Überforderung durch Schulwahl: vermeiden oder hinnehmen?

Hier könnt ihr euch über ADS und ADHS austauschen.

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Regina Regenbogen
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Re: Überforderung durch Schulwahl: vermeiden oder hinnehmen?

Beitragvon Regina Regenbogen » 31.01.2019, 05:36

Nun bin ich ja der Meinung, dass eine Realschule für meine Tochter die richtige Wahl wäre, selbst in dem Fall, wenn sie eine Empfehlung für das Gymnasium bekommen würde.
Dann wähle den deiner Meinung nach besten Weg für dein Kind, denn du kennst dein Kind am besten.

ADSler brauchen in erster Linie Erfolge, auch wenn sie (scheinbar) unmotiviert wirken. Wenn deine Tochter auf der Realschule mit wenig Leistungsbereitschaft erfolgreich sein kann, ist das schon die halbe Miete für ein zufriedenes Kind. Ggf. kommt später mit zunehmender Reife dann der Wunsch nach dem Abitur. Der Weg ist ihr dann immer noch offen - wenn sie es will. Denn dafür wird sie ein Ziel brauchen. Die Latte immer höher zu hängen als nötig, bremst ADSler nur aus. Erreichbare Ziele sind erfolgversprechender.

Unser Großer (ADS) war ein Paradebeispiel für minimalistische Leistungen von der 1. Klasse an. Es war nie möglich, ihn zu guten oder besseren Leistungen zu motivieren. Nach unserer Meinung (und der Meinung der Lehrer und des KJP) hätte er mit Leichtigkeit die Realschule schaffen können - er wollte nicht. Mein Kompromiss war dann die Oberschule, wo er in den ersten 3 Jahren noch in den E-Zweig hätte wechseln können. Nö, G-Zweig reichte ihm völlig. Das zog sich so weiter, sein Wunsch war dann der Hauptschulabschluß nach der 9. Klasse (Ich so :shock: ) und eine Berufsausbildung - für die er sich dann wirklich ins Zeug gelegt hat. 3 Jahre lang ist er in den Wunschbetrieb gelatscht, für freiwillige Praktika und auch die Schulpraktika. Er hat dann genau eine (!) Bewerbung geschrieben und die Ausbildungsstelle bekommen. Jetzt ist er im 2. Lehrjahr und rundum zufrieden - im Betrieb ist er der Sonnenschein für alle (Zitat vom Ausbildungsleiter). Er liebt seine Arbeit und ich bin mir sicher, dass er seinen Weg gehen wird. Es ist nicht meine Wunschvorstellung von seiner Zukunft, aber das muss es auch nicht sein. Er muss nicht meine Erwartungen erfüllen. Ach so, wegen der Medikamente: Er hat mit der Schulabschlussprüfung das MPH abgesetzt, er wollte es im Grunde nie wirklich nehmen. Seit Beginn der Ausbildung holt er alles nach, was er während der Schulzeit an sozialen Kontakten nie haben konnte.

Irgendwo wurde geschrieben, dass man auf der Realschule nicht lernt zu lernen und unter seinen Möglichkeiten bleibt. Das kann ich nicht bestätigen, unser Jüngster (Autismus + ADHS) geht in den E-Zweig der gleichen Oberschule wie sein Bruder und das Lernpensum ist schon enorm. Obwohl es dieselbe Schule ist, sind die Unterschiede zwischen G- und E-Zweig gewaltig. Einige der Kids aus der Klasse unseres Jüngsten werden nächstes Jahr auf das Gymnasium wechseln. Die Möglichkeit besteht immer. Oder später eben auf der Abendschule. Unser Jüngster tendiert zur Zeit mehr zu einer Ausbildung im Elektrobereich.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
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Re: Überforderung durch Schulwahl: vermeiden oder hinnehmen?

Beitragvon toto35 » 31.01.2019, 07:59

Nun bin ich ja der Meinung, dass eine Realschule für meine Tochter die richtige Wahl wäre, selbst in dem Fall, wenn sie eine Empfehlung für das Gymnasium bekommen würde.
Dann wähle den deiner Meinung nach besten Weg für dein Kind, denn du kennst dein Kind am besten.

