt zeigen.

Der Neuropädiater hat für den Flug Tavor vorgeschlagen.
Einerseits möchte ich das Kind nicht „deswegen“ sedieren, andererseits weiß ich, dass ihr so ein Urlaub ganz viel Spaß machen würde und es auch uns als Familie total gut tun würde.

Wir hatten auch schon überlegt Business Class zu buchen, um einfach auch mehr Platz und Ruhe zu haben. Allerdings möchten dort auch die anderen Mitreisenden Ruhe haben. :lol:

Wie macht ihr das mit euren verhaltensspeziellen Kindern?

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 30.01.2019, 08:29

Hallo Alex,

„die Welt zeigen“ geht ja auch mit kleinen Anfängen. Ich hätte mit Tavor auch ein schlechtes Gefühl, denn es ist ja eine Verhaltenssache, vielleicht ein Strukturierungsproblem. Da kann man auch verhaltensmässig dran arbeiten, Lösungen suchen. Ich würde also mit recht kurzen Flugzeiten anfangen, und gucken, wie man sie zu einer positiven Einstellung bringt bzw positiv beschäftigt/ablenkt.
Vielleicht schon im Vorfeld etwas einführen, Reiseplanung, Flugroute, a la „jetzt fliegen wir über“, oder was technisch so im Flugzeug passiert ... und wo sie sich im Flieger zb am iPad durchklicken kann, entlang hangeln kann.
Vielleicht ist die „strukturlose“ Zeit das Problem?
Vielleicht aber auch der Übergang „nach Hause kommen“? (Dann würde ich vielleicht zusätzlich anders ansetzen, Bezug auf zuhause, Fotoalbum Haus, sowas)

„Klein anfangen“ mit Fliegen, so hatte ich das mit Junior geplant, es kam dann anders, er hatte beschlossen lieber mit Betreuer zuhause zu bleiben und uns alleine ziehen zu lassen. Er mochte unsere Urlaube schon, aber offenbar ist in der Bilanz das „ferne Länder Sehen“ doch für manche Autisten - jedenfalls für Junior - sehr sehr anstrengend. Ich hoffe, er will irgendwann auch wieder mit auf Reisen.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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Alexandra2014
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Beitragvon Alexandra2014 » 30.01.2019, 10:52

Hallo Engrid,

danke für deine Gedanken!

Wir sehen ja leider, durch unsere vielen, längeren Autofahrten, dass es nicht wirklich zum Erfolg führt, „nur“ zu üben.

Es kommt einfach irgendwann, mal früher, mal später (je nach Tagesform) auch schon beim Auto fahren zum Ausflippen. Da spielen ja auch so viele Faktoren mit rein. Wie war die Nacht, gab es schon Stress vorher (lässt ja nicht immer vermeiden, auch wenn man sich darum bemüht).

Mit dem Auto sind wir allein, was ihr ja schon, im Gegensatz zum Flieger, einen Großteil Stress nimmt. Mit dem Auto kann man nahezu jederzeit auf den Rastplatz, Pause machen, was anderes sehen, bewegen. All das ist im Flieger nicht möglich. Dieses sture Sitzen und Warten, bis man endlich da ist. Sie lässt sich dann auch nur eine gewisse Zeit mit iPad, Filmen, Spielen ablenken. Irgendwann ist sie durch!

Unsere Fahrten an die See sind ziemlich entspannt. Sie fühlt sich da wohl, Hin- und Rückweg sind entspannt.
Im Skiurlaub hat sie sich nicht so wohl gefühlt, sie hat nach Hause gejammert, es wurde früh dunkel, man saß dann in den kleinen Zimmern. Da hat sich die Woche über schin ein ganz anderer Stresspegel aufgebaut, als an der See.
Das sind aber Dinge, die man nicht vorhersehen kann, die man nicht planen kann.

Grundsätzlich verreist sie total gerne, will auch gerne mit! Die erste Nacht woanders ist immer schwierig, aber danach geht es dann gut.

Die andere Sache ist, dass die Rückflüge aus den USA immer Nachtflüge sind und sie sicher nicht schlafen wird. Da würde Tavor natürlich gut helfen.

Gruß
Alex
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Beitragvon Anne_mit_2 » 30.01.2019, 11:13

Hallo Alex,

wie wäre es mit einem Rückflug mit mehrtägigem Zwischenstopp zum Geysire-Sehen in Island? Diese Flüge gab es zumindest vor ein paar Jahren noch in beiden Teilen als Tagflüge. Ein Kollege meines Chefs mit ernsten Gesundheitsproblemen machte seine USA-Flüge immer auf diese Weise, weil er nur eine bestimmte Zeit im Flieger sitzen darf.

