2 Personen mit Merkzeichen B - gegenseitig begleiten?

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Jakob05
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Beitragvon Jakob05 » 29.01.2019, 09:17

Warum soll nicht der Blinde den Lahmen im Rollstuhl schieben. Gemeinsam kommen Sie fast überall hin.
Ich habe ja 2 Jungs mit B im Ausweis und ich habe sogar schon bei der Bahn erlebt, dass der Schaffner sagte: "Warum haben sie eine Fahrkarte gekauft ? Der große Bruder kann doch den kleinen (unter 6J.) begleiten und sie sind die Begleitperson des großen." Auf der Rückfahrt habe ich es so umgesetzt und bin prompt an einen Schaffner nebst Ausbilder geraten, der das nicht akzeptieren wollte.
Danach habe ich am Schalter versucht eine Kopie der Verordnung zu bekommen, die mir der 1.Schaffner gezeigt hat, wo drinstand, dass das ggf. zulässig ist. Der Herr am Schalter erklärte mir allerdings, dass das Zugpersonal andere Regelwerke an Bord hätte als das Bodenpersonal am Schalter, daher könne er mir nicht helfen. :roll: :roll: :roll:
Cordula (65) mit I. (86), M. (88 mehrfachbehindert, HF-Autist), J. (†28.07.05,*02.08.05,37.SSW) + K. 10/07 (GS, HD, Rachenfehlbildung,Tracheostoma)

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kati543
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Beitragvon kati543 » 29.01.2019, 10:02

Hallo Cordula,
bei der Zugfahrt (Nahverkehr) verstehe ich das jetzt nicht. Wenn deine Kinder B haben, haben sie sicher doch auch eine Wertmarke wegen G oder H (die Merkzeichen sind doch Voraussetzung für das B). Natürlich zahlt ihr dann nicht. Aber aus anderem Grund. Deine Kinder (ok, der Jüngste ist derzeit noch wegen des Alters frei, aber nehmen wir mal an er wäre älter) reisen auf eigenen SBA mit Wertmarke kostenlos. Du und eine weitere Begleitperson können ebenfalls kostenlos die Kinder begleiten.
Im Fernverkehr ist das etwas anders. Ich kaufe da unsere Tickets nur noch online über die Handicaphotline, da man nur dort für den SBA kostenlos Sitzplätze reservieren kann. Diese speziellen Kombinationen mit mehren SBAs in einer Familie bekommen die am Schalter nicht hin. Die wissen wirklich kaum darüber Bescheid. Die Kopie der Verordnung was möglich ist bei der DB findest du im Internet. Es gibt einen ziemlich umfangreichen Flyer. Derzeit zahle ich bei Fernreisen grundsätzlich die beiden Kinderfahrkarten mit Jugendbahncard und ich fahre als Begleitperson mit - allerdings sind meine Jungs auch älter. Als die Kleinen noch U6 waren, sind wir auch kostenlos im Fernverkehr gereist. Ich würde einfach mal dort anrufen bei der nächsten Reise und dort die Sitzplätze reservieren und auch ggf. Umstiegshilfen buchen. Falls du kein Ticket brauchst können die dir auch die genaue Grundlage dafür nennen und du kannst das ausdrucken.
LG
Katrin
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D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

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Beitragvon mariannna » 29.01.2019, 10:09

Jakob05 hat geschrieben:Warum soll nicht der Blinde den Lahmen im Rollstuhl schieben.



Ich stelle mir das grade vor, wenn wirklich eine Notsituation eintritt, also z.B.ein Feuer im Kino ausbricht......*kopfschüttel*

Ich bin froh und dankbar um alle Vergünstigungen mit dem SBA, aber auf so eine Idee käme ich nicht.

LG, marianna

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Beitragvon RikemitSohn » 29.01.2019, 10:24

Hallo,

die Regelung, die der Begleitperson den Gratiseintritt ermöglicht, soll einem eingeschränkten Menschen sichere Teilhabe ermöglichen, ohne dass ihm Zusatzkosten entstehen. Für mich sollte die Begleitperson dann aber auch Verantwortung und Sicherheit für diesen Menschen übernehmen können. Das bezweifle ich bei einem anderen behinderten Menschen, der Begleitung benötigt, oder bei einem Kind. Wie soll ein zehnjähriges Kind Verantwortung übernehmen, die es nicht einmal für sich selber übernehmen kann. Bei uns gibt es viele Einrichtungen, in die Kinder in dem Alter noch gar nicht alleine rein dürfen.

LG Rike
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Beitragvon Jakob05 » 29.01.2019, 10:39

Hallo,
@marianna: Warum sollte ein Blinder überhaupt ins Kino gehen ? Es gibt sicher genug andere Dinge, die die beiden gemeinsam tun könnten und sich dabei ergänzen. Das war doch nur ein Beispiel !!!

Die Schilderung meiner realen Bahnfahrt sollte nur die Absurditäten im Paragraphendschungel zeigen.

Es wird sicher schwierig eine allgemeingültige Antwort auf die ursprüngliche Fragen zu geben. Die Beiden sollten sich immer sehr genau die Regelungen anschauen und lernen für sich das Vorteilhafteste heraus zu filtern, soweit das möglich ist.
Cordula (65) mit I. (86), M. (88 mehrfachbehindert, HF-Autist), J. (†28.07.05,*02.08.05,37.SSW) + K. 10/07 (GS, HD, Rachenfehlbildung,Tracheostoma)

AgnesH
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Beitragvon AgnesH » 29.01.2019, 11:32

Hi,

anders kann man sich fragen:

Dürfen zwei Personen sich doch gegenseitig begleiten:
der eine ist gehörlos, der andere stark körperbehindert und auf Rollstuhl bzw. schiebende Person angewiesen.