ADSler brauchen in erster Linie Erfolge, auch wenn sie (scheinbar) unmotiviert wirken. Wenn deine Tochter auf der Realschule mit wenig Leistungsbereitschaft erfolgreich sein kann, ist das schon die halbe Miete für ein zufriedenes Kind. Ggf. kommt später mit zunehmender Reife dann der Wunsch nach dem Abitur. Der Weg ist ihr dann immer noch offen - wenn sie es will. Denn dafür wird sie ein Ziel brauchen. Die Latte immer höher zu hängen als nötig, bremst ADSler nur aus. Erreichbare Ziele sind erfolgversprechender.

Unser Großer (ADS) war ein Paradebeispiel für minimalistische Leistungen von der 1. Klasse an. Es war nie möglich, ihn zu guten oder besseren Leistungen zu motivieren. Nach unserer Meinung (und der Meinung der Lehrer und des KJP) hätte er mit Leichtigkeit die Realschule schaffen können - er wollte nicht. Mein Kompromiss war dann die Oberschule, wo er in den ersten 3 Jahren noch in den E-Zweig hätte wechseln können. Nö, G-Zweig reichte ihm völlig. Das zog sich so weiter, sein Wunsch war dann der Hauptschulabschluß nach der 9. Klasse (Ich so :shock: ) und eine Berufsausbildung - für die er sich dann wirklich ins Zeug gelegt hat. 3 Jahre lang ist er in den Wunschbetrieb gelatscht, für freiwillige Praktika und auch die Schulpraktika. Er hat dann genau eine (!) Bewerbung geschrieben und die Ausbildungsstelle bekommen. Jetzt ist er im 2. Lehrjahr und rundum zufrieden - im Betrieb ist er der Sonnenschein für alle (Zitat vom Ausbildungsleiter). Er liebt seine Arbeit und ich bin mir sicher, dass er seinen Weg gehen wird. Es ist nicht meine Wunschvorstellung von seiner Zukunft, aber das muss es auch nicht sein. Er muss nicht meine Erwartungen erfüllen. Ach so, wegen der Medikamente: Er hat mit der Schulabschlussprüfung das MPH abgesetzt, er wollte es im Grunde nie wirklich nehmen. Seit Beginn der Ausbildung holt er alles nach, was er während der Schulzeit an sozialen Kontakten nie haben konnte.

Irgendwo wurde geschrieben, dass man auf der Realschule nicht lernt zu lernen und unter seinen Möglichkeiten bleibt. Das kann ich nicht bestätigen, unser Jüngster (Autismus + ADHS) geht in den E-Zweig der gleichen Oberschule wie sein Bruder und das Lernpensum ist schon enorm. Obwohl es dieselbe Schule ist, sind die Unterschiede zwischen G- und E-Zweig gewaltig. Einige der Kids aus der Klasse unseres Jüngsten werden nächstes Jahr auf das Gymnasium wechseln. Die Möglichkeit besteht immer. Oder später eben auf der Abendschule. Unser Jüngster tendiert zur Zeit mehr zu einer Ausbildung im Elektrobereich.
Hallo,

dem stimme ich voll und ganz zu.

Mein Sohn hatte bis jetzt 3x die Gymnasiumempfehlung, 3x hat er sich geweigert zu wechseln- und macht jetzt seinen Abschluss auf der Realschule. Er war dazu nie zu motivieren zu wechseln. Ganz im Innersten wird er schon stolz gewesen sein, aber er hat das nie gezeigt, sondern eher "abgetan".

Ein AD(H)sler braucht Sicherheit und Erfolge und Wohlfühlen- auch wenn er das nie zugeben würde.

Auch jetzt hat mein Sohn wieder die Empfehlung bekommen nach der 10.Klasse aufs allgemeine Gymnasium zu wechseln. Er hat sich dagegen entschieden, stattdessen hat er sich entschieden auf die Fachoberschule zu wechseln und dort das Fachabitur zu machen. Wir denken auch dass das der richtige Weg für ihn ist. .