Ein anderer Punkt wäre noch das bewusste Einplanen von Entspannungsphasen an den zwei Tagen vor dem Rückflug. Es ist als Erwachsener mit Urlaubskater schwierig, dann einem Kind noch absolut entspannende Zeit zu gestalten, aber je niedriger der Stresslevel bei Ankunft am Flughafen (vielleicht besser mit dem Mietwagen als mit dem Hotelbus?) ist, desto mehr Luft ist da nach oben.

Kann es sein, dass sie etwas unter den Füßen braucht, damit sie besser sitzt? Wenn mein Sohn im Auto oder Zug maulig wird, dann meistens weil er schlecht sitzt, ohne sich dessen bewusst zu sein. Ein kleiner mit alten Zeitungen gefüllter Karton im Fußraum des Autos hat da Wunder gewirkt. Geflogen sind wir mit ihm noch nicht, weil wir passionierte Wohnwagenfahrer sind.

Viele Grüße,
Anne

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Alexandra2014
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Beitragvon Alexandra2014 » 30.01.2019, 11:44

Hallo Anne,

danke auch dir!

Das Problem bei den mehrtägigen Zwischenlandungen ist einmal die Zeit (für eine USA Reise sollte man schon zwei Wochen einplanen), da wir z.B. Florida nur in den Osterferien machen würden, wegen des Wetters. Wir waren mal im Juni/Juli dort bei knapp 40 Grad, 90% Luftfeuchtigkeit und fast täglich heftigsten Gewittern. Keine gute Idee mit Kind.
Stressreduktion betreibe ich immer, nicht nur kurz vorm Abflug.
Wir sind noch nie mit dem Hotel-Shuttlebus gefahren, sondern immer flexibel mit dem Mietwagen.
Ich versuche immer geräumige Appartments oder Wohnungen zu mieten, anstatt kleiner Doppelzimmer. Das hat im Skiurlaub z.B. leider nicht geklappt, was tatsächlich auch ein Problem war...

Sitzen tut sie eigentlich gut. Inzwischen ist sie knapp 1,60m (hauptsächlich Beine :lol: ) :shock: und kommt mit den Füßen locker auf den Boden.

Ich glaube, dass viel von der Geräuschkulisse abhängt, die ja im Flieger und Auto unausweichlich ist. Sie toleriert zwar Kapselgehörschutz, aber nicht durchgehend so lange... Stöpsel haben wir auch schon probiert.
Und auch das stille Sitzen ist sehr anstrengend für sie. Eine Ergotherapeutin sagte mal, dass es aufgrund der Rumpfhypotonie für sie anstrengender sei, still zu sitzen, als den ganzen Tag durch die Gegend zu rennen. :shock:

Gruß
Alex
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Beitragvon Engrid » 30.01.2019, 11:54

Und auch das stille Sitzen ist sehr anstrengend für sie. Eine Ergotherapeutin sagte mal, dass es aufgrund der Rumpfhypotonie für sie anstrengender sei, still zu sitzen, als den ganzen Tag durch die Gegend zu rennen.
Das ist doch eine plausible Erklärung und ein Ansatzpunkt.

Grüße
Engrid
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Beitragvon Anne_mit_2 » 30.01.2019, 12:01

Liebe Alex,
Hallo Anne,

Sitzen tut sie eigentlich gut. Inzwischen ist sie knapp 1,60m (hauptsächlich Beine :lol: ) :shock: und kommt mit den Füßen locker auf den Boden.

Und auch das stille Sitzen ist sehr anstrengend für sie. Eine Ergotherapeutin sagte mal, dass es aufgrund der Rumpfhypotonie für sie anstrengender sei, still zu sitzen, als den ganzen Tag durch die Gegend zu rennen. :shock:
Das ist genau das, was ich meinte: Sie sitzt subjektiv für sich nicht gut und ermüdet dadurch übermäßig schnell. Dass die Rumpfhypothonie der Grund ist und nicht zu kurze Beine, ist einfach eine andere Spielart desselben Problems und bedarf einer anderen Abhilfe. Vielleicht weiss Eure Physio oder Ergo einen Rat.

Viele Grüße,
Anne

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Beitragvon LovisAnnaLarsMama » 30.01.2019, 12:13

Hallo Alexandra,
vielleicht nochmals ein kürzerer Trip zum Üben?