Der Gehörlose kann Schieben und ggf. im Notfall tragen und der Körperbehinderte Mensch ersetzt dem gehörlosen Menschen das Hören und hört für diesen die Aufforderungen per Lautsprecher.

 8)

konik
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Beitragvon konik » 29.01.2019, 12:21

Hallo ,
Ich finde die Frage schwierig .
Ob das Kino überhaupt ermäßigt und wie können sie ja regeln wie sie wollen.

Das Kino muss auf den SBA Rücksicht nehmen sofern es davon weiß.
Mal angenommen es passiert was , beide bekommen Panik , Angst weil sie aufgrund ihrer Behinderung nicht wissen wie geht es weiter... eine Unterscheidung ob ein Stummer einen Autisten begleiten kann bzw es kein Problem sein könnte , sehe ich anders: ich stell mir mal kurz einen Autisten im Overload vor und einen Stummen der dem Umfeld mitteilen soll was los ist ....... Tja deswegen würde ich es nie machen.

Man könnte es natürlich als Training bezeichnen , so etwas wird auch gerne gefordert. Leider passieren dann viele nicht so gute Dinge ....
Können es Beide problemlos , also den Weg , das Karte kaufen, ins Kino gehen.
Ist das Mega toll! Dann sind die Beiden auch in ganz vielen Bereichen bestimmt selbständig .
Überlegen muss man dann ob einem das Merkzeichen vielleicht nicht mehr zusteht und dabei muss man auch bedenken das halt wenig unterschieden werden kann nach Behinderung bei der Vergabe - was ich weiß es muss immer der Notfall überlegt werden denn die Begleitperson muss alles regeln können.

Ich bin für Selbständigkeit und man muss auch abwägen ganz klar. Ich würde euch raten genau zu überlegen passen die Einstufungen noch so ?
Wenn ja , für was setzt man es ein , wo bringt es was , wo lässt man ihn besser stecken , wo nur eine Person .

Es ist natürlich in der Praxis ein Unterschied wo die Teilhabe für den Einzelnen besteht , deswegen könnte es auch sein das sie gebracht werden , die Karten längst haben , rein gebracht werden und dann auch wieder abgeholt werden. Der Film könnte der Lieblingsfilm sein so das man ihn immer sehen will und deswegen die Motivation so groß ist es zu schaffen ins Kino zu gehen . Praktisch die Organisation ec aber jemand übernimmt. Dann wären die Merkzeichen wieder klar......
Aber es bleibt natürlich die Gefahr der Begleitung so oder so und deswegen ist es nicht okay .

Selbst ein gesundes 10 jährige Kind ist nicht in der Lage im Fall der Fälle die Verantwortung zu tragen.

Wie man das letztlich macht , muss jeder für sich entscheiden ob praktisch oder moralisch betrachtet . Es kann gut gehen ein Leben lang oder aber nicht .


LG


Konik

Michi104
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Beitragvon Michi104 » 29.01.2019, 12:42

Hallo Konik,
konik hat geschrieben:Man könnte es natürlich als Training bezeichnen , so etwas wird auch gerne gefordert. Leider passieren dann viele nicht so gute Dinge ....
Können es Beide problemlos , also den Weg , das Karte kaufen, ins Kino gehen.
Ist das Mega toll! Dann sind die Beiden auch in ganz vielen Bereichen bestimmt selbständig .
Überlegen muss man dann ob einem das Merkzeichen vielleicht nicht mehr zusteht und dabei muss man auch bedenken das halt wenig unterschieden werden kann nach Behinderung bei der Vergabe - was ich weiß es muss immer der Notfall überlegt werden denn die Begleitperson muss alles regeln können. sicht nehmen sofern es davon weiß.


Auch mit einem B im SBA darfst du alleine ins Kino ... oder wo anders hin.
Es bedeutet nicht das du jemanden mit nehmen musst.
Du darfst jemanden in Begleitung dabei haben ... aber du musst nicht.
Daher ist das Merkzeichen dann trotzdem Berechtigt.
(da gibt es ja andere Kriterien die dafür ausschlag gebend sind)

Grüße Michi

AgnesH
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Beitragvon AgnesH » 29.01.2019, 12:50

Hallo konik,

auch behinderte Menschen, die einiges alleine machen können, sollen ruhig das B behalten. B bedeutet nicht, dass man IMMER eine Begleitung dabei sein muss.
Aber in einigen Situationen wäre das hilfreich und dann ist es auch gut, wenn dann Unterstützung da ist und man für diesen aber nicht extra bezahlen muss.

LG

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Jaqueline
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Beitragvon Jaqueline » 29.01.2019, 14:52

Hallo,

rechtlich wird es nicht akzeptiert aber im Alltag widerspricht sich das keineswegs grundsätzlich. Es kommt doch immer auf die Art des Hilfebedarfs an. Natürlich können sich nicht zwei Rollstuhlfahrer gegenseitig begleiten aber wenn ich jetzt mal meinen Mann und mich nehme, geht das durchaus. Er hilft mir bei Hürden und ich ihm im Falle eines Anfalls. Warum auch nicht. Solange der einen den Hilfebedarf des anderen ausgleichen kann, sehe ich da kein Problem. Rechtlich gelte ich als Rollstuhl aber nirgendwo als Begleitperson.

Zum Frage des Eintritts: Es geht nicht, dass beide umsonst oder ermäßigt rein kommt. Einer muss voll zahlen, egal wo.
LG Jaqueline
Spastische Tetraparese, Kyphose
Mann: Epilepsie (VNS seit 2008)
Tochter: * 01/2015 und ET 2020

Für immer im Herzen.


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