Die Aussage "auf der Realschule lernt man nicht zu lernen" kann man so nicht verallgemeinern, das kann ich in keinster Weise bestätigen. Ich habe den direkten Vergleich hier- da gibt es hier auf dem Gymnasium viel mehr Probleme mit dieser Problematik.

Im Übrigen gehe ich fest davon aus, dass auch mein Sohn seine Medikamente in der Fachoberschule absetzen wird. Von sich aus- und ja wir denken es kann funktionieren.
LG

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Re: Überforderung durch Schulwahl: vermeiden oder hinnehmen?

Beitragvon Regina Regenbogen » 31.01.2019, 08:27

Auch jetzt hat mein Sohn wieder die Empfehlung bekommen nach der 10.Klasse aufs allgemeine Gymnasium zu wechseln. Er hat sich dagegen entschieden, stattdessen hat er sich entschieden auf die Fachoberschule zu wechseln und dort das Fachabitur zu machen. Wir denken auch dass das der richtige Weg für ihn ist. .
Sehr schön. :wink:

Das ist Plan B unseres Jüngsten. Wenn das mit der Ausbildungsstelle (er will nur eine bestimmte - ja, meine Söhne wissen offenbar genau was sie wollen :lol: ) nächstes Jahr nichts wird (warum auch immer), geht er zur Berufsfachschule Elektro und macht da sein Fachabi.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

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Beitragvon RikemitSohn » 31.01.2019, 12:53

Hallo,

es ist nicht grundsätzlich so, dass man auf einer Realschule nicht Lernen lernen kann. Wenn ein Kind aber von der Leistung her auf Gymnasialniveau ist, ist es sehr wahrscheinlich, dass dieses Kind gar nicht lernen muss. Es reicht der reguläre Unterricht. Das kann einerseits zu Langeweile führen, andererseits ist es so, dass vernünftiges Erarbeiten auch erlernt werden muss.
Irgendwann kommt jeder mal an einen Punkt, an dem es nur mit Anstrengung läuft. Und da finde ich es wichtig, dass ein Kind das Zutrauen hat dies anzugehen.
Ob nun Realschule oder Gymnasium hängt bestimmt auch von der Beeinträchtigung ab und wann das Kind beginnt zu arbeiten. Mein Sohn hat an der IGS defintiv nicht geleistet, sondern sich berieseln lassen.

LG Rike
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Beitragvon Regina Regenbogen » 31.01.2019, 13:07

Wenn ein Kind aber von der Leistung her auf Gymnasialniveau ist, ist es sehr wahrscheinlich, dass dieses Kind gar nicht lernen muss. Es reicht der reguläre Unterricht.
Möglich, bei Kindern ohne Störungen im Sozialverhalten und mit HB. Meine Jungs waren leider aber davon betroffen und sind nur "normal begabt" und sie hatten genug damit zu tun, all das im Sozialverhalten zu lernen, was den Mitschülern schon in der Grundschule automatisch zugeflogen ist, es gab viel nachzuholen. Da kam es ihnen ganz recht, nicht auch noch Unterrichtsstoff exzessiv lernen zu müssen, sondern einfach nur mitzuschwimmen. Unser Großer hat das Lernen jetzt in der Berufsschule gelernt, der Kleine hat im 8. Schuljahr auf der Realschule angefangen, er hat aber auch eine tolle Klassenlehrerin.

Ich hatte mich trotzdem damals gegen unsere örtliche IGS entschieden, da das Prinzip der IGS meinen Jungs nur geschadet hätte - alleine schon die Tatsache, dass es keine Benotung im herkömmlichen Sinne gibt, hätte sie wohl auch zum Berieseln lassen veranlasst.

Grundsätzlich ist das eine sehr individuelle Entscheidung und auch eine Entscheidung für die Realschule bei Gymnasialempfehlung macht aus dem Kind keinen schlechten oder dummen Menschen.