Dubai, Vereinigte Arabische Emirate, Südafrika, Griechenland-
waren die Ziele die nicht ganz so weit weg sind...
Oder ruhiger: Schweden...

Wir hatten Pech: Urlaub zu fünft an unserem Traumziel war letztes Jahr schon ausgebucht, da würde es ein Häuschen im Centerparc am Meer.
LG LovisAnnaLarsMama
Meine drei kleinen Wunder: Wunderkind (2009), Schneckenkind (2011) und der kleine Bruder (2015): Hemiparese, expressive Sprachenwicklungsstörung, Epilepsie und diverse Baustellen nach Asphyxie/Frühgeburt

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Beitragvon s.till » 30.01.2019, 14:20

Hallo Alex,

spontan ist mein erster Gedanke, warum wollt ihr es euch und eurem Kind antun? Würde sie die vielen Menschen und die auch noch eine andere Sprache sprechen aushalten?
Wir haben ja auch so ein Modell mit Sonderausstattung..
Wenn unser Sohn nicht mehr kann dann kann er nicht mehr und würde den Flieger auseinander nehmen.
Sollten wir uns durchringen und alle mal fliegen, dann würde ich die Plätze so buchen, dass wir hintereinander sitzen. So würden wir das Problem mit gegen den Vordersitz treten schon mal umgehen.
Ich verstehe total deinen Wunsch zu reisen und den Kindern die Welt zeigen.
Wäre es auch eine Lösung, wenn ihr Schiffsreisen macht? Wir waren jetzt schon dreimal auf einer Aida und es hat problemlos funktioniert.

LG
Susanne
M *2010 Frühchen der 27SSW, Pneumothorax, Meningitis, diverse RSV Infektionen, Pneumonien, dystroph, kleinwüchsig, stimulationsbedürftige Apnoen, Asperger Autismus, Koordinationsstörung, PEG/PEJ seit 07/16 weg :D Pflegegrad 4 und SBA von 80% G,aG,B,H
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MarcelundMama
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Beitragvon MarcelundMama » 30.01.2019, 14:58

Hallo Alexandra,
vielleicht nochmals ein kürzerer Trip zum Üben?

Dubai, Vereinigte Arabische Emirate, Südafrika, Griechenland-
waren die Ziele die nicht ganz so weit weg sind...
Oder ruhiger: Schweden...

Wir hatten Pech: Urlaub zu fünft an unserem Traumziel war letztes Jahr schon ausgebucht, da würde es ein Häuschen im Centerparc am Meer.
LG LovisAnnaLarsMama
Hallo!

Naja... die von Dir genannten Ziele (außer vielleicht Griechenland) sind alles andere als nah... Wir waren gerade in Dubai... ab Frankfurt 7,5 Stunden Flugzeit... Südafrika, vor 2 Jahren, hat mit knapp 11 Stunden zu Buche geschlagen...

Ich würde vielleicht mal zum Üben kurze Flüge innerhalb Europas wählen z.B. ein Kurztripp nach Paris, Rom usw... Die kann man auch sehr günstig bekommen, so dass der Preisfaktor auch im Rahmen bleibt.

Unser Autist fliegt mittlerweile einigermaßen gern, allerdings fliegen wir mehrmals im Jahr und auch keine besonders langen Streken. Dubai ist da mit den 7,5 Stunden schon hart am Limit gewesen.

Klar wrde auch ich gern ma wider in dei USA oder nach Bali fliegen, aber warum soll ich das meinem Sohn zumuten? Auch wenn er den Urlaub selbst dann bestimmt ganz toll fände, aber zu welchem Preis? Daher setzen wir ihn derzeit (er ist 7) noch keinen Langstreckenflügen aus und haben dies auch ncht vor. erst wenn er sich das irgenwann von allein "zutraut" und uns grünes Licht gibt... Es gibt genügend schöne Urlaubsziele, die gut erreichbar sind und an denen unser Sohn viel Freude hat und das alles mit weniger Flugstunden. Es geht nicht darum, dass die Kinder es dann vor Ort toll fänden, sondern darum, dass der Weg dahin und zurück eine extreme Strpaze für wie ist. Warum also?

Gruss!


Jo
Joanna (49) & Marcel (11.2011) ASS Diagnose Juni 2014 und ADHS im Januar 2018 als "Sahnehäubchen" oben drauf... ;o)


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