Meine bald 21-jährige Tohter hatte von der Grundschule die Gymnasialempfehlung und sich dagegen entschieden. Sie hat den Realschulabschluß mit Qualifikation gemacht und wollte dann immer noch nicht auf das Gymnasium. Sie hat letztes Jahr ihre kaufmännische Ausbildung mit sehr gut abgeschlossen und gleich einen guten Job bekommen. Sie ist sehr stolz auf sich. Und wir auf sie.
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Beitragvon Bika » 31.01.2019, 13:49

Hallo,

Ich habe nie geschrieben, dass man auf der Realschule generell nicht lernen müsste, könnte, bräuchte.....sondern dass die Gefahr bestehen könnte, dort mit geringem Aufwand klarzukommen und damit zufrieden zu sein, ohne wirklich effektive Lernstrategien zu entwickeln. Denn warum sollte man sich mühevoll eine Strategie aneignen, die man (vermeintlich) nicht braucht?

Es gibt ja auch unter den ADS- Kindern wahnsinnig unterschiedliche Charaktere, mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen.
Meine Kinder sind beide selbstunsichere “Vermeider“, die aber mit Druck recht gut umgehen können, bzw. ohne Druck in ziemliche Passivität verfallen.
Mißerfolge können sie (mittlerweile) ebenfalls erstaunlich gut verkraften, ohne sich davon demotivieren zu lassen. Im Gegenteil.
Mein ADS- Kind springt immer genauso hoch, wie sie muß. Nicht höher aber auch nicht tiefer.
Wäre sie ein anderer Typ, der Druck und Rückschläge schlecht kompensieren kann, würde ich ihr das Gymnasium vermutlich nicht antun.

Wir leben jedoch in einem Bundesland, wo (fast) alle auf das Gymnasium gehen und das merkt man natürlich am Anspruch. Mir kommt er nicht so drastisch vor,. Normal begabte Kinder können, wenn sie ein wenig Mühe (wirklich nicht viel) investieren, im Mittelfeld mitschwimmen.
Dort tummeln sich viele :lol: .
Allerdings gibt es natürlich auch hier die ehrgeizigen Perfektionisten, die extrem auf Noten fixiert sind und “Mittelmäßigkeit“ nicht ertragen. Bei einer 3 sehen sie dann alle Lebensträume schwinden.
Deren Eltern vermitteln gerne nach außen,
dass der Druck so groß wäre und die Kinder keine Freizeit mehr hätten.
Das ist aber selbstgewählt, finde ich.

In Bayern sieht das alles schon wieder anders aus.
Und dennoch wird auch hier viel über Leistungsdruck gejammert. (viele meinen das vermutlich nicht so wirklich ernst :wink: )

LG

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Re: Überforderung durch Schulwahl: vermeiden oder hinnehmen?

Beitragvon toto35 » 31.01.2019, 17:11

Auch jetzt hat mein Sohn wieder die Empfehlung bekommen nach der 10.Klasse aufs allgemeine Gymnasium zu wechseln. Er hat sich dagegen entschieden, stattdessen hat er sich entschieden auf die Fachoberschule zu wechseln und dort das Fachabitur zu machen. Wir denken auch dass das der richtige Weg für ihn ist. .
Sehr schön. :wink:

Das ist Plan B unseres Jüngsten. Wenn das mit der Ausbildungsstelle (er will nur eine bestimmte - ja, meine Söhne wissen offenbar genau was sie wollen :lol: ) nächstes Jahr nichts wird (warum auch immer), geht er zur Berufsfachschule Elektro und macht da sein Fachabi.
Diese Fachoberschule ist so vom Konzept her, daß die Schüler 1 Jahr lang Montag-Mittwoch ein Pflichtpraktikum in 1 Betrieb machen müssen und Donnerstags und Freitags die Schule besuchen. Das für die 11. Klasse. In der 12. Klasse besuchen die Schüler die ganze Woche die Schule.

Das Ganze endet dann nach erfolgreichem Praktikum, bestandener schriftlicher Prüfung in 3 Leistungsfächern und bestandener mündlicher Prüfung in 2 Fächern mit dem Fachabitur.

Das Gute an der Schule ist auch, dass es sowohl schon Fächer in diese bestimmte berufliche Richtung gibt, aber auch Fächer wie Deutsch, Englisch und Mathe sowie - in dieser Fachrichtung Biologie, Chemie und Sport auf Leistungskurs-Niveau unterrichtet werden UND in genau diese Fachrichtung.

Ein Segen für meinen Sohn, gerade in Deutsch, keine unzähligen Liebesgedichte mehr analysieren und interpretieren, keine Satiren mehr u.s.w sondern Deutsch als Kommunikation, richtiges Schreiben u.s.w.

Mein Sohn hat hat sich schon sehr früh festgelegt, welchen Beruf er ergreifen will - und wie er das erreichen will, und dazu gehört genau diese Fachoberschule.
Alle, auch die Lehrer bewundern ihn, weil er nicht viel redet und man ihn oft unterschätzt, aber er schon solange genau seinen Plan verfolgt, die Lehrer sagen, viele wissen noch gar nicht in welche Richtung es geht, aber er verfolgt seinen Plan - ohne Worte.
Ich finde, daß ist aber auch teilweise schwierig wenn man nur einen Plan A hat und davon in keinster Weise abgeht.

Aber so war mein Sohn schon immer, er weiß ganz genau was er will, ich kann mich gut dran erinnern als kleines Kind bei den Ärzten, wenn ihm dann am Ende als Belohnung vom Arzt die große Kiste mit Spielzeug, Süßigkeiten etc. hingehalten worden ist - andere Kinder suchen gefühlt 1 Stunde darin rum und können sich nicht entscheiden mein Sohn hat immer einen winzigen Blick reingeworfen und sich innerhalb 1 Sekunde entschieden - und ist dann von seiner Entscheidung auch nicht mehr weg...  8) :wink:
LG

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Beitragvon RikemitSohn » 31.01.2019, 21:12

Hallo,

ich möchte noch einmal kurz einwerfen, dass ich Kinder nicht als dumm oder schlecht bezeichnet habe. Das hast du ins Spiel gebracht Regina. Auch spreche ich hier nicht nur von HB-Kindern. Die langweilen sich im Prinzip auch am Gymasium oft.
Mir geht es darum, dass sowohl auf eine Über-, als auch auf eine Unterforderung geachtet werden sollte.
Bei einem Kind, dass sich selbst aus Perfektionsdenken heraus so zurücknimmt, würde ich erstmal dieses Problem lösen. Dieses Denken zieht sich gern auch durch alle anderen Lebensbereiche.
Die Threateröffnerin hatte um ein Für-und-wieder gebeten und das gibt es in einer Grenzsituation halt. Was für das eigene Kind dann richtig ist, müssen die Eltern entscheiden.

LG Rike
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Beitragvon Regina Regenbogen » 01.02.2019, 04:47

Mir geht es darum, dass sowohl auf eine Über-, als auch auf eine Unterforderung geachtet werden sollte.
Mir geht es um nichts anderes.

Und bei unseren Söhnen haben wir so entschieden, dass sich eine leichte Unterforderung im kognitiven mit einer hohen Überforderung im sozial-emotionalen ausgleichen konnte und sie so gut ins Gleichgewicht gekommen sind.

@ toto35: Ja, das ist auch so bei uns, nur dass man hier in Niedersachsen dann auch an allen Universitäten und gleichgestellten Hochschulen die entsprechenden Studiengänge belegen kann, wenn man will.

Mein Sohn findet es besonders gut, dass er dann fachspezifisch lernen kann und für ihn "überflüssige" Fächer wie Geschichte und Musik entfallen.

Er hat bei seinem Bruder gesehen wie leicht diesem auf einmal das fachspezifische Lernen an der Berufsfachschule gefallen ist und auch die sozialen Kontakte besser fluppten, weil die Mitschüler auf einem Interessenlevel lagen.

Ich hatte nur die falsche Bezeichnung mit der Berufsfachschule gewählt, weil das bei uns beides (Fachoberschule und Berufsfachschule) in einer Einrichtung (BBS) ist.
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Beitragvon Jakobspapa » 02.02.2019, 17:55

Hallo Nadine,

ich glaube, die Frage nach der "richtigen" Schule für ADSler kann man nicht pauschal beantworten. Es gibt aus meiner Sicht gegenläufige Einflüsse:
- der Leistungsdruck und die Höhe der Selbsorganisationsfähigkeit. Damit bekommen ADSler ggf. Schwierigkeiten. Ein Gymnasium wird hier mehr abverlangen als eine Realschule als eine Mittelschule.
- das nötige "Futter", das die Kinder ggf. überhaupt erst motiviert. ADSler können durchaus leistungsfähig sein, wenn sie sich für ein Thema interessieren. An einem Gymnasium ist die Auswahl der Fächer größer - allerdings auch derer, die individuell nicht interessant erscheinen.

Unser Großer hatte eine klare Gymnasialempfehlung, nicht nur aufgrund der Noten, sondern insbesondere wegen zweiterem Aspekt. Wir waren damals alles andere als sicher, der Grundschullehrer hat uns das aber vehement nahegelegt. Bisher scheint er recht behalten zu haben. Einige Fächer, in denen er richtig gut ist, und ihm Motivation geben, gibt es auf der Realschule nicht. Wobei man auf der Realschule sicher auch nicht Däumchen dreht, auch dort wird einiges abverlangt, nur bei geringerer Auswahl. Sehr entscheidend sind die Lehrkräfte, und die gibt es an jeder Schule, unabhängig von der Schulart, in sehr unterschiedlichen Qualitäten. Man weiß nie, was man bekommt.

Dass die Höhe der Medikation über die Schulwahl entscheidet... nun ja, das sind ja keine Intelligenzpillen, sondern Medikamente, die den Zugriff auf die vorhandenen Fähigkeiten ermöglichen. Es mag sein, dass ein nicht optimal eingestellter Betroffener auf einer "niedrigeren" Schule weniger Probleme hat als in der gleichen Situation auf einer "höheren", genau wie jemand mit kaputtem Bein wahrscheinlich weniger Probleme beim Wandern hat als beim Marathonlauf.

Ich finde aber, damit wäre das Pferd von hinten aufgezäumt; in erster Linie sollte das Bein optimal versorgt sein, und dann entscheidet man, ob man wandern geht oder einen Marathon läuft. Man würde keinen halben Gips anlegen, weil der zum wandern ausreicht, und für den Marathonlauf wäre ein doppelter Gips sinnlos.

Aus meiner eigenen Lebenserfahrung (ich bin mir recht sicher, dass ich ebenfalls ADSler bin) kann ich berichten, dass ich nur funktioniere, wenn ich heftig gefordert bin, und natürlich wenn der Themenbereich passt. Damit habe ich damals - trotz konstant ausgeprägtem "Minimalismus" ;-) beim lernen - ein gutes Abitur (damals noch LK-System, ich konnte also die Schwerpunkte fast uneingeschränkt selbst wählen) und ein sehr gutes Studium absolviert. Routinetätigkeiten, die für andere kein Stress sind, mich aber langweilen, waren und sind für mich dagegen der blanke Horror. Ich wäre möglicherweise mit einem anderen Bildungsweg als meinem gewählten nicht glücklich geworden.

Falls ihr Euch für das Gymnasium entscheidet, wird es zumindest wieder das G9 sein, bei dem einiger völlig sinnloser Druck entfällt. Ob die Wahl richtig war, weiß man immer erst hinterher, und man weiß es nicht, wenn man es nicht versucht hat. Bis zum Zeitpunkt der Entscheidung fließt aber noch eine ganze Menge Wasser den Bach herunter, und ihr werdet Gelegenheit bekommen, Euch die verschiedenen Schulen mal live anzusehen. Z.T. (etvl. unterschiedlich in den Bundesländern) gibt es ggf. auch eine Art von Probeunterricht. Lasst das erst mal auf Euch zukommen. Einen grundlegenden Hinderungsgrund für eine Gymnasialausbildung sehe ich in AD(H)S nicht.

Vielleicht erscheint einem diese Entscheidung auch zu gewichtig als sie tatsächlich ist. Das Bildungssystem ist heute viel durchlässiger als früher, und zwar in beide Richtungen. Einige meiner besten Kollegen haben ursprünglich Quali gemacht, und später FOS und Studium nachgezogen. Ich würde da auf meinen Bauch hören. Und natürlich auf das, was Deine Tochter möchte - auch wenn sie ebenfalls nicht genau wissen kann, worauf sie sich einlässt.

LG
Markus


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